Von Buchs zum Rheinomikron

Es wird ja wieder wärmer und das Rheintal hat noch viele unbesuchte Tiles zu bieten. Also bin ich heute von Buchs auf vielen Umwegen nach Rorschach gerollt: gut 100km und 750 Höhenmeter. Es waren zehn Grenzübertritte* dabei, eine 200m lange und sehr steile Wanderung mit Cleats, viel Rheindamm und bisher unerkundete Strecken in der flachen Rheinebene. Am Ende wurde es windig von vorne, nach dem Abbiegen Richtung Rorschach aber war’s wieder gut.

Mittagspause war in Oberriet, die Raupe Nimmersatt hatte ihre Vorräte aufgefressen und brauchte Sofortnachschub. Zum Hieressen oder zum Mitnehmen? Beides.

Ein bisschen Offroad war auch dabei, alles noch prima fahrbar, bremst halt nur etwas.

Irgendwann muss man sich bei den Tiles echt beschränken, da ist so eine Live-Karte vor den Augen ziemlich fies, denn “ach, wenn ich schon hier bin, dann kann ich das Tile da drüben auch noch mitnehmen” führt zu vielen Stichstrecken, wie man auf dem Track sieht. Aber man kriegt echt was zu sehen, schaukelt mal durch Wohngebiete oder eben auch durch leere Natur. Klar, dort, wo man die Karre parkieren kann, war’s natürlich wieder voller. Schlussendlich landete ich aber auch am Wasser und bin auf dem Polderdamm weitergefahren. Blöd, dass ich irgendwann mit einer Riesenschlaufe ja noch über den Alten Rhein musste (jetzt erschliesst sich mir auch der nebenan gelegene Ortsname).

In Rorschach hatte ich grad den IR13 verpasst, hab die S-Bahn genommen. Ganz schlau wollte ich dann den 3min-Umstieg von Gleis 6 auf Gleis 1 in SG vermeiden und bin in St. Fiden schon in die nächste S-Bahn umgestiegen, die bis nach Wil fährt. Dummerweise fuhr die heute nur bis Uzwil, wo ich dann doch noch auf den nächsten IR13 gewartet habe. Jänu, war ja egal. Dafür hab ich aber noch das Thermitschweissspektakel aus nächster Nähe am Bahnhof St. Fiden zu sehen bekommen. Ich will auch!

Im Bad daheim ist jetzt immerhin der Lüfter drin. Schön leise, wie gewünscht, der wird auch dementsprechend was kosten. Die Duschkabine (wenn sie denn mal da ist irgendwann) hat einen separaten Bewegungsmelder, so dass der Lüfter eingeschaltet wird, wenn man in die Dusche steigt. Eigentlich hat der Lüfter einen eigenen konfigurierbaren Nachlauf, aber ich hab den elektrisch so angeklemmt, dass ich ihn von extern ansteuern bzw. abschalten kann, wie ich lustig bin.

*hier wollte ich eigentlich noch schreiben, dass das ja idealerweise eine gerade Anzahl ist, wenn man wieder im gleichen Land sein möchte am Ende. Gilt aber nicht bei mehr als zwei befahrenen Ländern.

12×12

Wenn schon mal die Sonne durchkommt, muss man das ausnutzen für eine Max-Square-Lückenschlussrunde. Der Statistik-Quatsch kommt von hier https://statshunters.com/share/2b1a1ea0c308 (Link läuft im Dezember ab) und führt dazu, dass man sehr viel neue Strassen und Wege findet, wo man vorher wegen effizienzoptimierten Routings nie durchgefahren wäre und wo man auch genau deswegen nie wieder durchfahren wird. Das äusserte sich heute z.B. in 1km Wegstrecke mit dauerhaft 12-16% Steigung durch Weinberge nördlich von Weinfelden. Ich würde sagen, die dritte Impfung hat mir leistungsmässig zumindest nicht geschadet.

Dafür gibt es auch genau einen Laden, in dem es niemandem auffällt, wenn man nach 65km kurz vor daheim stinkend und verschwitzt 1kg rezentesten Raclettekäse kaufen geht 😀

So. Weiter ML-Modell bauen jetzt, der Tag ist noch lang 🙂

Bern-Bellinzona, Tag 3

Aufgewacht bin ich schon 05:30 wegen Hunger. Also gab’s ein Birchermüesli und noch ein bisschen weiterdösen. 07:30 hab ich angefangen zu packen, Frühstück gab es erst ab 08 Uhr. Die Velogarage war noch verschlossen. Es waren nicht viele Einheimische im Hotel, weder beim Personal noch bei den Gästen. Bei letzteren war es zu erwarten. Von der Gruppe der vier deutschen älteren Frauen kamen drei zusammen rein und jede ging erstmal zum Kaffeepott. Die vierte der Gruppe kommt rein und fragt die anderen zuallererst, wo denn der Kaffee sei 😀 Ich hab das Buffet nach absteigendem Kaloriengehalt sortiert und dann oben angefangen. Zum Glück stand kein Olivenöl rum. Zur Verdauung soll man sich ja hinlegen. Kaffee kam jedenfalls aus der Thermoskanne.


Um 08:30 war Abfahrt, es war kühl und die Bergspitzen waren beleuchtet. Viel war nicht los um die Uhrzeit. Der Gotthard von Andermatt aus entpuppte sich als ziemlich flach, ich konnte sogar mal im zweiten Gang fahren.

Irgendwann bin ich auf die alte gepflasterte Passstrasse gewechselt, auch wenn die direkt mal die Trittfrequenz von 80 auf 70 gesenkt hat. Schlechter Belag bremst einfach. Puls:Trittfrequenz = 2:1


Bald wurde es windig und noch kälter, einige Windräder mischten die Wolken auf. Auf der alten Passstrasse war nichts los, nur ein paar andere Velofahrer kamen noch vorbei, die sah ich dann auch oben wieder. Die Aussicht war oben auch mau, drum bin ich nach dem Foto und dem Umziehen auch wieder weitergefahren, allerdings nicht ohne zwei grad Angekommenen noch das Passfoto zu machen. Die hatten die gleiche Kamera wie ich dabei 🙂


Weil mich die Tremola die paar Kilometer schon genervt hatte, bin ich gar nicht erst auf die Idee gekommen, die runterzufahren. Man hat eh nicht viel gesehen und dann brauch ich das Gerumpel nicht auch noch dazu. Also Speed und Gefälle, zwischendurch trotzdem von ein paar hoppeligen Pflasterabschnitten unterbrochen.

Schnell war ich in Airolo, es war kurz nach 11 Uhr und ich erkannte von der Fahrt über den Nufenen einige Sachen wieder. Um die Uhrzeit wollte ich eigentlich erst oben gewesen sein.


Das Wetter war eh nicht doll, ideal zum Fahren natürlich, aber nicht für Fotos. Also hab ich schon mal im Fahrplan nachgeschaut und für 13:18 Uhr den Velostellplatz reserviert und dann Gas gegeben. Ankunft Bellinzona Stazione um 13:06, umziehen, einsteigen. Dachte ich.


Aaaaaah! Der Zugbegleiter wollte mich nicht reinlassen wegen “Liegevelos im Tunnel und so”. Gibt da tatsächlich eine Bestimmung in den Beförderungsbedingungen. Ich hab ihm dann gezeigt, dass ich das gut einhängen kann, dass es dort steht, wo es hingehört, nichts blockiert und dann kam schon der nächste Velofahrer und hat seins davorgestellt. Da wusste ich, dass ich nicht wieder raus müsste. 
Später hat er mir das noch in den AGB gezeigt:“Der Transport von Tandems, Liegevelos, Dreirädern und weiteren Velos länger als 2m ist aus Platz- und Sicherheitsgründen in IR-, IC- und EC-Zügen der SBB nicht möglich” 
Ja äh, was ist mit Liegevelos kürzer als zwei Meter? Ist mal wieder unklar formuliert. Er meinte dann, dass es egal sei, wie lang das Liegevelo ist, solange es eins wäre. Jänu. D.h. ich bin die letzten fünf Jahre immer auf Kulanzbasis mit Liegevelo im Zug gewesen. Dass ich die SpM auch einfach am Hinterrad senkrecht im EW-IV-Wagen einhängen kann, wollte er mir nicht glauben. Ein Beinbruch wäre jetzt die Nichtmitnahme auch nicht gewesen, ich hätte den Treno Gottardo über die Bergstrecke nehmen können, aber der braucht ja bis Arth-Goldau schon über zwei Stunden statt nur 55 Minuten.


Nach dem Tunnel wieder im Norden war sonniges Wetter, keine Wolke am Himmel. Der Gotthard ist jedenfalls kein schöner Pass. Als Herausforderung okay, aber brauch ich nicht nochmal. Die zweite Röhre vom Strassentunnel war doch für Velos? 😀

Track von heute: https://ridewithgps.com/trips/76270332

Bern-Bellinzona, Tag 2

Wie gestern angekündigt, war das Frühstück all-you-can-eat im self-service und das bereitgestellte lange Brot beim besten Willen nicht zu schaffen. Also hab ich es nicht übertrieben und nur ein paar Brote geschmiert, als Wegzehrung, für in einer halben Stunde 😀


Abfahrt war 08 Uhr in Innertkirchen, es war kalt und ging gleich in die Steigung zum Sustenpass hinein. Bis nach Gadmen ging es hauptsächlich durch den Wald, aus dem noch Nebel aufstieg. In Gadmen wurde es dann sonnig und Zeit für eine Pause an einem Platz, wo auch andere Leute liegen.


Die Landschaft wurde karger und steiniger, war aber noch grün – perfektes Murmeltiergebiet und zack, hörte ich sie auch schon pfeifen, durch den 30dB-Gehörschutz durch.


Das Routing meinte zwischendurch mal was von 900 Höhenmeter auf 9km. Hatte ich mich verschätzt mit der Steigung? Auf durchschnittlich 10% war ich nicht so scharf. Als ich dann mal die Karte langscrollte, war klar, dass brouter irgendwie was durcheinandergehauen hat und mich auf einen alten Parallelweg ohne Serpentinen schicken wollte. Mit den Serpentinen wurde die Strecke wieder länger und mit 6-8% geeignet flach.


Es war relativ wenig Verkehr am Susten, hauptsächlich einheimische BE- und UR-Schilder plus ein paar obligatorische Lärmschweine. Und natürlich regelmässige gelbe verglaste Schrankwände, die man Postauto nennt.
13 Uhr war ich oben auf der Passhöhe nach 1600m Aufstieg.

Ein paar Rennvelofahrer waren auch noch da. Einer von denen, dem Dialekt nach ein Österreicher, hatte das Pech, von einer technisch total naiven Frau dazu ausgefragt zu werden, was es denn für so einen Pass brauche für eine Schaltung, und ob die Zahnräder hinten nun grosse Gänge oder kleine Gänge heissen und was ein Cityrad ist, ob man mit dem auch hier hochfahren könne (seine Antwort “klar, mit viel Kraft und Training”). Auch seine Antwort auf ihre Frage, wie langsam man denn hochfahren könne, fiel logisch und knapp aus: “Bis man umfällt”; nur mit dem österreichischen Dialekt klang das sowas von freundlich, das hätte bei mir anders getönt (aber nicht inhaltlich). Ich war schon umgezogen für die Abfahrt und als sie dann auch noch vielsagend in meine Richtung auf mein Velo schaute, ersparte ich ihr und mir die Diskussion um Anzahl Gänge, die Rohloff, das Fahrgefühl und was weiss ich noch alles und lag mich aus dem Staub über die Kantonsgrenze BE-UR.

Im Bild direkt überm Velo ist die lange bremsarm rollbare Überholgerade.


Die Abfahrt nach Wassen war nicht ganz so liegevelokompatibel wie die vom Nufenenpass nach Oberwald, aber gemütlich mit 70 an zwei Rennvelos vorbeiliegen, die auch mit Untenlenkerhaltung nur so etwa 55 fuhren, hat was. Einen Volvo-Zweitakter (gibt’s das? stank wie einer) liess ich auch noch rechts liegen und die Abfahrt war eh schnell vorbei.

In Wassen bin ich in Ermangelung eines Cafés ersatzweise mit Cola glücklich geworden. Wieder umziehen, 500 Höhenmeter Steigung lagen vor mir. In Göschenen muss man ja tatsächlich komplett durchs Dorf fahren – bergauf hatte ich auf verbotene Umfahrungsstrasse mit Tunnel keine Lust. Der Teufelsstein steht jedenfalls noch an Ort und Stelle. 


Weiter oben, nach ein paar hundert Metern auf der Passstrasse, kam die Abzweigung auf die neue Veloroute, die sie asphaltiert abseits der Passstrasse noch in das enge Tal gezwängt haben. Schön gemacht, ein 1-1.5m breites Asphaltband, gut fahrbar. Vor ein paar Jahren bin ich da mit den Kindern noch durch die Baustelle gewandert, von Andermatt durch die Schöllenenschlucht nach Göschenen. Im Mittel hat die Strecke wohl so 10% Steigung, dafür ist sie aber nicht sehr lang. An einer Stelle ist sogar die Rampe der Passstrasse extra untertunnelt worden, beleuchtet und natürlich mit Bewegungsmelder ☺️ Wenn man will, kriegt man alles sehr gut fahrbar hin, nur in Wil kriegen sie keine Bahnhofsunterführung für Velofahrer hin.


Nach dem Russendenkmal und der Teufelsbrücke kam nur noch ein bisschen Galerie zwischen Strasse und Bahngleisen der MGB.


16 Uhr war ich am Hotel, einchecken, duschen und dann noch eine Runde rausgehen. Im Gegensatz zu den fast 2300 Höhenmetern heute kommen morgen nur 700 bis zur Gotthard-Passhöhe, danach dann aber viel Strecke.

Trackaufzeichnung: https://ridewithgps.com/trips/76227815

(Weiter mit Bern-Bellinzona, Tag 3)

Bern-Bellinzona, Tag 1

Weil Corona mir den Kalender geleert hat, sowohl was Meetings als auch was Orchester angeht, hatte ich plötzlich fünf Tage lang keine zwingenden Termine mehr. Trockenes Wetter in anderen Landesteilen war angesagt. Der Kurzplan Mi-Fr ist Bern-Bellinzona über Susten und Gotthard, mit Verlängerungsmöglichkeit ins Wochenende.

Am Vortag hab ich die Reifen nochmal kontrolliert und entschieden, nach der Tour zu wechseln. Ich würde ja im Inland mit ÖV-Anschluss unterwegs sein, da wäre ein Totalausfall weniger kritisch. Kette wurde gereinigt und geölt, ganz schön viel Dreck in SG/TG.


Die Billettkontrolle im Zug war erheiternd. Ich hatte diverse gültige und noch nicht gültige Abos auf dem Swisspass und auf Papier und der Kontrolleur brauchte drei Sekunden länger als üblich. Der Dosto stand nach mehreren Reboots schon eine Viertelstunde länger als geplant im HB und ich hatte mich grad zum Umsteigen entschieden, als der Zug doch noch abfuhr und wir nur mit 15 Minuten Verspätung in Bern ankamen.

Zwei Übernachtungen in Innertkirchen und Andermatt waren vorab reserviert. Erst hatte ich wieder über Zelten nachgedacht, aber Schlafsack, Zelt und Isomatte brauchen dermassen viel Platz, dass ich Backroller statt Frontroller hätte nehmen müssen.

Aus Bern war ich schnell raus, die Tramschienen bis Wabern waren etwas lästig, danach war’s besser. In Belp kreuzte ein Fuchs die Fahrbahn. Es war warm und sonnig und links von mir das Aaretal. Pause und Aufmunitionierung war in Uetendorf BE, heute vermutlich ohne Rösti, denn der sollte ja t(h)unlichst an der Session sein.


Apropos Thun: da bin ich quasi rechts vorbeigefahren, aber natürlich mitten durch den Waffenplatz. Ziemlich schnell kam dann schon Spiez, ich war auf der südlichen Seeseite bis Interlaken unterwegs. Teilweise parallel bzw. fast auf der Nationalstrasse mit meist recht flüssig fahrbaren Spur- und Seitenwechseln. Irgendwie rollt die Speedmachine schneller als die Streetmachine, so war ich auch durch Interlaken schnell durch und habe auf der Nordseite des Brienzersees am Camping Ringgenberg Kaffeepause gemacht. Es kam grad ein Wohnmobil mit Kontrollschild VS zum Einchecken, aber als der Gast sich anmeldete, klang er sehr wie ein Urner. Das stellte sich dann auch als zutreffend heraus – geliehenes Wohnmobil. Oben über dem See flog ein Kampfjet, unten fuhr ein Kursschiff, alles wie immer. Die quasi inhalierte exzellente Rhabarberwähe von Anna’s Best war irgendwie in Brienz schon wieder verpufft.



Brienz zog also vorüber, der Militärflugplatz Meiringen ebenso, bald war ich an der Aareschlucht und hatte nur noch den 150 Meter hohen Kalksteinriegel zu überwinden. Danach konnte ich direkt bis ins Hotel ausrollen.



Einchecken mit Covid-Zertifikat: ich hab meins natürlich ausgedruckt und laminiert, der QR-Code lässt sich auch in Kreditkartengrösse noch einlesen. Ich warte noch drauf, dass ich mit jemandem mal diskutieren kann, weil sie ja nicht auf meinem Handy rumscrollen können, um die Echtheit mit den Augen zu überprüfen 🙂 Zum Checken gibt’s die entsprechende App und auch NUR die App. Draufschauen reicht nicht. Jänu, es war alles ordnungsgemäss, das Hotel ist dafür maskenfrei, sehr angenehm, so wie im Büro seit Montag auch. Die Leute werden sich auch da dran gewöhnen, genau wie mit dem Rauchverbot damals. Die Mehrheit ist geimpft und dafür, nur von denen schreit ja niemand laut rum. Die Bedienung mit Maske ist wegen Angst vor Spritzen nicht geimpft, aber hat grossflächig Tattoos. Hä? Ach egal 😉



Ich hab Zimmer 4, das Velo steht auf der gegenüberliegenden Strassenseite in einem Abstellraum, der draussen mit einem Plakat “Ja zum Jagdgesetz” dekoriert ist. Der Beweis, dass es hier ländlich ist? Während ich dusche, beginnt es ab 16:30 Uhr in Strömen zu regnen. Gutes Timing.

Innertkirchen hat tatsächlich einen Dorfladen. Weil das Wetter für einen Spaziergang zu unbeständig war, bin ich mit der MIB einmal nach Meiringen und zurück durch den Aareschluchttunnel gefahren. Abendessen gibt’s halt erst ab 18 Uhr und die Aprikosentasche vom Volg hat auch nicht lange gehalten. Dabei war ich nicht mal lange unterwegs, keine 100km und so etwa 1000 Höhenmeter: https://ridewithgps.com/trips/76174301

Zum Znacht gibt’s Älplermagronen und zwei Portionen Pommes als Sättigungsbeilage 😉 Morgen dann Frühstück à discrétion, weil am Donnerstag die Küche geschlossen ist. Mal schauen, was so mengenmässig da ist. Bis nach Wassen sollten die Vorräte eigentlich reichen.

(Weiter zu Bern-Bellinzona, Tag 2)

Umgebungsrunden und Routing

Bevor’s in die Sommerferien geht, noch ein paar random impressions aus den letzten paar Wochen Velorunden in der Umgebung.

Sonnenuntergang 09.08.

Neulich hab ich das “alte” Motorola G5 vorgekramt und einfach mal ein google-freies Lineage OS (Android 11) draufgespielt. Das bekommt ständig neueste Updates, läuft sogar noch halbwegs performant und von den Google-Diensten kann man ja weg migrieren. Aber dabei merkt man auch, welche Apps nicht mehr gehen, weil sie auf das Google-Services-Framework (GSF) aufbauen oder einfach weil man sie im Play Store gekauft hat. Und wenn kein Play Store und kein Google-Account mehr drauf ist, laufen halt die Apps nicht. Für die Homeautomation hab ich MercurySSH im fdroid gefunden, was man mit einem json-File konfigurieren kann. Ich achte immer drauf, dass man Einstellungen exportieren kann, weil es den Wechsel des Endgeräts deutlich schneller macht.

Eine von den Apps, die nicht mehr gehen, ist in diesem Fall Locus Map Pro, gekauft im Play Store für einen einmaligen Betrag vor ein paar Jahren. Ja Pustekuchen, das lässt sich zwar installieren, aber beim ersten Start benötigt es irgendwelche Sachen mit GSF und das scheitert. Darüberhinaus hat Locus auf ein Abo-Modell umgestellt, das es mir die 24 EUR im Jahr nicht wert ist. Also Umstieg auf OSMAnd. Brouter geht, Offline-Karten gehn, mit der Bedienung freundet man sich auch an. Und es gibt coole konfigurierbare Icons, anhand derer ich weiss, in welchem Brouter-Routing-Modus ich unterwegs bin 🙂

Die Standardrunde ist inzwischen auf 50km gewachsen und hinreichend optimiert: https://ridewithgps.com/trips/72759237 je nach Vegetation anpassbar, momentan verdeckt der Mais an gewissen Schnellfahrstellen die Sicht, so dass ich unnötig stark abbremsen muss. Und weil OSMand irgendwie doch schneller neu berechnet, hab ich die Runde mal noch andersrum erlegen: https://ridewithgps.com/trips/72929318 wenig Verkehr und auch dort noch gewisse Optimierungsstellen, aber sehr schön fahrbar.

Unsere ehemaligen Mobiliar-Büros am Lamprechtweg in Oerlikon sind inzwischen Wohnungen.

Es ist doch ganz gut, die Arbeitskollegen alle mal wieder physisch zu treffen, in Oerlikon oder in Bern. Wenn es die Lage zulässt, läuft das auf zwei Tage in Bern (mit oder ohne Ü) hinaus und einen halben in Oerlikon. Produktive konzentrierte Arbeit weiterhin und wie vorher schon daheim; Emails, Meetings, Essen, Treffen, Quatschen an den Direktionsstandorten oder unterwegs. Oder in der Aare. Der Morgenspaziergang aus dem Gästehaus in Wabern ins Büro an der Aare ist auch ganz nett und mit Zeitvorteil sogar schwimmbar.

Immer noch bisschen viel Wasser in der Aare (Marzili).
Berghaus Diavolezza

Jetzt geht’s dann erstmal (wieder) hier rauf. Für ausländische Gäste ist der Schweizer ÖV tatsächlich abartig teuer. Für erstklassig Wil-Diavolezza-Wil sind es als Streckenbillett 588 Fr. (2 Erwachsene, 1/1), mit Swiss-Travel-System-Halbtax und Streckenbilletten 534 Fr., mit dem Swiss Travel Pass 738 Fr. und mit dem Interrail One-Country-3-Tages-Pass etwa 380 Fr., also so wie im Juli schon mal gemacht 🙂

Die Datensammlung vom Haus wächst stetig, aber es ändert sich nicht mehr viel. Eine leichte Nachkorrektur bei Datenfehlern in der Erfassung anhand der Quartalsabrechnung, aber alle Nebenkostenschätzungen, die ich so vor einem Jahr angestellt habe, passen sehr gut, von daher bietet das Haus bisher keine Überraschungen.

Brig-(Grimsel)-(Brünig)-Luzern


Frühstück (ja, mit zwei Ü, wir sind im Oberwallis!) gab’s schichtweise und in Gruppen — nicht wegen Corona, sondern weil Daniela sonst nicht hinterherkommt mit dem Bedienen. Ich war wieder mit dem Herrn vom Vorabend am Tisch. Das Essen war süper güet und ausreichend für die ersten Kilometer. Die Bezahlung haben wir per Twint direkt am Küchentisch bargeldlos erledigt. 80 Fr. für ein Zimmer mit Halbpension sind ganz akzeptabel.

Die Strecke, die ich am Tag zuvor so schön hinuntergerauscht war, habe ich mir mit dem Zug geschenkt und bin bis Oberwald gefahren. Notiz fürs nächste Mal: schon in Obergesteln aussteigen, weil man sich das zweifache nicht barrierefreie Treppensteigen in Oberwald damit erspart und die Strecke zwischen Ober-(wald|gesteln) flach ist.

Fahrstart war also gegen 11 Uhr, der Plan war, 13 Uhr auf der Grimsel-Passhöhe zu sein. Es waren viel weniger Höhenmeter als am Freitag, die Steigung war viel angenehmer; sechs Kehren, und dazu schöne Aussicht auf den Furkapass am Berghang vis-à-vis. Der Rhonegletscher war auch schon mal deutlich näher am Hotel dran.

Die Aussichten zwischendurch waren schick, ist vielleicht doch besser, das nicht nachts zu fahren.

Oben war alles voller Leute, also bin ich schnell weitergerollt. Am See auf der Passhöhe hab ich noch gelegentliche Ruhe genossen, später kam der Grimselstausee mit seinem hellblaugraugrünen Wasser. Es folgte eine rasante Abfahrt bis Innertkirchen.

Aber dann türmte sich eine nicht umfahrbare Steigung auf. Nanu? Ah. Rechts die Aareschlucht. Viel Höhenmeter waren es nicht, aber jetzt hab ich auf die harte Tour gelernt, wo die Aare herkommt, das war mir vorher gar nicht so bewusst. Bis zum Brienzersee hinauf war’s mir klar, aber dass die vom Grimselsee kommt, wusste ich nicht.

Hinter Meiringen (noch ohne Umspuranlage) ging es gleich wieder rauf auf den Brünig, 400 Höhenmeter; der Pass ist im Wesentlichen ein ziemlich hässliches Verkehrshindernis. Zur Begrenzungsinitiative würde ich als Velofahrer vermutlich “kommt-drauf-an” sagen, denn die einzigen, die mich immer mit Anstand und Abstand überholt haben, waren die Ausländer. Wenn man die danach selektieren könnte, dürften sie rein. Aber es war immer relativ unkritisch, bin halt Kampflinie gefahren, so dass Überholen einfach nicht geht. Und wenn sich eine Schlange hinter mir gebildet hatte, hab ich halt an der nächsten Möglichkeit ™ Platz gemacht.

Mit dem Brünigpass kam der Kantonswechsel Bern-Obwalden — da bin ich vielleicht insgesamt erst ein- oder zweimal mit der Zentralbahn durchgefahren. Der Lungernersee und der Sarnersee waren schon ganz nett anzuschauen.

Die Strecke war fast nur noch flach, die Veloroute am Vierwaldstättersee ist unter den gegebenen Platzverhältnissen gar nicht mal so übel. Hinter Hergiswil war ich dann im Kanton Luzern und hab mit manuellen Eingriffen (“hee, das da ist doch viel kürzer!”) das Routing zu verbessern versucht, was es aber nicht wirklich besser machte. Bei der Anfahrt auf den Bahnhof fuhr grad parallel der Voralpenexpress rechts neben mir ein — also bin ich gar nicht erst bis zum Bahnhofsvorplatz gefahren, sondern gleich durch den Seiteneingang rein in den Bahnhof und in den Zug, umziehen. Noch zwei Tage, und mein Trikot fängt an zu leben.

Umstieg in Wattwil, kurz nach 21 Uhr daheim. Der Track. Steigrate gestern 436hm/h, heute 462hm/h.

Bellinzona-(Nufenen)-Brig

Los ging’s nach Bellinzona am Freitag um 06:34 ab Wil, Abfahrt dann in Bellinzona um 09:30. Wegen Hinweis auf Schwerverkehr am Simplon hatte ich kurzfristig noch die Route geändert auf den Nufenenpass, aber das Ziel blieb Brig, weil ich dort auch schon beim Hof Schmeli ein Zimmer reserviert hatte.

Ich hatte unterschätzt, dass ich bis Airolo ja schon gut 1000 Höhenmeter zu fahren hatte. Von denen war aber gar nicht so viel zu bemerken, ein paar Steigungen, wenig Verkehr, ein enges Tal, das im Wesentlichen aus der Bahnlinie, der Transitautobahn und einer oder zwei Strassen besteht. Die Infrastrukturbauten für die Autobahn sind eindrücklich, auch wenn ich die wohl nie vom Autobahnniveau her sehen werde. Hinter Biasca verschwand schon ein Teil der Züge im GBT, hinterher gab’s dann nur noch TILOs zu sehen, oder was halt so die Gotthard-Bergstrecke fährt. Auf der Autobahn vor dem Gotthardportal war Stau. Nichts Neues.

Bei irgendeiner Tankstelle hab ich noch spontan Mittagspause gemacht und zwei San Pellegrino plus Bananen und Wasser ein-/aufgefüllt.

Danach wurde es zäh; 1400 Höhenmeter wollen ja irgendwie gefahren sein. Ich hätte mir mehr Strecke gewünscht, weil die 8-10% Steigung zwar im kleinsten Gang bei 65-70rpm machbar sind, aber nur mit Puls >150 über Stunden. Meine Zeitschätzung lag mit der Ankunft auf der Passhöhe nur 15min daneben, gar nicht übel für 8.5h Fahrzeit bis rauf. Die Murmeltiere hab ich sogar durch den Gehörschutz gehört, und das Postauto-Dreiklanghorn auch — es hätte sogar eins gegeben über die Nufenenroute. Ab 16 Uhr wurde es merklich ruhiger, der Verkehr liess nach.

Mein Stop war nicht lang, nur winddichte Jacke angezogen und hinunter ins Tal. Es waren 14km in 14 Minuten 🙂 Der GPS-Track stimmt mit mir überein, dass ich da in der Abfahrt meinen Temporekord übertroffen habe. Es sind schön lange Geraden, wo einem nicht immer gleich die Strasse ausgeht.

In Ulrichen hab ich die Jacke wieder ausgezogen und bin links abgebogen, weiter hinab bis nach Brig. Diese Strecke ist mit der Speedmachine sensationell gut zu fahren, fast alle Ortsdurchfahrten, bei denen es am Ende wieder bergauf geht, sind mit Schwung fahrbar — kein Vergleich zur Streetmachine, mit der ich das auch ausprobiert hatte. So war ich 19:10 Uhr schon in Brig — und dann kamen noch elende 800m mit 15% Steigung. Ich hatte die Übernachtung eigentlich so ausgesucht, dass ich die vom Simplonpass herunter anrollen kann, aber vom Nufenen gab es keine andere Möglichkeit. Das Wasser war auch 2km vorm Ziel leer.

Und schon in Brig, nach 800m Anstieg mit 15%.

Dafür wurde ich nett empfangen, hab mein ebenerdiges Zimmer bezogen, geduscht und dann stand schon das Essen auf dem Tisch. Mein Tischgefährte war aus Zürich unterwegs ins Tessin (mit ÖV), kurz vor der Pensionierung und hatte das klassische Problem, seine Säule 3a in genau einem Topf zu haben, der er en bloc beziehen muss. Zum Essen gab’s Gschwellti mit lokal angebauten Walliser Tomaten, sechs Sorten Käse und Drumherum, ein Bier und sonst Wasser. Perfekt zum Auftanken. Hinterher Tiefschlaf.

Der Forumslader war bei 65% (Start bei 95%) wegen der vielen langsamen Bergfahrten, viel Licht und permanent angehängtem Smartphonenavi. Nicht übel für 12h unterwegs, meist ausserhalb des Tempobereichs, in dem am meisten Energie erzeugt wird.

Auch interessant: bei brouter kann man ja die Fahrzeugmasse und die Schuhgrösse Leistung eingeben und es berechnet am Ende auch die Fahrzeit. Auf der gefahrenen Strecke machen 10W Leistungsunterschied oder 10kg Masseunterschied jeweils etwa 25-30min Zeitunterschied für die Gesamtfahrzeit aus. Abnehmen? Motörli anbauen? Nabendynamo umpolen? 🙂

(Sorry, Titelkorrektur nach Veröffentlichung)

Luterbach-Wil

It was so nice, I did it twice 😀 Ich brauch meine Strecken nicht mal mehr aufzuzeichnen, weil die Zeiten im Brouter-Profil fast auf die Minute genau stimmen: Luterbach-Wil (vm-forum-liegerad-schnell) Ansonsten auch hier auf ridewithgps.com. Knapp 160km, 06:30h Fahrzeit, Schnitt >24km/h, 07:30h Brutto-Fahrzeit mit einem längeren Kaffeestop nach einer Höhenmetervernichtungsorgie in Baden. Ab Rümlang war wieder alles bekannt, trotzdem hab ich noch hier und da etwas optimieren können. Landschaftliche Schönheit: heute vernachlässigbar, dafür mit Schoggikuchen (Brösmelisensitivität bei mir: null), ohne Sonne und perfekter Rolltemperatur. Ein paar Folgen von SRF Kontext geschafft, dazu noch das Echo der Zeit, ein paar Fotos. Die letzte Fahrt auf dieser Relation ging via Züri Langstrasse, diesmal hab ich Zürich weiträumig umfahren (von Seebach abgesehen). Und diesmal war der Liegevelofahrer, den wir auf der letzten Fahrt vorbeirasen sahen, auch beim Fest 🙂 Und ein Milan war auch da, wirklich ganz viele normale Leute 😀

Neue Smartphone-Halterung

Die bisherige Supermagnet-Halterung hat sich als sehr praktisch erwiesen, aber einerseits stört sie den Magnetkompass und andererseits hat sich eins meiner Smartphones bei nicht mittig angebrachter Halterung während der Fahrt doch verdreht. Die Lösung kommt in Form der Garmin-Edge-Halterungen daher: universelle Trägerplatte plus universelle Lenkerhalterung. Die Trägerplatte wird an eine Smartphone-Hülle geschraubt, die Halterung an den Lenker. Auflegen, 90° drehen bis zum Einrasten, fertig. Jetzt muss es nur noch eine Testfahrt überstehen.