Wil-Wallis-Burgdorf-Bern-Wil

Den Sonntag habe ich mit 6h Zugfahrt und 6h Velofahrt verbracht. Im Wallis, da wo ich letztes Jahr von Sion via Furka und Oberalp nach Disentis gefahren bin, gibt’s ja noch jede Menge unfotografierter Bahnhöfe. Weil ich faul bin und weil das schon anstrengend genug ist, immer von Strassenniveau zu den Bahnhöfen hoch-/runterzufahren, bin ich also mit dem Zug von Wil SG nach Oberwald VS und von dort abwärts gefahren.

Start 07:02 Uhr ab Wil via Wattwil, Arth-Goldau, Göschenen, Andermatt und den Furkatunnel, bis mich der Zug in Oberalp wieder ausgespuckt hat. Diese Tour mit Velomitnahme hätte ich in anderen Ländern gar nie in Erwägung gezogen. Aber es ging alles problemlos, überall war Platz vorhanden und es waren auch noch andere Velofahrer unterwegs.

Wil um 06:50 am Sonntagmorgen.
Der Voralpenexpress mit erstklassigen Velohängeplätzen.

In Wattwil stand ich auf einen halben Meter genau an der richtigen Stelle — Kunststück, gegenüber war vorher der Voralpenexpress in die andere Richtung eingefahren und die werden ja nicht gewendet am Ende des Umlaufs. Es sind noch lange nicht alle Bahnhöfe barrierefrei. Steckdosen waren auch nicht in allen Zügen vorhanden.

Ein Velohängeplatz mit 60cm hohem Zustieg in der Matterhorn-Gotthard-Bahn. Zustiegshöhe = E-Bike-Filter.
Blick hinauf von Andermatt Richtung Furka.

11:10 Uhr war der Start in Oberwald, hier war es schon um die 15°C warm, wohingegen es in Wil 10 und in Wattwil 7°C waren. Zuvor hatte ich schon frisch verschneite Berge gesehen.

Nach etwa 10km kam ein Aprikosenstand am Weg, den ich natürlich per U-Turn ansteuern musste. Bis Brig hatte ich etwa die Hälfte des 1.5kg-Korbs schon gefuttert. In ein paar Jahren wachsen an der Furkastrasse sicher Aprikosenbäume.

Gute Aprikosen.

Je weiter ich den Berg hinunterfuhr, desto stärker veränderte sich der Charakter der Landschaft. Anfangs war es noch waldig (Oberwald) und grün, irgendwann wurde es an beiden Talhängen eher steinig und trocken, später kamen noch die Weinberge dazu.

Blick aus dem Oberwallis hinab.
Blick aus dem Oberwallis hinab.
Blick in die Gegenrichtung bergauf (=hinter mir, von da kam ich).
Der Standplatz am Ortsschild war schon recht abgenutzt, woanders wäre das eine Cacherautobahn.

In Brig war ich auf dem zum Veloweg umgebauten alten Trassee der Furka-Oberalp-Bahn unterwegs, was sich sehr gut fuhr.

In Brig, auf dem ehemaligen Trassee der Furka-Oberalp-Bahn.

Von Eyholz bis Visp ging es im Zug, in Visp dann zum Konditor für Kaffee, Apfelkuchen und Mandelgipfel und noch eine Station weiter mit dem Zug bis Raron, einem absolut nicht barrierefreien Bahnhof.

Auf Walliserdeutsch heisst die Rhone tatsächlich der Rotten, manchmal hatte ich mich beim Blick auf die Karte gewundert. Das Tal wurde jedenfalls unten breiter, dafür die Felswände steiler. Vom Gefühl her hätte es auch das Rheintal Richtung Bodensee sein können, der Gegenwind war ähnlich. Im Radio lief was aus dem Freischütz, dann irgendein Opus von Beethoven und zwischendurch romanische Titelansagen, die aber inzwischen gut verständlich sind und auch die Biografie des Komponisten klappt. Dazu noch einen Mandelgipfel und einfach nicht auf das Routing abbiegen, das mich über ein Militärgelände schicken wollte.

Könnte sicher eine Flugpiste sein.
Das Tal, mal enger, mal breiter, aber immer sonnig.

Eigentlich wollte ich ja bis Martigny fahren, aber um nicht zu spät in Burgdorf zu sein (heute (=Montag) Termin in Bern), hab ich die Tour gemütlich in Sion beendet, bis dahin alle an der Strecke liegenden Bahnhöfe fotografiert. Kurz vor Sion kam tatsächlich noch Supertramp — Take The Long Way Home. Irgendwie passend.

Hier sieht das Rhonetal nach Ödland aus, ein bisschen wie hier in Neuseeland.

Nach einem leckeren gemischtfleischigen Znacht gab es erholsamen Schlaf und am Morgen eine schnelle Fahrt über die 26km Burgdorf-Bern auf schon bekannter Strecke mit abwechselndem Windschatten. Wunderbare nebelfreie Aussicht gab es inklusive und noch einen Bahnhof zum Fotografieren dazu. Insgesamt 12x Velomitnahme in vier (oder fünf?) verschiedenen Bahnunternehmen, 125km Liegevelo in ungezählten Liegestunden 🙂

Ach ja, noch zwei Konzerte und dann Abflug nach Südafrika.

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