Insurance Innovators Summit 2022

Business-Dress 🙂

Die letzte Business-Konferenz ausserhalb der Schweiz, auf der ich war, war Insurance Innovators Counter Fraud im März 2019. Mittwoch/Donnerstag war ich mal wieder in London auf einer Veranstaltung desselben Veranstalters, aber ohne Spezialthema Betrugsbekämpfung, sondern allgemein ein “Insurance Innovators Summit”. Laut Werbung waren 75% der Teilnehmer C-Level oder höher (also Management), dementsprechend gab’s wenig Inhaltstiefe für Leute wie mich. Vermutlich wäre ich da sonst auch nicht hingefahren, aber sie hatten mich für eine Paneldiskussion eingeladen, die wiederum vom Thema Betrugsbekämpfung handelte. Das war ganz witzig, bisschen mit Mikrofon rumzulaufen und praktischerweise das Konzerthemd vom Sonntag gleich nochmal anziehen zu können. An die Diskussion anschliessend gab es auch ein paar nette Kontakte, aber nichts Weltbewegendes. Ansonsten gab’s halt wieder den üblichen kapitalistischen Blödsinn zu hören, und insbesondere bei der Autoversicherung jede Menge davon. Auch ganz sustainable ist natürlich, dass man inzwischen Holzbesteck nutzt und wegwirft und aus ökologisch produzierten Pappbehältern isst, die man hinterher wegwirft; anstatt dass sie im Catering in einem extrem grossen Konferenzzentrum mal vernünftiges waschbares Geschirr und Besteck nutzen würden.

Besser war eigentlich das Drumherum: beim letzten Mal hatte ich (bzw. der Arbeitgeber) für eine Nacht im Hotel 480 Fr. gezahlt. Dieses Mal hatte ich lieber ein airbnb gemietet für 650 Fr. für drei Nächte, und auch noch für drei Personen, weil ich aufgrund meiner Speaker-Tätigkeit gratis noch Arbeitskollegen mitnehmen konnte. Bei Konferenzgebühren >1200 EUR pro Person macht das schon was aus. London scheint leiser geworden zu sein, und die Luft scheint auch besser zu sein, seit sie viele Strassen durch Velorouten ersetzt haben. Ist immer noch nicht so, dass ich da aus freien Stücken hinfahren würde, aber es ist erträglich — und es sind extrem viele Bromptons unterwegs. Vielleicht ist mir das ohne eigenes Faltvelo vorher aber nur nicht aufgefallen.

Was richtig gut ist: bei der Tube und allem, was von Transport for London kommt, kann man sich das Kaufen von Tickets jetzt komplett sparen. Man kann an den Ein- und Ausgangsschranken, wo man eine Oyster-Card oder seine Fahrkarte einlesen muss, jetzt einfach mit irgendeinem seiner kontaktlosen Bezahl-Geräte durch. Also z.B. Kreditkarte auflegen und beim Rausgehen wieder auschecken, fertig. Keine Regstrierung notwendig, kein Tarifwirrwarr: man bekommt am Ende einfach den günstigsten Tarif berechnet. Wenn man mehrmals am Tag fährt, ist der Preis halt bei der Tageskarte gedeckelt, je nach Zonen etc.

Wenn man schon mal unterwegs ist, kann man ja auch ins Theater gehen. Ich hatte noch drei Plätze für “Phantom of the Opera” gekriegt, Balkon erste Reihe, perfekte Sicht auf die Bühne und in den Orchestergraben, in dem höchstens 20 Leute waren, jedes Instrument vermutlich nur einmal besetzt und verstärkt. Ich hatte das noch nie live gesehen und es lohnt sich. Viele schöne Effekte, durchdachtes Bühnenbild, bunte und düstere Szenerie, dafür sind 140 CHF nicht zuviel, zumal das damals in Milano im Teatro alla Scala ähnlich teuer war.

Her Majesty’s Theatre, Phantom of the Opera, 2022-11-17

An- und Abreise finden unter Ausnutzung des noch gültigen Interrailpasses statt. Etwa 10h und 1250km Tür-zu-Tür, mit dem extrem nervigen Eurostar dazwischen. Die Planung für das ganze System müssen sie irgendeinem Flugzeugdeppen gegeben haben, weil das genau die negative Benutzererfahrung widerspiegelt, die man beim Fliegen auch hat, nur langsamer. Gepäckscan, Menschenscan, ewig eher vor Ort sein, lange im Terminal rumsitzen, zweimal Passkontrolle (okay, dafür kann nur UK was) und dann zahlt man ja auch noch massiv mehr als für den Flug, und zwar allein für die Reservationen. Ein Flug Zürich-LondonCity hätte etwa 120 EUR gekostet, allein mit den Zwangsreservierungen für Basel-Paris und Paris-London und retour bin ich schon bei 120 EUR. Ohne den Interrailpass hätte dieselbe Fahrt etwa 800 EUR gekostet. Mehrmals umsteigen, jedesmal potentiell Anschlussbruch, Wanderung oder anderer Transfer in Paris (Gare de Lyon -> Gare du Nord oder Est->Nord), da muss man echt gern Zug fahren, um da nicht den Flieger zu nehmen. Reservationspflichten im Zugverkehr sind sowieso das Dümmste, was es gibt, das macht das komplette offene System kaputt. Die Möglichkeit einer Reservation ist hingegen praktisch, dann kann man ohne Stress einsteigen. Und trotzdem stehen die Leute ab 10 Minuten vor Ankunft fast alle im Gang, das ist eine spannende Sozialstudie. Die Internetgeschwindigkeit ist umgekehrt proportional zum Fahrtempo, hab ich so den Eindruck.

Torino

Eine der längsten Mehrtagesbahntouren hatte ich im Juni 2019, als ich in Rom war. Das ist drei Jahre her, und um die schon länger existierende Betrugsbekämpfungsidee doch mal weiter zu bringen, hatten wir jetzt das nächste Meeting bei der Reale Mutua in Torino. Das, was die europäischen Strafverfolger mit ihrem Schengen-Informationssystem schon haben, hätten wir ja als Versicherung auch gern, für gewisse (meist immobile) Objekte mit VIN. Dafür bin ich also am Dienstag gemütlich mit dem Giruno bis Milano und dann mit dem Frecciarossa bis nach Torino gefahren.

Wir haben neuerdings neue SIM-Karten für unsere dienstlichen Notebooks bekommen, Traffic in Europa/USA/CAN alles flat, aber nur 40GB mit Highspeed. Das bietet sich an, das grad mal auszuprobieren, ob es hält, was es verspricht. Innerhalb CH passt die Geschwindigkeit sowieso mit 5G, spannend wurde es ab Chiasso südlich, ich hatte nämlich noch zwei Teams-Meetings 13 Uhr und 15 Uhr. Ungefähr 5min nach Chiasso kam von Sunrise eine Benachrichtigungs-SMS, dass ich bereits für 150 Fr. Roaming-Datengebühren verursacht hätte und dass mein Zugang beim Erreichen von 300 Fr. Gebührenlimit abgestellt würde. Das war dann weitere fünf Minuten später 🙂 Ja Pustekuchen mit unlimited data. Hab dann erstmal im Sunrise-Business-Cockpit ein Datenpaket gebucht für 40 Fr./Monat, und gleichzeitig ein Ticket bei unserem Support aufgemacht, dass die sich drum kümmern sollen. Das Abo läuft ja nicht auf meine Kosten, sondern auf Firmenkosten, und es wäre schön, wenn nicht alle Benutzer erst in diese Falle reinlaufen, sondern auch wirklich für alle (3000? 5000?) Notebooks das per default freigeschaltet wird. Die Grenzwache hat mich nur eines kurzen Profiling-Blicks gewürdigt, Maskenpflicht ab der Grenze war dann auch.

Das zweite Meeting ging von Milano bis Torino online — unterbrechungsfrei, über normales 4G (kein Zug-Wifi), und das bei 300km/h. Da fragt man sich schon, warum das in Deutschland nicht geht.

Angekommen in Turin, gab’s einen kleinen Stadtrundgang, später dann Abendessen mit den Kollegen. Am Ende des Essens (Gericht: La nostra finanziera — Innereien-Eintopf, sehr gut :D) hatten wir eigentlich schon den dienstlichen Teil kurz mit erledigt, es kam aber dann doch noch ein ganztägiges Meeting am Mittwoch dazu. Ich hab wieder neue Leute aus dem eigenen Unternehmen kennengelernt und habe festgestellt, dass man sich auch in anderen Firmengebäuden hoffnungslos verlaufen kann.

Das Hotel war auch nicht weit weg vom historischen Zentrum, die Klimaanlage ging so halbwegs, nachdem ich interveniert hatte, aber es war zum Glück auch nachts noch recht kühl. Grossstadt, Wärme, viele Leute (Eurovision Song Contest 2022), ist nicht so mein Ding. Zwei Geocaches, bisschen Aussicht, Postkarten und Briefkästen (OSM: amenity=letter_box) suchen, Schokolade einkaufen und dann war der zweite Tag auch rum. Heute wieder retour, 1h Umsteigepause in Milano und dann schon dort quasi heimischen FFS-Boden betreten.

Wie beim letzten Mal oder auch im September 2021 war das Beste wieder die Sprachmischung. Die Italiener reden eigentlich nur Italienisch, und wenn sie Englisch sprechen, klingt es auch zu 80% wie Italienisch. Einer von Eurapco kommt von der Gothaer, der kann dann auch nur Deutsch und Englisch. Der andere von Eurapco kommt von der Mobiliar und kann CH-DE und DE und EN. Die zwei Betrugsleute der Mobiliar sind Westschweizer, der eine kann perfekt FR / IT und weniger DE/EN, der andere FR/EN und versteht DE/CH-DE. Und ich sitz ja auch noch rum und verstehe je nach Tempo und Inhalt bis 100% und passe mich sonst dem Gegenüber an.

(geschrieben und gesendet im Ceneri/GBT)

Spontaner Interrail-Passkauf

3 Monate erstklassig unbegrenzt in Europa schienengebunden herumfahren? Für 601 EUR? Geht: https://www.interrail.eu/de/50th-anniversary/next-stop-big-adventure-sale Interrail macht momentan einen Flash Sale, normalerweise würde das doppelt so viel kosten (was aber immer noch nicht besonders viel ist). Ich hab den Pass jetzt gekauft und kann frei entscheiden, wann er startet. Eine mögliche Reise: Sizilien-Narvik, schlappe 5000km. Bzw., ja, natürlich doppelt soviel mit Anreise und Rückreise. Der Pass gilt nicht im Wohnsitzland, was aber für mich keine Hürde darstellt. In anderen Ländern hat man da auch mehr Abstand zur Grenze. Die im FL haben’s auch gut (aber auch nur eine S-Bahn ins Ausland).

Ich vermute, eine Dienstreise Wil-London kriege ich da auch noch unter. Wird dann wieder spannend mit der Abrechnung, welchen hypothetischen Fahrpreis ich verwenden darf. Auch für viele kürzere Dienstreisen ins Ausland würde schon ein Interrail-Pass Sinn machen. Für die Fahrt nach Turin und retour diese Woche bin ich im Normalpreis bei 154 EUR — der 3-Tages-Pass 1. Kl. kostet 169 EUR.

Sprachstatistik der Schweizer Statistiktage 2021

Wenn man eh grad Zug fährt, kann man sich ja auch mal die aufgezeichneten Videos der Schweizer Statistiktage 2021 anschauen und von Hand alle 75 Vorträge nach Foliensprache, Vortragssprache und Moderationssprache kategorisieren 🙂 Fun. Oder Fönn auf Berndeutsch.

Code, Grafiken und Datensatz gibt’s drüben bei github: https://github.com/datacyclist/sst21 Die Moderationssprache hab ich noch gar nicht mit ausgewertet, aber auch so war’s schon nett, nochmal die gefühlte Sprachmischung in den Zahlen bestätigt zu sehen. Das BfS bzw. OFS hat da häufiger knallhart bilingue durchgezogen.

Deutsch führt vor Englisch und Deutsch_Französisch.
In einem Fünftel der Vorträge haben die Sprache der Folien und die Sprache des Vortrags nicht zusammengepasst. Könnte man noch genauer auswerten.

Interessanterweise hat die Farbskala Set2 von RColorBrewer in den Grafiken oben ziemlich viel Ähnlichkeit mit derjenigen des Statistischen Atlas Schweiz, den ich im letzten Beitrag erwähnt hatte. Und auf die Eignung für Farbenblinde hab ich auch gleich noch geachtet — es steht sogar direkt bei den Farbpaletten mit dabei, man muss es halt nur beachten. Das sind dann wohl zwei wertvolle Take-Home-Points der Konferenz.

Schweizer Statistiktage [3]

Am dritten Tag der SST21 kam für mich nicht mehr viel, bzw. einige Sachen muss ich noch in den Videos nachschauen. Wenn ich’s schaffe, mache ich damit auch noch eine statistische Auswertung zu den Sprachen der jeweiligen Vortragsfolien und der Vortragenden. Aber der statistische Atlas 1914-2014 des BfS ist bestellt.

Diese einfachen Grafiken rücken den aktuellen Corona-3G-Impf-Knatsch doch etwas in eine andere Perspektive. Von Todesfällen wegen Scharlach, Masern und Diptherie redet heute wohl niemand mehr. Und die Zahlen in der Grafik müsste man etwa mit dem Faktor 2.5 multiplizieren, weil damals nur 3.3 statt heute 8.5 Mio Menschen in den Landesgrenzen lebten — umgerechnet 15’000 Tote im Jahr allein durch Tuberkulose. Wir haben aktuell während der gesamten Pandemie “nur” 10’558 Tote durch/wegen/mit Covid-19 (Zahlen vom 09.09.)

Und es ist sehr angenehm mit der 3G-Zertifikats-Kontrolle am Eingang. Hat was von der Einführung des Rauchverbots in Kneipen, und es sind vermutlich sogar ähnliche Leute, die sich drüber aufregen.

Schweizer Statistiktage [2]

Wenn sie in Lugano mal nicht die Hauptstrasse an der Seepromenade entlanggelegt hätten, wäre es deutlich angenehmer, sich dort zu bewegen. Um die Jahreszeit ist es mir hier aber immer noch etwas zu warm. Inhaltlich ist natürlich wieder nicht alles mitzunehmen, aber ich hab wieder gute Ideen zu Datenvisualisierungen notiert und sollte auch so einfache Sachen wie Barrierefreiheit bedenken — da gehören auch Farbskalen dazu, die ich vielleicht nicht mit Rot und Grün, sondern lieber mit Rot und Blau machen sollte. Es sind ziemlich viele Behörden und öffentliche Arbeitgeber hier, die sind gesetzlich dazu gezwungen und das macht für alle Menschen Sinn, es gleich richtig zu machen, zumal es mich ja nicht mal einschränkt bei meinen Auswertungen.

Unser Departementsvorsteher des EDI, Bundesrat Alain Berset, war zu einem Kurzbesuch auch da, hat uns 20 Minuten zweisprachig was darüber erzählt, wie wichtig gute, korrekte Daten und Statistiken sind, grad jetzt in der Pandemie (natürlich aber auch sonst). Dass er Humor hat, weiss man ja. Er wurde anmoderiert, dass er neulich in einem Interview auf die Frage, ob er wisse, was es denn in der Covid-Impfung für Inhaltsstoffe drin habe, geantwortet hat: “Nein, aber sicherlich kein Haarwuchsmittel.”

Interessant war auch der Vortrag zur AHV-Statistik, wie die Renten berechnet werden und wie sich Beitragsjahre, Witwenrenten, Plafonierung etc. auswirken. Kannte ich alles schon, war aber schön, das nochmal in Zahlen und Grafiken aufbereitet zu sehen. Die Umverteilung in der AHV ist massiv und aus meiner Sicht okay so. Je nach politischer Einstellung wird halt was anderes behauptet, aber die Zahlen lügen ja nicht. Muss mal noch rauskriegen, in welche Kategorie (CH oder Ausländer) sie Leute reinrechnen, die mehrere Staatsbürgerschaften haben oder ob die umgruppiert werden, wenn sich da was ändert. Jedenfalls werden 68% der AHV ins Inland und entsprechend 32% der Summe ins Ausland ausgezahlt. Weitere Zahlen sind alle online: https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/sozialversicherungen/ahv/statistik.html

Vor ein paar Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen, aber dank Ceneri und GBT kann ich sogar Lugano um 15:02 mit dem Giruno verlassen, um 17:30 an einem Debriefing-Apéro zur SDS2021 in Zürich sein und bin dann um 22:58 Uhr wieder in Lugano für den letzten Konferenztag morgen. Sag noch einer, dass neue Verkehrswege keinen Mehrverkehr erzeugen. Funktioniert mit Velowegen auch, aber bis das die Stadt Wil begreift, dauert’s noch Jahre.

Schweizer Statistiktage [1]

Da ich ja in der täglichen Arbeit zwar als Data Scientist zähle, aber viel mehr mit Statistik als mit Machine Learning zu tun habe, bietet sich mal ein Besuch der Schweizer Statistiktage an. In Lugano war ich ja sonst auch eher liegend auf der Durchreise, diesmal also auch mit Übernachtung am See. Ich hab schon erstaunlich viele bekannte Gesichter gesehen, von Meetups und ähnlichen Treffen im Land. Rein sprachlich ist das eh der Hauptgewinn, man sollte davon ausgehen, mit jeder Landessprache in Berührung zu kommen, plus Mundart und Englisch. Da kommt dann auch die Einleitung zum Grusswort auf Deutsch, das Grusswort auf Italienisch, die Keynote auf Englisch, beim Essen changiert man von Französisch zu Deutsch und umgekehrt und vorlaute Zürcher hört man auch. Kein Wunder, bei der Bahnanbindung ist man ja in 2h da.

Der Keynote Speaker Jürgen Schmidhuber wurde grad live von der Bühne aus angerufen und war noch mit dem Velo unterwegs. Sympathisch, und erzählt gleich erstmal n Witz 🙂

Ach ja: das erste Mal ein 3G-Event. Zertifikat am Eingang vorweisen und dann ist drin alles wie vor Covid. Mal schauen, was der Bundesrat Berset uns morgen so als halbstündige Keynote hier erzählen wird. Und ob er die Konferenz hier als positives Beispiel für die Zertifikatspflicht (die möglicherweise am Mittwoch von oben beschlossen wird) heranzieht.

Umgebungsrunden und Routing

Bevor’s in die Sommerferien geht, noch ein paar random impressions aus den letzten paar Wochen Velorunden in der Umgebung.

Sonnenuntergang 09.08.

Neulich hab ich das “alte” Motorola G5 vorgekramt und einfach mal ein google-freies Lineage OS (Android 11) draufgespielt. Das bekommt ständig neueste Updates, läuft sogar noch halbwegs performant und von den Google-Diensten kann man ja weg migrieren. Aber dabei merkt man auch, welche Apps nicht mehr gehen, weil sie auf das Google-Services-Framework (GSF) aufbauen oder einfach weil man sie im Play Store gekauft hat. Und wenn kein Play Store und kein Google-Account mehr drauf ist, laufen halt die Apps nicht. Für die Homeautomation hab ich MercurySSH im fdroid gefunden, was man mit einem json-File konfigurieren kann. Ich achte immer drauf, dass man Einstellungen exportieren kann, weil es den Wechsel des Endgeräts deutlich schneller macht.

Eine von den Apps, die nicht mehr gehen, ist in diesem Fall Locus Map Pro, gekauft im Play Store für einen einmaligen Betrag vor ein paar Jahren. Ja Pustekuchen, das lässt sich zwar installieren, aber beim ersten Start benötigt es irgendwelche Sachen mit GSF und das scheitert. Darüberhinaus hat Locus auf ein Abo-Modell umgestellt, das es mir die 24 EUR im Jahr nicht wert ist. Also Umstieg auf OSMAnd. Brouter geht, Offline-Karten gehn, mit der Bedienung freundet man sich auch an. Und es gibt coole konfigurierbare Icons, anhand derer ich weiss, in welchem Brouter-Routing-Modus ich unterwegs bin 🙂

Die Standardrunde ist inzwischen auf 50km gewachsen und hinreichend optimiert: https://ridewithgps.com/trips/72759237 je nach Vegetation anpassbar, momentan verdeckt der Mais an gewissen Schnellfahrstellen die Sicht, so dass ich unnötig stark abbremsen muss. Und weil OSMand irgendwie doch schneller neu berechnet, hab ich die Runde mal noch andersrum erlegen: https://ridewithgps.com/trips/72929318 wenig Verkehr und auch dort noch gewisse Optimierungsstellen, aber sehr schön fahrbar.

Unsere ehemaligen Mobiliar-Büros am Lamprechtweg in Oerlikon sind inzwischen Wohnungen.

Es ist doch ganz gut, die Arbeitskollegen alle mal wieder physisch zu treffen, in Oerlikon oder in Bern. Wenn es die Lage zulässt, läuft das auf zwei Tage in Bern (mit oder ohne Ü) hinaus und einen halben in Oerlikon. Produktive konzentrierte Arbeit weiterhin und wie vorher schon daheim; Emails, Meetings, Essen, Treffen, Quatschen an den Direktionsstandorten oder unterwegs. Oder in der Aare. Der Morgenspaziergang aus dem Gästehaus in Wabern ins Büro an der Aare ist auch ganz nett und mit Zeitvorteil sogar schwimmbar.

Immer noch bisschen viel Wasser in der Aare (Marzili).
Berghaus Diavolezza

Jetzt geht’s dann erstmal (wieder) hier rauf. Für ausländische Gäste ist der Schweizer ÖV tatsächlich abartig teuer. Für erstklassig Wil-Diavolezza-Wil sind es als Streckenbillett 588 Fr. (2 Erwachsene, 1/1), mit Swiss-Travel-System-Halbtax und Streckenbilletten 534 Fr., mit dem Swiss Travel Pass 738 Fr. und mit dem Interrail One-Country-3-Tages-Pass etwa 380 Fr., also so wie im Juli schon mal gemacht 🙂

Die Datensammlung vom Haus wächst stetig, aber es ändert sich nicht mehr viel. Eine leichte Nachkorrektur bei Datenfehlern in der Erfassung anhand der Quartalsabrechnung, aber alle Nebenkostenschätzungen, die ich so vor einem Jahr angestellt habe, passen sehr gut, von daher bietet das Haus bisher keine Überraschungen.

Lenk-(Bummerepass)-Adelboden

Vermutlich im März oder April waren in einem Reportagen-(?)-Artikel Karstquellen erwähnt und darunter auch solche in der Schweiz. Mit denen in Vallorbe hatte ich bei den Bahnhofsfotos an einem kühlen Morgen schon Bekanntschaft gemacht, aber dass die Simme da auch so einfach und massiv aus dem Berg entspringt, musste ich doch mal überprüfen gehen. In Lenk bzw. im Simmental war ich auch 2019 schon — und tatsächlich, der damals dort schon herumstehende Fanta-Wagen steht immer noch da.

Der steht immer da?

12:30 war ich in Lenk, ab 18:30 Uhr sollte es oben auf dem Hahnenmoospass im Hotel Essen geben. Für knapp 1000 Höhenmeter und 13km also genug Zeit. Flach ging es los, immer der Simme entlang, von links drangen Alphornklänge an mein Ohr. Andere Menschen? Vorerst Fehlanzeige.

Die Temperatur korrelierte mit der Entfernung zum Fluss. Das wurde noch markanter, als dann irgendwann die Wasserfälle auftauchten. Dort befanden sich tatsächlich auch noch mehr Menschen, welche ich aber hier wieder rausgeschnitten habe 🙂

Direkt links neben den Fällen konnte man steil hinauf laufen, und irgendwo stand was davon, dass die Gemeinde mal die Simme in diesen neu gegrabenen Kanal gezwängt hat, weil’s irgendwo Überschwemmungen gegeben hatte*. Alles menschengemacht hier, siehe u.a. auch Linthebene oder Hochwasserentlastungsstollen Thunersee. Die Wasserfälle weiter oben fand ich eigentlich noch schöner:

*EDIT: spontan auslaufende Gletscherseen am Plaine-Morte-Gletscher sind der Grund, Zeitungsbericht z.B. hier: https://www.berneroberlaender.ch/region/oberland/ausgelaufener-gletschersee-bescherte-der-lenk-viel-arbeit/story/14277498 — mit wunderschönen technokratischen Wortschöpfungen wie Seeentwicklung, Entleerungsverhalten und Schwappschwelle. Merci für den tifigen Hinweis.

Weiter ging’s hinauf, irgendwann kam ein Abzweig nach links zum Hahnenmoospass und nach rechts zu den Siebenbrünnen, wo die Simme in sieben Hauptströmen aus der Wand kommt. Da kamen mir ordentlich viele Wanderer entgegen, aber kein Wunder, es war ja auch schon späterer Nachmittag.

Für eine Pause hat’s gereicht, meine Fitness ist wieder dahingehend angestiegen, dass ich die angegebenen Wanderzeiten auf den Wegtafeln erreiche, aber nicht wie üblich massiv unterschreite. Nach der Pause kam wieder ein Abstieg bis zur Weggabelung und ab dort ging es von 1400 auf 2055m bis zum Bummerepass steil hinauf. Menschen waren dort wie erwartet Fehlanzeige. Kühe waren vorhanden.

Ab etwa 2000m waren die Kollegen Murmeltiere wieder am Pfeifen.

WTF? Ein Wanderer? Gleich mal pfeifen.

Von der Passhöhe auf 2055m (Bummerepass) konnte ich schon gut bis zum Hotel am Hahnenmoospass (1954m?) schauen und meine ETA gegen 18 Uhr war absehbar passend. Also hat’s noch für eine Pause gereicht.

Danach kam nur noch flacher Weg, es zeigten sich Modellflieger am Himmel und die Sonne kam auch nochmal.

Speichersee Brenggen, Hotel Hahnenmoospass.

Die Modellsegelflugzeugbediener waren im Restaurant deutlich lauter als ihre Luftvehikel, aber ich konnte sie gut ignorieren. Für 80 Fr. hatte ich noch ein Einzelzimmer in der Gruppenunterkunft bekommen, was sehr gut gepasst hat, mit Halbpension. Diesmal hatte ich per Email die Buchungsanfrage geschickt und dann drei Minuten später zum Abklären der Fragen in der schon angekommenen Antwort doch lieber noch angerufen. Es geht einfach schneller 🙂 Das Essen war gut und natürlich zuviel. Die Modellflieger hatten wohl ihre eigene Werkstatt dort oben.

Modellfliegerwerkstatt

Nach einer geruhsamen Nacht mit Kuhglockengebömmel aus dem Tal und nistenden Schwalben an einem Nebengebäude war ich 06 Uhr schon wach für einen Morgenspaziergang.

Exzellentes Frühstücksbuffet ab 08 Uhr und ich wollte ja auch wieder runter — viel Auswahl hatte ich beim Abstieg nicht, wenn man das Schild hier anschaut:

Alle Wege führen nach, äh, Geils?

Und dann bin ich doch tatsächlich mit der Option geradeaus gefahren. In Geils kam dann ein Bus, bei dem eine Teilstrecke nicht im GA enthalten war. Darauf war ich nun gar nicht gefasst 🙂 Aber das erklärt vielleicht auch, warum er um 09:53 in Adelboden Post ankommt, wohingegen der Bus nach Frutigen um 09:52 Uhr dort abfährt. Negative Umsteigezeiten sind üblicherweise schlecht für den Anschluss. Also hatte ich noch eine knappe Stunde Zeit, um einmal in Adelboden rauf und runter zu laufen. Wie erwartet: Touri-Wintersport-Saison-Ort, Shopping und Party, eher nicht so mein Fall, kam mir vor wie Grindelwald. Auf der Busfahrt nach Frutigen fiel mir noch das Tropenhaus ein, aber das hat nur Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Na dann… Homeoffice-Heimfahrt via Bern, in Winterthur die Klimaanlage eingeschaltet, in Wil die Kaffeemaschine 🙂

Aareschlucht

Einige Bahn- und Velostrecken muss man doch mehrmals fahren, um ein Gefühl zu kriegen, wo sie genau langführen. Auf der Abfahrt vom Grimsel stand mir damals vor dem Brünigpass noch der Kirchet-Riegel im Weg, durch den sich die Aare in die Aareschlucht gefressen hat. Gestern hab ich die Schlucht auf einem Tagesausflug mit Laptop dabei mal angeschaut. Immer noch wenig Leute, Panoramawagen und der tramähnliche Zug von Meiringen nach Innertkirchen hält fast direkt vorm Eingang zur Aareschlucht im Tunnel.

MIB

Ich bin eine Station später ausgestiegen, in Unterwasser, und dann noch um den Kraftwerksauslass zweier Kraftwerke drumherum gelaufen.

Das Eintrittsticket hatte ich mir zwecks Rabatt schon in Wil gekauft, wobei ich da zwangsweise noch die Reichenbachfälle mit dazubekam im RailAway-Angebot. Auch gut, von denen hätte ich sonst gar nichts mitbekommen. Durch die Schlucht ging’s gemütlich etwa 45 Minuten, es war ordentlich kalt da unten. Etwas merkwürdig wirkten die Maskenpflicht und der zwischendurch in den Fels geschraubte Desinfektionsmittelspender. Könnte man nicht überall, wo jetzt Maskenpflicht herrscht(e), generell ein permanentes Rauchverbot einführen? Das wäre der Volksgesundheit sicher auch nicht abträglich. In der Schlucht gab es eindrückliche Überhänge und Gletschermühlen, schöne Lichtstimmung, aber schwierige Belichtungsverhältnisse. Ich hab versucht, mit HDR noch was rauszuholen, aber irgendwas säuft immer ab und auf Stativ mit Fernbedienung hatte ich keine Lust gehabt.

Hinterher ging’s gleich weiter zu den Reichenbachfällen — Funiculaire hoch und runter, oben viel Gischt und Sprühnebel, kurz bis zum Aussichtspunkt rauf. Kondition ist wieder vorhanden, Atemnot passé, und der Schlafbedarf tagsüber wird auch schon wieder weniger *gähn*.

Nach einem kurzen Anschlusssprint auf den RE in Meiringen ging es gemütlich wieder heim, via Interlaken und Bern, inklusive Znacht-Stop in der leeren Welle am Bahnhof Bern. Gegen 18 Uhr war da früher auch schon mal deutlich mehr los an einem Werktag, und der 18:31-Zug nach Wil war angenehm dünn besetzt. Wieder genau am richtigen Wagen eingestiegen, so dass ich in Wil beim abschliessbaren Veloständer aussteigen konnte 🙂 Strassenzustand und meine Temperaturmessdaten liessen mich vermuten, dass es bis etwa zehn Minuten vor meiner Ankunft ordentlich geregnet haben musste.