Neue Gaspreise ab 2023

Mit der nächsten Preisrunde steigt der Gaspreis nun endlich in versprochene Höhen. Während er in den ersten drei Quartalen noch bei 7.17 Rp./kWh lag, liegt er ab Januar bei 12.6 Rp./kWh, das entspricht einer Steigerung um 76%. Damit wird der Preisvorteil des Heizens mit der Klimaanlage nochmal deutlicher. Und gleichzeitig lohnen sich auch sämtliche Sparmassnahmen wieder/noch mehr.

Die Förderzusage/Verfügung für meine Solaranlage zum jetzigen Fördertarif liegt mir auch schon schriftlich vor, das geht echt fix hier 🙂

Heizung extrem und Solardaten

Dank Klimaanlage hab ich die Möglichkeit, im Winter zwei verschiedene Heizsysteme zu vergleichen. Das Wetter war die letzte Zeit recht stabil, 2-8°C, keine Gäste, da kann man den Wärmebedarf ja mal auf nur Arbeitszimmer reduzieren. Der Rest des Hauses ist unbeheizt, d.h. Temperaturen von 12-14°C in allen anderen Räumen, kuscheliges Hütten-Zelt-Feeling im Schlafzimmer. Da die Hütte bei weitem nicht luftdicht ist, schimmelt auch nichts.

Für die restliche Auswertung gibt’s dann Daten. Wenn ich nur das Büro heize, von etwa 08-20 Uhr, gehen da etwa 3kWh Strom rein. In der Grafik ist direkt noch der Solarertrag pro Tag mit ersichtlich, weil durch die tiefstehende Sonne auch noch recht viel Wärme direkt einstrahlt und den Wärmebedarf verringert — sieht man gut am 29.11. Am 30.11. war ich den halben Tag weg und brauchte weniger Wärme. Kostenpunkt für “nur Büro” also mit neuen Strompreisen ab Januar etwa 90 Rp. Der Raum ist sehr schnell warm, aber die Wärme fühlt sich etwas anders an, es bleibt immer noch bis am Nachmittag fusskalt, was mich aber nicht stört. Das Aussengerät auf dem Dachboden brummt manchmal etwas, aber stört nicht.

Und was ist die Alternative? Gasheizung, also hab ich auch das ausprobiert. Warmwasser abgestellt (15°C Duschwasser gehen gut, wenn man vorher auf dem Rudergerät/Velo war), Thermostate in allen Räumen abgestellt und dann die Gastherme morgens 08 Uhr angestellt und bis 20 Uhr laufenlassen, ähnliche Aussentemperatur. Ergebnis: zwei Kubikmeter Gas, also 20kWh, nur um das Arbeitszimmer zu heizen. Der gesamte Heizkreislauf im Haus wird erwärmt, es dauert länger, bis es warm ist, die Wärme fühlt sich aber irgendwie solider an. Dazu kommt ein leichtes Rauschen der Heizung. Kostenpunkt mit Gas: 2 Fr.

Das ist aber nur in diesem Extremvergleich so. Die Grenzheizkosten, um nur das Arbeitszimmer zu heizen, wenn der Rest des Hauses eh halbwegs warm ist, sind vermutlich bei weniger als der Hälfte davon. Die Arbeitszahl der Klimaanlage dürfte vielleicht bei 2.5-2.8 liegen, d.h. der Wärmebedarf des Arbeitszimmers bei grob 8kWh pro Tag. Und bei noch tieferen Aussentemperaturen wird die Klimaanlage auch ineffizienter, d.h. da geh ich dann auf Gas, was wegen Frostschutz eh nötig ist. Alles ziemlich logisch, und beim Nachschauen der Arbeitszahl hab ich u.a. bei Buderus auch genau diese Schlussfolgerung gelesen.

Was man an den Solardaten auch noch sieht und gut vergleichen kann: unten auf dem Kellertreppendeckel sind 100Wp schräg (30°) installiert, oben an den Fensterläden 200Wp senkrecht. Am 27.11. gab es oben 292Wh, unten 110Wh, entsprechend in der Ausbeute 292Wh/200Wp und 110Wh/100Wp. Höhere Ausbeute = 1.46 / 1.1 = 32%. Im Sommer dann natürlich entsprechend andersrum, aber da kommt eh noch die professionelle Dachanlage.

Dazu passend gab es von heute noch die euphemistisch, wenn nicht gar irreführend betitelte Pressemitteilung meiner Lieblingsstadt* Wil: “Mehr Geld für Solarstromanlagen“. Erst dachte ich “oh gut”, beim Lesen dann “oh schlecht”. Das Ziel ist es, Grossanlagen zu fördern. Damit sie das aber finanzieren können, schrauben sie die Förderung von 600Fr./kWp auf 300Fr./kWp zurück, damit läge meine Einmalförderung für die Investition nicht mehr bei 4800 Fr., sondern bei 2400 Fr. — das ist ein Unterschied von zwei 3-Monats-Interrail-Globalpässen 1.Klasse 😀 Kurze Email an https://junodag.ch/ (normalerweise wär ich kurz rübergegangen) — nächste Woche kann ich das vorbereitete Gesuch unterschreiben und einreichen, so dass die alte/aktuelle Förderung zum Zug kommt.

*Ironie und so, vielleicht waren die 8-10 Jahre Wohnsitzdauer für die Einbürgerung auch eine gesunde Maximaldauer 🙂

Solarpanels senkrecht

Die Solarpanels auf dem Kellertreppendeckel laufen problemlos seit Frühling 2022. Eins der Panels war aber schon von Anfang an eigentlich dazu gedacht, an den Fensterladen montiert zu werden. Weil es aus Symmetriegründen aber besser aussieht, wenn beide Fensterläden vorm Arbeitszimmer Panels dran haben, hab ich vor zwei Wochen per ÖV noch ein baugleiches Panel (Offgridtec 100W-OLP) am anderen Ende des Landes zwischen Thun und Bern abgeholt. Wechselrichter hatte ich insgesamt auch schon drei Stück (einen pro Panel), da war eigentlich nur noch das Befestigen und Verkabeln nötig, das hat etwa 2h gedauert. Die Alu-Fensterläden sind schön leicht, mit vier zurechtgebogenen Winkeln, M5-rostfrei-Befestigungsmaterial und ein paar Blechschrauben war das problemlos zu befestigen und sogar die Kabel liessen sich noch gut rausführen.

Die Wechselrichter habe ich auf einem Brett verschraubt, vielleicht ersetze ich die zwei WR später noch durch einen stärkeren mit Serienschaltung der Panels, das gibt weniger Verkabelungsaufwand und braucht weniger Platz. Die Stromdurchführung nach innen geht per kleinem Bohrloch in der Ecke des Fensterrahmens, da ist es trocken und geschützt. Drin wird der Strom per Tasmota-Sonoff entgegengenommen und gemessen, die Daten in die influx-DB abgekippt. Die WR werden noch mit einem unauffälligen grauen PE-Rohr (oder Dachrinnenende) verkleidet zwecks Spritzwasserschutz.

Die Läden lassen sich auch noch bequem schliessen, obwohl das Panel auf der Seite etwas übersteht. Und falls sich jemand beschweren sollte, ist alles auch innerhalb von sehr kurzer Zeit fast rückstandsfrei rückbaubar.

Sämtliche Verdrahtung funktionierte auf Anhieb. Insgesamt ist das eh nur Spielerei, aber bei etwa 300 Fr. für Panels, Wechselrichter und Zubehör wird sich das sicher amortisieren. Die grosse Anlage fürs Dach ist inzwischen bestellt und kommt 2023.

Langfristig Solarstrom eingekauft

Noch im Sommer, bevor die neuen Strompreise der TB Wil rauskamen, hab ich entschieden, mich am Bürgerbeteiligungsmodell tbw.solar.wil einzukaufen. Für 250 Fr. bekommt man 20 Jahre lang 80kWh Stromgutschrift im Jahr. Ich hab direkt 1000 Fr. investiert und bekomme jetzt dafür 320 kWh jedes Jahr gutgeschrieben. Was wichtig ist: ich bekomme die Menge gutgeschrieben und nicht irgendeinen fixen Preis pro kWh. D.h. bei steigenden Strompreisen wird meine Investition mehr wert.

Nachdem jetzt der erste Monat mit einer entsprechenden Gutschrift abgelaufen ist und ich eine Rechnung habe, sehe ich auch, wie es technisch umgesetzt wird. Was laut Reglement schon vorher klar war: die Gutschrift erfolgt vorrangig im Hochtarif HT, dann (falls im HT nicht genügend Verbrauch) im Niedertarif NT und wenn man gar nichts verbraucht, verfällt die Gutschrift. Auf der Rechnung (ich war den ganzen September nicht da, darum so wenig) sieht das dann wie folgt aus:

Die Gutschriftmenge von 26kWh pro Monat wird mit dem Bruttopreis des HT-Stroms multipliziert. Gleichzeitig gibt es für dieselbe Menge noch einen “ökologischen Mehrwert” dazu, der willkürlich festgelegt werden kann und (böse gesagt) dazu genutzt werden kann, die Verluste der TBWil mit dem Beteiligungsmodell zu begrenzen.

Als ich den Strom gekauft habe, war mir klar, dass die Gutschrift zu aktuellen Preisen nicht so hoch sein würde wie das, was ich bezahlt habe.

  • (8.72+4.5) Rp./kWh * 20 Jahre * 320kWh = 846.08 Fr. (alles Hochtarif, investiert habe ich 1000 Fr.)

Aber es war ja absehbar, dass die Preise stark steigen würden. Damit sieht die Rechnung ganz anders aus, weil der Hochtarif von 8.72 auf 16.16 Rp./kWh steigt und auch der Niedertarif von 7.65 auf 12.92 Rp./kWh stark ansteigt.

  • (16.16+4.5) Rp./kWh * 20 Jahre * 320kWh = 1322 Fr. (Hochtarif)
  • (12.92+4.5) Rp./kWh * 20 Jahre * 320kWh = 1115 Fr. (Niedertarif)

Selbst wenn der ökologische Mehrwert ganz entfallen sollte, lande ich im HT bei 1034 Fr. und im NT bei 827 Fr., also nicht wesentlich schlechter als bei den alten Tarifen. Im besten Fall kommt da eine Rendite von 1.4% raus. Abgerechnet wird am Ende und eigentlich müsste man die allfällige gesparte Vermögensteuer und die Inflation auch noch mit einbeziehen.

Ganz spannend wird’s aber im Zusammenhang mit der bestellten Solaranlage. Die ist ja auf möglichst wenig Netzbezug mit Speicher konzipiert und da dürfte es grad in den Sommermonaten vielleicht schwierig werden, tatsächlich 26kWh pro Monat aus dem Netz zu holen, ohne das Haus per Klimaanlage einzufrosten. Da muss ich vielleicht mal airbnb-Gäste mit Elektroauto laden lassen, aber auch damit können die ja nicht mal 200km fahren.

Cliffhanger: vielleicht wird die Abrechnung aber auch quartalsweise (wie der Rechnungszyklus) gemacht, d.h. ich bekomme pro drei Monate 80kWh gutgeschrieben; das würde es einfacher machen, in diesen drei Monaten mal in einer Sonnenflaute sowieso benötigten Strom aus dieser Gutschrift zu verbrauchen. Da würde es sich dann aber auch direkt lohnen, auf Jahresrechnung umzustellen, um das Optimierungsproblem ganz elegant zu umgehen 🙂

Solarbasteleien

Kaum ist das Bad fertig, geht’s mit Solar weiter, erstmal im Eigenbau, mit 100% Eigenverbrauch zum Ausprobieren. Das Panel ist ein Renogy mit 100W von hier: https://amzn.to/36XGReo. Gekauft habe ich es eigentlich in exakt der Grösse, dass ich es im Winter senkrecht auf den Fensterladen montieren kann. Aber jetzt wird’s ja erstmal warm.

Passend zum Panel gibt’s auf Aliexpress recht günstige Wechselrichter: https://www.aliexpress.com/item/1005003313764414.html für ungefähr 30 Fr. das Stück, plus Versand. Seit Jahren durfte ich mal wieder Einfuhrzoll zahlen, ich glaub die haben mich neuerdings wieder auf ihrer Liste 🙂 Aber auch so sind 55 Fr. brutto pro Netz-Inverter nicht besonders viel, mit Panel zusammen also etwa 150 Fr.

Bei aliexpress weiss man ja nie so genau, wann und was man kriegt. Beim Inverter musste ich bei der Bestellung die Nennleistung und die Anschlussspannung (120V oder 230V) auswählen. Letzte Woche kamen die Teile an:

Wechselrichter mit 120V statt 230V

Boah nö. Das ist ja nun mal die falsche Spannung für europäisches Netz und ich wollte jetzt nicht zum Testen des Inverters meinen Wohnsitz verlegen. Also hab ich ein Ticket aufgemacht. Direkt ein paar Minuten später hatte ich eine Antwort nach dem Motto “ist ganz einfach, öffnen Sie das Teil, hier ist ein Foto mit drei Lötstellen, die müssen Sie ändern, dann läuft der auf 230V, ich schick ihnen das noch per Email”. Da hatten sie wohl den richtigen Kunden erwischt, weil ich nämlich auch keine Lust hatte, die Teile zurückzuschicken.

Oben rechts eine Lötbrücke und noch eine weitere mit 120V (selber suchen) und unten links neben dem blauen Bauteil gab’s noch einen Widerstand zu versetzen.

Heute ist noch keine volle Sonne, aber es scheint (haha) sonnig genug, dass Panel und Wechselrichter die Anlaufspannung erreichen. Dachte ich. Der Wechselrichter ist fertig konfektioniert, nur ein Netzstecker muss noch dran, und, tadaa, wir haben ja hier verpolungssichere Steckdosen. Das spielt genau so lange keine Rolle, wie es einem egal ist, wo L und wo N ist. Meistens ist es wurscht, beim Wechselrichter aber nicht. Wenn man in eine Steckdose schaut, bei der der Schutzleiter unten ist (mittig ist er ja immer), ist L rechts, zumindest hat das die Stromerin neulich so abgenommen.

Ein Crossover-Stromkabel

Das Witzige war jetzt, dass der Wechselrichter mal auf grün ging, mal nicht; ich hatte verschiedene Verlängerungskabel dazwischengesteckt. Mit dem von mir selbstgebauten (Ex-Klimaanlagen-Anschlusskabel) ging es lustigerweise, und genau das war aber ein Crossover-Kabel. Nachdem ich das auf 1:1 korrigiert hatte, ging natürlich der Wechselrichter nicht mehr, also passen dessen Beschriftungen und Farben nicht. Dessen Anschlusskabel hab ich also auch noch geändert und jetzt läuft’s.

Panel in der Sonne

Natürlich will ich auch wieder Daten haben. Praktischerweise können die Sonoff POWR2 (mit Tasmota-Firmware) nicht nur Verbrauch, sondern auch Einspeisung messen, d.h. die vernachlässigen wohl einfach die Richtung des Stromflusses.

Jetzt sollte ich nur noch an die Phase mit dem Solarpanel alle elektronischen dauerlaufenden Geräte anhängen, damit der vollständige Eigenverbrauch gewährleistet ist. Mal schauen, was das Panel so an Energie insgesamt bringt, es ist auf alle Fälle sehr einfach anzuschliessen, wenn man ein bisschen aufgepasst hat in Physik. Der Wechselrichter wird wohl auch nicht ewig halten und ich werd ihn tunlichst auf einer feuerfesten Unterlage montieren 🙂