Brig-(Grimsel)-(Brünig)-Luzern


Frühstück (ja, mit zwei Ü, wir sind im Oberwallis!) gab’s schichtweise und in Gruppen — nicht wegen Corona, sondern weil Daniela sonst nicht hinterherkommt mit dem Bedienen. Ich war wieder mit dem Herrn vom Vorabend am Tisch. Das Essen war süper güet und ausreichend für die ersten Kilometer. Die Bezahlung haben wir per Twint direkt am Küchentisch bargeldlos erledigt. 80 Fr. für ein Zimmer mit Halbpension sind ganz akzeptabel.

Die Strecke, die ich am Tag zuvor so schön hinuntergerauscht war, habe ich mir mit dem Zug geschenkt und bin bis Oberwald gefahren. Notiz fürs nächste Mal: schon in Obergesteln aussteigen, weil man sich das zweifache nicht barrierefreie Treppensteigen in Oberwald damit erspart und die Strecke zwischen Ober-(wald|gesteln) flach ist.

Fahrstart war also gegen 11 Uhr, der Plan war, 13 Uhr auf der Grimsel-Passhöhe zu sein. Es waren viel weniger Höhenmeter als am Freitag, die Steigung war viel angenehmer; sechs Kehren, und dazu schöne Aussicht auf den Furkapass am Berghang vis-à-vis. Der Rhonegletscher war auch schon mal deutlich näher am Hotel dran.

Die Aussichten zwischendurch waren schick, ist vielleicht doch besser, das nicht nachts zu fahren.

Oben war alles voller Leute, also bin ich schnell weitergerollt. Am See auf der Passhöhe hab ich noch gelegentliche Ruhe genossen, später kam der Grimselstausee mit seinem hellblaugraugrünen Wasser. Es folgte eine rasante Abfahrt bis Innertkirchen.

Aber dann türmte sich eine nicht umfahrbare Steigung auf. Nanu? Ah. Rechts die Aareschlucht. Viel Höhenmeter waren es nicht, aber jetzt hab ich auf die harte Tour gelernt, wo die Aare herkommt, das war mir vorher gar nicht so bewusst. Bis zum Brienzersee hinauf war’s mir klar, aber dass die vom Grimselsee kommt, wusste ich nicht.

Hinter Meiringen (noch ohne Umspuranlage) ging es gleich wieder rauf auf den Brünig, 400 Höhenmeter; der Pass ist im Wesentlichen ein ziemlich hässliches Verkehrshindernis. Zur Begrenzungsinitiative würde ich als Velofahrer vermutlich “kommt-drauf-an” sagen, denn die einzigen, die mich immer mit Anstand und Abstand überholt haben, waren die Ausländer. Wenn man die danach selektieren könnte, dürften sie rein. Aber es war immer relativ unkritisch, bin halt Kampflinie gefahren, so dass Überholen einfach nicht geht. Und wenn sich eine Schlange hinter mir gebildet hatte, hab ich halt an der nächsten Möglichkeit ™ Platz gemacht.

Mit dem Brünigpass kam der Kantonswechsel Bern-Obwalden — da bin ich vielleicht insgesamt erst ein- oder zweimal mit der Zentralbahn durchgefahren. Der Lungernersee und der Sarnersee waren schon ganz nett anzuschauen.

Die Strecke war fast nur noch flach, die Veloroute am Vierwaldstättersee ist unter den gegebenen Platzverhältnissen gar nicht mal so übel. Hinter Hergiswil war ich dann im Kanton Luzern und hab mit manuellen Eingriffen (“hee, das da ist doch viel kürzer!”) das Routing zu verbessern versucht, was es aber nicht wirklich besser machte. Bei der Anfahrt auf den Bahnhof fuhr grad parallel der Voralpenexpress rechts neben mir ein — also bin ich gar nicht erst bis zum Bahnhofsvorplatz gefahren, sondern gleich durch den Seiteneingang rein in den Bahnhof und in den Zug, umziehen. Noch zwei Tage, und mein Trikot fängt an zu leben.

Umstieg in Wattwil, kurz nach 21 Uhr daheim. Der Track. Steigrate gestern 436hm/h, heute 462hm/h.

Bellinzona-(Nufenen)-Brig

Los ging’s nach Bellinzona am Freitag um 06:34 ab Wil, Abfahrt dann in Bellinzona um 09:30. Wegen Hinweis auf Schwerverkehr am Simplon hatte ich kurzfristig noch die Route geändert auf den Nufenenpass, aber das Ziel blieb Brig, weil ich dort auch schon beim Hof Schmeli ein Zimmer reserviert hatte.

Ich hatte unterschätzt, dass ich bis Airolo ja schon gut 1000 Höhenmeter zu fahren hatte. Von denen war aber gar nicht so viel zu bemerken, ein paar Steigungen, wenig Verkehr, ein enges Tal, das im Wesentlichen aus der Bahnlinie, der Transitautobahn und einer oder zwei Strassen besteht. Die Infrastrukturbauten für die Autobahn sind eindrücklich, auch wenn ich die wohl nie vom Autobahnniveau her sehen werde. Hinter Biasca verschwand schon ein Teil der Züge im GBT, hinterher gab’s dann nur noch TILOs zu sehen, oder was halt so die Gotthard-Bergstrecke fährt. Auf der Autobahn vor dem Gotthardportal war Stau. Nichts Neues.

Bei irgendeiner Tankstelle hab ich noch spontan Mittagspause gemacht und zwei San Pellegrino plus Bananen und Wasser ein-/aufgefüllt.

Danach wurde es zäh; 1400 Höhenmeter wollen ja irgendwie gefahren sein. Ich hätte mir mehr Strecke gewünscht, weil die 8-10% Steigung zwar im kleinsten Gang bei 65-70rpm machbar sind, aber nur mit Puls >150 über Stunden. Meine Zeitschätzung lag mit der Ankunft auf der Passhöhe nur 15min daneben, gar nicht übel für 8.5h Fahrzeit bis rauf. Die Murmeltiere hab ich sogar durch den Gehörschutz gehört, und das Postauto-Dreiklanghorn auch — es hätte sogar eins gegeben über die Nufenenroute. Ab 16 Uhr wurde es merklich ruhiger, der Verkehr liess nach.

Mein Stop war nicht lang, nur winddichte Jacke angezogen und hinunter ins Tal. Es waren 14km in 14 Minuten 🙂 Der GPS-Track stimmt mit mir überein, dass ich da in der Abfahrt meinen Temporekord übertroffen habe. Es sind schön lange Geraden, wo einem nicht immer gleich die Strasse ausgeht.

In Ulrichen hab ich die Jacke wieder ausgezogen und bin links abgebogen, weiter hinab bis nach Brig. Diese Strecke ist mit der Speedmachine sensationell gut zu fahren, fast alle Ortsdurchfahrten, bei denen es am Ende wieder bergauf geht, sind mit Schwung fahrbar — kein Vergleich zur Streetmachine, mit der ich das auch ausprobiert hatte. So war ich 19:10 Uhr schon in Brig — und dann kamen noch elende 800m mit 15% Steigung. Ich hatte die Übernachtung eigentlich so ausgesucht, dass ich die vom Simplonpass herunter anrollen kann, aber vom Nufenen gab es keine andere Möglichkeit. Das Wasser war auch 2km vorm Ziel leer.

Und schon in Brig, nach 800m Anstieg mit 15%.

Dafür wurde ich nett empfangen, hab mein ebenerdiges Zimmer bezogen, geduscht und dann stand schon das Essen auf dem Tisch. Mein Tischgefährte war aus Zürich unterwegs ins Tessin (mit ÖV), kurz vor der Pensionierung und hatte das klassische Problem, seine Säule 3a in genau einem Topf zu haben, der er en bloc beziehen muss. Zum Essen gab’s Gschwellti mit lokal angebauten Walliser Tomaten, sechs Sorten Käse und Drumherum, ein Bier und sonst Wasser. Perfekt zum Auftanken. Hinterher Tiefschlaf.

Der Forumslader war bei 65% (Start bei 95%) wegen der vielen langsamen Bergfahrten, viel Licht und permanent angehängtem Smartphonenavi. Nicht übel für 12h unterwegs, meist ausserhalb des Tempobereichs, in dem am meisten Energie erzeugt wird.

Auch interessant: bei brouter kann man ja die Fahrzeugmasse und die Schuhgrösse Leistung eingeben und es berechnet am Ende auch die Fahrzeit. Auf der gefahrenen Strecke machen 10W Leistungsunterschied oder 10kg Masseunterschied jeweils etwa 25-30min Zeitunterschied für die Gesamtfahrzeit aus. Abnehmen? Motörli anbauen? Nabendynamo umpolen? 🙂

(Sorry, Titelkorrektur nach Veröffentlichung)

Luterbach-Wil

It was so nice, I did it twice 😀 Ich brauch meine Strecken nicht mal mehr aufzuzeichnen, weil die Zeiten im Brouter-Profil fast auf die Minute genau stimmen: Luterbach-Wil (vm-forum-liegerad-schnell) Ansonsten auch hier auf ridewithgps.com. Knapp 160km, 06:30h Fahrzeit, Schnitt >24km/h, 07:30h Brutto-Fahrzeit mit einem längeren Kaffeestop nach einer Höhenmetervernichtungsorgie in Baden. Ab Rümlang war wieder alles bekannt, trotzdem hab ich noch hier und da etwas optimieren können. Landschaftliche Schönheit: heute vernachlässigbar, dafür mit Schoggikuchen (Brösmelisensitivität bei mir: null), ohne Sonne und perfekter Rolltemperatur. Ein paar Folgen von SRF Kontext geschafft, dazu noch das Echo der Zeit, ein paar Fotos. Die letzte Fahrt auf dieser Relation ging via Züri Langstrasse, diesmal hab ich Zürich weiträumig umfahren (von Seebach abgesehen). Und diesmal war der Liegevelofahrer, den wir auf der letzten Fahrt vorbeirasen sahen, auch beim Fest 🙂 Und ein Milan war auch da, wirklich ganz viele normale Leute 😀

Brouter-Rail

Brouter im Bahnstreckenmodus hatte ich schon mal verwendet. Vorgestern hatte ich mich gewundert, dass das Routing von Brig nach Chur via Andermatt* per Zug nicht auf der Karte darstellbar ist: http://brouter.de/brouter-web/#map=9/47.0888/8.5363/standard&lonlats=9.0375,47.462538;7.43876,46.949323;7.97334,46.314488;9.471931,46.840586;9.499286,47.090241;9.537057,47.482005;9.039173,47.462335&profile=rail

Wenn man jetzt aber im Profil rechts folgendes eingibt:

assign costfactor
  switch
  if railway=narrow_gauge then 1 else 1
  if railway=rail then 1 else 1

dann geht das 🙂 Natürlich ist das kein schöner Code und die Präfixnotation im restlichen Profil ist auch gewöhnungsbedürftig. Der Trick ist aber jedenfalls, dass die SBB-Strecken als rail klassifiziert sind und die MGB/RhB-Strecken als narrow_gauge.

Dass der Furkatunnel soooooo viel Höhenmeter (das Plateau bei Kilometer 240) abschneidet, war mir noch nicht bewusst.

Der Bonus auf der Bahnfahrt am Sonntag war, dass ich kurz vorm Ende meiner Kreisrunde noch zu “Abgangs- und Bestimmungsort meiner heutigen Reise” befragt wurde. Ich mag ja solche Statistiken und ich hab’s dem Kontrolleur wirklich nicht einfach gemacht mit meiner Strecke Wil-Brig-Andermatt-Disentis-Chur-Wil 😀 Aber er hat keine Miene verzogen und meine Strecke nach kurzer Nachfrage in Brig halbiert und dann so eingegeben. Schöne Kürzel hatte er auf dem Display, er hat mir das alles noch gezeigt.

Neue Smartphone-Halterung

Die bisherige Supermagnet-Halterung hat sich als sehr praktisch erwiesen, aber einerseits stört sie den Magnetkompass und andererseits hat sich eins meiner Smartphones bei nicht mittig angebrachter Halterung während der Fahrt doch verdreht. Die Lösung kommt in Form der Garmin-Edge-Halterungen daher: universelle Trägerplatte plus universelle Lenkerhalterung. Die Trägerplatte wird an eine Smartphone-Hülle geschraubt, die Halterung an den Lenker. Auflegen, 90° drehen bis zum Einrasten, fertig. Jetzt muss es nur noch eine Testfahrt überstehen.

Burgen statt Bahnhöfe

#Burgendossier: Schloss Caschliun

Am Donnerstag war ich in Bern auf dem Treffen der Spatial Data Expert Group und da hat mich Stefan Keller nochmal dran erinnert, dass es jetzt für Burgen/Schlösser sowas ähnliches gibt wie für Bahnhöfe: https://twitter.com/sfkeller/status/1299861638787543041 Es fehlen einfach in wikimedia Fotos für viele (etwa 60) Schweizer Burgen/Schlösser, die hier gelistet sind: https://meta.wikimedia.org/wiki/Wikimedia_CH/Burgen-Dossier/FehlendeFotosinWikidatabzwCommons

Auf der Karte kann man auch alle anschauen, aber noch ohne Auswahlmöglichkeit, welche sichtbar sind oder nicht: https://castle-map.infs.ch/#46.82943,8.205,8z Gestern war ich an der Burgstelle Chranzenberg oberhalb von Littenheid — wie ein Geocache ohne Dose, da war nichts zu sehen von Burg-Überresten.

Derweil beim Denner: vor mir an der Kasse steht ein alter Mann mit seinem Einkauf über 85 Fr., steckt seine Karte ins Lesegerät; gibt seine PIN zum ersten Mal ein; gibt seine PIN zum zweiten Mal ein… bevor er sie zum dritten Mal falsch eintippt, hat die Verkäuferin eine clevere Idee. Sie nimmt ihm einen Artikel aus dem Warenkorb (und dem Bon) raus, damit ist er auf 75 Fr. — hält die Karte ans Lesegerät, es akzeptiert kontaktlos ohne PIN. Dann macht sie noch einen Bon für den stornierten Artikel, wieder kontaktlos gezahlt ohne PIN. Ja, so einfach kann man die Sicherheitsmassnahmen umgehen, es geht immer noch Bequemlichkeit vor Sicherheit. Im Dorfladen in Rossrüti, wo man sich sowieso persönlich kennt, ist das aber unproblematisch.

Zur Zeit bin ich auf Liegevelotaschenlieferfahrt, mit dem ÖV, ins Wallis. Bei dem Regen und anderen zu erledigenden Arbeiten im Büro ist das eine gelungene Verbindung. An die Speedmachine passen die Taschen nicht (zumindest nicht an meine und ohne zu basteln) und preisstabil waren sie auch, Interessenten gab es genug: siehe Velomobilforum/. Geholt hatte ich sie damals in Lausanne, vor etwa einem Jahr, und dann nur auf der Tour Zernez-Ascona verwendet. Die Taschen hab ich heute in Brig abgegeben, sie wurden mit einem Grasshopper fx abgeholt und kommen wieder an eine Streetmachine. Ich sag ja, der Trend geht zum Zweitliegevelo.

Auf dem Heimweg-mit-kleinem-Umweg ™ kam ich noch auf eine Kaffeepause in Disentis vorbei und hab Fotos für das o.g. #BurgenDossier gemacht. Wenn ich mir die schon vorhandenen alten Fotos anschaue, könnten die aktuellen vielleicht doch irgendwie noch einem Teil des in den 60ern abgerissenen Baus entsprechen: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schloss_Caschliun

Was man nicht sieht: direkt hinter mir und auch hinter dem Schloss ist das riesige Hotel Disentiserhof mit der geschätzten Kubatur 5×7 (Fussballfelder x Stockwerke), eher eine Bausünde also. Nach der Schlossbesichtigung ging’s wieder zum Bahnhof, ins Bahnhofsbuffet, wo mein Café crème mit Apfelkuchen akustisch von vier alten Sachsen am Nebentisch untermalt wurde. Ich hab so getan, als ob ich sie nicht verstehen würde. Immerhin haben sie sich nicht über die Preise aufgeregt.

Mal schauen, was das Burgendossier noch so bringt. Es ist momentan noch nicht so super-nicht-profi-freundlich gelöst wie mit der Bahnhofsfoto-App, wobei die zugrundeliegende Aufgabe ja dieselbe ist (gehe an Koordinaten x/y und mache Fotos vom gesuchten Objekt). Wenn ich sage “kraut-sourcen”, versteht aber wieder keiner den Witz 😀

Critical Mass Wil

Meine dritte Critical Mass, nach 2004 (im Uralt-Archiv noch gefunden) und 2017 (in SF): am Freitag in Wil, bei strömendem Regen. 16 Leute, recht grün angehaucht, ich aber immerhin mit grüner Jacke. Die mitfahrenden Lastenvelos hatten wohl auch 559-406 🙂 Unsere Route führte 8km durch Wil, wegen des Starts erst gegen 19 Uhr gab’s aber kaum Verkehrsstörungen deswegen. Hinterher bin ich noch mit ein paar Mitfahrern ins Café Schöntal. Nette Leute jedenfalls, aus dieser Gesellschaftsecke kannte ich hier in Wil noch kaum jemanden bisher. Meine Lastentransporte mit Hänger kamen jedenfalls an und waren in diesen Kreisen auch ganz normal 🙂 Dafür war ich jedenfalls hier auffälliger als 2017 in San Francisco.

Der Pressebericht ist auch online: https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/toggenburg/eine-art-ziviler-ungehorsam-so-machen-velofahrer-in-wil-auf-ihre-anliegen-aufmerksam-ld.1251657 (Text für Abonnenten, Bilder für alle).

(NB: Die Vorlage für die Post-Benachrichtigung per Email wird grad noch etwas umkonfiguriert.)

Rund um den Flughafen

Kleine Velorunde: 120km, Wil-Flughafen-Wil

…und wieder zurück, eine Regenrunde heute. Gestern noch mit dem sehr sympathischen Kassier von https://www.velowil.ch/ getroffen (meine Vereinsaufnahme steht noch aus), heute spontan einfach mal losgefahren.

Zwischen den Abfahrten Oberwinterthur und Winterthur-Nord wollte ich eigentlich anders fahren, aber da der Rennvelofahrer vor mir (Sicherheitsabstand!) sicher bessere Strassenbeläge brauchte als ich, bin ich ihm einfach mal gefolgt und hab gut fahrbare Streckenabschnitte entdeckt.

Beim Zwischenstop nach 35km fing es an zu regnen. Wie angekündigt. Bis zum Ende würde es damit (in unterschiedlicher Stärke allerdings) nicht mehr aufhören. Allenthalben gab es Wahlplakate für die Abstimmung am 27.09. Mal ja, mal nein, mal wurden erschrockene Biber im Fadenkreuz gezeigt (Jagdgesetz) und sonst halt öfter die Begrenzungsinitiative sowie die Kampfflugzeuge. Die Abstimmung über die Erhöhung der Kinderbetreuungsabzüge ist witzig: natürlich haben da die Besserverdienenden in einem progressiven Steuersystem mehr davon, mal davon abgesehen, dass ganz viele Familien eh schon gar keine direkte Bundessteuer zahlen. Und der Biber ist vom neuen Jagdgesetz (pdf) gar nicht betroffen.

Ich bin für Tieflieger 🙂

Ich bin also nördlich von Winterthur Richtung Westen weitergefahren und irgendwann kam das von früheren Arbeitswegen vertraute Gebiet um den Flughafen. Abbiegen nach Norden, der Militärstrasse folgen, während links die Flieger (weniger als sonst) runterkamen.

Verpflegungsmässig hatte ich mal vorsichtshalber den McD bei Rümlang als Ziel angegeben, aber vorher kam beim UPS-Depot noch ein Coop, wo ich auf Parkebene 0 direkt neben den Behinderten- und E-Mobil-Ladeplätzen meine Ruhe hatte (bis auf das Summen von 20kW Ladeleistung neben mir).

Vorbei am Haupteingang des Flughafens, gemütlich auf der Veloroute 5 durch Kloten bis Winterthur gefahren, dort hab ich mich irgendwo durchgewurstelt und mich über den Autostau in alle Richtungen in Hegi/Grüze gefreut. Danach kamen noch 30km langweilige Strecke im Dauerregen, in Aadorf sogar wolkenbruchartig.

Am Ende waren es gut 120km in 5:18h Fahrzeit. Knapp 23km/h, kein schlechter Schnitt für mich auf die Distanz. Der Headset-Akku hat vorher schlappgemacht und ich war komplett nass (ausser die Fussspitzen). Bonuspunkte gebe ich mir dafür, dass ich bei meiner Bummelstrecke in Sirnach parallel zu den Bahngleisen nicht in den parallel perfekt abgestimmt einfahrenden Thurbo eingestiegen bin, sondern die nervigen restlichen ~5km auch noch aus eigener Kraft gefahren bin.

Der Track: https://ridewithgps.com/trips/54791506 Und ein lesenswerter anderer kurzer Fahrtbericht: Rund um den Jura 😀

Fahrenergieverbrauch

Beim Fahren des Flyers krieg ich den Energieverbrauch natürlich nicht raus, aber indirekt übers Laden des Fahrakkus schon. Meine Mystrom-Switches lassen sich recht bequem über einen GET-Request abfragen, es wird ein JSON zurückgeliefert mit der aktuellen Leistung in Watt (die ich mir per jq raushole).

curl -s -X GET http://192.168.xxx.xxx/report | jq -r '.power'

Mit ein bisschen Shellskript drumherum kann man da zumindest ein nettes zeitlich gut aufgelöstes Logfile bauen, wenn man diese Abfrage z.B. alle zwei Sekunden macht.

2020-08-16 12:09:36 58.55129623413086
2020-08-16 12:09:38 58.616050720214844
2020-08-16 12:09:40 58.278106689453125
2020-08-16 12:09:42 58.20372772216797

Und wenn das Logfile bzw. der Ladeprozess fertig ist, kann man das alles in R reinkippen, um sich die Gesamtenergie berechnen zu lassen. Ich hab’s gleich in einem knitr-Report erledigt, inklusive Ladegrafik.

Leistung des Flyer-Ladegeräts

Da kommen jetzt 215Wh an Netzenergie raus, die ich fürs Laden verbraucht habe. Ladezeit >3h, eventuell könnte man beim Leistungspeak sogar schon den Stecker ziehen. Bei der heutigen Strecke sind das ziemlich genau 10Wh/km (vom Netz, vom Akku selbst sicher weniger). Mit dem Solarauto haben wir da auf der Langstrecke nicht wesentlich mehr gebraucht, aber meine 360 Höhenmeter von heute waren in Australien auch (linear gerechnet) auf 750km Strecke verteilt 🙂 Ich hatte heute 120kg Gesamtgewicht, das Solarauto hatte damals mit Fahrer etwa 225kg. Ich glaub, letzteres ist deutlich effizienter und hat keine langen Ladestopps. Muss wohl doch ein Velomobil elektrifizieren 😉

Rein kostenmässig sind es also etwa 30 Rp./100km für die Energie — oder 30 Fr. / 10’000km. Bei einem Kaufpreis von 1’100 Fr. (meins, mit Anbauten) bzw. >3kCHF für neue E-Bikes fällt also der Strom für normale* Fahrleistungen nicht ins Gewicht.

Und doch noch zusammengeklickt: die Motorunterstützung sollte bei meiner Konfiguration und einer 70er-Trittfrequenz bis etwa 35km/h reichen: http://ritzelrechner.de/?GR=RLSH&KB=41&RZ=15&UF=2075&TF=70&SL=2.5&UN=KMH&DV=speed

*normal: für Nicht-Velomobil-Definitionen von “normal”. Rein rechnerisch schafft man sowieso nur zwei Akkuzyklen am Tag (Entladen 2h, Laden 4h), damit kommt man vielleicht 2x30km weit, was bei sechs Tagen pro Woche etwa 18Mm im Jahr sind.

Akku-Testfahrt

Die weiteren für das Flyer bestellten Teile sind angebaut: Anhängerkupplung (Weber EH, bis 80kg), Tubus Cargo, 11er-Motorritzel, Pletscher-Hinterbauständer für KSA40. Die Schaltansteuerung der Rohloff musste noch eins weiter gedreht werden, und das linke Ausfallende ist jetzt voll. Eine der Schrauben für den alten Gepäckträger wurde natürlich beim Rausdrehen kopflos, aber der Rahmen hat ja noch mehr Anbauösen. Die oberen Streben vom Rahmen zum Träger sind auch aus Teilen des alten Trägers entstanden, weil die von Tubus mitgelieferten zu kurz waren.

Eine kurze Runde mit 15kg Anhängelast folgte heute. Der Motor hat als Eingabeparameter für seine Unterstützungsleistung das von mir per Pedal eingeleitete Drehmoment und die Drehzahl. Daraus resultiert dann irgendeine Endgeschwindigkeit, bis zu der noch unterstützt wird und ich bin grad zu faul, das auszurechnen. Es ist auch unwichtig, irgendwann ist man eh in Gang 14 und wenn man dann schneller tritt, wird halt nicht mehr unterstützt. In gewissen Situationen ist das wie ein Grenzsteuersatz von 100%: man gibt alles und noch mehr, aber man hat tempomässig nichts mehr davon, weil die Unterstützung abgestellt wird.

Die Testtour ging über knapp 22km und 360 Höhenmeter: https://ridewithgps.com/trips/54444259 und über steile Strecken, die ich sonst ungern fahre. Der Motor hat einen leichten Nachlauf, d.h. für Schalten am Berg muss ich nicht nur kurz “vom Gas” wie sonst rohloffüblich, sondern danach auch noch kurz warten, bis der Motor die Unterstützung einstellt. Man gewöhnt sich aber schnell dran.

Dass die Ergonomie im Oberkörper für längere Strecken schlecht ist, ist wohl eher ein Problem für üblicherweise-Liegevelofahrer. Am östlichsten Punkt des oben verlinkten Tracks muss ich für die Spitzkehre normalerweise von >>60km/h runterbremsen und das ist dann noch nicht mal die ungebremste Endgeschwindigkeit. Mit der heutigen Fuhre hatte ich die Endgeschwindigkeit von etwa 45km/h schon weit vorher erreicht. Luftwiderstand und 4x Rollwiderstand, das macht halt viel aus. Auch an der schnellsten Stelle (Gärtensberg abwärts Richtung Rossrüti) hatte ich schon eine Endgeschwindigkeit von etwa 55 erreicht, wo sonst erst bei 75km/h Schluss ist und auch die Belagqualität nicht mehr zulässt.

Nach ein paar weiteren Höhenmetern (Nieselberg in Wil) war der Akku dann auf 20% leergefahren. Ich schätze, 600 normale Pass-Höhenmeter (ohne weitere Strecken dazwischen) sollten drin sein. Das reicht nicht, aber war auch nie die Idee 🙂