Chur-(Splügen)-(San-Bernardino)-Bellinzona

Nach den Nacht-Passfahrten über Furka und Oberalp und einer von Martigny nach Lausanne war irgendwie mal wieder eine fällig, zumal ich noch Ferientage vom Vorjahr abbauen muss. Nachts heisst automatisch: wenig bis null Verkehr, kein Sonnenschutz und kein Gehörschutz notwendig. Geplante Strecke: Chur-Bellinzona, je nach Stimmung vor Ort noch mit 2h und etwa 650hm extra zum Splügenpass, der momentan noch geschlossen ist, weil er die Schweiz und Italien verbindet. Hier die gefahrene Strecke: https://ridewithgps.com/trips/49690001

16:56 Uhr Abfahrt in Wil, 17:48 los in Chur, erstmal zum Burger King (McD kurz vorher hatte nur Takeaway ohne Sitzplatz), das grösste Menu bestellen, was sie da hatten. 19.20 Franken sind schon ordentlich bepreist, aber dafür hatte die Fanta auch 0.75l. Anderthalb Stunden später hatte ich wieder Hunger. Es ging flach los, erstmal einrollen auf einer Strecke, die ich sonst nur vom Zug kannte. 1000hm in Andeer, in Splügen bei 1479m.

Es wurde dunkler, die Tunnels und Strassen immer leerer, 22:30 etwa in Andeer, Mitternacht ungefähr in Splügen. Meine Marschtabelle hatte als Ziel den ersten Zug durch den GBT Richtung Norden um 06:02 in Bellinzona ergeben, bei Umweg via Splügenpass 2h extra, also 08:02 Uhr ab Bellinzona.

In Splügen kamen mir zwei Besoffene aus einer Beiz entgegen. Sonst menschenleer und relativ dunkel. Die bisherigen geschätzten Zeiten hatten gut gepasst, ich war warmgefahren, also links hinauf Richtung Splügenpass.

Nach anderthalb Stunden war ich dort oben, also kurz vor 02 Uhr nachts. Der Pass war gesperrt, am Zoll kurz vor der Passhöhe bin ich einfach durchgefahren, die Schranke war oben und das Fussgänger-Verboten-Schild hab ich ignoriert. Für motorisierte Fahrzeuge war sowieso baulich verbarrikadiert worden, wohingegen ich einfach um die Barriere herumgehen konnte. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich mich nach Italien absetzen können. Aber wer will schon nach Italien?

Nach kurzem Tenuewechsel (die Temperatur war ungefähr auf dem Gefrierpunkt, bei Eisflächen bei der Auffahrt hätte ich kehrtgemacht) ging es schnell wieder abwärts.

Durchfroren kam ich wieder in Splügen an und fand ein WC am Parkplatz Flütsch — mit Handwärmer, der mir während einer halben Stunde sehr gute Dienste leistete. Trotzdem ging es durchfroren weiter, aber bald wieder aufwärts Richtung San Bernardino. Ungefähr um 02 Uhr nachts ist alles echt schwierig; das Wachbleiben, die Temperaturregelung, die Sicht sowieso. Die meiste Zeit der Aufstiege bin ich bequem ohne Licht gefahren, manchmal musste ich es nur anschalten, um mich selbst wachzuhalten. Ab und zu raschelte es mal im Gebüsch neben der Strasse, Augen funkelten im Standlicht des Scheinwerfers, oder es stand auch mal ein Reh auf der Spur. Gegen 04 Uhr begann schon die Morgendämmerung, ab da wurde es wieder einfacher. Die ersten Bergspitzen waren schon früh hell erleuchtet (Schnee) und gegen 05 Uhr war ich oben auf der Passhöhe San Bernardino.

Wieder die Bekleidung gewechselt, kurz verweilt, geprüft, in welche Richtung das Wasser fliesst (Europäische Hauptwasserscheide mal wieder). Zeitlich hat alles gepasst, 50km lagen noch vor mir, was mit den negativen Höhenmetern dazu für eine bequeme Ankunftszeit vor dem 08:02-Uhr-Zug reichen sollte.

Laghetto Moesola, San Bernardino, Passhöhe 2066m.

Der Zug war obendrein noch der “neue” Stadler-Giruno. Schöner Zug, aber nur vier Velostellplätze bei 11 Wagen? Zumal man ohne Raumverlust locker vier Hängeplätze statt zwei Stellplätze pro Zugseite hätte unterbringen können. Da man ja eh reservieren muss, sieht man ja vorher, ob noch Plätze sind. Dass die auch noch vier Wagen von der ersten Klasse entfernt sind, ist ein Luxusproblem — der Zug war am 27.05. 08:02 Uhr eh fast leer. Umstieg in Rotkreuz und Zürich, 10:55 in Wil. 11:15 im Bett.

Epilog: Glocken mitgezählt (4x hoch = volle Stunde, 1x tief = 13 Uhr?), mich geärgert, dass ich so kurz geschlafen hatte, kurz aufgestanden und mich gewundert, dass es stockfinster war. Ah. 01 Uhr nachts 😀 13h am Stück geschlafen. Hab dann doch noch um fünf Stunden verlängert, Mittwoch hatte ich einen offiziellen Ferientag im System eingebucht 🙂

Chur-(Albula)-(Maloja)-(Bernina)-Samedan

Tag 1

Tourstart war am 20.05. um 04:30 Uhr in Wil, erster Zug nach Chur um 04:56 Uhr, weiterschlafen bis Altstätten mit GA und Swisspass auf dem Tisch. In Chur gab’s erstmal Kaffee. Danach ging es quasi aufwärm- und einrollfrei los, nach 750m begann die Steigung Richtung Lenzerheide. Warum ich diese zusätzlichen 900hm (bzw. 600hm netto) eingebaut hatte, anstatt über Reichenau und Thusis zu fahren, ist im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar. Lenzerheide kenne ich nur als Skigebiet ohne Bahnhof, da komme ich wohl eh so schnell nicht mehr hin.

Der allererste Zug… Ganz schön früh.

Kurz vor Lenzerheide war ich im Spar noch volltanken. Ich fand schon in Deutschland, dass SPAR ein als Imperativ verkleideter Euphemismus ist. Aber hey, ein Wurst-Käse-Salat zum halben Preis, davon hätte ich noch zwei mehr genommen.

Es ging wieder runter bis nach Filisur (von 1500 auf 900m), Brienz gibt es auch in GR.

Brienz/Brinzauls

Im Tal kam irgendwo noch ein Golfplatz rechterhand vorbei. Drei Leute spielten, einer war grad am Abschlag. Hier hätte ich mir wirklich eine airzound gewünscht, Einsatz grad wenn er zum Schlag ausholt 🙂 Hinter Bergün/Bravuogn begann der Aufstieg zur Passhöhe, anfangs häufiger mit der Rhätischen Bahn als Begleitung, bevor diese dann hinter Preda im Albulatunnel verschwand. Die Tunnelbaustellensteinmurmelbahn dort kenne ich schon zur Genüge, aber nur von der Gleisseite, nicht von der Strassenseite.

Unterwegs war sonst nicht viel, keine Galerien, keine Tunnels, später wurde es steinig, nachdem die Vegetation so ab 2000m stark nachliess. Gegen 14:45 Uhr war ich oben, perfekt zur Kaffeezeit. Menschenarm, wie gewünscht, aber das Ospizio war bedient! Also Kaffee und Nusstorte bestellt. Später kam noch jemand dazu und hat mich kurz zu meiner Strecke befragt, konnte mir direkt auch sagen, wieviel Höhenmeter ich da etwa gemacht hätte.

Die steinige Landschaft oben hat mich an Island erinnert.

Könnte auch Island sein.

Die Abfahrt ins Engadin ging natürlich schnell. Die Bremsen haben bisher keine Probleme mit der Gesamtmasse und scheinen standfest zu sein. Es wurde wärmer und bunter. Und sonnig (natürlich, im Engadin scheint immer die Sonne).

Der harte Teil des Tages war geschafft, jetzt kam noch die Kür bis zum Malojapass, der “hinten” runterführt nach Chiavenna/IT. Weil ich genügend Zeit hatte, bin ich ganz gemütlich durch Samedan, St. Moritz und die anderen Dörfer da gefahren. Pause gemacht in Samedan Plaz und, nun ja, mit der Streetmachine ging das nicht, aber die Speedmachine ist ja deutlich tiefer:

Ähm, man kommt so auf Ideen, wenn man tiefer liegt 😀

Mit etwas Übung und besserem Augenmass geht das dann auch noch viel flotter unter der Schranke durch. Die vorhandenen Zuschauer haben auch so schon belustigt zugeschaut.

Der Verkehr war später dann nervig, weil sehr viele Frontalieri (it. Grenzgänger) in dieselbe Richtung unterwegs waren. Witzigerweise natürlich alle in langen Autokolonnen, in denen jedes Auto nur mit einer Person besetzt war. Dafür gab es neben mir wieder Munggä am Weg. Vorbei am Hotel Cristallina am Lej da Segl (=Silsersee) bis zum Maloja und später wieder zurück zum Hotel.

Grad das hintere Ende vom Silsersee hat mich total an Norwegen erinnert. Ist halt Süsswasser und kein Fjord, und wir sind auf 1800m Höhe, aber sonst sehr ähnlich. Am Hotel: einchecken (gebucht einen Tag vorher), es der Liege bequem machen, duschen, essen gehn. Die Pizzoccheri waren grad richtig — generell ist ja die Engadinerdiät so voll meine, da alles sehr kalorienhaltig. Die Portion hätte etwas grösser sein dürfen — aber eine doppelte hätte nicht mal ich heute geschafft ohne Beschwerden hinterher, und das will was heissen. Die Corona-Essabteile im Restaurant fand ich super! Man ist quasi wie im Cubicle für sich allein beim Essen, total unbeobachtet, kann die NZZ lesen und dem allgegenwärtigen Italienisch zuhören.

Tag 2

Die Nacht war geruhsam, 05:30 Uhr mit Magenknurren aufgewacht, Frühstück aber erst ab 07 Uhr. Also bin ich kurz zum See runter, um die Füsse reinzuhalten.

Pünktlich 07 Uhr war ich zum Frühstück, hatte vorher schon alles gepackt, so dass ich 07:35 Uhr gleich abfahren konnte.

Von 1800hm auf 1700hm runter und dann wieder rauf auf gut 2300m bis zum Berninapass, das war der Plan. Danach runter bis zum Abzweig zur Forcola di Livigno und mal schauen (war ja gesperrt). Der Berninapass von Norden her ist ja gefühlt total flach, 3-4% Steigung, nur kurze Abschnitte mal steiler, kaum Serpentinen, die Bahn fährt meist parallel mit. Die Bahnhöfe kannte ich alle schon 🙂 Kurz nach 10 Uhr war ich schon oben.

Immer wieder schön auch der Lago Bianco, da war ich ja schon häufig genug. Was mich schon etwas beunruhigte, war, dass ich immer nur zwei aneinandergehängte RhB-Triebwagen gesehen hatte — bisschen wenig, wenn es da mit Velo voll werden sollte und da ich eigentlich ja bis Poschiavo hinunter und von dort wieder heimfahren wollte.

Erstmal bin ich aber wie geplant auf der Südseite vom Bernina wieder runtergefahren bis zum Abzweig nach Livigno. Dort war tatsächlich die Zollstation direkt unten (und nicht auf der Passhöhe) und alles verbarrikadiert und mit Kameras verdongelt. Da war mir das Risiko dann doch zu hoch, dass mich der Grenzschutz holen kommt. Wenn jemand da gewesen wäre, hätte ich mich kurz abgemeldet und hoch und heilig versprochen, wieder runterzukommen 😉 Statt jetzt aber nach Poschiavo hinunterzufahren und dort zu riskieren, dass ich nicht in den Zug komme, habe ich mich andersrum entschieden. Also bin ich die 300 Höhenmeter zum Bernina wieder retour geklettert, dabei gab’s wieder Marmota Marmota in Massen zu sehen und zu hören.

Beim Lukmanierpass war mir das noch viel stärker aufgefallen, dass die Vegetation und der Charakter der Landschaft nach der Passhöhe sprunghaft ändern. Beim Bernina ist das aber auch sehr deutlich gewesen, noch durch den Wind auf der Nordseite verstärkt.

Wie erwartet nahm auch der Verkehr stetig zu, es gab inzwischen sehr viele kantonsfremde Kontrollschilder, es wurde mir zu laut und zu voll. Die Abfahrt auf bekannter Strecke bis Samedan ging fix vonstatten. Bei der kargen Landschaft hätte es vom Fahrgefühl her auch in Neuseeland oder Tasmanien sein können (jeweils weiter oben in den Bergen).

13:16 Uhr konnte ich bequem die Fortbewegungsart auf meterspurig wechseln, bin quasi die gleiche Strecke mit dem Zug wieder retour gefahren und war 17 Uhr wieder in Wil. Mit den FV-Dostos (siehe erstes Foto) haben sie jetzt an diesen Ausflugstagen mit dem (sogenannten) schönen Wetter schon Kapazitätsprobleme mit Velos, was auch in der App angezeigt wird. Die Velostellplätze über den ganzen Zug mit zwei Plätzen pro Wagen zu verteilen ist bei punktuell sehr hoher Nachfrage halt unpraktisch. Wieder so Probleme, die nur entstehen, weil viele Leute gleichzeitig dasselbe machen wollen.

Diese zwei Tage bin ich mit meinem schon lange vorhandenen Gehörschutz gefahren — sehr angenehm, sowohl was Wind als auch insbesondere den Lärm anderer Fahrzeuge angeht.

Hier noch die vollständige Galerie:

Wil-(Schwägalp)-Wil

Man sitzt beim Frühstück*, ist auf dem Arbeitslaptop irgendwie von der zentralen Datenbank ausgesperrt, kann also nicht arbeiten. Daheim rumliegen? Besser draussen. Also hab ich noch Noten und Orchesterpost abgeliefert und bin danach eine kleine Runde gefahren: https://ridewithgps.com/trips/48531434 (mit 1800 Höhenmetern deutlich mehr als letzte Woche über den Flüela).

*Lustigerweise wurde die Tour 2012 auch so ausgelöst.

Ich bin vermutlich noch nie ab Fischingen bis Mühlrüti hinaufgefahren, immer nur in Gegenrichtung, weil es da lange und stetig flach bzw. bergab geht (typischerweise sinkt auf diesem 14km-Teilstück das Tempo nur an zwei Stellen unter 30km/h). Hochfahren geht aber auch, ist schön schattig und war heute verkehrsarm mit vielen Entdeckungen am Wegesrand.

Danach ging es quer rüber, irgendwo musste ich über die Thur und hab mich dann fürs Neckertal entschieden, das bis St. Peterzell recht gemächlich ansteigt. Dann links abgebogen nach Urnäsch, Anstieg etwa 300 Höhenmeter mit 4-6%. In Urnäsch gab’s eine Coop-Pause, bevor es weiterging hinauf zur Schwägalp.

Gehörschutz wäre heute sehr angebracht gewesen, es waren massiv zweirädrige Lärmschweine unterwegs, teilweise auch im Organspender-Fahrstil. Einige hab ich dann direkt beim Rauf- und Runterfahren zweimal gesehen. Können die das nicht auf einer Rennstrecke statt auf öffentlichen Strassen machen? Postauto kam keins (das hat aber auf der Strecke wohl keine Erschliessungsfunktion und ist noch eingestellt).

Bis zur Talstation der Säntisbahn hab ich mich nicht noch hochgelegen, das Gasthaus auf der Passhöhe war geschlossen und daher verwaist, perfekt.

Die Strecke hinunter nach Neu St. Johann war ich so noch nicht gefahren, Vmax waren 85km/h, danach kamen noch etwa 30 gemütliche Kilometer durchs Toggenburg wieder bis nach Wil. Ich bin spontan auch mal der 95er-Veloroute gefolgt, die ist gar nicht so schlecht, hat zwar mehr Höhenmeter, aber ist fast verkehrsfrei. Die Dörfer da sehen teilweise wie amerikanische Strip Villages aus: eine Durchfahrstrasse mit zusätzlichen 10m Asphalt auf beiden Seiten zum Parken, dann Geschäfte, aber die Strasse in der Mitte nicht mal breit genug, dass genügend Sicherheitsabstand zum Überholen bliebe. Bazenheid ist da ein ganz grausames Beispiel, wie man geschätzte 20m lichte Strassenbreite komplett (!) neu (!) asphaltieren kann. Geht schon, ist halt einfach nicht schön. Viel Spass im Sommer dann.

Interessanterweise scheint das “Kernfahrbahn”-Konzept manchmal doch zu funktionieren. Die aufgemalten Velostreifen auf der Strasse sind zwar viel zu schmal und schützen mich genau null (Abstand schützt, nichts anderes), aber möglicherweise bewirkt die optische Verengung der Strasse doch irgendwie, dass die Hinterherfahrenden (bei 30km/h+ (d.h. Tempo 30 wäre auch noch eine gute Sache)) nur überholen, wenn von vorn frei ist. Komische Psychologie.

Samedan-Landquart via Flüelapass

Das Wetter sah heute morgen zwar daheim auch gut aus zum Draussen-Herumliegen, aber mental war ich schon auf eine kleine Passtour eingestellt und hatte auch so gepackt. Viele Pässe sind noch nicht offen, aber der Flüelapass ist es. Daher: Anfahrt von 06:56 bis 10:45 Uhr und Tourstart in Samedan, da war es dann auch schon angenehm warm, sonnig, mit blauem Himmel.

Hinunter durchs Engadin, 32 fast steigungsfreie Kilometer bis Susch.

Ich hatte grad letzte Woche einen der Schweizer Filme eines Festivals gesehen, “Suot Tschêl Blau“. Geht um die 80er Jahre im Engadin, mit Drogenszene, etc. Natürlich alles in lokaler Originalsprache — und: mit französischen Untertiteln. Doch recht anspruchsvoll zu verstehen. Aber der Titel (Unter blauem Himmel) passt wie die Faust aufs Auge. Fast immer.

Zu den Bahnhöfen musste ich diesmal nicht jedesmal abbiegen, meine Tour nach Ascona hatte ja letztes Jahr auch in Zernez gestartet: https://dc.georgruss.ch/2019/10/08/zernez-ascona-bilder-strecke/20191003-02-zernez-bahnhof/

Irgendwann musste ich dann links abbiegen, 13km bis zur Passhöhe wurden angezeigt. Netto-Fahrzeit für die Steigung waren 2h, d.h. knapp 500 Höhenmeter die Stunde. Um das kleine Kettenblatt vorn war ich froh 🙂 Der Track: https://ridewithgps.com/trips/48186079 Den Sitz hatte ich für die Auffahrt auch steiler gestellt, das ist für den Blutdruck doch angenehmer, wenn der Kopf noch über den Füssen ist.

Es überholten mich 28 Töffs und 82 weitere Fahrzeuge, d.h. etwa ein Fahrzeug pro Minute Aufstieg. War noch angenehm vom Verkehr her. Im letzten obigen Foto mit der Schneewand war die Stille fast unheimlich, nachdem ich den Tretsound abgestellt hatte.

Oben war ich nach einem Oberkörperstriptease auch wieder warm und trocken angezogen, damit ich bei den 12km nach Davos hinunter nicht erfrieren würde. Kleidung war gut, Tempo auch. Nach 19 Minuten (brutto, abzüglich PiPi-Ampelpause) war ich wieder um 900 Höhenmeter ärmer in Davos, das Maximum von 75km/h hab ich auch da irgendwo erreicht. Es geht einem immer so schnell die Strasse aus bei dem Tempo. HPV = Höhenmeter-Powered Vehicle 😉

Die Strecke durchs Prättigau kannte ich schon von den Bahnhofsfotos, ist sehr idyllisch, aber auch mit (anfangs) viel Verkehr, und wenn man so durchrauscht, kommt man gar nicht zum Fotografieren. In Klosters und vor Saas i.P. hab ich noch Halt gemacht, danach ging’s recht fix bis Landquart meist der Landquart entlang.

Mein Tourplan war wieder so konservativ gemacht, dass ich mit dem direkten Zug um 19:22 Uhr kalkuliert hatte. Ich war aber locker vor 17 Uhr am Bahnhof, hab mich in Ruhe umgezogen und bin dann von Gleis 4 elektrisch und menschenleer heimgerollt.

Das 29.-Februar-Problem

Als ich letztes Jahr meinen Velopass erneuert habe, habe ich das bewusst so gelegt, dass der letzte Gültigkeitstag der 29.02.2020 sein würde. Manchmal gibt es ja so bestimmte Sachverhalte, bei denen der Programmierer zu faul ist, sie zu berücksichtigen, weil sie nur alle vier Jahre oder auch nur zweimal im Jahr (Zeitumstellung) auftauchen.

In der App hat alles gestimmt.

Es sah alles so einfach aus und war es am Ende auch. Aber es führte zu Verwirrung. Eigentlich hatte ich beim Velopass einen Unterbruch drin — letzter Gültigkeitstag 29.02., neu bestellt ab 15.03. (nach der Sizilienreise). Da wir nun aber aus Risikovermeidungsgründen doch nicht gefahren sind, hab ich den Velopass am Schalter noch auf “nahtlos im Anschluss gültig” geändert, also ab 01.03.

Im Thurbo nach Wattwil hab ich mich schon fünf Minuten lang auf die Kontrolle gefreut, bevor sie endlich bei mir war 😀 Und zack: der Kontrolleur sieht auf seinem Display einen Velopass gültig bis 28.02.2020, dazu ein storniertes Abo ab 15.03. und ein weiteres gültiges Abo ab 01.03.2020. Die letzten beiden Punkte sind korrekt, der erste Pass nicht, der ist einfach ein Systemfehler. Wir haben uns dann eine Weile unterhalten, ich hab ihn sogar gebeten, dass er mich bitte aufschreiben soll (damit die SBB-(Thurbo? externe Entwicklung?)-IT mal ein teures Ticket dafür kriegt!). Später bin ich noch mit dem Bild aus der App zu ihm, wo ja alles gültig angezeigt war. Und dann hab ich mich schon auf weitere Diskussionen in weiteren Zügen gefreut.

Schade, im Panoramaexpress war bei dem Kontrolleur in der App mein Abo bis 29.02. korrekt angezeigt (haben die andere App-Versionen?) — dafür war nur noch das stornierte ab 15.03. drin, nicht das bereits erneuerte ab 01.03. Das kann aber eine einfache fehlende Synchronisation sein. Und: ein anderes Bahnunternehmen. Vorher Thurbo, jetzt SOB. Na solange sie pünktlich fahren und Veloplatz haben, ist mir das egal. Auf dem späteren Heimweg kam mich der allererste Kontrolleur nochmal prüfen und musste grinsen 🙂

Eigentlich hatten wir noch eine Ersatztour geplant, aber wegen eines platten Schlauchs wurde daraus nur ein Spaziergang nach Rapperswil.

Rapperswil, 16 Grad, sonnig.

Nach einer ordentlichen Stärkung im dieci’ (wo alle Italienisch sprachen) hatte ich noch im Kopf, bis nach Sargans zu fahren und dort in den Zug nach Wil zu steigen.

Nicht ganz Sizilien, aber auch schön.

Hinter mir zogen allerdings dunkle Wolken auf und der Wind kam immer von vorne. Bei 5km Abstand zu Ziegelbrücke (und 7-8km/h Tempo) hab ich eine 180°-Wende eingelegt und bin mit etwa 35km/h bis nach Uznach geflogen und dort in den Zug gestiegen.

Linthgebiet, Gegenwind nicht abgebildet.

War wohl auch gut so, später kamen Sturm und Regen bis nach Wil.

Le Punt — Umbrailpass — Tirano — Le Prese

Die Nacht auf dem CP war ruhig, nebenan rauschte ein Fluss und es gab Bodenfrost. Abfahrt gegen 08:30, subito Einstieg in die Passsteigung, also war ich schnell warm. Kalkuliert hatte ich 3h für 1100Hm, das passte auch. Leider hatte ich keine Sonne oben, sondern bedeckten Himmel und Wind. Der Blick nach links zum Stilfserjoch zeigte Schnee, und laut Plan wollte ich ja eh wieder runter. Mein Mini-Serpentinenfahren hat die Strecke von 13 auf 15km verlängert und entsprechend die Steigung reduziert. Ist angenehmer so als immer mit 10%.

Nach vielen numerierten Kurven/Kehren abwärts wurde es langsam wärmer, die Leitplanken waren nicht mehr verzinkt glänzend, sondern rostig braun und in Bormio gab’s einen Zmittagshalt, der sich auch zum Zelttrocknen eignete. Oben auf der Passhöhe war ja leider alles geschlossen. Velofahrer waren auch noch einige ausser mir unterwegs.

Ab Bormio bin ich meist auf dem Sentiero Valtellini unterwegs gewesen, einem etwa 2m breiten glatten Asphaltband abseits der Strassen und meist auch kreuzungsfrei, ähnlich wie der Tösstalradweg. Ab etwa 10km vor Tirano kannte ich die Strecke schon, von der Tour über den Passo del Mortirolo. Es waren kaum Leute unterwegs, mittlere Geschwindigkeit um 30km/h, ich hatte noch Höhenmeter zu vernichten.

Weil ich faul war und nicht wieder von 450 auf etwa 1000m rauffahren wollte, gab’s ab Tirano bis Le Prese die RhB. Der Zugbegleiter hat mich bei Erblicken meines Schwerlastgefährts gleich nach vorn in den niederflurigen Allegra geschickt — hätte ich auch allein so gemacht 🙂 Die Strecke auf der Strasse ist nicht sonderlich schön und ich seh sie ja morgen wieder, wenn ich via Tirano weiter Richtung Lago di Como rolle.

Übernachtung in Le Prese fast am Lago Poschiavo auf dem Campingplatz. Die Badeschlappen aus dem Nachtzug sind sehr praktisch (insb. auch leicht), weil ich in den neuen Veloschuhen nicht besonders gut laufen kann.

Nach einem 10km-Abstecher zum Shopping nach Poschiavo und einer Runde am Nordufer waren das heute 85km und 1200Hm in 6:08h Fahrzeit. Gestern zum Vergleich 37km, 938Hm und 3:11h Fahrzeit. Die Dusche läuft mit 50 Rappen 3min, ich war vorher fertig; der CP kostet 15.30 Fr., aber berechnet haben sie 16.80. Kleinkram, und ich hab es nur der Ordnung halber hinterher angeschaut. Immerhin bin ich den ersten neuen 100er problemlos am CP und den zweiten neuen Hunderter am Coop-Automat losgeworden.

Zernez — Pass dal Fuorn — Sta. Maria

Kann man in der Lotterie auch ein Ereignislos ziehen? So gestaltete sich jedenfalls die Fahrt bis Zernez. Einmal umsteigen nur in Landquart, drum hab ich ja den Startort so gewählt. Die neuen Taschen haben mehrere Vorteile: man kommt immer an fast alles ran, wenn man aufmacht, es ist nicht nur ein grosser senkrechter Sack wie ein Backroller. Bis 65km/h alles stabil, darüber mangels freier Strecke noch nicht probiert. Taschennachteil: man muss immer fast alles befestigen und schliessen, bei den Backrollern wirft man alles rein und kann quasi offenlassen.

Nach der Ausfahrt aus dem Vereina war alles sonnig, ich war schon zwei Stunden früher als geplant abgefahren, somit war genug Zeit, noch im Coop Nussbrezeln und Nusstorten zu kaufen. Für erstere haben die beiden Kassiererinnen aber wirklich alles gegeben, dass sie die auch in die Kasse tippen konnten. Fünf Minuten später hatte ich zwar zwei bezahlt, bin aber nur mit einer ungegessenen rausspaziert. Draussen hat mich noch jemand gefragt, ob das nicht un(!)bequem sei auf dem Liegevelo. So herum hatte ich die Frage noch nie gehört.

Ab Zernez ging es gleich aufwärts, mit stossweise mehr Verkehr, aber meist ganz okay. Nach 850 Höhenmetern war ich schon oben am Pass dal Fuorn (Ofenpass). Der letzte Kilometer hatte etwa 10% Steigung. Wegen Auskühlung bin ich fix wieder hangab weitergerollt. Die vordere Bremse hatte ich grad wieder durch die vorherige Julie HP ersetzt, weil bei der MT der Hebel kaputt war. Naja, Beläge hatte ich keine neuen mehr, also müssen die jetzt tun, die drin sind. Quietscht.

Die Taschen haben wegen der Breite auch den Vorteil, dass ich absteigefrei an der Leitplanke anhalten kann. Parallel fahren, stoppen, nach rechts kippen, fertig. An sonstigen Pfosten ging das vorher auch schon.

Nach 4h Fahrzeit war ich schon am Campingplatz in Sta. Maria angekommen, alles blitzsauber, geduscht, Meldeschein ausgefüllt, 17 Fr. bezahlt, fertig.

Meine Marschroute hab ich natürlich daheim gelassen, aber wichtig ist die eh nicht, das meiste ist im Kopf. Der tieftemperaturgeeignete Schlafsack ist diesmal dabei, nicht so wie im Val de Joux bei der Bahnhofsfototour mit Nachtfrost.

Als ich oben am Pass noch eine PET-Flasche zerdrückt und entsorgt habe, fiel mir wieder die Szene aus dem aktuellen Programm von Ursus & Nadeschkin ein, wo sie das als ein typisches Schweizer Geräusch bezeichnen. Stimmt, ist mir in Neuseeland genau so passiert. Ich hörte das auf einem Campingplatz und da wusste ich Bescheid, wo die herkommen.

Lavey-Saanen, Bahnhöfe Teil 2

Also ein bisschen anders war das Ziel heute doch, aber nicht weit von Zweisimmen entfernt. Nach 75km hatte ich keine Lust mehr, wie gestern angedeutet noch nach Zweisimmen zu fahren.

Die anderen beiden Gäste, die gestern noch im Hotel ankamen, haben sich natürlich für das Liegevelo interessiert, es war ja auch sonst niemand da zum Quatschen. Hab ihnen das also so gut wie möglich auf Französisch erklärt und sie haben natürlich auch dieselben Fragen gestellt wie alle anderen Leute auch (confort? visibilité? long parcours? etc.) Als ich meinte, dass ich nur cent kilometres heute gemacht hätte, haben sie etwas ungläubig geschaut, aber ich hab ja nicht gelogen.

06:50 klingelte der Wecker, mit lautem cleats-klack-klack-klack bin ich die 50 Stein-Treppenstufen hinuntergelaufen und hab mir ein rudimentäres Frühstück eingeworfen. Reguläres Frühstück wäre erst ab 08 Uhr möglich gewesen.

07:34 war ich schon in Massongex (hatte noch kein Bahnhofsfoto, was will man sonst da?) und bin dann das brouter-Routing ignorierend über die laut Karte und Realität vorhandene Rhône-Brücke gefahren, dabei 2km kürzer als das Routing. 07:45 war ich in Bex und dort ging um 08:04 der Zug Richtung Villars-sur-Ollon. Skifahrer stiegen ein und stellten ihre Ski/Boards hin, während ich ja schon drin war. Genug Platz war vorhanden. Ab Bévieux ging es als Zahnradbahn weiter, rauf von etwa 400m bis auf 1250m nach Villars.

Kurzer Umstieg, erstmal gefragt, ob ich mit dem Velo in die Bahn nach Col-de-Bretaye kann und als das  mit “oui, naturellement” zu meiner (erwarteten) Zufriedenheit beantwortet worden war, hab ich noch meinen SwissPass gezeigt (Sichtkontrolle! Ha! er hatte RFID-Augen?) und bin eingestiegen. Kurz danach merkte ich, dass mein Routing so noch nicht möglich war: Schnee statt Wege und ich hatte weder breite Pneu noch Spikes. Aber halb so wild, die Bahn fährt ja im Viertelstundentakt, also hab ich oben das Bahnhofsfoto gemacht und bin dann gleich wieder runtergefahren. Die Stationen an der Strecke gingen auch mit Tele sehr gut, so dass die Panoramafreiheit kein Problem sein sollte. Die Fotos dürfen wegen Lizenzgründen nicht von Bahngelände aus gemacht werden.

Die Abfahrt ab Villars war dann schnell erledigt und auch teilweise recht steil, aber sehr schön. Ich bin abseits der Strasse direkt zum Fluss runtergefahren und dort im Tal abwärts. Zwei unabhängig funktionierende und standfeste Bremsen sind absolut notwendig bei teilweise >25% Gefälle über längere Streckenabschnitte. Ohne Bahnhofsfotos wär ich hier niemals auf die Idee gekommen, durch das Tal zu tingeln.

In Bex rief mich um 11 Uhr die Nachbarin von daheim an wegen ein paar Abklärungen. Es gibt am Dienstag Glasfaser 🙂

Der Spruch zum Wallis “Ins Herz gemeisselt” trifft es recht gut, klasse Werbekampagne. Irgendwo hatte ich aber eh schon eine ganze Weile vorher die Kantonsgrenze VS-VD überschritten, was wiederum für die mehrheitlich gesprochene Sprache noch keinen Unterschied machte. Die Hunde bellten immer noch bonjour und hatten zwar erst Anlauf auf mich zu und dann am Ende doch Schiss, die letzten 50cm noch zu machen.

11:56 ging’s in Aigle aufwärts nach Les Diablerets auf etwa 1200m. Ich hab ab 11:35 Uhr noch den Coop Pronto erleichtert und war dann gut verpflegt unterwegs. Immer wenn die Hunde kamen, hatte ich aber grad kein Würstchen parat, das muss ich mal noch anpassen.

Weil ich wieder Höhenmeter vermeiden wollte und den Fahrplan kannte, artete das Fotospielchen für den Bahnhof Les Echenards in Stress aus. Erst 50 Höhenmeter aufwärts und dann 70 abwärts, immer mit der Uhr im Blick, weil der Zug zurück nach oben um 13:37 fahren sollte. Aber 70 Höhenmeter abwärts in zwei Minuten sind kein Problem. Zug erwischt und wieder rauf bis Les Nicolets und von dort die Panoramaroute nach Saanen (mit noch ein paar Bahnhöfen am Ende).

Wunderschön ruhig, am Anfang 300 Höhenmeter hinauf, dann auf 1445m auf der Passhöhe eine Pause gemacht. Es war alles da: Cabrios, Motorräder, Rennvelos, Liegevelo und hinter mir parkierte grad ein Raupenfahrzeug auf der geschlossenen Schneedecke laut piepend aus. Merkwürdige Kombination von Mobilitätsbedürfnissen insgesamt.

Weiter ging es flott abwärts bis Château-d’Oex. Dort hab ich noch ein bisschen weiter geplant und bin dann drauf gekommen, dass es eigentlich bis nach Saanen reicht. Die Temperaturen gingen wieder runter, die Nachmittagssonne war schon schwächer und mir haben die 75km auch gereicht. Also gemütlich das Tenue in Saanen gewechselt, in den Zug und heim via Zweisimmen, Bern, Zürich. Lockere 4h und die erste Veloreservierung im IC5 für dieses Jahr gelöst 🙂

Martigny-Chamonix-Genève-Lausanne

Oder auch: VS-GE sans VD*

Ich habe mal wieder keine Ahnung, wie ich drauf kam. Die Frage nach dem warum stellt sich mir auch einfach nicht. Einfach losfahren. Der Plan: Nachtfahrt von Martigny (links unten am Rhôneknick im Wallis) via Chamonix und dann abwärts bis nach Genf, Verlängerung nach Lausanne. Ge(brouter)schätzte 200km, es waren am Ende 195km, Startzeit 21 Uhr und Ankunft 10:50 in Lausanne, es hat also alles geklappt

*sur voie de terre 🙂 und auch nicht via Evian
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Sion-Furka-Oberalp-Disentis

In Sion herrschten 36 Grad Celsius, aber im McDonalds war es angenehm und das grosse irgendeinBurger-Menu für 14.90 kam diesmal mit Fanta, wegen voraussichtlichen Kalorienbedarfs später. Im nächsten Ort lag ein Coop am Weg, wo ich mich mit Getränken und Energielieferanten eingedeckt habe. 3.5 Liter Süssgetränke haben bis Andermatt gereicht. Die 200g-Schokolade schmolz hitzebedingt zu einem Klumpen zusammen.
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