Notizen zum Einbürgerungsgespräch

Ende Juni hatte ich mein Einbürgerungsgesuch gestellt, Anfang August kam die Einladung zum Einbürgerungsgespräch für heute 24.08. — ich war minutengenau auf 08:05 Uhr bestellt, man ist ja pünktlich 🙂

Der Einbürgerungsrat besteht aus drei Personen der politischen Gemeinde und drei Personen der Ortsgemeinde/Ortsbürger. Von letzteren kennen mich alle drei persönlich, so war es dann keine grosse Überraschung und auch keine Aufregung meinerseits. Dass ich schlecht geschlafen hatte, lag eigentlich nur daran, dass ich entgegen alltäglicher Homeoffice-Gepflogenheiten zur Sicherheit meinen Wecker stellen musste.

Anwesend war noch die Sachbearbeiterin des Einbürgerungsrats fürs Protokoll. Dario Sulzer (Stadtrat SP) hat das Gespräch geführt, Hansruedi (zeitweise Cello-Pult-Gspändli) hat Ergänzungsfragen gestellt. In meinem zuoberst auf dem Stapel liegenden Papier(!)-Dossier (sicher auch mehrfach kopiert) waren einige Punkte markiert. Zuallererst, wie bei Bewerbungsgesprächen üblich, durfte ich kurz meinen Werdegang erzählen. Ich musste kurz überlegen, wo ich mich im Baronenhaus befand, aber konnte dann die Richtungen zu meinen zwei vergangenen Wohnungen in der Konstanzerstrasse (“da rechts durchs Stadttor raus”) und der Kirchgasse richtig zeigen. Zum Job wurde ich dann kurz gefragt, was ich denn als Data Scientist bei der Mobiliar mache, hab das mit der Betrugsbekämpfung kurz erläutert und dann war’s auch schon wieder gut. Integration lief bei mir zu >80% übers Orchester.

Wichtig war natürlich: meine Motivation für die Einbürgerung. Ob es da eine richtige Antwort gibt, weiss ich nicht, aber mit “ich hätte gern das Wahlrecht und das Stimmrecht, denn alles andere hab ich ja schon” waren sie zufrieden und meinten “ja, und die meisten Pflichten haben Sie ja auch schon”.

Mein Dialekt wurde mir sehr wohlwollend bestätigt und auch gesagt, dass das die meisten Deutschen, die sich einbürgern lassen wollen, nicht können oder nicht wollen. Was ich dazu immer sage: wenn man zu weit aus dem Norden kommt, ist Mundart wie eine Fremdsprache und dann kann man es/ihn/sie auch so lernen, nur eben zumindest hier in der Region nicht per Kurs, sondern nur im Alltag. In einem grösseren blauweissen Kanton gibt’s da tatsächlich Kurse dafür, aber den Dialekt möchte man ja nicht 🙂 Generell ist die Sprachvielfalt ja ein grosser Pluspunkt (wie die Flagge).

Im Lebenslauf hatte ich auch noch das Solarauto erwähnt, dazu durfte ich kurz was erzählen, aber im Wesentlichen waren es wegen der Kürze des Gesamtgesprächs immer nur leichtverdauliche money quotes statt wirklicher Tiefe.

Witzig war auch die Frage, was mir denn an Wil gefalle und was man noch verbessern könne. Dazu kam nur meine Standardantwort, dass einfach alles funktioniere, dass es natürlich auch Geld koste, dass die Stadt(-verwaltung) persönlich und sehr gut erreichbar sei und dass ich mich einfach wohlfühle. Natürlich konnte ich mir aus Gewohnheit nicht verkneifen, zu sagen, dass ich (wegen n=1) nicht wisse, ob das nicht woanders auch so sein könnte. Die Transparenz in vielen Dingen (immer im Vergleich zum grossen Kanton) finde ich nach wie vor super, insbesondere auch bei Geldflüssen. In einem Nebensatz murmelte ich noch “ah, ja, die Steuern könnte man natürlich schon senken” (bei genau diesem Stadtrat-Gegenüber etwas frech), was ich aber gleich mit “es ist mir aber lieber, wenn alles funktioniert” ergänzt habe.

Zum Militärdienst im Bundeswehr-Kammerorchester wurde ich auch noch kurz befragt — ob ich jetzt in CH nochmal Militärdienst leisten müsse, konnte mir in der Runde niemand beantworten, aber da bin ich meines Wissens oberhalb der Altersgrenze, über der ich noch dienen oder die Ersatzabgabe zahlen müsste. Und ich würd’s eh machen 🙂

Hansruedi hat mehr im Spass noch gefragt, wann sich denn meine Kinder einbürgern lassen. Dazu konnte ich nur sagen, dass es ihnen hier gefällt (in den Ferien), dass sie schon sehr viel gesehen haben, aber dass sie natürlich alle Fristen selber erst erfüllen müssten — wenn sie denn irgendwann hier leben wollten.

Zum Abschluss, wie in jedem Bewerbungsgespräch, das weitere Prozedere: Ende September tagt der gesamte Einbürgerungsrat, dort wird über alle Gesuche entschieden (ich gehe mal davon aus, dass in meinem Fall eine positive Empfehlung abgegeben wird). Danach liegt das Gesuch noch 30 Tage öffentlich auf; in dieser Zeit können andere Stimmbürger begründet Einsprache erheben. Dann bekomme ich eine Verfügung (Gemeinde=okay) und das Gesuch geht an den Kanton weiter, der holt das OK/ACK vom Bund und abschliessend wird dann im Regierungsrat SG noch über mein Gesuch entschieden. Dass das alles eine Weile dauert, wusste ich vorher schon, drum hab ich in der Runde noch gemeint “ja, also dann vermutlich beim übernächsten Bürgertrunk” (im Februar 2024) 🙂

Nach insgesamt einer Viertelstunde war alles vorbei und ich war 08:25 Uhr schon wieder daheim, wo die Kinder noch beim Frühstück sassen.

Einbürgerungsgespräch terminiert

Den Terminblocker für das Einbürgerungsgespräch in Wil hab ich jetzt tatsächlich schon per E-Mail bekommen: 24.08. (2022 🙂 ) vormittags. Sobald alle anderen Abklärungen durch sind, kommt die genaue Uhrzeit noch per Post. Keine Ahnung, ob das schnell oder langsam ist. Abgegeben hatte ich alles Ende Juni, das sind also rund vier Wochen bisher.

Einbürgerungsgesuch gestellt

Mit sechs Wochen Verzögerung zum geplanten Termin am 02.05. hab ich es heute doch noch geschafft, alle Unterlagen korrekt für das Einbürgerungsgesuch abzugeben. Die Sekretärin des Einbürgerungsrates hat sich über meinen Dialekt gefreut und dass ich alles parat hatte. Ich war quasi genauso vorbereitet wie bei der Erneuerung des deutschen Reisepasses/Personalausweises bei der deutschen Botschaft — das lief dort nur deutsch-unfreundlich-korrekt ab, wohingegen es heute sehr unterhaltsam und nett war. Sie hat mich noch zum Staatskundekurs ausgefragt und mir dann den weiteren Ablauf erläutert. Im Nachhinein hätte ich vielleicht doch eine Tonaufnahme mitlaufen lassen sollen, aber die meisten Sachen sind halbwegs logisch.

Die schnelle Sichtung der Unterlagen war gut, jetzt schaut sie das nochmal genauer an, es sollte aber alles stimmen. Auch sie fragt sich bei einigen Vorgängen, warum es Familienurkunden oder Geburtsurkunden braucht, die nicht älter als drei oder sechs Monate sind. Puh, bin ich nicht der einzige 🙂

Als erstes, bevor überhaupt irgendwas weiter passiert, kommt, tadaaa…. Vorkasse von 1800 Fr. als Gebühr der Gemeinde. Hoffentlich mit QR-Rechnung.

Danach holt sie Abfragen aus dem Strafregister, vom Steueramt und vom Sozialamt ein. Da dürfte nur N/A oder OK als Antwort auf ihren Request kommen.

Dann macht sie eine Zusammenfassung meines Dossiers für den Einbürgerungsrat. Der setzt sich aus drei Ortsbürgern und drei Mitgliedern der politischen Gemeinde zusammen. Daraufhin wird ein Termin zum Gespräch mit mir gemacht: da geht es nicht um faCHliCHe/saCHliCHe Fragen, sondern nur darum, dass der Einbürgerungsrat mich mal persönlich gesehen hat. Hier könnte ich zumindest mal auf Ratsseite bald Bescheid geben, dass mein Gesuch jetzt eingereicht ist 😀

Wenn die dann wiederum das OK geben, wird mein Gesuch öffentlich aufgelegt, als Zusammenfassung meines Lebenslaufs und mit noch ein paar Informationen. 30 Tage Einspruchsfrist laufen (hoffentlich ungenutzt) ab. Werd ich mir sicher mal anschauen gehen.

Weiter geht das Gesuch dann an den Kanton, der wiederum eine Rechnung schickt. Sehr praktisch, mit den Rechnungen weiss man immer, wo man im Prozess ist. Der Kanton holt noch Informationen vom Bund ein (der dann auch wieder eine Rechnung schickt). Wenn das alles gut ist, kann das kantonal an einer der 4-5 Sitzungen im Jahr abgehandelt werden (ich werde informiert, wann mein Gesuch dran ist).

Mit anderthalb bis zwei Jahren Dauer für das gesamte Verfahren wäre ich auf der sicheren Seite. Immerhin: 2012 war die Mindestfrist bis zur Antragstellung noch “12 Jahre im Land”, da komme ich jetzt vielleicht sogar mit den zwölf Jahren insgesamt hin.

Form 7.13 angekommen

Wieder eine Woche später kam jetzt der Auszug aus dem Zivilstandsregister, den ich wiederum mit dem Einbürgerungsgesuch abgeben muss. Ich mag ja Papier. Ich bin direkt nach dem Erhalt gleich mit dem kompletten Stapel Unterlagen ins Rathaus geeilt, aber die Kollegin, die die Gesuche annimmt, ist nur Mo bis Mi dort und heute ausnahmsweise nicht. Na dann halt nächste Woche. Der Kostenzähler steht jetzt schon bei 580 Fr. für alle Unterlagen und den Staatskundekurs. Ich hab auch das Gefühl, dass die Geschäfte im Rathaus immer teurer werden, je höher man in der Etage muss. Unten sind so Sachen wie die Anmeldung und verschiedene Register, im 1. OG das Steueramt, für die Einbürgerung musste ich jetzt in die 2. Etage und Grundbuch und Standesamt sind noch weiter oben.

Hinterher durfte ich noch einen neuen dienstlichen Laptop in Oerlikon holen gehen, weil meine geliebte Virtualbox mit einem ordentlichen Debian drin nach dem letzten Windows-Update nicht mehr läuft — die hat acht verschiedene Laptops seit 2014 mitgemacht und wäre nach wie vor perfekt eingerichtet. Offiziell natürlich kein Support 🙁

Form 7.13 pre-boarding checks

Tatsächlich, es hat nur eine Woche gedauert, bis heute die drei Papierformulare kamen, auf denen alle ins Zivilstandsregister aufgenommenen Daten vermerkt stehen. Inklusive Antwortcouvert (wie immer hier), das ich 2h später gleich wieder befüllt beim Rathaus eingeworfen habe. Hinweis: “Sie erhalten das Dokument zusammen mit der Rechnung nach dem eidgenössischen Gebührentarif.” 🙂 Mal schauen, wie lange der nächste Schritt geht.

Einbürgerung, Dependency II resolved

Die drei Rückflüge BOO-OSL-FRA-ZRH waren langweilig. In FRA gingen fast in jedem Laden die Kreditkartenterminals nicht und in der Lufthansa-Lounge gab’s null Catering. Na dann brauch ich auch keine Lounge 🙂 Und mein Plan ging auf: 17:25 Ankunft in ZRH, mit Gepäckausgabe ist der 17:53-IC zu kriegen (inklusive Bundesrat-Maurer-Begleitung) und so hat es noch genau 18:50 für den Denner in Rossrüti gereicht, um meinen Kühlschrank wieder zu befüllen. Ab 22 Uhr hab ich die Dunkelheit bewundert.

Daheim lagen jede Menge Dokumente, Rechnungen und Geburtsurkunden. Wenn ich schon mal beim Standesamt bestelle (macht man ja generell viel zu selten), dann richtig und zwar alle verfügbaren Varianten. Heute war ich pünktlich beim Zivilstandsamt und hab Einbürgerung — Dependencies II voraussichtlich gelöst. Schön langsam alle Urkunden in der Reihenfolge vorgelegt und ich hoffe, dass keine Rückfragen kommen. Ich bekomme dann Post, darf alle Einträge nochmal prüfen und bestätigen und dann gibt’s Form 7.13*, mit der ich dann beim Einbürgerungsantrag weitermachen kann. Auf meine Nachfrage, wie lange das denn dauere, meinte sie “naja, hmm (Blick auf den Kalender, hier rechnete ich schon mit Monaten)…, wird wohl nächste Woche” 😀

Jedenfalls fällt grad mein Zug Richtung Bern aus und ich komme zu spät zum Hackathon, hab mich aber eh als verspätet angemeldet. Wer lässt denn einen Hackathon zu normalen Bürozeiten um 09 Uhr beginnen? Der kann gern um 09 Uhr aufhören.

*wieso fühle ich mich immer an Passierschein A38 erinnert?

Einbürgerung — Dependencies II

Im Nachhinein hätte ich es mir natürlich denken können — ich brauche noch Original-Geburtsurkunden der Kinder und eine Kopie der Reisepässe der Kinder. Also beschäftige ich gleich das Standesamt Magdeburg nochmal für 30 EUR pro Kind (1x Geburtsurkunde, 1x mehrsprachige GU, 1x beglaubigte Abschrift, irgendwas wird schon ausreichen). Jetzt ist nur die Frage, wie lange die brauchen, bis das bei mir ist, und ob dann nicht andere Dokumente schon wieder abgelaufen sind. Inzwischen kann ich mir gut vorstellen, dass Einbürgerungswillige mit anderen Nationalitäten bei solchen Formalitäten und vor allem Fristen abgeschreckt werden. Wenn der Heimatstaat nicht halbwegs technobürokratisch unterwegs ist, kann es da echt zu Schwierigkeiten kommen.

Einbürgerung — Dependencies

Bisher bin ich bei gut 20 Seiten DIN A4 für die Einbürgerungsunterlagen. Da kommt einiges zusammen.

  • Mantelbogen “Gesuch um Einbürgerung in der Schweiz” — der zieht alle Abhängigkeiten nach sich
  • Wohnsitzbescheinigungen aller bewohnten Gemeinden seit 2012 — okay, ist online bestellt, ist nur Uzwil und Wil
  • Betreibungsregisterauszug — ist online bestellt, steht eh nichts drin
  • ausführlicher handschriftlicher Lebenslauf in Form eines Aufsatzes — ist lesbar geschrieben, Füller geht noch
  • Kopien der Arbeitszeugnisse und Zwischenzeugnis des aktuellen Arbeitgebers — 5×2 Blatt
  • Passfoto 2x + 1x für den Mantelbogen — ist bestellt
  • Lebenslauf als ergänzende Angaben — ist ausgefüllt
  • Teilnahmebestätigung Staatskundekurs
  • Bewerbungsschreiben (=handschriftliches Gesuch mit Begründung, warum man eingebürgert werden möchte)
  • Kopie Reisepass
  • Kopie Niederlassungsbewilligung
  • Bestätigung über den registrierten Personenstand für ausländische Staatsangehörige (Form 7.13)

So. Das ist ja für einen Deutschen erstmal nichts Besonderes und auch gar nicht ungewohnt 🙂 Aber jetzt kommt ein cliffhanger: die Bestätigung über den registrierten Personenstand setzt voraus, dass ich im Schweizerischen Zivilstandsregister eingetragen bin. Dafür gibt’s eine Liste der Konferenz der Kantonalen Aufsichtsbehörden im Zivilstandsdienst (pro Land), wo drinsteht, was ich dafür heranschaffen muss. Das wurde mir am Telefon kurz gesagt und dann kam das Formular per Mail. Ich mag ja die Leute im Rathaus in Wil, man erreicht immer jemanden und die melden sich auch einfach schnell. Ich brauche als Nachweis der/des… :

  • Geburt: beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister mit Hinweisteil und allfälligen Folgebeurkundungen, nicht älter als sechs Monate, ausgestellt durch das Standesamt des Geburtsortes
  • Ehe: Eheurkunde, ausgestellt durch das Standesamt des Eheschliessungsortes
  • Eheauflösung: Scheidungsurteil mit Rechtskraftsvermerk
  • Nationalität: Pass oder Personalausweis (Kopie)
  • Wohnsitzes: gültigen Ausländerausweis (Kopie)

WTF? Wozu brauche ich für ein Ereignis in der Vergangenheit (meine Geburt) eine aktuelle Bestätigung? Vielleicht dass ich in der Zwischenzeit nicht gestorben bin? Nur dann würde ich mich ja auch nicht ins Zivilstandsregister eintragen lassen. Oder dass ich wiedergeboren wurde und sich daher meine Registernummer/Steuernummer geändert hat?

Ich hab mal schnell alles, was ich da an Unterlagen vorliegen hatte, zusammengesucht und bin zum Rathaus gerollt (vorher Hose angezogen 🙂 ). Die Original-DDR-Geburtsurkunde von 1981 zählt nicht, ebenso nicht das Original von 2007. Die Kopie der Heiratsurkunde von 2007 zählt genauso nicht; es gibt aber nur ein Original und ich telefoniere mal noch mit dem Standesamt in Magdeburg für eine Eheurkunde (bisher geht da niemand dran). Das Scheidungsurteil wird so akzeptiert, tiptop. Auf den Hinweis, dass auf der Eheurkunde an Informationen nichts anderes draufstünde als was auch im Scheidungsurteil drinsteht (nur umgekehrt), wurde nicht eingegangen. Immerhin: keine Wartezeit und genau die Bearbeiterin gehabt, die mich auch angerufen hatte.

So leicht lasse ich mich nicht abschrecken, ich hab über 600 Schweizer Bahnhöfe fotografiert und bin ewig mit dem Schweizer Solarautoteam in der Welt herumgegondelt. Ich will beim Bürgertrunk in der Tonhalle endlich mal unten im Publikum sitzen und nicht nur auf der Bühne 😀

Staatskundekurs Teil 6/6

Bei der letzten Runde im Staatskundekurs war schon von vornherein klar, dass inhaltlich nicht mehr viel kommen würde, nachdem wir letzte Woche schon Budgets und ähnliches besprochen hatten. Es waren heute noch sechs Teilnehmer übrig, die jeweils einen Vortrag halten mussten und hinterher wollten/sollten wir noch in die Altstadt gehen zur Verabschiedung.

Alles dabei und infrastruktur-strategisch gut positioniert 🙂

Als Lesematerial gab es heute das, was man eigentlich schon am Anfang hätte austeilen sollen, find ich. Das Heftchen Der Bund kurz erklärt lag in einer älteren Version (und in drei anderen Sprachen) auch schon bei mir daheim rum. Bei den vielen Ämtern und Inspektoraten gefällt mir am besten das Eidgenössische Starkstrominspektorat und natürlich das Amt für Metrologie. Bei letzterem wäre dann der erste Satz nach der Begrüssung immer “nein, wir kümmern uns nicht ums Wetter”. Schöne Startseite haben sie zumindest:

Es folgten sechs Vorträge (einer von zwei Personen) über eine Etikettendruckfirma in Bazenheid, eine Autoteilefirma (Druckguss, DGS, kenn ich vom Bühler) in St. Gallen, die Heidi-Geschichte und das Heidiland, den Wiler Turm, das Alleeschulhaus und “Türkisch für Anfänger”. Es war zumindest sehr abwechslungsreich. Danach haben wir in die Altstadt verlegt — natürlich alle anderen mit dem Auto. Und dann haben sie sich wieder alle gewundert, dass ich mit dem Velo schon lange dort war. Wir haben dort noch eine Schnitzeljagd angefangen, aber ich hab meine Gruppe schnell verloren, weil ich permanent Einheimische zum Quatschen auf dem Wochenmarkt getroffen habe 🙂

Daheim ist das Zigbee-Smartgrid schon recht schnell eskaliert mit inzwischen 30 Geräten, davon 15 im permanenten Mesh. Die Sonoff-Relais sind super: günstig, einfach zu verbauen, klein und (bisher) zuverlässig. Und nachdem ich gestern in einer fünfstündigen Aktion eine Deckensteckdose (3x, 1x mit Licht geschaltet) Unterputz (!) montiert und beschaltet hatte, fiel mir heute morgen noch ein, dass die Dreifach-Wechselschaltung in der Küche doch nur eine Kreuzschaltung sein dürfte. Beim Studium erklärt einem sowas ja niemand. Das hat dann nur noch eine Stunde gedauert, bis ich entsprechend Drähte gezogen und alles ordnungsgemäss und sicher (!) und bei Bedarf einfach rückbaubar verdrahtet hatte. Jetzt funktionieren alle drei Schalter wie vorher und ich kann zusätzlich die Deckenlampe auch noch über Zigbee schalten/abfragen, mit welchem Taster/Schalter/Aktor/Skript auch immer.

Staatskundekurs Teil 5/6

Es ist schon echt anstrengend, jede Woche genau einen fixen Termin zu haben, zu dem man tatsächlich mal aus dem Haus muss. Aber es ist ja bald vorbei, heute war Lektion 5 von 6 dran. Offenbar kann man sich nicht mal für eine Lektion krankmelden, sondern muss dann die verpasste Lektion in einem anderen Kurs bzw. zu einem anderen Zeitpunkt nachholen. Am Dienstag kam ein Mail rum, dass für den Staatskundekurs jetzt Zertifikatspflicht gilt, man braucht also vorher das Covid-Zertifikat (leider auch per Test möglich), damit man hinterher das Kurszertifikat bekommt.

Es ging wieder mit einer Repetition los. Bei 3. musste ich wirklich überlegen, was gemeint war, im Prinzip alles, was mit dem Suffix “rat” aufhört und nicht mit “Bundes” oder “Ständer”* anfängt. Nationalrat, Kantonsrat, Gemeinderat, Stadtrat. Wieso duzen die mich überhaupt in dem Arbeitsheft?

Bei den Aufgaben des Kantons reicht es eigentlich, wenn man die Ämter weiss, die dazugehören, da sind die Aufgaben dann selbsterklärend. Gesundheitsamt, Schulamt, Strassenverkehrsamt, Steueramt. Und Kantonspolizei.

Der Kursleiter schweifte wieder ab und hat offensichtlich auch Steuersatz und Steuerfuss nicht verstanden. Drum muss er sich die Steueroptimierung mit Teilauszahlung der 2. Säule auch von einem Profi (nicht von mir) erklären lassen.

Bei “Was ist eine Initiative?” hab ich spasseshalber mal gefragt, ob die Anforderungen für ein fakultatives Referendum genauso hoch seien wie für eine Initiative. Antwort: ein klares weiss nicht, immerhin zugegeben, aber schade für einen Lehrer in so einem Kurs. Für die Initiative braucht es 100k Unterschriften, für ein fakultatives Referendum “nur” 50k (oder acht Kantone), natürlich beides auf Bundesebene verglichen — in Kantonen/Gemeinden sind es andere Zahlen. Ich wusste es aber da auch noch nicht und werd’s wohl auch wieder vergessen.

Im Ankreuzbogen rechts waren die Antworten nicht immer sehr klar anzukreuzen. Schon allein das mit der Gemeindefeuerwehr in der letzten Zeile: ich zahle mit der Steuerrechnung explizit eine Feuerwehrabgabe, die ich vermeiden könnte, wenn ich mich in der Gemeindefeuerwehr engagierte. In diesem Sinne werde ich dann doch dafür bezahlt.

Danach sind wir die drei herkömmlichen Sektoren kurz durchgegangen (Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistung), und jeder im Kurs durfte mal sagen, in welchem Bereich er arbeitet. Wir hatten 5 Teilnehmer für Industrie und 8 für Dienstleistung, wobei die Abgrenzung auch nicht immer ganz klar ist. Viel mehr in die Tiefe sind wir aber nicht gegangen. Es folgte das Bildungssystem, aber in einer sehr stark vereinfachten Version. Die Vollversion der Grafik gibt’s unten, aus dem wunderschönen Graphisch-statistischen Atlas der Schweiz vom BfS (für Leute wie mich ist das wie ein Asterix-Comic, den man immer wieder neu lesen kann und immer noch was Neues findet). Die Maturaquote ist nicht hoch und das ist gut so. Dafür ist das System in alle Richtungen sehr durchlässig und offen.

Weiterhin kamen wir auf eine beispielhafte Lohnabrechnung und dann, viel wichtiger, ein Budget, also hier die Verteilung aller (unterschiedlich häufig anfallenden) Ausgaben auf einen Monat. Wir sollten uns die Zahlen anschauen und dann überlegen, was stimmt oder was zu hoch bzw. zu tief sein könnte. Dass man aber von 5500 Fr. brutto (steht links daneben, abgeschnitten) als Familie mit einem Kind nicht besonders gut leben kann, war eh klar. Wohnungsmiete zu günstig angenommen (und mit Tippfehler), Steuern passen, Krankenkasse plausibel bei tiefer Franchise, Fahrtkosten ÖV, hm. Die Miete geht eigentlich nur auf, wenn man irgendwo auf dem Land wohnt, dann dürfte aber der ÖV teurer kommen. Ein Auto soll diese Familie nicht haben. Aber was die so für Bekleidung ausgeben? Wow. “Unvorhergesehenes” reicht grad so, um alle zwei Jahre ein neues Velo in den Fuhrpark aufzunehmen.

Der Moment, in dem der Kursleiter bei mir komplett untendurch war, war, als er meinte “die wollen immer, dass wir mit dem ÖV fahren und dann zahle ich 20 Franken bis Zürich — mit dem Auto bin ich da viel billiger”. So einer war mal Kantonsrat und kann nichtmal Vollkosten und Grenzkosten auseinanderhalten. Und das direkt nachdem wir oben ein sehr sinnvolles Budget mit allen Kosten aufgestellt haben. Aber da ja inzwischen eh schon alle wussten, dass ich das GA hab und kein Auto, war der Kurs jetzt klar gespalten und ich wieder da, wo ich sonst auch immer bin: bei der Minderheit 🙂 Aber witzig: man muss mir die Enttäuschung und den Widerspruch auch hinter der FFP2-Maske klar angesehen haben. Böser Blick funktioniert super.

In der Pause hab ich den Beamer mal ordentlich justiert, danach kam ein Vortrag zu Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern. Komische Balkengrafik-Statistiken, wenn man Nobelpreisträger pro Land zählt, wo doch die meisten von denen eh mehrere Staatsbürgerschaften haben. Ich hab mich auf Passivität beschränkt und hab mich auch nicht mehr sonderlich aufgeregt, als etwas von Carl Splitter als Nobelpreisträger geschrieben stand. Der heisst https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Spitteler und ich hab den Olympischen Frühling schon lange im Bücherregal stehen, aber es ist irgendwie nicht angenehm zu lesen und recht umfangreich.

Ein netter und tatsächlich stimmiger Hinweis: “Wenn Sie Schweizer kennenlernen wollen, gehen Sie in einen Verein.” Ja, richtig, nur wenn da im Kurs Leute sitzen, die sich einbürgern lassen wollen, sind die alle schon mindestens zehn Jahre da, da kommt der Hinweis etwas spät. Das wäre eher ein Hinweis, den man direkt nach der Zuwanderung in einem Kurs geben sollte.

Weil die anderen Leute so schlau waren, sich nicht beizeiten für ihren eigenen Vortrag anzumelden, haben wir nächste Woche in der letzten Lektion also fünf Vorträge, damit ist der Kurs schon halb fertig, wenn wir gegen Ende noch in die Altstadt gehen wollen. Immerhin hab ich dann das Fahrzeug am Mann.

*eine Feder im Pletscher-Ständer war wohl gebrochen, das hab ich daheim gemerkt — natürlich hat man exakt so einen Ständer mit KSA18-Aufnahme am Lager und muss den nur noch schnell mit der Flex kürzen. Könnte missverständlich ausgesehen haben, als ich mit Velohose, blauen Einweghandschuhen, einem Stück Pizza in der einen und der Flex in der anderen Hand aus dem Keller kam. Eine Tiles-Tour für max-square=15 von Frauenfeld nach Weinfelden folgte. Und meine Briefkastenklappe schickt mir jetzt via zigbee und nodeRed ein Email, wenn was eingeworfen wird, sehr cool 😀

Waffenplatz Frauenfeld.