Interrail Leipzig-Hamburg-Kopenhagen-Malmö-Stockholm

Abfahrt 08:18 Uhr in Leipzig, Richtung Hamburg. Die Hoffnung war, dass anderthalb Stunden Umsteigezeit reichen würden. Es ist einfach nervig, wenn man nicht in Ruhe fahren kann, auch hier wurde die Verspätung immer grösser, aber es hat gereicht. Während der Fahrt fiel mir auf, dass ich etwa 60h lang kein festes Bett unter mir haben würde.

12:53 ging es weiter mit dem direkten IC394 Hamburg-Kopenhagen, betrieben von den DSB, und mit Diesel. Die deutsche Zugbegleiterin war recht penibel und genervt. Ich hatte online nur eine Reservierung für die 2. Klasse bekommen. Ich hab sie gefragt, ob ich für die 1. Klasse eine brauche, und sie meinte, dass das weder bei den dänischen Kollegen noch bei ihnen klar sei, ob man denn nun reservieren müsse oder nicht. Aber auf alle Fälle wären in der 1. Klasse noch Plätze frei, also bin ich dann dort rüber. Ab der Grenze wurde das Fahrerlebnis ein ganz anderes, was nicht nur an der zelebrierten Maskenfreiheit lag. Der Service mit Heissgetränken in der 1. Klasse begann, der Zugbegleiter hatte gute Laune (auf Dänisch, Englisch und Deutsch), der Zugführer gab von vorn auch sehr detailliert durch, was auf der Strecke passierte und die Landschaft zog flach und teilweise hügelig vorbei. Die Grenzkontrolle war bewaffnet und wollte von jedem einen Ausweis sehen. Hier passiert dasselbe, was auch auf der Strecke München-Zürich passiert: die Züge exportieren die Verspätung aus Deutschland und bringen den Fahrplan im Ausland durcheinander. Wir kamen wegen einer Signalstörung kurz vor der Grenze mit +15min nach Dänemark und trotz Reserven in Fahrplan und Streckenbelegung kamen uns andere Züge dazwischen, so dass wir nach zwischenzeitlich +5 doch mit +30 in Kopenhagen eintrafen. Durch die merklich erhöhte Fahrgeschwindigkeit (180km/h+) und die häufigen Ansagen aus dem Cockpit hatte das Rennatmosphäre 🙂

Ich hab meine dänischen Kronen von Konferenz/Aalborg: Tag 1 gegen Flapjacks getauscht und bin dann rasch weiter über die Öresundbrücke nach Malmö. Velotransport gratis, d.h. ich hab’s gar nicht gefaltet. Der Grenzübertritt war genau 18:47, da kam einerseits die farbige Markierung an der Brücke und auch die Roaming-Info fürs nächste Land. Also 3.5h in Dänemark eingebucht gewesen.

Jedenfalls war ich immer noch gute 3h vor Zugsabfahrt in Malmö, hab mir den Bahnhof angeschaut und eine acht-tilige Stadtrundfahrt über 15km eingelegt. Ich war da schon mal, fiel mir auf, das muss 2007 oder 2008 gewesen sein. Veloinfrastruktur ganz brauchbar, aber es schien sich eh niemand an Regeln zu halten, grad was Beleuchtung und Fahrtrichtung angeht. Den Nachtzug hatte ich schon zufällig beim Rundgang auf der Anzeige entdeckt und er wurde 21:55 Uhr bereitgestellt. Pünktlich 22:35 Uhr rollte er ab.

Kurz danach Fahrkartenkontrolle. Es klopft. Tür auf. Zugbegleiter: “Ihr Vorname?” Ich: “Georg”. Er: “okay.” Tür zu. Minimale Information reicht ja auch zur Authentifizierung 😀

Erste Klasse Schlafwagen (ca. 70 EUR Aufpreis zum Interrail) bedeutet: mit Dusche und WC im Abteil. Witzig gemacht, in dem kombinierten Dusch-WC kann man einen Vorhang fast komplett rumziehen und dann duschen. Ja, die Kabine hat nur etwa “Armlänge x Armlänge” als Grundfläche, aber es geht. Der Zug kam 05:45 in Stockholm an, aber netterweise hat sich da jemand (kein BWLer) Gedanken gemacht und man wirft die Leute nicht an der Endstation einfach raus. Um 06:30 Uhr kommt der Weckruf, erst um 07 Uhr muss man aussteigen. Das kenne ich bisher nur von der Fähre nach Harwich, die auch schon super früh ankam, aber dann halt vor Ort im Hafen lag. Fast hätte ich das Beste verpasst: Frühstück gibt’s im Zug nicht, aber sie schicken alle 1.Klasse-Gäste direkt ins Scandic Continental gegenüber vom Bahnhof. Da konnte ich den Alpenfalter direkt zwischen den Leihrädern in der Lobby unauffällig parkieren und essen, hab einfach die Fahrkarte vorgezeigt.

Jetzt hab ich (entgegen dem Plan) doch bis abends Zeit in Stockholm. Mein Nachtzug direkt nach Narvik wurde mir letzte Woche storniert und ich wurde auf eine andere Verbindung umgebucht. Also fahre ich erst nach Boden, bin dort etwa 10 Uhr morgen früh und dann sind’s nochmal 8h bis nach Narvik — damit verpasse ich den Busanschluss auf die Lofoten und hab mir in Narvik noch ein Hotelzimmer für eine Nacht genommen. Erstmal aber Stockholm-Stadtrundfahrt und einen Arbeitskollegen von der Länsforsäkringär besuchen. Hab zwar Ferien, aber die Übergänge sind fliessend.

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