Jura einfach

06:28 Uhr Wecker

06:45 Uhr liege ich wieder — aber zum Bahnhof

(okay, das Beitrags-Intro und der Titel sind geklautadaptiert)

Der grobe Plan: von Morges am Lac Léman nach Le Brassus hinten im Val de Joux, Übernachtung dort irgendwo, am nächsten Tag weiter bis nach Neuchâtel und von dort wieder umsteigefrei heim.

Samstag: (nach)geplant (gpsies.com)

Sonntag: (nach)geplant (gpsies.com, ohne Bereinigung um Zwischen-Bahnstrecken)

Das sieht ein bisschen chaotisch aus, hat aber wieder Bahnhofsfotos dahinter.

Tags zuvor hatte ich noch ein airbnb-Zimmer am Lac de Joux angefragt, aber die haben sich nicht innert nützlicher Frist gemeldet, also hab ich auf Zelt umgestellt, dem Zeltplatz in Le Rocheray Bescheid gegeben, dass ich komme und mich für den nicht ganz so warmen Schlafsack entschieden, also nicht den von der Islandtour im Camper.

Die NZZ hatte ich gleich ganz im Briefkasten vergessen, aber ansonsten hat nichts gefehlt. Laut Wettervorhersage war Schnee angekündigt, also war ich auch mental darauf eingestellt, aber rein technisch nicht weiter vorbereitet.

07:04 war ich im Dosto, hatte mir vorher noch Frühstück am Bahnhof geholt und hab erstmal festgestellt, dass die Stellplätze unterschiedlich lang zu sein scheinen. Aber immerhin erstklassig. Nervig war (ist mir in Wil noch nie passiert), dass der Zug statt auf Gleis 2 auf Gleis 4 abfuhr. Da hat man einmal den Rohloffrollkoffer dabei und dann sowas. Das ebenfalls anwesende Militär musste auch verlegen und hat auch geflucht. Bier ist halt schwer im Koffer.

Die Stellplätze im FV-Dosto kamen mir eigentlich länger vor. Aber passt ja trotzdem und ist erstklassig.

Umstieg in Zürich, ein anderer Liegevelofahrer war da auch grad am Umsteigen, man lächelt sich wissend zu, obwohl man sich nicht kennt.

Ab Neuchâtel wurde es sonnig und in Morges bin ich etwa gegen 10:30 Uhr gestartet, nachdem ich mich (wie schon öfter hier) im Coop eingedeckt hatte. Es wurde sehr schnell ländlich, war aber weiterhin belebt. Die Landi hatte eine Einbahnstrassenregelung, die sich auch am Samstag wirklich anzubieten scheint, weil die Leute mit Kind und Kegel das komplette Sortiment dort rausgeschleppt haben. Später bog ein Misttransporter direkt vor mir ein und bei dessen Duft habe ich mir das Windschattenfahren gespart. Es wurde sonnig warm, von Schnee und überhaupt Niederschlag war nichts zu ahnen.

Der Waffenplatz Bière scheint recht bekannt zu sein, für mich sah das eher aus wie ein Waffenplatz (= eine Kaserne plus TrÜbPl in meinem Verständnis) plus ein angegliedertes Dorf. Es war alles extrem leer dort am Samstagmittag, Geschäfte geschlossen, kaum jemand zu sehen. Merkwürdige Stimmung, aber sei’s drum. Windschattenfahren nach vorherigem Überholenlassen durch ein Rennvelo ging auch, mein Vehikel hat ungefähr die fünffache Masse. Die Aussicht war immer gut 🙂

Sobald sich der Himmel zuzog, wurde es jeweils wieder kalt. Wie soll man denn mit zu kalten Fingern und nur einer Hand eins der sechs gekochten Ostereier schälen, gopfertaminomol? Hinter mir gab es wie immer eine Krümelspur und natürlich sind gekaufte gekochte Eier viel effizienter durch Massenverarbeitung.

Über mir stieg kurz vor L’Isle ein Segelflieger in den Himmel. Bzw. eigentlich wurde er ja gestiegen und war daher auch gar nicht so geräuschlos. Ich war schon die ganze Zeit im Regionalen Naturpark Waadtländer Jura (Parc naturel régional Jura Vaudois) unterwegs, hab es nur gar nicht gemerkt, aber vielleicht war es ja drum so still. Vielleicht gibt es Lärmvorschriften für Menschen. Ab Apples bis L’Isle war alles flach, dort war ich 14:15 und habe 20 Minuten Pause eingelegt, inklusive einem warmen Zopf (9 Fr. für 540g) und Himbeerkonfi (6 Fr.) vom lokalen Beck. Nein, ich habe ihn nicht gleich ganz aufgegessen, aber er war sehr gut. Pause war im Schlosspark, auch dort so gut wie keine Menschen.

Danach kam geplant der Col du Mollendruz auf 1184m hoch, innerhalb von anderthalb Stunden war ich gemütlich hochgefahren mit etwa 400 Höhenmeter pro Stunde, auch sehr verkehrsarm, trocken und sonnig. Nebenbei gleich die ersten Bahnhofsfotos hochgeladen.

Oben dann Jacke drüber und wieder runtergerauscht, in der Erwartung, dass es ja unten wieder wärmer werden würde. Aber nix da, in Le Pont war es noch deutlich kälter als oben. Irgendwie fiel mir da auch entfernt wieder ein, dass der See (auf 1004m) wegen seiner Lage in einem abgeschlossenen Hochtal im Winter immer zufriert (SRF-Video). Grosses Kino, das versprach ja schon angenehme Temperaturen zum Zelten. Die Stimmung in Le Pont war aber schon sehr schön, in der späten Nachmittagssonne, die aber auch nicht mehr wärmen konnte, an der Uferpromenade. 

Am Nordufer ging’s weiter bis ans westliche Ende des Sees und noch weiter, dahin, wo viele teure Uhren hergestellt werden (Blancpain, Jaeger-LeCoultre, etc.) Aber da Samstag war, war auch dort alles leer und tot, nichts tickte. Zwischendurch hatte ich unterhalb meines Campingplatzes* schon die Stimmung am See genossen, in fast absoluter Ruhe, mit einem leichten Wellenplätschern und dem extrem lauten Echo des Rufs eines Wasservogels.

*auch toll, wenn man beim Fahren denkt “ach, hier könnte ich doch eigentlich gut das Zelt aufstellen?” und dann ein Schild kommt “Camping verboten”

In Le Sentier gab’s einen riesigen Kebab, der viermal so teuer war wie das Bier dazu. Hm. Die ticken doch nicht richtig hier im Tal.

Der Campingplatz war bei meiner Ankunft schon geschlossen, es war aber alles gut zu finden und auch die Preise waren vorher klar. Gegen Mittag hatte ich per Mail schon eine Bestätigung über meinen Besuch bekommen — danke an Ursula Bachmann, deren Name sicher nicht aus dieser Region kommt.

Es wurde kälter. Zelt aufgestellt, Duschen, ins Bett und Notizen machen und dann schlafen. Tagesbilanz 6.5h Fahrzeit, 90km, 1400 Höhenmeter. Das geht schon in Ordnung mit 14kg Gepäck plus/minus Essen. Beim Zeltaufstellen (Zelt zuletzt bei der Solar Challenge in Südafrika benutzt) kamen gleich noch Erinnerungen hoch: ich musste mir doch den Wecker stellen, weil ja kein Team Nuon mit ohrenbetäubender Musik wecken würde.


Gegen 04:30 wurde es unangenehm kühl, gegen 06:30 Uhr bin ich dann doch aufgestanden und erstmal für die Morgenstimmung zum See runtergelaufen, auch um warm zu werden. 

Super-Morgenstimmung am Lac de Joux, bevor die Sonne über den Hügel rechts kommt.

Ich hatte mich noch gefreut, dass immerhin keine Feuchtigkeit vom Zelt tropfte. Ja Kunststück, war ja auch komplett gefroren, das nasse Handtuch vom Vorabend konnte ich bequem in die Ecke stellen. Der Rauhreif bröselte nur so vom Zelt, vom Liegesitz und von vielen anderen Sachen. Naja, Nacht überstanden.

Sieht wärmer aus, als es ist. Gleich rechts dahinter die Bahnstrecke.

Weil die Strecke von Le Pont bis Rocheray jetzt nicht so speziell war, bin ich planmässig auf den ersten Zug um 07:44, der mich dann bis nach Vallorbe gefahren hat (wo in den Kalkstein-Grotten ein Grossteil des Seewassers, das den See unterirdisch verlässt, wieder raufkommt). Im Zug war’s warm und los ging die Fahrt abwärts bis Bussigny kurz vor Lausanne.

Interessant war die doppelgleisig ausgebaute Strecke und auch, dass es da Regio-Züge und S-Bahnen gibt, die von Vallorbe bis nach Villeneuve (am oberen Ende des Genfersees) durchfahren. Warum mich das interessiert hat? Für ein Meeting in Rom hatte ich in Erwägung gezogen, den italienischen Nachtzug Thello von Rom zurück in die Schweiz zu nehmen, nur hält der nach Mailand erst wieder in Dijon, durchquert aber wohl die Schweiz (Domodossola, Simplon, Martigny und dann eben bis Vallorbe, meine Vermutung). 

Das Fahrgefühl war wie in Neuseeland, leicht hügelig und leer und ich hab mir zum Aufwärmen mehr Steigung gewünscht. Nur der TGV, der rechts auf der Strecke an mir vorbeifuhr, hat mich aus meinen Illusionen gerissen, die ich durch Linksfahren auch mal perfektioniert hatte.

In Croy-Romainmôtier gab’s aus dem Lavazza-Automaten erstmal einen “Kaffee”. Kann man machen, in letzter Zeit sind Selecta, Lavazza und ich eh schon zu dicken Freunden geworden. Bis Arnex bin ich dann spontan auch mal im Stadler mitgefahren und habe mich über ein Feld auf eine eigentlich nicht für Velos gedachte Nationalstrasse geroutet. Viel weniger Höhenmeter und gar kein Verkehr und Platz ohne Ende.

Endlich angekommen in Bussigny gab’s dort in der erbarmungslos niederbrennenden Sonne eine lange Mittagspause mit Kaffee aus dem Migrolino, bevor ich eine der langsamen S-Bahnen genommen habe. Hier wäre Kurze-Hosen-Wetter gewesen.

Bis Yverdon ging es fix weiter, so dass ich von dort gleich noch den Bonustrack bis Six-Fointaines (Richtung Sainte Croix) abgefahren bin. Zurückzu dann auf Betonwegen durch lauschige Wälder, nur unterbrochen von (wie immer) scheuenden Pferden und einem friedlichen Hund, der mich etwa auf Kopfhöhe begutachtete und beschnupperte und erst durch ein energisches reste! zur Raison gebracht wurde.

Schon die ganze Zeit wusste ich, dass der harte Teil bis Neuchâtel noch kommen würde — Höhenmeter und Gegenwind. Ich hab’s überstanden, die Aussicht hat teilweise entschädigt, aber nicht vollständig.

Das Ende der Tour war 17:20 in Bevaix, weiter mit dem Zug nach Neuchâtel und dann ab 17:59 nonstop heim, 20:25 in Wil. Regen ab Olten! Schnee daheim! Da hab ich doch die spontane Tour genau richtig gemacht. Im Zug waren noch zwei Rennvelofahrer, die im Tessin zwei Tage herumgekurvt sind.

Bei mir am Sonntag: 100km, 700 Höhenmeter, 06:06h Fahrzeit heute, ich bin immer gemütlich unterwegs, was mich aber nicht von >60km/h Spitzengeschwindigkeit abhält. Es fährt sich mit soviel Gepäck einfach sehr stabil.

Der Trainingszustand ist genau dann akzeptabel, wenn nach 3h Zugfahrt die letzten Meter hinauf in die Wiler Altstadt auch nicht mehr stören.

Unsichtbare Zäune

Man suche… (der Erdhaufen auf der Strasse kommt von meinem Einschlag).

Es gibt echt so Deppen, die sind zu faul, direkt neben ihrer Weide Pfosten für den Elektrozaun in den Boden zu schlagen. Stattdessen knüpfen sie ihren Elektrodraht direkt an die Strassenbegrenzungspfosten zwischen Strasse und Fuss-/Veloweg (Tüfrüti bis Gähwil). Das ist schon schick, wenn man da mit 35km/h vom Veloweg links nach rechts auf die Strasse wechseln will und dann tangential in den unsichtbaren Draht reinfährt, der zu stabil ist, um aus diesem Winkel zu reissen. Die Notbremsung wurde ein Stoppie und ausser einer Knieabschürfung ist zum Glück nichts weiter passiert.

Nach ein paar Minuten kam ich nochmal zurück und hab den Draht einfach erstmal abgenommen und auf den Boden gelegt, das reduziert mindestens das Risiko. Fotos entsprechend auch gemacht.

Nach der Heimkehr hab ich gegen 11:30 Uhr die Gemeinde Kirchberg mit Fotos angeschrieben, mit der Bitte, dass sie den entsprechenden Landwirt/Betrieb kontaktieren sollen. Da sollte normalerweise gar kein Draht sein und wenn es absolut nötig ist, dann bitte mit Hinweisschildern und vor allem flächig sichtbarem Draht. Woanders haben sie dazu einfach Stoffknoten an die Drähte gemacht oder (300m weiter) gelb leuchtende Flachband-Drähte genommen. Falls der Draht nicht weg kommt, hätte ich entsprechend Anzeige erstattet.

Die Antwort kam schon 15:30, dass man über den Werkhof den Betrieb kontaktiert hätte, dass das auch aus Sicht der Gemeinde grobfahrlässig und so nicht zu tolerieren sei. Der Draht sei entfernt. Na geht doch, es reicht auch wirklich, wenn einer auf die Fresse fliegt. Bei Grobfahrlässigkeit zahlt bestimmt deren Betriebshaftpflicht nicht oder geht dann in Regress 🙂

Und nebenbei: wenn man vor der Fahrt den Ausleger am Liegevelo nur um einen halben Zentimeter rauszieht, gibt das heftigen Muskelkater hinterher. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Lavey-Saanen, Bahnhöfe Teil 2

Also ein bisschen anders war das Ziel heute doch, aber nicht weit von Zweisimmen entfernt. Nach 75km hatte ich keine Lust mehr, wie gestern angedeutet noch nach Zweisimmen zu fahren.

Die anderen beiden Gäste, die gestern noch im Hotel ankamen, haben sich natürlich für das Liegevelo interessiert, es war ja auch sonst niemand da zum Quatschen. Hab ihnen das also so gut wie möglich auf Französisch erklärt und sie haben natürlich auch dieselben Fragen gestellt wie alle anderen Leute auch (confort? visibilité? long parcours? etc.) Als ich meinte, dass ich nur cent kilometres heute gemacht hätte, haben sie etwas ungläubig geschaut, aber ich hab ja nicht gelogen.

06:50 klingelte der Wecker, mit lautem cleats-klack-klack-klack bin ich die 50 Stein-Treppenstufen hinuntergelaufen und hab mir ein rudimentäres Frühstück eingeworfen. Reguläres Frühstück wäre erst ab 08 Uhr möglich gewesen.

07:34 war ich schon in Massongex (hatte noch kein Bahnhofsfoto, was will man sonst da?) und bin dann das brouter-Routing ignorierend über die laut Karte und Realität vorhandene Rhône-Brücke gefahren, dabei 2km kürzer als das Routing. 07:45 war ich in Bex und dort ging um 08:04 der Zug Richtung Villars-sur-Ollon. Skifahrer stiegen ein und stellten ihre Ski/Boards hin, während ich ja schon drin war. Genug Platz war vorhanden. Ab Bévieux ging es als Zahnradbahn weiter, rauf von etwa 400m bis auf 1250m nach Villars.

Kurzer Umstieg, erstmal gefragt, ob ich mit dem Velo in die Bahn nach Col-de-Bretaye kann und als das  mit “oui, naturellement” zu meiner (erwarteten) Zufriedenheit beantwortet worden war, hab ich noch meinen SwissPass gezeigt (Sichtkontrolle! Ha! er hatte RFID-Augen?) und bin eingestiegen. Kurz danach merkte ich, dass mein Routing so noch nicht möglich war: Schnee statt Wege und ich hatte weder breite Pneu noch Spikes. Aber halb so wild, die Bahn fährt ja im Viertelstundentakt, also hab ich oben das Bahnhofsfoto gemacht und bin dann gleich wieder runtergefahren. Die Stationen an der Strecke gingen auch mit Tele sehr gut, so dass die Panoramafreiheit kein Problem sein sollte. Die Fotos dürfen wegen Lizenzgründen nicht von Bahngelände aus gemacht werden.

Die Abfahrt ab Villars war dann schnell erledigt und auch teilweise recht steil, aber sehr schön. Ich bin abseits der Strasse direkt zum Fluss runtergefahren und dort im Tal abwärts. Zwei unabhängig funktionierende und standfeste Bremsen sind absolut notwendig bei teilweise >25% Gefälle über längere Streckenabschnitte. Ohne Bahnhofsfotos wär ich hier niemals auf die Idee gekommen, durch das Tal zu tingeln.

In Bex rief mich um 11 Uhr die Nachbarin von daheim an wegen ein paar Abklärungen. Es gibt am Dienstag Glasfaser 🙂

Der Spruch zum Wallis “Ins Herz gemeisselt” trifft es recht gut, klasse Werbekampagne. Irgendwo hatte ich aber eh schon eine ganze Weile vorher die Kantonsgrenze VS-VD überschritten, was wiederum für die mehrheitlich gesprochene Sprache noch keinen Unterschied machte. Die Hunde bellten immer noch bonjour und hatten zwar erst Anlauf auf mich zu und dann am Ende doch Schiss, die letzten 50cm noch zu machen.

11:56 ging’s in Aigle aufwärts nach Les Diablerets auf etwa 1200m. Ich hab ab 11:35 Uhr noch den Coop Pronto erleichtert und war dann gut verpflegt unterwegs. Immer wenn die Hunde kamen, hatte ich aber grad kein Würstchen parat, das muss ich mal noch anpassen.

Weil ich wieder Höhenmeter vermeiden wollte und den Fahrplan kannte, artete das Fotospielchen für den Bahnhof Les Echenards in Stress aus. Erst 50 Höhenmeter aufwärts und dann 70 abwärts, immer mit der Uhr im Blick, weil der Zug zurück nach oben um 13:37 fahren sollte. Aber 70 Höhenmeter abwärts in zwei Minuten sind kein Problem. Zug erwischt und wieder rauf bis Les Nicolets und von dort die Panoramaroute nach Saanen (mit noch ein paar Bahnhöfen am Ende).

Wunderschön ruhig, am Anfang 300 Höhenmeter hinauf, dann auf 1445m auf der Passhöhe eine Pause gemacht. Es war alles da: Cabrios, Motorräder, Rennvelos, Liegevelo und hinter mir parkierte grad ein Raupenfahrzeug auf der geschlossenen Schneedecke laut piepend aus. Merkwürdige Kombination von Mobilitätsbedürfnissen insgesamt.

Weiter ging es flott abwärts bis Château-d’Oex. Dort hab ich noch ein bisschen weiter geplant und bin dann drauf gekommen, dass es eigentlich bis nach Saanen reicht. Die Temperaturen gingen wieder runter, die Nachmittagssonne war schon schwächer und mir haben die 75km auch gereicht. Also gemütlich das Tenue in Saanen gewechselt, in den Zug und heim via Zweisimmen, Bern, Zürich. Lockere 4h und die erste Veloreservierung im IC5 für dieses Jahr gelöst 🙂

Sion-Unterwallis, Bahnhöfe Teil 1

Sion bis Martigny und drei weitere Bahnlinien im Rhôneknick.

Eigentlich sollte es ja heissen “Sion-Zweisimmen mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen”, aber ich weiss ja noch nicht, ob ich morgen den Rest schaffe 🙂

Nachdem ich mich gestern kurz nach Betriebsschluss unseres IT-Servicedesk mittels mehrfach falscher Passworteingabe bis Montag früh 07:30 Uhr zwangsweise aus meinem dienstlichen Laptop ausgesperrt habe, war ich wenigstens früh im Bett nach der Tourplanung. Abfahrt um 09:30 Uhr in Sion,  quasi um diese Tour vom letzten August fortzusetzen. Demnach früh in Wil los, nur warum ich die S-Bahn um 05:48 statt den IR13 um 06:04 genommen habe, erschliesst sich mir nicht ganz. In Wil am Bahnhof kamen mir mehrere schwankende Gestalten entgegen, zusätzlich auch noch deutlich übernächtigte Personen. Ab Winterthur bis Visp dann in der leeren 1. Klasse NZZ leergelesen und mich mit Kalorien und (nutzlosem?) Wissen befüllt, in Visp perrongleich Richtung Sion und von dort ging’s los.

Wegen manchmal witzigem Routing (teilweise älteres Kartenmaterial) kam ich auch mal durch Baustellen oder bei einer Art Kuhauktion vorbei (wie ich dachte). War aber keine, das war das Stechfest / Stächfäscht in Coteaux du Soleil https://www.valais.ch/de/events/veranstaltungen/top-events/agenda-der-ringkuhkampfe, sowas wie ein Ringkuhkampf. Ich wurde darauf von einem ehemals talaufwärts Ansässigen aufmerksam gemacht.

Stechfest, ein. e Art Ringkuhkampf, hier in Coteaux du Soleil.

Es sieht alles immer sehr trocken aus, die Strassen winden sich die Berge hoch, oben liegt noch Schnee — so ungefähr würde ich diese Landschaft beschreiben. Immerhin wurde ich heute nicht von einem Velomobil überholt, die Gefahr besteht sonst durchaus in dieser Gegend.

Martigny kannte ich schon, heute bin ich da dreimal aus verschiedenen Richtungen reingefahren. Der McD war derjenige, der bei meiner Nachttour Martigny-(Genève)-Lausanne keine kalorienreichen Getränke hatte. Für ein Menü hat es aber gereicht. Dann weiter mit dem Zug rauf bis nach Orsières (mit Umstieg in Sembrancher), von dort runter und wieder rechts rauf nach Le Châble und dann fotografierend wieder hinab nach Martigny.

Le Châble mit einem entgegenkommenden Zug.

In Le Châble stand ein FV-Dosto unterirdisch versteckt.

Na ich hoffe, die SBB finden den FV Dosto wieder, er steht in Le Châble unterirdisch. Ist aber auch bisschen grösser als ein Panzer, sonst halt beim Militär fragen, die kennen sich aus mit sowas.

14:10 Uhr war ich wieder in Martigny, 20min eher als geplant, also wieder zum McD für den Kaffee. Während der Wartezeit auf den nächsten Zug Richtung Vallorcine (weiter Richtung Chamonix) kamen zwei Zeugen Jehovas vorbei (bzw. Témoins de Jéhovah). Die haben echt ein klasse Corporate Design, das muss man ihnen lassen, man erkennt sie schon von ganz weit weg.

Bei der Auffahrt nach Le Châtelard-Frontière hatte ich noch gedacht, dass ich eigentlich noch bis nach Vallorcine auf der französischen Seite weiterfahren könnte und von dort laut Höhenmetern einfach abwärts rollen könnte. Nur dummerweise hatte ich übersehen, dass die Passstrasse, die ich bei der letzten Tour gefahren war, nicht in der Nähe der Bahngleise war. Das Dorf Finhaut war quasi eine Sackgasse (von oben) und das nächste Dorf Le Trétien war eine von unten. Also hab ich schnell noch umdisponiert, bin in Finhaut raus, von dort bis zur Grenze gerast/gerollt und dann in den gleichen Zug in umgekehrter Richtung wieder eingestiegen und in Le Trétien wieder raus, um von dort nach Martigny hinabzuheizen. Vor der kurvigen Abfahrt von 1000 auf 500 Höhenmeter hab ich aber doch noch sehr schöne Dörfer und Häuser gesehen, bin öfter mal stehenliegengeblieben, hab gelauscht und mein Zeitplan war mir inzwischen wurscht, es würde eh bis ins Ziel reichen.

Man kann die Stimmung wohl am besten mit serene beschreiben: Vogelgezwitscher, quasi verkehrsfrei, da Sackgasse, in der Nähe wurden Bretter gestapelt, in der Ferne röhrte ein Fichtenmoped und dann fiel ein Baum. Nach der Abfahrt knisterte unten im Tal eine Hochspannungsleitung recht bedrohlich. Weiter ging die Fahrt noch bis Saint Maurice, von dort rechts rüber nach Lavey, wo ich jetzt in einem Zimmer in einem ehemaligen collège untergekommen bin. Gestern auf airbnb gebucht, das Velo konnte ich direkt reinstellen und ich hab zwar keine Dusche im Zimmer, aber da bei geschätzt 20 Zimmern nur zwei belegt sind, spielt das eh keine Rolle.

Morgen früh geht’s dann nach Bex und von dort zum Col-de-Bretaye. Mal schauen, wie’s mit dem Veloselbstverlad aussieht 🙂 Heute waren es lockere 100km in gut 9h Gesamtzeit, aber zwischendurch eben auch Zugfahrten, Pausen und meistens eh bergab. Vmax so etwa 65, dann kam eine Kurve. Jedesmal wieder 😀

Gares GE

Heute morgen in Wil war natürlich alles ruhig. Kein Wunder, am Sonntag, obwohl ja eigentlich die Fasnachtswoche ist. Den heutigen Fasnachtsumzug um 14:01 Uhr verpasste ich jedenfalls. Ganz im Westen der Schweiz gab’s noch Bahnhöfe und ich hatte eine recht ehrgeizige Planung gemacht. Die sieben Bahnhöfe im Stadtgebiet von Genf (bis zum Rhone-Abfluss an der französischen Grenze). Es gibt morgens um 05:33 Uhr noch einen Zug, der bis Genf durchfährt (2012 gab es davon noch mehr).

Ähem, der Weg von FA nach 1 war lang.

Nach diversen Korrekturarbeiten, System-Update, Herunterladen von Torrents und Anschauen der Tour war ich schon fast in Genf und konnte wieder sechs  Wagen in die andere Richtung laufen.

Arbeitsplatz für knapp 4h.

Auf der Emmental-Tour hatte ich die Kamera aus der unverschlossenen Jackentasche verloren, beim Aufprall auf die Strasse fielen einige Teile ab. Reparatur etwa 150 Fr., neu/gebraucht 100 Fr. auf tutti. Also hab ich jetzt noch eine TZ61. Rechne ich das auf die Kilometerkosten drauf?

In Zürich stiegen zuvor Skifahrer ein, ein weiteres Velo war um 05:33 auch schon drin. Wir blickten uns wortlos und wissend an (war aber kein Liegevelo). Nach Winterthur Kontrolle, nach Zürich auch. Im System ist auch immer noch mein alter Velopass sichtbar, was manchmal bei der Kontrolle für Verwirrung sorgt. Ich sag dann nur “ja, aber der neue ist auch drauf, sie müssen da einfach drauftippen”.

Vom selben Kontrolleur wie nach Zürich wurde ich auch nach dem Überfahren der Sprachgrenze nochmal kontrolliert, diesmal auf Französisch. Er hat dann erst, nachdem er auf seinem Display meine zwei aktiven und ein abgelaufenes Abo gesehen hat, realisiert, dass er mich ja schon mal hatte und musste grinsen 😀

Begrüssung mit Morgensonne um etwa 09:40.

Die Strecke hab ich diesmal auch mitgeloggt: https://www.gpsies.com/map.do?fileId=igprkwgjgwifrjzb

Die Bahnhofsfotos gingen danach flott von der Hand, die Route passte, das Wetter stimmte auch (Sonnencreme diesmal nicht vergessen). In Genf war ich schnell durch und bin weiter am (rechten) Seeufer gefahren, war dann auch recht fix in Nyon, und mit genügend Zeit, dass ich noch Essen besorgen konnte. Geplant hatte ich dort die Strecke in den Waadtländer Jura hinauf nach La Cure — rauf mit dem Zug, runter mit dem Velo. 

Zwischendurch kam mir noch ein ausparkierendes Auto in die Quere, der hat mich gesehen und ignoriert. Ja gut, es ging für mich bergauf, also hab ich mich bequem mit dem rechten Fuss an seiner Seitentür abgestützt und als er dann immer noch weiterfuhr, konnte ich mein Pedal gar nicht mehr wegdrehen und es gab richtig schöne flächige Lackabschürfungen an seiner Seitentür. Hab ihn darauf hingewiesen, war ihm egal. Also weiter, nicht mein Problem, keine Schäden bei mir.

Bis La Cure wurde ich hinauf geFLIRTet, bin dann am Endbahnhof kurz raus, Foto machen, und gleich wieder eingestiegen. Der Zug fährt ja umgehend wieder zurück. Da oben lag noch ordentlich Schnee, die Leute waren alle am Skifahren oder Schlitteln. Für mich ging’s bergab, aber wie üblich waren natürlich die Bahnhöfe immer nur mit Höhenmetern zu erreichen. Ganz besonders lästig war La Chevrerie-Monteret, aber nur weil ich danach eine Abkürzung ™ auf einem Waldweg fahren wollte.

Igitt, nasser Tiefschnee. Umkehren war notwendig.

Pustekuchen. Nachdem das Vorderrad noch deutlich mehr als nur bis zur Hälfte im feuchten Tiefschnee versank, musste ich doch noch umkehren. Tragen ging nicht ohne Schneeschuhe. Nun ja, ich hab’s geschafft, nur nasse Füsse hatte ich dann halt. Der Ausblick war auch häufiger mal sehr anschaulich.

In Nyon wieder angekommen, ging es gleich in den Zug Richtung Nordosten, Foto gemacht, ein Stück gefahren, wieder in den Zug, noch ein Foto, und fertig. Rückfahrt war ab Morges, Tenuewechsel in demselben Bahnhofsklo wie schon im Dezember. Acht Stunden Zugfahrt, acht Stunden Velofahrt (bzw. netto nur sechs), gute Mischung. Und so etwa 40 Bahnhöfe fotografiert. Damit sind wohl nur noch weniger als 300 übrig in CH 🙂

Emmentaler Bahnhöfe

Gestern abend fiel die Entscheidung, heute freizunehmen und irgendwo mit dem Velo herumzuliegen. Auf lange Anfahrt hatte ich keine Lust, also fiel Poschiavo aus und auch in den Jura geht’s echt lang. Solothurn oder Olten sind noch fix erreichbar, also hatte ich von Rothrist bis Wasen im Emmental eine Route zurechtgelegt. Dabei konnte ich gleich noch westlich von Solothurn die in Erwägung gezogene Routenverlängerung streichen, weil die drei Bahnhöfe dort an einer bereits 1998 stillgelegten Strecke liegen. Wieder was gelernt.

Statt 09:34 ging es schon 08:34 ab Wil los, dementsprechend war ich um 10 Uhr morgens im noch kühlen Olten. Im Zug hatte ich gleich mal noch den Kondukteur gefragt, wie lang mein Velopass noch gültig sei, der sieht das ja eh. Hatte halt auf Französisch gefragt, so dass ich die Zahlen im Antwortdatum erst noch dechiffrieren musste. Aber er war schuld, er hat ja schon vor dem Überfahren des Röstigrabens seine Sprache gewechselt 🙂

Olten um 10 Uhr morgens, nachdem das GPS auch endlich Empfang hatte.

Nach der ersten Dosis Passivkiffen und einer kleinen Stadtrundfahrt ging es auf den Aare-Uferweg zum Ziel Rothrist:

Lustigerweise macht mich das Projekt mit den Bahnhofsfotos scheinbar bekannt, gibt immer witzige Einträge auf Twitter. Dementsprechend wurde ich von @rastrau auf dem vorgestrigen https://opendatabeer.ch in Rapperswil gleich noch zu dem Projekt angesprochen. Eventuell werd ich auch mal auf einem ähnlichen Meetup, dem http://geobeer.ch was erzählen. Eventuell zu unseren Mobiliar-Telematikdaten, die ich grad in der Analyse habe und lustige Karten dazu baue mit leaflet und R plus ein bisschen Hektarrasteraggregation. Ist doch immer schön, wenn man die eigenen Skripte wiederverwenden kann 😀

Beim Open Data Beer geht’s um Open Data, wie ja der Name schon sagt. Zuletzt war ich da im August 2018 in Wankdorf bei den SBB (und hab das auch in den Bericht einer Liegevelotour eingeflochten). In Rapperswil haben sie jedenfalls “smarte Abfallkübel”, d.h. Mülleimer mit Sensoren zum Füllstand, in der Stadt verteilt. Sie wissen jetzt (je nach Datenqualität), wie voll die sind und können ihre Touren besser planen. Und, ganz wichtig: einfach machen, nicht ewig planen und nachdenken. Die nächste Opendata-Konferenz ist am 04.07. in Bern,  meine letzte war 2016 in Lausanne(mit sehr lustigen WiFi-Namen, siehe Link am Ende des damaligen Posts).

Die schwarzen Leggings aus dem Laufbedarf ohne Popopolster haben sich bei diesem Wetter schon sehr bewährt, die wärmen sehr gut in der Sonne. In Murgenthal lag ein Coop am Wegesrand, da gab’s dann ein verfrühtes Zmittag. Zwischen Murgenthal und Lotzwil dürfte ich einige Krümel von Tessinerbrot und Bündnerfleisch hinterlassen haben.

Irgendwo hatte ich schon die Grüezi/Grüessech-Grenze überquert. Jemand müsste mal für solche Gebiete eine Karten-App bauen, die beim Kantonswechsel Bescheid sagt und bei der Sprachgrenze vielleicht auch. Eigentlich war ich ja nach SO (Olten) und AG (Rothrist) die ganze Zeit in BE unterwegs. Kaffeepause war beim Volg in Weier im Emmental. Sonst ist da nicht viel, ausser einer Bahnlinie der Emmentalbahn, die aber nicht so regelmässig bedient wird. Scheint eine Dampf-Touristenstrecke zu sein. In der Ferne wurden aber Berge sichtbar.

Bis Wasen musste ich noch hinauf, wobei der Bahnhof dort auch ziemlich aufgelassen und unbedient aussieht. Der Fahrdraht hört auch kurz vorher für ein Stück auf. In Wasen hatte ich die eingeplanten Bahnhöfe fertig und es ging an die Rückfahrt. Ich hätte irgendwo nach Sursee abbiegen können, aber die 20km bis nach Burgdorf und dort in den Zug waren die einfachere Lösung, um nicht allzu spät daheim zu sein.

Der Emme-Uferweg kurz vor Burgdorf. 3m nach diesem Foto lag ich dann auf dem Boden.

Nach dem anspruchsvoll zu fahrenden/rutschenden Emme-Uferweg (Teilstücke prinzipiell schon bekannt; dass die Liegevelöler aber auch immer ihren Standort verlegen müssen) brauchte ich ab Sichtweite der Burg kein Navi mehr, bin noch in Downtown Berthoud herumgelegen, damit ich nicht allzu früh am Bahnhof bin (im Zug umziehen/Kälte) und dann entsprechend via Olten zurück nach Hause.

Was viel Besseres kann man an so einem Tag eigentlich gar nicht machen. Allfällige Begleitung für so Touren hätte ich im Prinzip auch, aber kann ja nicht jeder mal so eben frei machen 🙂 80 bequeme und gemütliche Kilometer, 10-16 Uhr, viel Sonne.

Jurabahnhöfe, es gibt noch welche

Heute war mal wieder liegevelogeeignetes Wetter und Bahnhöfe sind immer noch genügend da, die fotografiert werden sollten. Also hatte ich mir eine Tour im Jura zurechtgelegt, Boncourt bis Délémont und allenfalls noch bis Basel SBB.

Nanu, die BLS in Wil?

Kurz hinter Zürich wurde ich erstmalig kontrolliert, gleich noch mit Fahrgastbefragung (Datensammlung! YAY!) zu Start und Ziel meiner Reise. Die Zugbegleiterin hat erst etwas komisch geschaut bei Startpunkt “Wil SG”, ihr Gesicht hellte sich aber schlagartig auf, als ich “Boncourt” als Ziel angesagt habe. Also jetzt haben sie zumindest eine Strecke 1. Klasse mit Velo und Start Wil und Ziel Boncourt in der Datenbank. Ich erwarte da also demnächst umsteigefreie Direktverbindungen.

Also Autofahrer dürfen sich da auch hinsetzen?

Nach dem Umstieg in Biel Richtung Jura kam ein Tunnel vor Moutier, und als wir aus dem wieder herauskamen, war der Nebel weg und die Sonne da (die war aber daheim auch da). Meine Fahrt führte bis zum letzten Bahnhof vor der französisch-schweizerischen Grenze, von wo ich dann die Gegend um Porrentruy besichtigt habe. Mit den Höhenmetern hatte ich etwas verpeilt: die Allaine (Fluss) fliesst da schon Richtung Frankreich, also bin ich erstmal bergauf gefahren, aber trotzdem recht flach. Westlich in diesem Tal scheint es auch noch einen grösseren Militärstützpunkt zu geben, darauf wies mich der Bahnhofsname Bure-Casernes hin. Oben haben sich ein pfeifender Holzfäller und ein nicht pfeifender Liegevelofahrer mit einem freundlichen Bonjour gegrüsst. Da ging’s insgesamt ordentlich steil rauf, was ich aber erst bei der Abfahrt gemerkt habe, als ich am Ortsschild von Courtemaîche mit knapp 70km/h hereinkam und die nächste Kurve grad noch gut erbremsen konnte.

Weiter ging’s ins nächste Seitental, bis zum Ende in Bonfol. Dort hätte ich laut Fahrplan grad einen sprintmässig erreichbaren Anschluss ins Tal gehabt, aber als ich ankam, war es nur ein Bahnersatzbus (Baustelle auf der Strecke, also “nur” Zug-Stundentakt und halbstündlich versetzt der Bus). Also bin ich gemütlich wieder zurückgerollt.

Der dümmste Bahnhof auf der Strecke war St. Ursanne – von beiden Seiten nur über Bergrücken zu erreichen oder eben durch den Bahntunnel. Also bin ich in Courgenay in den Regio Richtung Biel/Bienne und für fünf Minuten mitgefahren. Drin waren wild herumknutschende Teenie-Mädels, die auch ordentlich am Saufen waren. Aber sie haben mich nett gefragt, ob ich mein Vélo dahin stellen möchte, wo sie grad sässen. Ich meinte nur “non, merci, c’est jusqu’a St. Ursanne”. Sie waren’s zufrieden und haben weiter an ihren Weissweinflaschen genuckelt. Sprachlich war das sehr interessant, die haben konsequent bilingue geredet, also mal Dialekt, mal Französisch, je nach Stimmung. Alle durcheinander 🙂

In St. Ursanne hatte ich fahrplanmässig also eine halbe Stunde Aufenthalt. Es war deutlich kälter als zuvor, unten im Tal lag Schnee, in der Sonne war es erträglich. Nach einer halben Stunde ging’s weiter, wieder fünf Minuten bis Glovelier, diesmal mit nicht saufenden, aber ähnlich vielen Teenie-Jungs, die sich gleich überall im Zug auf den Boden gesetzt hatten.

Ab Glovelier ging’s weiter bis Délémont, wo ich eigentlich hätte aufhören können und sollen, weil es langsam dunkel wurde. Nur das Höhenprofil der Reststrecke bis Basel meinte was von abwärts, also bin ich durch den Feierabendverkehr noch mitgerollt. Der rechts der La Birse geführte Radweg war ganz okay, aber teilweise noch schön zugeschneit und festgetreten. Hinzu kamen (wohl wegen der Kälte) ziemliche Wadenkrämpfe, so dass ich es sehr viel langsamer als gewohnt angehen lassen musste. In Liesberg wollte ich dann einsteigen (da war ein Bahnhofsfoto zu machen), aber es zeigte sich, dass da zwar ein Bahnhofsgebäude steht, aber der Bahnhof nicht mehr bedient wird (ausser in hoher Frequenz vom Postauto). Also hatte ich keine Wahl und musste mich bis Laufen durchkurbeln. Das ging aber gut. Die Verbindungen ab Basel waren dann toll, erst ein ICE, dann ein TGV, beide natürlich ohne Velomitnahme. Aber über Olten und dann dort in den ICN war kein Problem.

Nein, ich musste nicht laufen.

Fazit heute: 75km in 5.5h, schöne neue Gegend gesehen, wenig Schnee und ein paar weitere Bahnhofsfotos beigetragen. Macht sich sicher gut, falls ich mich mal bei der BLS, der SBB oder der RhB bewerben sollte 🙂

Kronberg im Schnee, Kurzausflug

Der Kronberg ist immer gut, zuletzt hier im Blog 2013, aber zwischendurch auch schon wieder gewesen. Eigentlicher Ausflugsgrund: Nebel in Wil, und natürlich kann man auch die Kamera gut testen, oben Zmittag essen und dann wieder runterfahren, arbeiten und gelegentlich Zeitung lesen. Also genau das, was ich sonst daheim auch gemacht hätte, einfach unterwegs.

Das (optische!) 30x-Zoom der TZ60 ist ordentlich. Das ist ein neuer Stadler-Tango der Appenzeller Bahnen, zwischen Jakobsbad und Gonten, also ordentlich weit weg, wenn man oben auf dem Kronberg steht.

Die neuen Stadler-Tangos der Appenzeller Bahnen. Rollt gut 🙂

So richtig viel Schnee liegt nicht, aber es reicht für Schneeschuhläufer. Gleitschirmflieger waren auch genügend da und haben sich über die Thermik gefreut.

Schneeschuhläufer Richtung Schwägalp.

Säntis. Bank. Man kennt’s.

Die Panoramafunktion der TZ60 ist auch um Längen besser als die der TZ41. Bessere Hardware und bessere Software, würde ich sagen.

Panoramafunktion der TZ60 getestet, der Säntis.

Danach ging’s wieder heim in den kalten und feuchten Nebel. Igitt.

Panoramafunktion der TZ60 getestet, rechts der Nebel über Wil/Winti/Züri.

Bercher-Lausanne-Morges (Bahnhöfe)

In Wil war seit Mitternacht recht viel Schnee gefallen, wie ich heute morgen überraschend festgestellt habe. Gestern nach dem Auftritt in Maria Dreibrunnen und dem angehängten Kinobesuch war noch alles trocken und es war frostig kalt. Mit Liegevelo um Wil herum cruisen wäre also nicht so hübsch gewesen, daher habe ich die Anfahrt zur Velorunde verlängert und mal wieder ein paar Bahnhofsfotos gemacht. Ausserdem muss ich mich noch mit der TZ60 vertraut machen. Die RAW-Funktionalität hat ungeahnte Möglichkeiten.

10cm Neuschnee in Wil am 16.12.2018

Streckenwahl für die Bahnhofsfotos: Bercher bis Lausanne, das sind 20 Bahnhöfe auf 25km Strecke, keine schlechte Quote. Der Stadler Flirt fährt da teilweise im Tram-Stations-Abstand und auf Meterspur sowieso. Wegen Velomitnahme hab ich mir gar nicht erst Gedanken gemacht, die ist eh gegeben.

Lausanne Flon, jpg-Bild direkt von der Kamera

Obiges Bild ist so, wie es die Kamera selbst erstellt hat, da passiert noch einige Nachbearbeitung intern, nachdem der Sensor das Bild eingefangen hat. Mit meiner Bearbeitung vom RAW-Bild sieht es noch etwas anders aus. Farblich kann man viel nachkorrigieren.

Lausanne Flon, JPG selbst aus RAW-Bild erstellt.

Bercher war ziemlich im Niemandsland, aber nicht so ganz wie Heiligkreuz am Donnerstag, denn immerhin fährt ein Zug hin. Von dort bis Echallens bin ich fast allein auf den Strassen gewesen.

Bercher, Endpunkt der Bahn Lausanne-Echallens-Bercher. Sonnig.

Es war anfangs sonnig, später wurde es recht neblig, aber der Niederschlag blieb zum Glück komplett aus.

Diese Richtung war meine: Süden, abwärts zum See.

Als ich wieder in Lausanne war, hab ich das McCafé in Chauderon kreditkartenkontaktlos und menschenkontaktlos am Bestellautomaten geplündert und währenddessen beschlossen, noch bis zum Anbruch der Dunkelheit Richtung Westen weiterzufahren und die an der Strecke liegenden Bahnhöfe zu fotografieren. Das reichte dann bis kurz hinter Morges — die Stichstrecke von dort bis nach Bière und Bière-Casernes kommt später mal. Rückfahrt um 16:42 Uhr ab Morges: ICN bis Zürich und dann voraussichtlich FV-Dosto bis Wil — ich bin ja momentan noch im ersten Zug.

Was an der Kamera echt gut ist: der Bildstabilisator und der Drehring am Objektiv. In der Einstellung Blendenautomatik (S) kann man durch Drehen die Belichtungszeit verstellen, genauso wie ich das früher bei der analogen halbautomatischen T70 auch gemacht habe. Bis deutlich länger als 1/30 Sekunde kann man bequem ohne Verwackler fotografieren, auch bis 1/10 ging schon gut.

In der Extrem-Weitwinkeleinstellung sieht das Bild, das die Kamera als JPG liefert, so aus:

Morges, JPG direkt von der Kamera.

Dasselbe Bild im RAW-Format zeigt natürlich alle Verzerrungen vom Weitwinkel, die Vignette aussenherum und man sieht, dass noch viel mehr Daten auf dem Sensor landen, die dann aber abgeschnitten und korrigiert werden.

Morges, JPG selbst aus RAW von der Kamera erstellt.

Den grad vorbeifahrenden Zug hätte die iA-Vollpfostenautomatikeinstellung der Kamera ansonsten auch irgendwie verblitzt oder sonstwie versucht scharf zu bekommen. Aber ich hab ja absichtlich gewartet, bis der grad vorbeifährt. Intelligente Automatik ist nicht immer gut 🙂

Nachdenkschwimmen und Nachdenkvelofahren

Glattradweg, unter einer Brücke.

Aareschwimmen und Velofahren sind beide sehr gut zum Nachdenken. Gestern war ich seit langem mal wieder am Morgen ins Büro nach Oerlikon unterwegs, also am Flughafen ausgestiegen und so wie hier ins Büro, nur nicht liegend.

Eine Sache, die mich permanent beschäftigt, sind Zentralisierungstendenzen. Ich bin absoluter Befürworter von Föderalismus und Subsidiarität. Probleme sollten auf der unterstmöglichen Ebene gelöst werden, anstatt tausend Hierarchiestufen dazwischen zu setzen. Also in der Gemeinde statt im Kanton statt im Bund. Oder: auf der Generalagentur statt auf der Direktion. Der Vorteil ist, dass die kleinen Einheiten ihr Arbeitsgebiet und ihre Umgebung sehr genau kennen und nicht alles, was von oben kommt, überhaupt auf sie passt. Aber als Data Scientist hab ich gern mehr Daten und die krieg ich in der Zentrale einfach viel besser. Schon allein mit vier offiziellen und einer inoffiziellen Sprache im Land geht da nicht alles, was aus der Direktion kommt. Ich krieg dann sogar Daten, wo dasselbe Feld mit derselben Bedeutung in mindestens drei Varianten benannt ist. Viel Spass beim Zusammenfügen der Daten, aber ich lerne sprachlich sehr viel dabei, so soll das sein 🙂 In diesem Sinne stehe ich auch meiner eigenen Arbeit auf der Direktion sehr kritisch gegenüber, wenn es zum Beispiel darum geht, Generalagenturen miteinander mit irgendwelchen wie auch immer aussageschwachen/-kräftigen Kennzahlen zu vergleichen. Das fördert dann auch nicht unbedingt den Austausch zwischen Direktion und GA, wenn oben das Gefühl hat, durchregieren zu müssen und unten das Gefühl hat, nicht verstanden zu werden. Es ist in diesem Sinn tatsächlich genau dasselbe wie mit den Staatsebenen. Oder Schweiz-EU 😀

Eine weitere prinzipielle und philosophische Frage ist die, inwiefern eine Kundenbeziehung rentabel sein soll. Eigentlich ist ja eine Versicherung dafür gedacht, Risiken vom Einzelnen auf die Gemeinschaft der Versicherten umzuverteilen. Allerdings gibt es natürlich Leute, die (absichtlich oder nicht) viele Schäden produzieren und damit die Gemeinschaft über Gebühr belasten. Solche Verträge werden dann saniert. Die Frage ist, ob man jetzt den einzelnen Kunden in den positiven Bereich bringen muss (Prämien minus Schäden) — wenn das der Fall ist, hätte der Kunde ja gar keine Versicherung gebraucht, sondern hätte gleich selbst Geld zurücklegen können. Aber im Grundsatz ist das natürlich schon richtig, schlechte Kunden zu sanieren. Die Kriterien dafür sind versicherungsspezifisch, die möglichen Aktionen einer Versicherung sind aber auch beschränkt, z.B. hier ganz gut aufgelistet.

Am Abend gab’s noch eine spontane Velo-Inline-Runde zu zweit um den Flughafen. Gut 20km mit 25er Schnitt, das ist nicht mein sonstiges Tempo mit dem Postvelo, sondern deutlich mehr, aber die Skate-Route hat zwangsweise immer Asphalt und auch bei dem Tempo kann man sich bei gutem Trainingszustand noch gut unterhalten.

Am Flughafen stand schon am Morgen ein Lime-Bike herum, die hatte ich in San Francisco schon gesehen, aber nicht abgelichtet:

Limebike, nicht im Silicon Valley, sondern in/um Zürich.

Das Wetter ist hier grad ungefähr dasselbe wie in Kalifornien letztes Jahr, die Landschaft mit den Industriegebieten zwischen Flughafen und Oerlikon-Büro auch. Hat mich doch recht gut dran erinnert.

Ein Google-Bike auf dem Google-Campus.
Ford-Mietvelos, Oakland.