Lenk-(Bummerepass)-Adelboden

Vermutlich im März oder April waren in einem Reportagen-(?)-Artikel Karstquellen erwähnt und darunter auch solche in der Schweiz. Mit denen in Vallorbe hatte ich bei den Bahnhofsfotos an einem kühlen Morgen schon Bekanntschaft gemacht, aber dass die Simme da auch so einfach und massiv aus dem Berg entspringt, musste ich doch mal überprüfen gehen. In Lenk bzw. im Simmental war ich auch 2019 schon — und tatsächlich, der damals dort schon herumstehende Fanta-Wagen steht immer noch da.

Der steht immer da?

12:30 war ich in Lenk, ab 18:30 Uhr sollte es oben auf dem Hahnenmoospass im Hotel Essen geben. Für knapp 1000 Höhenmeter und 13km also genug Zeit. Flach ging es los, immer der Simme entlang, von links drangen Alphornklänge an mein Ohr. Andere Menschen? Vorerst Fehlanzeige.

Die Temperatur korrelierte mit der Entfernung zum Fluss. Das wurde noch markanter, als dann irgendwann die Wasserfälle auftauchten. Dort befanden sich tatsächlich auch noch mehr Menschen, welche ich aber hier wieder rausgeschnitten habe 🙂

Direkt links neben den Fällen konnte man steil hinauf laufen, und irgendwo stand was davon, dass die Gemeinde mal die Simme in diesen neu gegrabenen Kanal gezwängt hat, weil’s irgendwo Überschwemmungen gegeben hatte*. Alles menschengemacht hier, siehe u.a. auch Linthebene oder Hochwasserentlastungsstollen Thunersee. Die Wasserfälle weiter oben fand ich eigentlich noch schöner:

*EDIT: spontan auslaufende Gletscherseen am Plaine-Morte-Gletscher sind der Grund, Zeitungsbericht z.B. hier: https://www.berneroberlaender.ch/region/oberland/ausgelaufener-gletschersee-bescherte-der-lenk-viel-arbeit/story/14277498 — mit wunderschönen technokratischen Wortschöpfungen wie Seeentwicklung, Entleerungsverhalten und Schwappschwelle. Merci für den tifigen Hinweis.

Weiter ging’s hinauf, irgendwann kam ein Abzweig nach links zum Hahnenmoospass und nach rechts zu den Siebenbrünnen, wo die Simme in sieben Hauptströmen aus der Wand kommt. Da kamen mir ordentlich viele Wanderer entgegen, aber kein Wunder, es war ja auch schon späterer Nachmittag.

Für eine Pause hat’s gereicht, meine Fitness ist wieder dahingehend angestiegen, dass ich die angegebenen Wanderzeiten auf den Wegtafeln erreiche, aber nicht wie üblich massiv unterschreite. Nach der Pause kam wieder ein Abstieg bis zur Weggabelung und ab dort ging es von 1400 auf 2055m bis zum Bummerepass steil hinauf. Menschen waren dort wie erwartet Fehlanzeige. Kühe waren vorhanden.

Ab etwa 2000m waren die Kollegen Murmeltiere wieder am Pfeifen.

WTF? Ein Wanderer? Gleich mal pfeifen.

Von der Passhöhe auf 2055m (Bummerepass) konnte ich schon gut bis zum Hotel am Hahnenmoospass (1954m?) schauen und meine ETA gegen 18 Uhr war absehbar passend. Also hat’s noch für eine Pause gereicht.

Danach kam nur noch flacher Weg, es zeigten sich Modellflieger am Himmel und die Sonne kam auch nochmal.

Speichersee Brenggen, Hotel Hahnenmoospass.

Die Modellsegelflugzeugbediener waren im Restaurant deutlich lauter als ihre Luftvehikel, aber ich konnte sie gut ignorieren. Für 80 Fr. hatte ich noch ein Einzelzimmer in der Gruppenunterkunft bekommen, was sehr gut gepasst hat, mit Halbpension. Diesmal hatte ich per Email die Buchungsanfrage geschickt und dann drei Minuten später zum Abklären der Fragen in der schon angekommenen Antwort doch lieber noch angerufen. Es geht einfach schneller 🙂 Das Essen war gut und natürlich zuviel. Die Modellflieger hatten wohl ihre eigene Werkstatt dort oben.

Modellfliegerwerkstatt

Nach einer geruhsamen Nacht mit Kuhglockengebömmel aus dem Tal und nistenden Schwalben an einem Nebengebäude war ich 06 Uhr schon wach für einen Morgenspaziergang.

Exzellentes Frühstücksbuffet ab 08 Uhr und ich wollte ja auch wieder runter — viel Auswahl hatte ich beim Abstieg nicht, wenn man das Schild hier anschaut:

Alle Wege führen nach, äh, Geils?

Und dann bin ich doch tatsächlich mit der Option geradeaus gefahren. In Geils kam dann ein Bus, bei dem eine Teilstrecke nicht im GA enthalten war. Darauf war ich nun gar nicht gefasst 🙂 Aber das erklärt vielleicht auch, warum er um 09:53 in Adelboden Post ankommt, wohingegen der Bus nach Frutigen um 09:52 Uhr dort abfährt. Negative Umsteigezeiten sind üblicherweise schlecht für den Anschluss. Also hatte ich noch eine knappe Stunde Zeit, um einmal in Adelboden rauf und runter zu laufen. Wie erwartet: Touri-Wintersport-Saison-Ort, Shopping und Party, eher nicht so mein Fall, kam mir vor wie Grindelwald. Auf der Busfahrt nach Frutigen fiel mir noch das Tropenhaus ein, aber das hat nur Mittwoch bis Sonntag geöffnet. Na dann… Homeoffice-Heimfahrt via Bern, in Winterthur die Klimaanlage eingeschaltet, in Wil die Kaffeemaschine 🙂

Aareschlucht

Einige Bahn- und Velostrecken muss man doch mehrmals fahren, um ein Gefühl zu kriegen, wo sie genau langführen. Auf der Abfahrt vom Grimsel stand mir damals vor dem Brünigpass noch der Kirchet-Riegel im Weg, durch den sich die Aare in die Aareschlucht gefressen hat. Gestern hab ich die Schlucht auf einem Tagesausflug mit Laptop dabei mal angeschaut. Immer noch wenig Leute, Panoramawagen und der tramähnliche Zug von Meiringen nach Innertkirchen hält fast direkt vorm Eingang zur Aareschlucht im Tunnel.

MIB

Ich bin eine Station später ausgestiegen, in Unterwasser, und dann noch um den Kraftwerksauslass zweier Kraftwerke drumherum gelaufen.

Das Eintrittsticket hatte ich mir zwecks Rabatt schon in Wil gekauft, wobei ich da zwangsweise noch die Reichenbachfälle mit dazubekam im RailAway-Angebot. Auch gut, von denen hätte ich sonst gar nichts mitbekommen. Durch die Schlucht ging’s gemütlich etwa 45 Minuten, es war ordentlich kalt da unten. Etwas merkwürdig wirkten die Maskenpflicht und der zwischendurch in den Fels geschraubte Desinfektionsmittelspender. Könnte man nicht überall, wo jetzt Maskenpflicht herrscht(e), generell ein permanentes Rauchverbot einführen? Das wäre der Volksgesundheit sicher auch nicht abträglich. In der Schlucht gab es eindrückliche Überhänge und Gletschermühlen, schöne Lichtstimmung, aber schwierige Belichtungsverhältnisse. Ich hab versucht, mit HDR noch was rauszuholen, aber irgendwas säuft immer ab und auf Stativ mit Fernbedienung hatte ich keine Lust gehabt.

Hinterher ging’s gleich weiter zu den Reichenbachfällen — Funiculaire hoch und runter, oben viel Gischt und Sprühnebel, kurz bis zum Aussichtspunkt rauf. Kondition ist wieder vorhanden, Atemnot passé, und der Schlafbedarf tagsüber wird auch schon wieder weniger *gähn*.

Nach einem kurzen Anschlusssprint auf den RE in Meiringen ging es gemütlich wieder heim, via Interlaken und Bern, inklusive Znacht-Stop in der leeren Welle am Bahnhof Bern. Gegen 18 Uhr war da früher auch schon mal deutlich mehr los an einem Werktag, und der 18:31-Zug nach Wil war angenehm dünn besetzt. Wieder genau am richtigen Wagen eingestiegen, so dass ich in Wil beim abschliessbaren Veloständer aussteigen konnte 🙂 Strassenzustand und meine Temperaturmessdaten liessen mich vermuten, dass es bis etwa zehn Minuten vor meiner Ankunft ordentlich geregnet haben musste.

Teuflische Übernachtung in 3k

Für den erwarteten Besuch im Sommer hab ich a) eine Bernina-Express-Bahnreise zusammengestellt und b) teste ich noch eine Übernachtungsmöglichkeit irgendwo an der Strecke weiter oben. Das Ospizio Bernina kenne ich schon von der Schneeschuhwanderung nach Pontresina im Dezember, dann gäbe es noch Alp Grüm und das Albergo dahinter. Und dann fiel mir das Berghaus Diavolezza auf, 138 Fr. für Ü mit Halbpension und Gondelfahrt hoch/runter. Ich bin schon alt genug jetzt, ich suche gar nicht mehr, ob ich das online buchen kann. 081 ist ja generell auch eine landschaftlich schöne Vorwahl, da kann man anrufen, hat einen Mensch an der Leitung und die Buchung ist nach anderthalb Minuten erledigt und alle Fragen auch geklärt. Falls ich mit der Bahn hätte hinauf fahren wollen, hätte ich unten einfach meinen Namen gesagt; und da mir Schnee und Piste bis unten geantwortet wurde, waren Schneeschuhe angesagt. Die Skisaison ist eigentlich vorbei, da war niemand mehr unterwegs (dachte ich).

Also los: 08:56 Abfahrt in Wil, bis Chur bzw. dann bis Samedan wieder irgendwelche Startups angeschaut und noch anderweitige Fehler in Datenbanken gefunden. Auf manche Businessmodelle kommt man echt nicht, wie z.B. “Mattress-as-a-Service”, also das Mieten statt Kaufen hochwertiger Matratzen für die Hotellerie. Ab Pontresina war’s nur noch ein kurzer Hop, nicht vergessen, den Bedarfshalt auszulösen, 13:30 Uhr Abmarsch, erwartete Höhenmeter knapp 1000, von 2000 auf 3000. Puh. Die steilen Stellen waren echt streng bei wegrutschendem Schnee. Ab etwa 2500m wurde mir die Höhenluft bewusster, der Puls war ungewohnt hoch und ich musste häufiger Pausen einlegen. Alternativ hätte ich vielleicht auch nicht die 100% steilen Stellen auswählen sollen. Zwischendurch gab’s Rega, ab und zu mal Blick auf die andere Talseite. Später ein Murmelipfiff und kurz danach hab ich auch wieder welche gesehen.

Bei einem der Fotostops bekam ich einen Anruf (von 081…), sie wollten nur nachfragen, ob ich schon unterwegs sei. Ich meinte nur “zweite Stütze”, damit war mein Ort klar angegeben und ich konnte als Ankunftszeit etwa 17 Uhr schätzen, was am Ende auch genau gestimmt hat. In der Ferne donnerten ab und zu Gerölllawinen und Schneeabbrüche die Hänge herab.

Oben war kaum Betrieb, draussen fläzten zwei Leute im Jacuzzi (kann man für 29 Fr. dazubuchen) und sangen zu Prosecco schräge Opernarien aus Nabucco mit Blick auf den traurigen Rest des Morteratschgletschers. Rundherum sah man ab und zu ein paar der knapp 4k-Berge — es geht immer noch höher: Piz Palü mit 3900 oder Piz Bernina mit 4049m.

Ab 18:30 Uhr war das viergängige Abendessen angesagt. Insgesamt fünf Tische, davon vier mit Paaren besetzt und mein Tisch, keine Maskenpflicht am Tisch. Unser Cameriere war ein waschechter Italiener, der aber auch Dialekt und Deutsch konnte — aber kein Englisch. Dass er aus der Region (in direzione di Tirano, allora a sinistra) war, merkte man, als er den jahrhundertelangen Zigarettenschmuggel dort in einem Nebensatz erwähnte — den ich wiederum aus NZZ Geschichte kannte.

Auf der Getränkekarte war auch schon der italienische Einfluss spürbar, weil acht Sorten Grappa und nur vier Sorten Bier draufstanden. Eins der Paare beim Essen bestand aus einer, nun ja, mode- und makeup-bewussten Italienerin (siehe Foto weiter unten vor dem roten Allegra nach Tirano) mit einem CH-D-Partner, die sich dann auf Englisch unterhalten haben. D.h. sie musste immer das Italienisch des Cameriere in irgendeine Form von Englisch bringen. Beim Paar am Tisch hinter mir war er mit seiner hochauflösenden und teuren Fotoausrüstung beschäftigt, während sie eher gelangweilt davon wirkte. Am Tisch vor mir sassen zwei Fondue-Bünzlis, die sich nur dann nicht angezickt haben, wenn die Bedienung uns belustigte. Aber sie haben das (zugegebenermassen exzellente) Mango-Sorbet ausgiebig mit Spiegelreflex-Makro fotografiert. Das vierte Paar war unauffällig, aber häufig draussen rauchend. Mehr Leute waren vermutlich über Nacht nicht oben auf dem Berg. Die gewohnte Ruhe trat nach dem Abendessen ein, als sich auch der Schnee schon wieder zu verfestigen begann. Nachts ging es bis -5°C runter.

Gegen 04:30 Uhr begann schon wieder die Dämmerung und ich hab mich doch hinausbequemt und es hat sich, wie üblich, gelohnt. Es war ähnlich gut wie bei der Säntisübernachtung 2014, nur etwas kälter und höher.

Ab 07:30 Uhr gab’s Frühstück, wieder mit denselben Leuten und denselben Plätzen wie am Vorabend. Um 08:20 kamen mit der ersten Bahn auch schon der erste Schwung Skifahrer und die Hotelchefin, bei der ich dann auch zahlen und mich bedanken konnte.

Die Bahn fuhr ab dann alle 20min und natürlich ist oben vermerkt, bei welcher Abfahrtszeit oben man unten den besten Anschluss auf den Zug hat. Ich war der einzige Gondelgast in diese Richtung und hab direkt den Gondelführer befragt, was es denn jetzt mit den abgedeckten Schneeflächen auf sich hätte. Dazu wurde ich derart beauskunftet, dass SwissSki seit etwa acht Jahren Anfang Oktober bis Ende Oktober diese Schneeflächen und -mengen exklusiv benutzt, um dort schon mit dem Wintertraining zu beginnen, falls sonst nicht genügend Schnee fällt. Klar, ist billiger als Beschneiung, aber man könnte ja den Sport auch gleich komplett sein lassen beim nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandel.

Und ja, das war ein Arbeitsausflug mit Laptop dabei. Arbeitszeit innerhalb der 48h von 01.06. 18 Uhr bis 03.06. 18 Uhr waren 6h (01.06. 18 Uhr bis Mitternacht), 5h (Wil bis Bernina Diavolezza am 02.06. plus 1h am Abend), 6h (Bernina Diavolezza bis Wil plus 3h am Nachmittag) = 17h bei Sollarbeitszeit von 8.2h am Tag. Ich musste das durchaus jetzt auch mal für mich selbst ausrechnen, denn abrechnen muss ich ja dahingehend zum Glück nichts. Das gäbe sicher lustige Nachfragen zur Lage meiner Arbeitszeiten — man würde es aber auch an meinen GIT-Commits intern sehen. Wenn ich jetzt noch dazunehme, was mein Hirn beim Aufstieg so für algorithmische Probleme gelöst hat (zumindest bis der Sauerstoff knapper wurde), müsste ich gleich wieder Ferien nehmen 😀

Witzig: auf Hin- und Rückfahrt wurden mal wieder zu statistischen Zwecken Start und Ziel meiner Reise abgefragt, jeweils um St. Gallen herum. Bei Bernina Diavolezza als Ziel bzw. Start mussten sie nachschlagen 🙂 Mit Umspuranlage, Mehrsystemloks und passendem Lichtraumprofil könnte man das umsteigefrei… ach egal… Die Anschlüsse sind ja eh schon so gut bemessen, dass man gar nicht dazu kommt, sich in einem Bahnhof was zu essen zu kaufen. Und überhaupt: im leeren Liegevelowagen fährt es sich sogar noch besser als in der ersten Klasse.

Der einzig wahre Liegevelowagen 🙂

Maggiatal

Wie gestern schon zu erahnen war, hab ich die 60 zu bewertenden Startups auf zwei Blöcke verteilt und dazwischen eine Wanderung eingebaut, diesmal ins Maggiatal. Da wollte ich eigentlich schon früher mal hin, aber damals hatten wir uns erst verfahren und wir sind natürlich gar nicht so weit ins Tal raufgekommen. Bei mir war Abfahrt um 06:04 Uhr, Wanderstart gegen 11:15 Uhr, rauf zum Lago del Sambuco und dann eigentlich gemütlich bergab bis nach Bignasco und von dort gegen 18:15 Uhr wieder heim. Hat alles so funktioniert wie geplant, nur das bergab hatte doch recht viele positive Höhenmeter dabei.

Ab Fusio ging es mal links, mal rechts der Maggia entlang, teilweise recht weit weg vom Fluss, aber immer mit Aussicht und fast ohne andere Menschen. Nur oben am Lago del Sambuco waren ein paar wenige Ausflügler aus dem Inland.

Die Tierwelt wurde auch vielfältiger und bunter, das Wasser war dagegen schon immer grün-blau-rauschend.

Ich hatte zwischenzeitlich schon extrapoliert, dass ich bei der Grössenzunahme von Eidechse 1 zu Eidechse 2 im Verhältnis zur Weglänge am Ende in Bignasco dann vor einem ausgewachsenen Raptor stehen würde. Und das war nur linear extrapoliert! Noch nicht mal exponentiell, und von letzteren Kurven hatte ich morgens schon 30 gesehen und würde abends nochmal 30 in den Startup-Folien sehen. In regelmässigen Abständen kamen Trinkwasserbrunnen und auch Hofläden wurden mehr.

Auch mit einigen Pausen war ich immer noch der Zeitrechnung auf den Wandertafeln voraus. In Bignasco kam der Bus nach Locarno grad um die Ecke und mit einem 100m-Sprint sass ich bequem mit drin. Das Problem bei den durchgetakteten Anschlüssen ist ja nur, dass man sich am Bahnhof nicht mal ein Picknick holen kann. Für ein Kaltgetränk in Locarno und ein Heissgetränk in Bellinzona hat’s aber gereicht, ab da gab’s Giruno bis Zürich und Dosto (in 16-Wagen-Maximallänge) bis Wil, ich hab mir die restlichen Startups anschauen können und war 23 Uhr wieder daheim im Bett.

(Bildbeschreibungen/Texte sind jeweils auf der Attachment-Seite nach dem Draufklicken im Dateinamen hinterlegt)

Mal wieder Kickstart

Jedes Jahr wieder: https://www.kickstart-innovation.com/ Startups bewerben sich in diesem Programm und grosse Firmen schauen, ob sich darunter kleine Startups finden, die vielleicht irgendein Geschäftsproblem lösen oder dabei helfen können. Ich bin mal wieder im sogenannten Vertical (=Bullshit-Begriff für Themengebiet) Smart City dabei und es gibt 60 Startups anzuschauen, jeweils also einen Foliensatz von mehr oder weniger guten Verkaufsfolien. Manchmal bekommt man die Geschäftsidee dahinter heraus, manchmal nicht.

Eins der wenigen netten Startups ist die Live Track AG, die mit ein paar netten Sensoren die Touren der Kehrichtabfuhr (z.B.) reduzieren kann. Ja, wenn man öfter beim Open Data Beer dabei ist, kennt man das schon länger, seit Ende 2019 sogar schon.

Ansonsten ist sehr viel kapitalistischer Quatsch dabei — möglicherweise hat der Telepolis-Artikel dazu von gestern noch den Blick etwas geschärft. Was nützt es der Welt, wenn ich in einer Travel-App irgendwelche Gummipunkte bekomme, wenn ich eine emissionsarme Reiseart benutze, wohingegen ich eigentlich die meisten Punkte bekommen sollte, wenn ich gar nicht reise? Wieso belohnt niemand Nichtkonsum explizit? Am 13. Juni würde ich ja sehr gern mehrfach Ja fürs CO2-Gesetz stimmen, wenn ich schon abstimmen dürfte, dann würde ich nämlich genau für solchen Nichtkonsum finanziell belohnt.

Ganz häufig sieht man exponentielle Wachstumskurven für Startups. Wenn mir da jemand dumm kommt, kann ich das schnell extrapolieren und fragen, warum sie denn in zehn Jahren schon die Weltherrschaft übernommen haben. Irgendwie wissen aber alle, dass das nicht funktionieren kann und machen es trotzdem so.

Das Gute an dem Kickstart-Programm: das kann man bequem im Zug erledigen. Nach Locarno, Bignasco und Fusio. Und später nach durchwandertem Maggiatal wieder zurück. Nach den ersten 20 Startups zieht grad der Urnersee vorüber. Und zack, hab ich auch wieder 100kWh oder mehr fürs Herumfahren verfahren.

Ungewollte Reparaturfahrt

Schon eine ganze Weile hab ich ein seltsames Knacken im Antrieb, was von der Häufigkeit her eindeutig an der Kette liegt. Bei abgenommener und gereinigter Kette war nichts zu finden, alle Verbindungsglieder waren leichtgängig und das trotz mehrerer verschiedener vernieteter Ketten. Das Knacken war auch nach dem Ölen nicht weg, wurde heute auch etwas stärker. Beim Stoppschild an der Murgstrasse in Münchwilen und dem darauffolgenden unerwartet knackigen Antritt erledigte sich dann die weitere Suche.

Erstmal hab ich die Kette wieder eingefädelt und mit einem Kabelbinder transportfertig wieder verschlossen. Die Frauenfeld-Wil-Bahn hatte ich direkt vor der Nase. Im Nachhinein fiel mir auch ein, dass ich die Liege ja am Bahnhof in Wil gesichert hätte unterstellen und mit dem Bus heimfahren können, inklusive Walk-of-Shame in Klickschuhen auf dem Bahnhofsplatz. Aber auf der Karte gab’s in der Nähe den Veloplace Radsport Löffel — der hatte zwar keinen Kettennieter, auch nicht zum Verkauf, aber eine Nietzange. Die hat er mir dankenswerterweise kurz ausgeliehen und nach zehn Minuten hatte ich zwei Glieder draussen und die Kette wieder verschlossen. Sogar aufs grosse Kettenblatt reicht’s noch, und das Knacken ist komplett verschwunden. Finanziell bedanken konnte ich mich nicht, er meinte nur lächelnd “Ich schick Dir die Rechnung”. Sehr cool 🙂

Damit hatte ich das, was ich eigentlich daheim hätte machen sollen, gleich unterwegs erledigt. Jetzt landet der Kettennieter für unterwegs zumindest wieder im Werkzeug. Die Orchesterpost bringe ich dann ein andermal nach Eschlikon. Jetzt ist Kaffeezeit im hauptsächlich gelben Vorgarten 🙂

7-24 Uhr unterwegs nach Davos

Meetups führen zu lustigen Begegnungen: am Dienstag hatte ich halb-extern die dritte “Data Science Hangout Session” organisiert. Mit MS Teams funktioniert das ja jetzt einwandfrei unternehmensübergreifend, dass sich auch Externe in so ein Onlinemeeting problemlos einklinken können. Das ging vor einem Jahr noch nicht, da musste man sich noch vor Ort in Bern (o.ä.) treffen. Nach dem offiziellen Meetup-Teil ging es wie üblich noch in einer kleiner werdenden Gruppe weiter mit der Diskussion. Eigentlich hatte ich dann für den Mittwoch auch den Besuch der Sibe Brünne und der Simmenfälle als Tagesausflug geplant (aufgrund Podcast von SRF Kontext), aber nach einem halb zufälligen Meetup-Chat hab ich den Zielwinkel um 90° geändert und bin spontan nach Davos gefahren. Da ist Zwischensaison, es ist ziemlich leer, die Läden haben eh zu, und man kommt ja wie gewohnt gut hin. Nur der Capricorn war ungewohnt kalt, weil in der ersten Klasse die Heizung ausgefallen war. Aber soweit kommt’s noch, dass ich deswegen in die leere zweite Klasse wechsele 😀

Das Wetter wurde wie gewohnt sonnig, die Schneehöhe stieg immer weiter an, Sonnencreme hatte ich dabei und noch zusätzlich erstanden (nur schlecht verteilt, wie sich später herausstellte). Die Gondelbahn zum Jakobshorn hatte leider auch schon Pause, aber dank Marketingtalent der Überzeugungskünste von M. haben sie uns auf einer Betriebsfahrt doch mit raufgenommen. Dort ging’s los zur Schneeschuhwanderung, mal im Wald, mal auf freier Fläche, mit sehr unterschiedlichen Temperaturen je nach Sonne und Wind. Wir waren etwa 500m überm Tal, sind dann Richtung Sertigtal entlang der Höhenlinie links abgebogen.

Hinten überm Kopf: Mittaghorn und Piz Ducan, Mitte: Älplihorn/Leidbachhorn, rechts: Rinerhorn — durchschnittliche Höhe dieser fünf Spitzen: 2848m.

Irgendwann wurde es merklich kühler, ich hatte eh die Kaffeemaschine vergessen, also sind wir direkt querfeldein weitergelaufen und nach einer Weile die 500 Höhenmeter durch den Wald im Schnee auf dem Hosenboden gerutscht, gestiegen, gepurzelt und letzten Endes doch gut angekommen. Der Wanderweg zurück Richtung Davos war dann wegen Bise sehr kalt. Nach einer zweiten Coop-Plünderung gab’s noch Znacht und um kurz vor 21 Uhr fing die Rückfahrt an — die letzte Verbindung nach Wil mit 5x teilweise schlanken Anschlüssen ist ja total risikolos hierzulande 🙂

Coronatest #2

Den ersten “Stäbchen-in-Nasenhöhle-ganz-hinten”-Test hatte ich am 26.03. in der Medbase-Apotheke in Wil gemacht. Termin online vereinbart, Daten eingegeben, ausgefülltes Papierformular mitgebracht. Wie machen das eigentlich Leute ohne Drucker? Da dauert ja dann der Termin länger? Ich kam jedenfalls damals pünktlich dran, Stäbchen in die Nase, nach zehn Minuten das negative Ergebnis, fertig. Ein paar Tage später war dann die Abrechnung schon in meinem Krankenkassenportal ersichtlich, schön nach Leistungen aufgeschlüsselt. Nicht von mir zu zahlen, zumindest nicht direkt und unmittelbar. DBSt oder Mwst oder was auch immer für Steuern dafür erfunden wurden, siehe dazu auch die drei Stories zu diesem Thema im aktuellen NZZ Geschichte Nr. 33. Die werden langsam zu einer sehr guten Ergänzung zu den Reportagen.

Aber man will ja beim nächsten Test einen anderen Prozess testen, also war ich heute im Spital Wil. Auch hier online Termin gemacht. Kein Formular auszudrucken, keine Daten anzugeben. Hm. Also erfassen sie das vor Ort gleich digital? Nein. Ich wurde vor Ort mit einem frisch desinfizierten Klemmbrett mit einem bestimmt zum zehnten Mal von der Kopie von der Kopie von der Kopie (…) kopierten Anmeldeformular und einem Kugelschreiber (immerhin Schneider) empfangen. Alle Daten hab ich mit klammen und daher krakelnd schreibenden Fingern eingetragen, meine Krankenkassenkarte oben ans Klemmbrett geklemmt und das Formular wieder abgegeben. Zehn Minuten später war ich dran, nachdem vor mir schon jemand fluchend mit Tränen in den Augen vom Nasenhöhlenabstrich rauskam. Die Assistentin hat kurz das Kreuz noch ausgefüllt, warum ich da war, dann konnte sie loslegen, weil ich schon wusste, was kommen würde. Diesmal war es deutlich unangenehmer, von der Ekligkeitsstufe deutlich über der Blutspendekanüle im Arm. Aber nach weiteren 15min Wartezeit in der Kälte war ich dann zumindest nicht A positiv wie beim Blutspenden, sondern wieder negativ. Gesamter Zeitaufwand vom Helmaufsetzen daheim bis zum Helmabsetzen daheim etwa 45min. Na wenn’s der Wahrheitsfindung dient 🙂

Wenn ich mir so überlege, dass da jede Apotheke, jedes Gesundheitszentrum, jedes Spital, jeder Arzt vermutlich sein eigenes Prozedere für den Test hat — das könnte man schon einfacher und digitaler haben. Beim Impfen, ach lassen wir das… Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten. Andere Länder lassen sich dagegen für Millionen an Steuergeldern von einem Rapper eine App verkaufen, die nur Sicherheitslücken hat und nicht mal ihre Funktion erfüllen kann. Immer sehr schön zum Anhören zu dem Thema: Logbuch Netzpolitik (Folge 387 und Folge 388).

Ich hab dafür grad den Auftrag für den Einbau der Klimaanlage erteilt. Bei einer Arbeitszahl>4 kann ich mit der in der Übergangszeit sogar schon mit Tages-Netzstrom günstiger heizen als mit Gas; ist halt nur das Obergeschoss mit Büro und Schlafzimmer, aber das brauche ich beides üblicherweise täglich. Eigentlich geht’s mir ja auch um den Sommer, wo ich mich tatsächlich über die letzten vier Jahre an die vorhandene Klimatisierung gewöhnt hatte. Bei 100% Homeoffice ist das auch nötig 🙂

Nebenbei hab ich noch den Schornstein-Zug untersucht, der vom Dach leider nur bis in Küche/Wohnzimmer geht, nicht weiter in den Keller. Wäre sonst ideal für Kabelverlegungen o.ä. gewesen. Beim Badumbau (Einbau Dusche) für 18.5kCHF muss ich nochmal über die Bücher, das ist mir doch etwas viel. Ja, okay, eine angepasste Voll-Milchglaswand in 1.70m Breite und Deckenhöhe mit Glastür drin ist etwas teurer 🙂

Die SpM fährt sich immer noch prima. Bei der spontanen 145km-Runde am Freitag hat die Kette nach 30km ziemlich angefangen zu quietschen, ich hatte natürlich nichts zum Ölen dabei. Ohrstöpsel rein, Noise Cancelling an, dann ging’s. Erkenntnisse der Runde: das Riet südlich des Pfäffikersees ist ganz nett; Hinwil ist furchtbar zum Durchfahren; die Seestrasse bis Zürich ist flach und bis Winterthur gibt’s nicht so viele Möglichkeiten zum Fahren. Dafür hab ich später noch an einem Hofladen Halt gemacht, weil die letzten 20km immer schwerer wurden. Aber hey, ein Schnitt >20 über die Streckenlänge ist für mich auch neu. Track hier: https://ridewithgps.com/trips/65212394 Es gibt auch nur genau ein Bild der Tour, der Rest war einfach nicht fotogen genug.

Schneeschuh-Upgrade

Mal wieder hab ich keine Ahnung, wie ich auf eine Wanderung im tiefen Schnee gekommen bin. Die Region ums Ospizio Bernina kannte ich ja schon von diversen Touren, u.a. vom Schlittschuhlaufen, von der Passfahrt in diesem Jahr und diversen anderen Vorbeifahrten. Angedacht hatte ich ein Rüberwandern zur Forcola di Livigno, die ich dieses Jahr wegen gesperrten Zolls ausgelassen hatte. Gebucht hatte ich eine Übernachtung im Ospizio Bernina (104 Fr. HP), die Wettervorhersage hatte ich natürlich vorher geprüft (klar/sonnig/kalt) und dementsprechend war ich auch am Dienstag Schneeschuhe kaufen. Viel Auswahl gab’s im SportXX eh nicht, die wesentlichen Parameter sind ja durch die Physik gegeben. Logisch eignet sich mehr Schneeschuhfläche für tieferen Schnee, Steighilfen braucht man bei starken Steigungen, etc. Die normalen MSR Evo sollten also reichen.

Bei der Zugfahrt am Donnerstagnachmittag fiel mir dann auf, dass man da eigentlich auch schön vom Ospizio Bernina nach Pontresina hinunterlaufen könnte, immer in der Nähe der Bahnlinie, bei Nichtgefallen oder technischen Problemen also auch mit Umstiegsmöglichkeit. Nach Ankunft im Ospizio hatte ich erstmal einen Zoom-Call, später dann einen kurzen Spaziergang zum Sonnenuntergang. Die 380kV-Leitungen der RePower knisterten gut hörbar als einzige Geräuschquelle. 18 Uhr folgte ein Online-Meetup “GeoBeer”. Es hatten sich Teilnehmer aus D zugeschaltet, die massive Verbindungsprobleme hatten, bei mir hingegen war die Verbindung über 4G oder das Hotel-Wifi identisch exzellent. Nichts Neues also. 19 Uhr folgte ein dreigängiges Abendessen als einziger Gast im Restaurant und auch als einziger Übernachtungsgast im Hotel. So extrem hatte ich das nicht geplant, aber unzufrieden war ich darüber auch nicht 🙂

Das Frühstück hatte ich gleich auf 07 Uhr bestellt, das war ordentlich reichhaltig, obwohl auf Italienisch serviert 🙂 07:30 Uhr stand ich auf den Schneeschuhen, um erstmal noch ein bisschen in der Umgebung herumzuschauen, 08:30 Uhr hab ich die Wanderung Richtung Pontresina gestartet. Der Lago Bianco war ordentlich zugeschneit und offensichtlich auch tragfähig vereist, weil da frische Ski-Spuren einmal quer rüber gingen, ohne zwischendurch abzubrechen. Ich bin auf der Nordseite über die Staumauer gelaufen und hatte in der Folge bis Bernina Suot die Sonne immer im Rücken, teilweise Schneeschuhspuren, teilweise frischer gut laufbarer Schnee und natürlich keine Leute sonst. Die Skigebiete um Lagalb und Diavolezza sind perfekt vorbereitet für den Massenansturm, aber es fuhr nur eine vereinzelte Gondel hoch am Diavolezza. Auf der frisch gemachten Piste hätte ich bequem mit den Schneeschuhen hochlaufen können.

Nach den Skipisten wurde es schattiger und ich musste durch den Wald Richtung Morteratsch, teilweise auch recht steil, aber die Schneeschuhe haben mich überzeugt. Ab Morteratsch ging es ein Stück den Bahngleisen entlang und später auf den gespurten Loipen (also natürlich nicht in der Skispur). Pünktlich 13:45 Uhr war ich in Pontresina und kurz danach war ich mit F. noch Kaffeetrinken, die dort grad auf einer Beerdigung gespielt hatte — diesmal gab’s keine Nusstorte, sondern Mandelgipfel und gefüllte Amarettini. Sehr empfehlenswert: die Grond Furnaria. Danach Heimfahrt ab 15:02 und noch bisschen Arbeiten im Zug, obwohl ich offiziell frei habe.

Haus-Update

  • Schlüsselübergabe in Rossrüti: 29.10.
  • Umzugstermin: 09.11.
  • Wohnungsabgabe: 13.11. (oder später im November, es gibt eh noch keinen Nachmieter)
  • Zwischen Schlüsselübergabe und Umzugstermin schau ich mal wegen der Glasfaser 🙂

Mit den Höhenmetern hab ich’s wohl etwas übertrieben seit April: https://ridewithgps.com/users/2261009 . Man kann da leider nicht standardmässig “metrisch” einstellen, aber es sind etwa 65 Höhenkilometer auf 4600km, d.h. ich fahre im Schnitt mit einer Steigung von 1.4%. Soviel zu blödsinnigen Statistiken (KPIs). Eine sinnvollere Kennzahl: auf dem Patria mache ich etwa 500 Höhenmeter die Stunde, auf der Speedmachine um die 450 Höhenmeter, in letzter Zeit ist da der Schnitt raufgegangen, scheint mir 🙂

Es ist wieder Herbst-Fotozeit 😀

In der nächsten Deville-Sendung zum Spezialthema Olten gibt’s vielleicht Lacher von mir zu hören. Die Aufzeichnung findet jetzt immer im Folium im Sihlcity statt, ich war zum ersten Mal wieder dort, seit sie nicht mehr im Mascotte am Bellevue sind. Es wurden für die Zuschauer schwarze Einwegmasken verteilt, Abstände eingehalten, Formulare ausgefüllt und eingesammelt. Es wird hoffentlich kein Superspreader-Event.