Stockholm-Narvik

Nach dem Frühstück im Hotel gab’s eine ausgiebige Stadtrundfahrt in Stockholm, an deren Ende ich ziemlich nass wurde. Die Velorouten sind ganz nett gemacht, aber häufig sind es eben doch noch Fallen, die im Nichts enden, während nebenan 2+ Autospuren verlaufen. Immerhin keine aggressiven Autofahrer, sondern die scheinen alle gewohnt zu sein, dass von überall her Zweiräder auftauchen können. Den Regen hab ich in einem Café bei einer heissen Schoggi abgewartet. Überall hingen noch Wahlplakate herum, das endgültige Ergebnis dürfte morgen 15.09. feststehen.

Von 13-17 Uhr war ich bei einem Eurapco-Kollegen von der LF und wir haben uns ausgiebig über spezielle Versicherungsthemen unterhalten — man kriegt immer wieder gute Ideen. Auch dort hab ich wieder eine längere Regenphase überstanden und bin dann im Trockenen wieder Richtung Bahnhof gefahren. Die letzte halbe Stunde der SJ-Lounge-Öffnung (1.Klasse-Interrailpass) konnte ich auch noch mitnehmen, dort gab’s ganz gutes Essen, aber 18:30 Uhr war Schliesszeit. Generell scheinen die Bahnhöfe hier im Norden (Kopenhagen, Malmö, Stockholm) aber mehr angenehme Sitzplätze und Sauberkeit im Sinne eines Aufenthaltsorts zu haben als in Deutschland, wo Bahnhöfe schon fast zu Unorten geworden sind. 20:14 war Abfahrt meines Nachtzugs.

Diesmal hatte ich morgens noch länger Aussicht aus dem Fenster vor dem Ausstieg, aber es war recht langweilig. Herbstwald in alle Richtungen, dann mal ein See, ein paar Wege, ein paar Häuser, dann wieder Wald und ein paar Hügel. Der Nachtzug hatte aber einen Restaurantwagen, so wie sich das gehört, sehr angenehm zum Frühstücken. Verspätung gab’s auch, sogar +45 in Boden C, aber der Anschlusszug nach Narvik hat das natürlich abgewartet, es fährt ja sonst nichts weiter so weit im Norden. Bisschen wie RhB-Anschlüsse 🙂

Im Zug 96 nach Narvik gab’s nicht mal eine erste Klasse, drum konnte ich die auch gar nicht buchen. Es war aber eh genug Platz und die 2.Klasse-Sitze waren durchaus bequemer als die 1.Klasse-Sitze im ICE, für gut 7.5h ganz angenehm. 4G war auch da (der Nachtzug hatte eh WiFi) und die Landschaft war wieder genauso bis zur Riksgränsen (Reichsgrenze), mit Ausnahme von der Gegend um Kiruna mit dem Bergbau.

Als ob jemand einen ElchSchalter umgelegt hätte, wurde es nach dem Überqueren der Grenze nach Norwegen steinig, schroff, es gab Steilwände, Täler und bald auch den Ofotfjord, nach dem die Ofotbanen (Bahnlinie) benannt ist. Landschafts- und Szenenwechsel wie auf der Berninabahn oder wenn man aus dem Lötschberg im Wallis rauskommt. Während ich in Schweden noch dachte “ah, na hier ist ja ne Bahnlinie einfach hingeklotzt”, war’s dann in Norwegen eher “oha, ist ja wie daheim, der Bau hat sicher etwas länger gedauert”. Bis nach Narvik ging’s noch etwa 400 Höhenmeter runter und wir waren pünktlich da, alles elektrisch ausserdem.

Ich war immer noch in kurzer Hose unterwegs, bei inzwischen deutlich unter 10°C beim Ausstieg in Narvik. Das Budget-Hotel gehört zum Thon-Hotel und ich bekam ein Upgrade. Preisunterschied zum Scandic Hotel etwa 20 Fr. (80 statt 100 Fr.) und Höhenunterschied etwa 100m — macht 10 Rp. Ersparnis pro Höhenmeter (bin die Höhe zweimal raufgefahren) und nein, das hätte nicht weiter skaliert, weil weiter oben keine Hotels mehr sind. Aber egal, der wesentliche Unterschied zu den letzten zwei Nächten war ja, dass das Bett nicht schaukeln würde. Nach einer 11km langen Stadtrundfahrt mit vielen Höhenmetern weiss ich jetzt auch, wo morgen früh der Bus auf die Lofoten abfährt und hab Verpflegung in einem der zwei in 150m Entfernung befindlichen Supermärkte geholt.

Interrail Leipzig-Hamburg-Kopenhagen-Malmö-Stockholm

Abfahrt 08:18 Uhr in Leipzig, Richtung Hamburg. Die Hoffnung war, dass anderthalb Stunden Umsteigezeit reichen würden. Es ist einfach nervig, wenn man nicht in Ruhe fahren kann, auch hier wurde die Verspätung immer grösser, aber es hat gereicht. Während der Fahrt fiel mir auf, dass ich etwa 60h lang kein festes Bett unter mir haben würde.

12:53 ging es weiter mit dem direkten IC394 Hamburg-Kopenhagen, betrieben von den DSB, und mit Diesel. Die deutsche Zugbegleiterin war recht penibel und genervt. Ich hatte online nur eine Reservierung für die 2. Klasse bekommen. Ich hab sie gefragt, ob ich für die 1. Klasse eine brauche, und sie meinte, dass das weder bei den dänischen Kollegen noch bei ihnen klar sei, ob man denn nun reservieren müsse oder nicht. Aber auf alle Fälle wären in der 1. Klasse noch Plätze frei, also bin ich dann dort rüber. Ab der Grenze wurde das Fahrerlebnis ein ganz anderes, was nicht nur an der zelebrierten Maskenfreiheit lag. Der Service mit Heissgetränken in der 1. Klasse begann, der Zugbegleiter hatte gute Laune (auf Dänisch, Englisch und Deutsch), der Zugführer gab von vorn auch sehr detailliert durch, was auf der Strecke passierte und die Landschaft zog flach und teilweise hügelig vorbei. Die Grenzkontrolle war bewaffnet und wollte von jedem einen Ausweis sehen. Hier passiert dasselbe, was auch auf der Strecke München-Zürich passiert: die Züge exportieren die Verspätung aus Deutschland und bringen den Fahrplan im Ausland durcheinander. Wir kamen wegen einer Signalstörung kurz vor der Grenze mit +15min nach Dänemark und trotz Reserven in Fahrplan und Streckenbelegung kamen uns andere Züge dazwischen, so dass wir nach zwischenzeitlich +5 doch mit +30 in Kopenhagen eintrafen. Durch die merklich erhöhte Fahrgeschwindigkeit (180km/h+) und die häufigen Ansagen aus dem Cockpit hatte das Rennatmosphäre 🙂

Ich hab meine dänischen Kronen von Konferenz/Aalborg: Tag 1 gegen Flapjacks getauscht und bin dann rasch weiter über die Öresundbrücke nach Malmö. Velotransport gratis, d.h. ich hab’s gar nicht gefaltet. Der Grenzübertritt war genau 18:47, da kam einerseits die farbige Markierung an der Brücke und auch die Roaming-Info fürs nächste Land. Also 3.5h in Dänemark eingebucht gewesen.

Jedenfalls war ich immer noch gute 3h vor Zugsabfahrt in Malmö, hab mir den Bahnhof angeschaut und eine acht-tilige Stadtrundfahrt über 15km eingelegt. Ich war da schon mal, fiel mir auf, das muss 2007 oder 2008 gewesen sein. Veloinfrastruktur ganz brauchbar, aber es schien sich eh niemand an Regeln zu halten, grad was Beleuchtung und Fahrtrichtung angeht. Den Nachtzug hatte ich schon zufällig beim Rundgang auf der Anzeige entdeckt und er wurde 21:55 Uhr bereitgestellt. Pünktlich 22:35 Uhr rollte er ab.

Kurz danach Fahrkartenkontrolle. Es klopft. Tür auf. Zugbegleiter: “Ihr Vorname?” Ich: “Georg”. Er: “okay.” Tür zu. Minimale Information reicht ja auch zur Authentifizierung 😀

Erste Klasse Schlafwagen (ca. 70 EUR Aufpreis zum Interrail) bedeutet: mit Dusche und WC im Abteil. Witzig gemacht, in dem kombinierten Dusch-WC kann man einen Vorhang fast komplett rumziehen und dann duschen. Ja, die Kabine hat nur etwa “Armlänge x Armlänge” als Grundfläche, aber es geht. Der Zug kam 05:45 in Stockholm an, aber netterweise hat sich da jemand (kein BWLer) Gedanken gemacht und man wirft die Leute nicht an der Endstation einfach raus. Um 06:30 Uhr kommt der Weckruf, erst um 07 Uhr muss man aussteigen. Das kenne ich bisher nur von der Fähre nach Harwich, die auch schon super früh ankam, aber dann halt vor Ort im Hafen lag. Fast hätte ich das Beste verpasst: Frühstück gibt’s im Zug nicht, aber sie schicken alle 1.Klasse-Gäste direkt ins Scandic Continental gegenüber vom Bahnhof. Da konnte ich den Alpenfalter direkt zwischen den Leihrädern in der Lobby unauffällig parkieren und essen, hab einfach die Fahrkarte vorgezeigt.

Jetzt hab ich (entgegen dem Plan) doch bis abends Zeit in Stockholm. Mein Nachtzug direkt nach Narvik wurde mir letzte Woche storniert und ich wurde auf eine andere Verbindung umgebucht. Also fahre ich erst nach Boden, bin dort etwa 10 Uhr morgen früh und dann sind’s nochmal 8h bis nach Narvik — damit verpasse ich den Busanschluss auf die Lofoten und hab mir in Narvik noch ein Hotelzimmer für eine Nacht genommen. Erstmal aber Stockholm-Stadtrundfahrt und einen Arbeitskollegen von der Länsforsäkringär besuchen. Hab zwar Ferien, aber die Übergänge sind fliessend.

Interrail-Planung CH-NO und retour

Man muss echt leicht masochistisch veranlagt sein, um sich einen Interrail-Globalpass zu kaufen und damit ein Routing bis nach Narvik zu fahren. Auf Brouter-Rail sieht das so aus: CH-DE-DK-SE-NO, einfache 3843km (und dann noch 5.5h mit dem Bus von Narvik bis nach Leknes). Der wichtigste Zug ist der Langläufer-Nachtzug von Stockholm nach Narvik, etwa 1500km. Üblicherweise fährt der abends los und ist am nächsten Mittag in Narvik. Wegen Bauarbeiten fährt der aber schon 14:38 Uhr in Stockholm ab, so dass ich entsprechend eher in Stockholm sein muss.

Randbedingung: Abfahrt 12.09. früh in Leipzig, Buchung Unterkunft auf den Lofoten ab 14.09., d.h. Reisezeit etwa 60h.

  • 08.09. Wil-Zürich-Mannheim-Leipzig
  • 12.09. 08:18 Leipzig-Hamburg ICE
  • 12.09. 12:53 Hamburg-Kopenhagen IC394 (Reservation 4 Fr.)
  • 12.09. 18:07 Kopenhagen-Malmö
  • 12.09. 22:35 Malmö-Stockholm im Nachtzug, Ankunft 05:46, Ausstieg bis 07:00 (sehr freundlich gemacht, 69 Fr. fürs Abteil)
  • 13.09. 14:38 Stockholm-Narvik im Nachtzug, 100 CHF fürs Abteil

Eigentlich wollte ich tagsüber von Leipzig bis nach Stockholm fahren, aber auch mit nur 3h der DB im Vorlauf ist mir das zu heikel.

Einige Reservationen habe ich getätigt oder tätigen müssen: die Nachtzüge sowieso, im ICE nur aus Bequemlichkeit, weil ich da eigentlich mit dem 1.Klasse-Pass keine Platzprobleme erwarte. Die Reservationen sollten via Interrail machbar sein, aber die nehmen einen ziemlichen Aufpreis. Den Zug am 12.09. von Hamburg nach Kopenhagen konnte ich weder bei der DB (App, Webseite) noch bei Interrail buchen. Da bin ich dann drauf gekommen, mal bei der Dänischen Staatsbahn zu schauen. Und tatsächlich, noch während ich in der Telefonwarteschleife der DB (!) hing, habe ich es geschafft, mir bei der DSB zumindest eine 2.Klasse-Reservierung für den IC394 zu buchen. Mit 3.97 Fr. war die sogar nur halb so teuer wie via Interrail (8 EUR) oder DB (5.90 EUR).

Inzwischen habe ich Accounts bei der DB, DSB, der SJ und VY (NSB fand ich schöner), letztere betreibt als norwegische Staatsbahn den Nachtzug, der zu >95% auf schwedischem Gebiet rollt. Dafür betreibt die schwedische Staatsbahn SJ den Nachtzug auf exklusiv norwegischer Strecke.

Bei der Rückfahrt wird es nur ganz am Anfang etwas stressig. Der Nachtzug Narvik-Stockholm fällt wegen Bauarbeiten ganz aus. Also Alternativstrecke via Norwegen: ich nehme den frühen Bus um 05:30 ab Leknes bis zur Fähre in Moskenes, fahre mit der 07-Uhr-Fähre nach Bodø. Von da in zwei Zügen, Fähre und mit Unterbrechung heim:

  • 29.09. 12:27 Bodø-Trondheim (nur 2. Klasse-Reservierung online möglich, einfach direkt Sparpreis-Fahrkarte gekauft)
  • 29.09. 23:17 Trondheim-Oslo (Ankunft 06:50, 95 Fr. Einzelabteil)
  • 30.09. 14:00 Fähre Oslo-Kiel (bis 10 Uhr)
  • 01.10. 11:13 Kiel-Thale
  • 03.10. 10:48 Thale-Wil (ETA 20:03, haha)

Es scheint unglaublich kompliziert, aber ich find’s eigentlich spannend, weil ich auch viele andere Verbindungen mit Fähren und Zügen und Faltvelostrecken im möglichen Plan mit drin hatte (z.B. auch die Hurtigruten ab Stamsund, 20km ab Unterkunft). Bisher sind es vier bequeme Übernachtungen, auf denen ich mich fortbewege 🙂

Colorline hat eine nette Preispolitik: die einzelne Überfahrt Oslo-Kiel kostet auf externer Webseite (directferries oder so) 350 EUR. Direkt bei ihnen kostet sie 250 EUR. Wenn ich hingegen eine Cruise buche, also Oslo-Kiel-Oslo, zahle ich nur 130 EUR (und gehe davon aus, dass sie mir wegen No-Show Kiel-Oslo nicht irgendwas nachberechnen). Ist noch die Frage, ob ich ausgefaltet unten reinfahre oder zusammengefaltet als Fusspassagier.

Geplanter Reisepreis bisher etwa 400 EUR, plus Interrail-Pass 601 EUR (der aber noch bis Anfang Dezember ununterbrochen gültig ist). Die Alternative: Flug mit jeweils 2x Umsteigen (12-18h Bruttozeit und Nacht-Layover) und etwa 600 EUR Reisepreis. Vorteil: sehr einfach buchbar.

Fribourg – Neuchâtel

Morgens hatte ich schon mit einer einzelnen Tasche in und um Wil am Alpenfalter mal getestet, wie stabil sich das mit einseitiger Beladung fährt. Geht auch gut, natürlich dann nicht mehr freihändig. Später kam mir spontan die Idee, eine Querverbindung durchs Seeland von Fribourg nach Neuchâtel zu fahren, 50km, relativ flach. Hab mich also in den 10:34-IC gefaltet und bin in Fribourg wieder ausgestiegen und losgefahren.

Zum Trinken muss ich immer noch anhalten, weil ich noch keine schlaue Möglichkeit gefunden habe, einen Flaschenhalter zu montieren. Aber Fotostops kann man ja damit kombinieren. Bald kam die Abfahrt nach Murten und zum Murtensee. Die tiles-optimierte Strecke war ansonsten wieder von brouter mit fastbike-lowtraffic exzellent geplant.

Danach kam viel Landwirtschaft und flache Strecke bis nach Neuchâtel, wo ich wusste, dass es am Ende zum Bahnhof/BfS doch noch steil hoch geht. Aber ich lag gut in der Zeit, der eingeplante 15:56-ICN nach Solothurn hat gut gepasst.

Von Solothurn aus wollte ich bei Biogen noch was abgeben und hab dazu noch einen Umweg über zwei Tiles gedreht.

Die Tour war zufriedenstellend verlaufen, ich hab allerdings irgendwo den Magneten verloren, der die Fuhre im gefalteten Zustand zusammenhält. In Zürich konnte ich beim Weg von Gleis 17 auf Gleis 33 gleich mal testen, wie gut sich das gefaltet über längere Zeit trägt. War tatsächlich nicht lustig, wenn es nicht von alleine zusammenhält und sich dann auf der Rolltreppe auffaltet 😀 Aber mir sind schon tausend praktische Ideen eingefallen, wie ich das besser mache als vorher. Wenn mir der Magnet schon eher abgefallen wäre, hätte ich nur gar nicht erst die Ortliebtasche (siehe Bild) modifizieren müssen. Und die Schaltung spinnt bzw. die Gänge rasten nicht so richtig ein. Nach 15 Jahren, in denen ich dieses Problem einfach so nicht hatte. Ansonsten alles prima, kein Popoweh, die üblichen Beschwerden in den Handgelenken und im Rücken natürlich, aber da dürfte auch einiges mit der Gewöhnung wieder verschwinden. Knapp 53km und halbwegs flach: ridewithgps.com/trips/98249005. Insgesamt 80km heute, gut machbar.

Die erste Klasse im zweiteiligen ICN fährt am Wochenende hauptsächlich gekühlte Luft durchs Land. Das passt mir gut. Wenn ich nicht den Velopass auf dem Swisspass hätte, den sie bei der Kontrolle jedesmal auf ihrem Display sehen, würden sie mich auch gar nie nach einem Velo fragen. In Neuchâtel am See wurde ich noch “C’est électrique?” gefragt und mein “non” kam wohl etwas entrüstet, was aber weitere Nachfragen auch gleich abgeblockt hat. Ansonsten nur norwegische Podcasts als Unterhaltung.

Alpenfalter reisefertig

Nach zähen Umbauarbeiten ist das Dahon, das ich spontan Alpenfalter getauft habe, jetzt reisefertig. Auf der ersten 20km langen Testfahrt mit Gepäck hat es sich als sehr tauglich erwiesen. Mit 9kg Gepäck vorne (vermutlich mehr als das spätere normale Reisegepäck) ergibt sich eine Gewichtsverteilung von 40kg an der Vorderachse und 57kg an der Hinterachse. Bei 13kg Fahrzeugmasse ist mein Körpergewicht damit auch herleitbar. Durchschnittsgeschwindigkeit und Steigrate sind etwa 10% höher als erfahrungsgemäss bei meinem Patria-Reiserad.

Freihändiges Fahren geht ab etwa 25km/h auch, nur die Hemmschwelle, es zu probieren, liegt etwas höher. Ein leichtes niederfrequentes Pendeln (unter 1Hz) kann ich durch Lenkerbewegungen provozieren, das sich aber von selbst wieder stabilisiert. Mini-Serpentinen kann man damit auf jeder einspurigen Strasse ganz bequem fahren. Viel mehr kann ich von diesem Gefährt gar nicht verlangen, und das hab ich auch bei Reiserädern in voller Grösse schon deutlich schlechter erlebt. Das Mittreten geht so bis etwa 30km/h noch gut, danach fehlen die Gänge 🙂 Da die Bremsscheiben ja hier auch ziemlich klein sind, wird das mit der Wärmeabfuhr bei Passabfahrten sowieso sehr grenzwertig, da hilft jeglicher Luftwiderstand bei der Abfuhr von potentieller Energie. Auf alle Fälle ist es auch bei 70km/h noch stabil zu fahren. Wenn die vordere Felge dann mal durch ist, gibt’s direkt ein Upgrade von SON: https://nabendynamo.de/produkte/laufraeder/ (zur Zeit 279 EUR).

Die Ortlieb-Sport-Roller sind inzwischen herstellerseitig entgnubbelt, trotzdem musste ich wegen der speziellen Einbausituation noch die Schiene an einer Tasche nach unten versetzen, damit der Haken an dem Magnet vorbeigeht, der das Rad in der gefalteten Version zusammenhält.

Faltvelo fast fertig

Bis auf den Gepäckträger vorn ist alles dran.

Heute kamen die Speichen von trendcycles.ch — 28 wurden benötigt, bestellt hab ich 32, geliefert wurden 31 (und 32 Nippel). Gut, dass ich immer Reserve für die Fehler anderer einplane. Für die radiale Einspeichung des Nabendynamos waren die Speichen zu lang, also wurde es eine einfache Kreuzung. Felgenband hatte ich nicht vorrätig, also bin ich zum veloköpfli und der hat mir gleich bombenfest eins eingeklebt. Danach ging dann nämlich auch der Reifen wieder rund auf die Felge, vorher hatte er mit dem selbstgebastelten Felgenband immer irgendwo einen Höhenschlag.

Gestern hab ich in Altstetten (8048, nicht das ändere) noch eine andere 33.9mm-Sattelstütze abgeholt, die eine normale Sattelklemmung hat. Im IR13 hatte ich es wieder ungefaltet eingehängt und prompt wollte der Kondukteur was sagen, hat dann aber meinen Velopass beim Einscannen bemerkt und was von “aber das ist doch ein Faltvelo” gemurmelt 🙂 In der Kombination von Stadtverkehr und ÖV ist das unschlagbar praktisch.

Heute kam auch der Brooks geliefert, der der Fuhre gleich noch ein brompton-ähnliches Aussehen verleiht. Endlich bequem sitzen (nach den 1000km Einfahrzeit). Und ich bin ja gewohnt, dass man mich auf meinen Zweirädern komisch anschaut, aber nicht, dass man sich mir in den Weg stellt, um mich zum Fahrzeug auszufragen, wie vorhin im Stadtpark. Okay, da der Weg frei war, bin ich vielleicht auch etwas schnell gefahren, weil das einfach Spass macht. Inzwischen wiegt es aber auch schon 13kg. Mein Favorit aus dem Dahon-Sortiment ist relativ klar: https://eu.dahon.com/bikes/mu-rohloff-i14-2/ (noch aufzurüsten mit Beleuchtung/NaDy/Schutzblechen/Gepäckträger) — wird nur leider nicht mehr produziert.

Die Falt-Pedale brauch ich eigentlich nicht, vielleicht kommen doch noch Klick-Bärentatzen-Pedale dran, obwohl das sicher verboten aussieht, mit Renn-Klickschuhen auf dem Faltrad unterwegs zu sein. Zumal das auch die Praktikabilität der ÖV-Velo-Kombination wieder ruiniert.

Ich warte auch immer noch auf die Freischaltung der Nachtzüge von/nach Narvik: https://www.sj.se/kop-resa/valj-resa/Stockholm%20Central/Narvik%20stn/2022-09-13

Interrail-Zubehör: Faltvelo

Beim Interrail-Passkauf kam mir schon die spontane Idee, mal wegen Velomitnahme verschiedene Routen anzuschauen. Aber da fiel mir auch gleich wieder ein, dass das das unkomplizierte Zugfahren wieder unnötig schwieriger macht. Trotzdem will ich aber am Zielort nicht immobil oder auf den (nicht existenten?) ÖV angewiesen sein. Nichts liegt also näher ™ als ein Faltrad zu kaufen. Spontan fielen mir da die Bromptons (der Klassiker, teuer und wertstabil), die Birdys (auch teuer, heute viel elektrisch) und diverse Dahon-Räder ein (danke an 15 Jahre Rad-Forum mit der Falk-Dahon-Faltrad-Gebetsmühle). Und dann gibt es ja tutti.ch, wo diverse Räder immer wieder auftauchen und Ende Juni auch ein Dahon Curve SL in St. Peterzell für 350 Fr. zu bekommen war. Von der Original-Ausstattung blieb in Gedanken schon nur noch die Nexus 8-Gang und der restliche Rahmen/Gabel/Faltkram.

Batteriebeleuchtung war dran — pfui. Für 300 EUR hätte ich ein komplettes SON-Laufrad passend bekommen können, aber für 50 Fr. (Dynamo Dahon), 20 Fr. (Felge) und 20 Fr. (Speichen) bau ich mir das selbst. Das ging beim Puky damals ja auch. Als Beleuchtung reicht mir der BUMM Avy T Senso Plus und hinten das BUMM Toplight Line Small. Und ja: das sind alles Amazon-Links, weil die Artikel in CH nicht oder nur zu absoluten Fantasiepreisen oder mit ewigen Lieferzeiten zu haben sind und Amazon schon seit längerem versandkostenfreu und üblicherweise auch schon verzollt und mit korrekter, also nicht-ganzzahliger MwSt in die Schweiz liefert.

Was ebenfalls am Puky damals schon ging: Hydraulikbremsen. Eine HS33 war noch im hauseigenen Lager und wurde direkt vorn verbaut. Auch wieder im tutti hat in Olten noch jemand ein HS33-Set (lang+kurz) mit einigen (für mich irrelevanten) fehlenden Teilen für 20 Fr. verkauft — heute früh abgeholt und nach schon vier Stunden war die Hinterradbremse auch noch getauscht. Die Biegeradien sind alle unkritisch, und bei dem Set von heute war sogar ein Winkelabgang mit dabei. Die heute abgeholten HS33 dürften deutlich älter als das Faltvelo sein, weil die Griffe noch aus Vollmetall sind und der Anschluss am Griff anders als gewohnt ist. Aber immerhin hatte ich einen Grund, die klimatisierte Werkstatt (=Büro) hinterher zu wischen.

Was bei der Radgrösse schwierig ist, sind Gepäckträger, sowohl vorn als auch hinten, wenn man die Fuhre auch noch falten möchte. Für vorn hab ich im aliexpress einen Träger gefunden, der in Kombination mit Streben vom Tubus Tara und dem Befestigungsset LM-BF von Tubus wohl passen dürfte. Am Hinterradgepäckträger (den ich jetzt doch wieder montiert habe) kann ich keine Ortliebs einhängen, weil die mit den Füssen kollidieren. Ausserdem hab ich bei diversen “mal-eben-den-Bordstein-hochlupfen” und “Velorampe-am-Bahnhof-hochfahren”-Aktionen schon überrascht bemerkt, dass kurzer Radstand mit hohem Drehmoment am Hinterrad und Gewichtsverteilung “eher hinten” zu Wheelies führt. Da dürften dann Vorderradtaschen dagegen wirken.

Fahrradcomputer ist dran, die Nexus ist natürlich nicht vergleichbar mit einer Rohloff, weder von der Gesamt-Entfaltung noch von den Gangsprüngen. Was sich eignen würde, wäre natürlich ein Schlumpf-Drive, damit könnte ich auch noch das riesige Kettenblatt etwas verkleinern. Und dummerweise ist mir dabei auch eingefallen, dass sich an der Speedmachine ein Schlumpf+Rohloff auch super machen würde, um noch deutlich mehr Entfaltung zu bekommen 🙂 Fahrverhalten: klar fährt es nicht so unbeirrbar geradeaus wie das Patria, freihändig fahren geht eh nicht, beim Wiegetritt und “am-Lenker-Reissen” verformen sich Sattelstütze und Lenkstange elastisch. Aber insbesondere das geringe Gewicht von 11-12kg merkt man sehr deutlich positiv. Und die Reifen summen/rauschen bei 30km/h.

Und was natürlich sehr cool ist: einfach jeden Zug zu benutzen, ohne reservieren zu müssen. Heute 2x IC5 und 1x IC1, alle reservationspflichtig. Nur mit ÖV nach Olten und dort zum Abholpunkt und zurück zu kommen, hätte statt 07:04-10:25 von 07:04 bis 11:25 gedauert. Mit dem Falten (oder im IR ohne, hab ja eh noch den Velopass) ging es sehr bequem und im ICN muss ich auch nicht vom Kopfende des Zugs durch zwei Wagen bis in die 1. Klasse laufen 🙂

Einbürgerung, Dependency II resolved

Die drei Rückflüge BOO-OSL-FRA-ZRH waren langweilig. In FRA gingen fast in jedem Laden die Kreditkartenterminals nicht und in der Lufthansa-Lounge gab’s null Catering. Na dann brauch ich auch keine Lounge 🙂 Und mein Plan ging auf: 17:25 Ankunft in ZRH, mit Gepäckausgabe ist der 17:53-IC zu kriegen (inklusive Bundesrat-Maurer-Begleitung) und so hat es noch genau 18:50 für den Denner in Rossrüti gereicht, um meinen Kühlschrank wieder zu befüllen. Ab 22 Uhr hab ich die Dunkelheit bewundert.

Daheim lagen jede Menge Dokumente, Rechnungen und Geburtsurkunden. Wenn ich schon mal beim Standesamt bestelle (macht man ja generell viel zu selten), dann richtig und zwar alle verfügbaren Varianten. Heute war ich pünktlich beim Zivilstandsamt und hab Einbürgerung — Dependencies II voraussichtlich gelöst. Schön langsam alle Urkunden in der Reihenfolge vorgelegt und ich hoffe, dass keine Rückfragen kommen. Ich bekomme dann Post, darf alle Einträge nochmal prüfen und bestätigen und dann gibt’s Form 7.13*, mit der ich dann beim Einbürgerungsantrag weitermachen kann. Auf meine Nachfrage, wie lange das denn dauere, meinte sie “naja, hmm (Blick auf den Kalender, hier rechnete ich schon mit Monaten)…, wird wohl nächste Woche” 😀

Jedenfalls fällt grad mein Zug Richtung Bern aus und ich komme zu spät zum Hackathon, hab mich aber eh als verspätet angemeldet. Wer lässt denn einen Hackathon zu normalen Bürozeiten um 09 Uhr beginnen? Der kann gern um 09 Uhr aufhören.

*wieso fühle ich mich immer an Passierschein A38 erinnert?

Vesterålen — Lofoten — Bodø

Gemütlich Sachen gepackt, Essen gegessen und eingepackt und Abfahrt. Ich hatte eigentlich eine Nacht länger gebucht, aber eher auschecken geht ja immer. Mein Vermieter kam noch mal vorbei und wollte von mir genau wissen, wie ich das jetzt mit dem Wasserboiler repariert hätte. Mit Schraubenzieher und Foto von den Kabeln konnte ich ihm das zeigen und er hat sich nochmal sehr nett bedankt. Unterhalten haben wir uns auf Deutsch, Französisch und Englisch, er scheint schon gut rumgekommen zu sein in der Welt. Mit dem Spruch you must be an engineer lag er doch ganz richtig, obwohl ich meinte no, I just can’t stand things that don’t work. Ziel heute*: Fähre ab Moskenes am Montagmorgen um 07 Uhr, das waren etwa 250km, mit Zwischenstop in Leknes. Erstmal hat mich der Ryggedalstunnelen wieder aufgehalten, aber ich hätte ja vorher wissen können, dass die nur stündlich den Konvoi durchfahren lassen, und Richtung Osten eben nur um :35. Ich war :39 auf der westlichen Seite angekommen 🙂 Na dann hab ich halt den Benzingenerator für die Schranke bewundert und Podcasts gehört. Die Fahrerinnen des Lead- und Chase-Fahrzeugs (sorry, Solarauto-Slang) hatten auch ihren Spass mit lauter Musik.

*die Tagesgrenzen verschwimmen immer noch

Es war zwar mehr ein Durchfahren von Nord nach Süd, aber die Landschaft mit Sonne drumherum ist tatsächlich so, wie man es von Zigmillionen Instagram-Bildern kennt. Abend-und-morgensonne gab’s unterbrechungsfrei am dafür geeignetsten Strand und gegen 04:30 Uhr bin ich Richtung Moskenes weitergefahren, um mich 05:30 Uhr in Spur 3 für die Fähre nach Bodø anzustellen. Den Passenger-Count machen sie witzigerweise mit Stimmenaufzeichnung, d.h. jeder Passagier sagt seinen Namen in ein hingehaltenes Mikrofon. Na ob das datenschutztechnisch so gut ist, wenn mich Alexa daheim dann mit “Na, du klangst aber nicht besonders ausgeschlafen an der Fähre? Kaffee?” begrüssen könnte?

Lustig auch: weil ich mit Umstieg in FRA zurückfliege, brauch ich wohl noch ein Covid-Zertifikat; erst ab 01.06. ist die Bestimmung für die Einreise nach D dahingehend aufgehoben. Na ich hab ja genügend davon, von mir aus können sie die auch behalten, spritz ich mir halt n neues. Das Reisebudget von 4000 Fr. und 1600 Dosenkilometern dürfte wohl auch hinkommen, hab wieder grosszügig kalkuliert und von dem Rest kauf ich mir ein Eis. Oder ein Brompton für die Kombination mit Interrail.

Meine Haushüte in Rossrüti ist auf Zack: gestern hab ich mal testweise den Smarthome-Raspi neugestartet (Grund: der Briefkastensensor schickt mir fälschlicherweise alle 50 Minuten eine Posteingangsmeldung) und einige nodered-Flows sind noch nicht ganz perfekt konfiguriert. Jedenfalls hab ich am Stromverbrauch der Hütte (>75W) gesehen, dass da einige Lampen angeschaltet sein müssen — und ja, das wurde mir auch umgehend live gemeldet. Aufgefallen ist es, weil es da ja 21 Uhr dunkel ist 😀 Ja gut, hab ich sie halt wieder abgestellt.

Wieso fällt mir immer The Sound of Silence ein? 😀 Rein statistisch hab ich im Vergleich zu meinem Herkunftshabitat jetzt eine Wintersaison (Australien 2004/05) und 14 dunkle Nächte zu wenig. Muss ich im Herbst wohl kompensieren.

Sinahula

Ohne Geocache wäre ich nicht auf die winzige Höhle 780m entfernt von meiner Unterkunft aufmerksam geworden: https://no.wikipedia.org/wiki/Sinahula. Die Schriftstellerin Serine Regine Normann (1867-1939) hat dazumals in der Höhle ihre Werke geschrieben und auch vor ihrem Ehemann versteckt. Ich dachte jedenfalls, die Höhle wäre grösser, aber zumindest hat so die Stirnlampe noch Anwendung gefunden und es sprang auch noch eine Stunde Spaziergang dabei heraus. Ansonsten wie angekündigt: Regenwetter und unter 10°C, ideal für ein paar Näh-/Reparaturarbeiten.