Lofoten Ende März

Da ich noch Ferientage vom Vorjahr abbauen muss, bin ich nach langem Zögern doch wieder in Leknes gelandet. Im Nachhinein ganz praktisch, sonst wäre ich jetzt irgendwo in Australien gestrandet, wo gerade die Treibstoffe ausgehen; und meine Flugroute wäre auch irgendwo durch den Nahen Osten gegangen, wo zur Zeit andere Dinge herumfliegen.

Aber auch so war die Anreise spannend. Die Nachtzugverbindung Stockholm-Narvik hatte auf dieser kurzen Vorbuchungsfrist nur noch Einzel-Schlafabteile für etwa 500 CHF, das war mir doch zu teuer. Für weniger Geld hab ich die übliche Verbindung ZRH-OSL-BOO-LKN gebucht, für den 29.03. Diese wurde mir allerdings am 27.03. storniert und ich auf ZRH-CPH-OSL-BOO-LKN umgebucht, also mit Extra-Umstieg in Kopenhagen und drei Stunden früherem Abflug. Dass SAS wegen schlecht gemanagter Treibstoffpreise (und noch nicht wegen tatsächlicher Knappheit) im April etwa 1000 Flüge streichen würde, hatte ich gelesen, diesmal traf es mich halt auch. Am Sonntagmorgen, gut 4h vor Abflug, erreichte mich die Nachricht, dass auch ZRH-CPH gestrichen wurde. Ich bin dann aber trotzdem zum Flughafen gefahren und auf dem Weg dorthin erreichte mich die Nachricht, dass ich von SAS auf einen Swiss-Flug ZRH-OSL umgebucht würde. Das war angenehm, hatte nur den unschönen Nebeneffekt, dass sie mir in Zürich zwar das Gepäck bis nach Leknes durchchecken können, ich das aber in Oslo abholen und wieder neu aufgeben muss, inklusive erneuter Sicherheitskontrolle. Das hat aber nur 45min von meinen gut 3h Umsteigezeit benötigt. Der Rest lief nach Plan, inklusive 15min Fussweg vom Flugplatz ins Zentrum.

Die Unterkunft ist diesmal zentral in Leknes direkt gegenüber vom Kaffe Huset, ein Studio mit allem, was ich brauche, sogar ausreichend für drei Personen. Was allerdings richtig scheisse ist: dass ich eine App installieren und benutzen muss, um die Haustür und die Wohnungstür zu öffnen. Das ist vielleicht für den Vermieter sehr praktisch, aber für mich überhaupt nicht. Ich muss ständig aufpassen, das Gerät dabei zu haben, weil ich sonst nicht wieder in die Wohnung komme. Prompt stand ich auch abends erstmal vor der Tür und konnte die Aussentür nicht öffnen, weil sie mir den Schlüssel nicht gesendet hatten. Mein Vorschlag: PIN-Pad an der Aussentür und dann drin Schlüsselboxen mit Keycode mit physischen Schlüsseln, oder meinetwegen NFC-Badges, aber sicher keine verschissene App auf dem Handy. Es gibt so dermassen viele Fehlerquellen, die dann üble Folgen haben, wenn ich nachts vor der Tür stehe und nicht reinkomme: Akku leer, Handy kaputt, Softwareupdates, Handy geklaut (von Schlüssel- oder Badgediebstahl hört man nie was), keine Internetverbindung, Bluetooth gestört. Ansonsten sehr gut gelegen und komfortabel, Waschmaschine ist auch vorhanden und die Wohnungen sind alle ganz neu. Diesmal geht’s auch ohne Mietwagen und ich bin einfach zum Fast-Nichts-Tun hier.

Ich war natürlich wieder viel zu früh wach (auch nach Sommerzeitumstellung) und am Montag 30. kurz nach 07 Uhr erstmal zum Einkauf im REMA1000. Danach, weil es grad nicht regnete, endlich mal zu Fuss losgelaufen und hoch auf den Borgatoppen, das ist so ein kleiner Hügel mit einem Stern drauf, der im Winter auch beleuchtet ist. Dann zurück und gleich noch einen Ausflug mit Begleitung auf/in Haugheia, das ist der Hügel, um den ich beim letzten Aufenthalt in Gravdal immer drumherum gelaufen bin, um mich zu bewegen. In der Woche vor Ostern (stille uke) haben hier viele frei und drum kamen uns da ab und zu mal Wanderer entgegen. Nach einem Kaffe-Besuch vor der Tür für Kanelbolle und heisse Schoggi gab es abends noch eine sehr lokale Spezialität torsktunge (Dorschzunge) und danach noch die entsprechende NRK-Dokumentation dazu: https://tv.nrk.no/program/KOID75004116 (Tungeskærerne, die Zungenschneider), wo sich ganz traditionell Kinder ihr erstes Geld verdienen, indem sie aus den Dorschköpfen die Zunge herausschneiden und wo es sogar Wettbewerbe dazu gibt. Schmeckt jedenfalls in panierter Form gut 🙂

Geplante Rückfahrt: 09.04. ab Svolvær, drei Nächte auf dem Schiff bis nach Bergen, dann Zug nach Oslo, Schiff nach Kiel, Zug durch D bis zurück in den GA-Geltungsbereich.

Dunkelheit zum Runterfahren

Die Wintersonnenwende steht kurz bevor und wenn dann auch noch Regen und Bewölkung dazukommt, ist und bleibt es einfach nur ziemlich dunkel. Ich find’s gut, hab ja auch sonst immer den Dark Mode aktiviert. Zudem habe ich diese Woche an fünf Abenden (zu wenig für eine 10er-Karte) das neue Hallenbad im Sportpark ausprobiert. Tagsüber ist das nicht öffentlich zugänglich (Schulschwimmen), nur von 17-21 Uhr, wobei wiederum das 25m-Schwimmbecken erst ab 19 Uhr vernünftig beschwimmbar ist. Vorher sind da die 1/3/5m-Sprungtürme noch offen und die Rutsche, so dass man da nicht in Ruhe schwimmen kann. Man wird ja älter und der Lärm und das Geplansche nerven 🙂 Dafür gibt’s noch zwei Saunas (80°C und 55°C Dampfsauna), wobei direkt neben der Dampfsauna ein Becken mit Eiswasser ist, das so um die 5°C hat. Darin halte ich es inzwischen bis zu drei Minuten aus, das scheint nur Gewöhnung zu sein. Es relativiert aber auch die Nützlichkeit von Schwimmwesten, denn nach ein paar Minuten mehr (im Meer) ist man eh schon total unterkühlt.

Grøt ist hier ein Traditionsessen zu Weihnachten, und in der Sauna haben sich mehrere Männer ausführlich drüber unterhalten, ob jetzt das Fertig-Grøt (von Fjordland) oder selbstgemachtes besser ist und was schneller geht. Es gab keinen klaren Gewinner. Ich hadere aber immer noch mit dem Verständnis des lokalen Dialekts, insbesondere bei schlechter Akustik.

Der Sportpark hat dazu eine riesige Handballhalle (bei einer verhältnismässig kleinen Bevölkerung); kein Wunder, dass die Norwegerinnen gewonnen haben.

Letzten Sonntag habe ich noch ein fremdes Cello probespielen dürfen, um eine amateurmässige Begutachtung zu dessen Klangqualität abgeben zu können. Dazu noch zwei airbnb-Hütten angeschaut, die aber nicht so ganz meiner Liga entsprechen. Klar kann man 350-450 EUR pro Nacht in der Hochsaison bezahlen, aber ich brauch für mich allein keine drei Schlafzimmer und zwei Etagen 🙂 Aber in der Nebensaison vermieten sie das auch deutlich billiger, weil da eh kaum Nachfrage besteht.

Als klassischen Weihnachtsfilm haben wir gestern Stirb Langsam bzw. “Die Hard – Aksjon Skyskraper” geschaut, was sehr praktisch ist, wenn man norwegische Schimpfwörter via norwegische Untertitel lernen möchte. Hypp hypp, jævla!

Noch ein paar Impressionen der Woche:

Morgen nachmittag geht’s erst mit Fahrplan durch den Nappstraumtunnel, dann auf die Fähre nach Bodø, eine Nacht ins Hotel und am Montagmittag bin ich wohl wieder an der Arbeit. Gestern war mir auch schon langweilig und ich hab schon mal dienstlich Auswertungstickets sortiert, so dass ich am Montag vernünftig arbeiten kann.

Klarer Himmel und viele Polarlichter

Nach dem Konzert am Mittwoch war der Abend noch nicht vorbei, denn am Himmel kam Partystimmung auf. Also bin ich noch etwas herumgefahren, um die Lichter einzufangen.

Aufgrund der geographischen Breite sind die hier natürlich immer grün bis grüngelb, manchmal mit einem Hauch Lila/Rosa am Rand.

Das sind alles nur Handyfotos mit einem Pixel 8a, meist um 6 Sekunden lang belichtet, teilweise sogar freihand. Je nach Belichtungszeit übertreibt oder untertreibt das Foto die Realität, aber mit der Helligkeit des Vordergrunds kann man es halbwegs einschätzen. Es war aber schon sehr hell diesmal, deutlich heller als 2022 (Nordlichter gemäss Fahrplan) oder 2023 (Lofoten im Herbst (3), Lofoten im Herbst (4))

Am Donnerstag war ja immer noch klarer Himmel, also bin ich nochmal Richtung Henningsvær gefahren, um dort auf den knapp 200m hohen Nipen zu steigen; der 541m hohe Festvågtinden daneben sieht schon im Sommer anspruchsvoll aus, jetzt erst recht. Schon die Anfahrt war sehr hübsch:

Mit der Wanderung war ich schnell durch, konnte zum Glück auf der wind- und schneegeschützten Seite aufsteigen, oben wurde es dann schnell kalt. Hinterher war ich nochmal kurz in Henningsvær selbst, aber es wurde eh schon wieder dunkler. Und das bedeutete nochmal Nordlichter.

Diesmal bin ich also nicht weit herumgefahren:

Später haben wir das in Leknes noch mit einem Lagerfeuer ergänzt, aber es war trotzdem kalt, weil ich natürlich, einer Fehleinschätzung unterliegend, die Merino-Lagen nicht angezogen hatte:

Das ist schon ganz hübsch so als Spektakel. Dafür folgt jetzt laut Wettervorhersage wärmeres Wetter mit Regen. Gestern hat Norwegen im Frauen-Handball das Finale erreicht, am Sonntag geht’s gegen Deutschland. Ist immer noch deutlich spannender als der durchkommerzialisierte Fussball, wo mir dann aus regionalem Anlass noch diese Anekdote wieder einfiel: https://www.spiegel.de/sport/fussball/europa-league-fk-bodo-glimts-220-meter-anfahrt-mit-dem-bus-zum-heimspiel-muss-das-sein-a-c154c82a-996b-40c1-90cb-d4a8a0a5bce8 Es ist echt Unfug, die paar Meter mit dem Bus zu fahren, in Bodø kann man überallhin laufen. Ich bin ja auch zu Fuss vom Flughafen ins Hotel und am nächsten Morgen wieder zum Flughafen gelaufen (und dabei am Stadion vorbeigekommen). Aber ich brauch auch keine Fernsehbilder.

Schnee und bisschen indirekte Sonne

Ein paar Touren habe ich schon hinter mir, alles bekannte Hügel bei verschiedenem Wetter. Immer um die 0°C, mal mit Niederschlag, mal ohne, ab 200 Höhenmeter aber sicher mit Frost. Und es ist jetzt echte mørketid, weil die Sonne seit ein paar Tagen (und bis Anfang Januar) nicht über den Horizont kommt.

Nonstinden (Ballstad) am Samstag:

Henningsvær am Montag:

Wanderung Richtung Justadtinden am Dienstag:

Holandmælen heute (Mittwoch*):

Nach der Wanderung heute war 16 Uhr Probe für den vorweihnachtlichen Musikschulabend, wo ein Orchester und einzelne Solisten (=jüngste Schüler) was spielen und die Eltern und Verwandten zuhören (müssen). Die einzig richtige Antwort auf die Frage “Hvorfor snakker du norsk?” ist natürlich: “Hvorfor ikke?”, insbesondere wenn sie von einer neuseeländischen Cellistin kommt 🙂 Bis auf das ungeplante und ungeprobte (korrekte) Cellosolo im Nordnorsk Julesang war alles unaufregend, hinterher nochmal Pepperkake und bisschen Apéro dazu.

*wenn ich den Wochentag erst nachschauen muss, ist das doch ein sicheres Zeichen für gelungene Ferien. Auf Arbeit stapeln sich schon die Tickets — aber hey, ich hab Zeiterfassung und find’s super so, dass ich jetzt einfach Überzeit abbummeln kann (und laut GAV und Weisung auch muss).

Nochmal Lofoten :)

Weil’s so schön war und ich den Dezember hier noch nicht hatte, bin ich zum Überzeitabbau nochmal nach Leknes und Umgebung gereist. Da die Bahnstrecke zwischen Trondheim und Bodø ab Steinkjer südwärts unterbrochen ist und ich keine Lust auf buss for tog (Bahnersatz) habe, wurde es doch wieder das Flugzeug, diesmal nur bis Bodø, weil Flug und Mietwagen so viel günstiger sind, selbst wenn ich zwei Fährfahrten und zwei Hotelübernachtungen in Bodø einrechne. Ausserdem ist es auf keinem Buchungsportal möglich, die Verbindung bis/von LKN zu buchen, ich müsste eh immer stückeln und verliere dann einerseits die Fluggastrechte und müsste jedesmal neu einchecken.

Also Abflug am 04.12., abends ins Comfort-Hotel in Bodø (gelaufen vom Flughafen), morgens Mietwagen geholt und nochmal die Ladeinfrastruktur getestet. Bisher hatte ich als Provider Bilkraft.no, aber die haben nicht überall Stationen. Per Zufall habe ich in der Easypark-App, mit der ich auch das Parking bezahle, gesehen, dass die auch Ladestationen eingezeichnet haben und ich die auch in der App direkt freischalten und bezahlen kann. Sehr praktisch. Da bin ich also am Nachmittag zu einem Geschäftsparkplatz gefahren und hab mich da eine Weile an der Ladesäule hingestellt (hab extra die langsame mit 7kW genommen) und auch noch die Parkgebühren gespart. Die Fähre hatte ich schon online gebucht, hab das Fahrzeug dann in die passende Reihe gestellt und bin nochmal in die Stadt gelaufen.

Die Fähre war ziemlich leer, planmässig 16:45-20:00, um 20:15 Uhr konnten wir runterfahren. Dann begann aber ohnehin der Taktverkehr: der Nappstraumtunnelen, der etwa 50km weiter nördlich liegt, wird zur Zeit saniert, d.h. es gibt tagsüber halbstündlich und abends stündlich pro Richtung eine Durchfahrt mit Führungsfahrzeug (ledebil). Also habe ich erstmal alle vorbeifahren lassen, bin dann gemütlich 21:20 in Napp angekommen und hab mich in der Schlange angestellt. Pünktlich 21:30 Uhr kam von hinten der 300er-Linienbus, hat Lichthupe gegeben und vorn fuhr das Führungsfahrzeug los. Alles gut abgestimmt hier. Das Auto ist ein MG4 mit 64kWh und hat praktischerweise ein Ladegerät von Schuko auf CCS dabei. Ich kann direkt ans Wohnzimmerfenster der Unterkunft fahren und das Kabel ist lang genug. Nur die Ladebegrenzung muss ich anpassen, sonst fliegt die Sicherung des Wohnzimmers, wenn die Bodenheizung anspringt. Reproduzierbar getestet 🙂

Ansonsten auf Meereshöhe recht schneefrei und mit Plusgraden, weiter oben aber schnell windig und frostig.

Lofoten: Epilog

Auf 13.61°E und 68.14°N war den Rest der Zeit eher Regenwetter und Sturm (>20m/s) angesagt, zwischendurch mit kurzen Wolkenlücken, aber es war beinahe unmöglich, die fünf Minuten zu Fuss zum Supermarkt ohne Regen zu schaffen. Das E-Auto war weiterhin problemlos, das Laden desselben ebenfalls (5.62 NOK pro kWh an der Säule, während gleichzeitig der Haushaltsstrom 0.30 NOK pro kWh kostet) und ich hab alle meine sonstigen Tickets abgearbeitet.

Am Montag war nochmal Orchester, diesmal waren wir im kleineren Kinosaal. Zwischendurch mal eine längere Spazierrunde in der Mittagspause.

Am Donnerstagmorgen um 07:30 Uhr hatte ich einen der elf Flüge, die täglich von Leknes nach Bodø (und umgekehrt, sonst wäre ja irgendwo Flugzeugmangel) gehen, gebucht. Aus unerfindlichen Gründen war es nicht möglich, ein durchgehendes Ticket Leknes-Zürich zu buchen, also gab es diesen Einzelflug. Die Sicherheitskontrolle in Leknes hat mich vor einem mutmasslich teuren Fehler bewahrt: ich hatte den Autoschlüssel noch in der Hosentasche. Da ich wie üblich viel zu früh am Flugplatz war, bin ich einfach nochmal kurz die fünf Meter zurückgelaufen und hab den dort in die Avis-Box eingeworfen. Die eigentlich lange Wartezeit in Bodø wurde dadurch erheblich verkürzt, dass die Dirigentin in ihre Heimat (Moldau) unterwegs war und ebenfalls so lange warten musste, weil es nicht durchgehend buchbar war. Der inner join unserer Sprachen war Norwegisch und sie kennt jetzt alle unsere Orchester-Konzertprogramme, weil sie selber noch auf der Suche war und was organisieren muss.

Was wieder eindrücklich war: wie schnell das Wetter und die gesamte Lichtstimmung von Spätsommer in Spätherbst bis Winter umschlagen. 2h weniger Tageslicht in zwei Wochen, entsprechend am Ende auch schon verschneite Bergspitzen, am Anfang 20°C, am Ende knapp über Frost.

Justadtinden

Am Freitag war gutes Wetter, also hab ich die Arbeitszeit durch Aus- und Einstempeln etwas länger unterbrochen und bin auf den Justadtinden gelaufen, wo ich vor knapp zwei Jahren auch schon mal war: Lofoten im Herbst (3). 772 Höhenmeter, 3:10h in Bewegung, nach 1:45h war ich oben, inklusive vieler kurzer Aussichtspausen. Die Lage der Nation und Jung&Naiv mit dem Gründer des ZPS haben auf höherer Geschwindigkeit für Auf- und Abstieg ausgereicht. Gleichzeitig hatte ich noch ein SQL-Problem im Kopf.

Danach noch ins Café, mit Laptop unterm Arm, eingecheckt, Emails beantwortet, heimgefahren und weiter Daten ausgewertet. Und am Samstagmorgen noch eine ergänzende Auswertung gemacht, weil mir die Lösung dazu tatsächlich über Nacht eingefallen ist 🙂

Samstag war absoluter Faulenzertag mit viel Schlaf, heute bisschen Spaziergang und Geocaching. Bisher noch keinen Buff gefunden, dafür heute einen älteren Cache am Platz eines neueren. Noch drei Arbeitstage, packen, am Donnerstagmorgen geht’s heim zur Bodenheizung.

Nonstinden mit Treppe

Am 14.09. gab’s ja noch ein paar Nachtfotos. Nach den nicht vorhandenen Nächten hier im Juli sind ja jetzt halbwegs normale Tag-Nacht-Verhältnisse, bevor es nach der Tagundnachtgleiche dann immer mehr Nacht wird. Auch jetzt merkt man die Abnahme der Tageslänge um 8min pro Tag schon deutlich, das ist immerhin eine halbe Stunde in vier Tagen. Für Sonntag war ein hoher KP-Index angekündigt, darüberhinaus auch klarer Himmel, also hab ich mich zu einem passenden Aussichtspunkt begeben (oberhalb von Mortsund) und gewartet. Die Felsen waren noch warm von der Sonne, der Wind aber schon deutlich kälter. Die Nordlichter waren schwach vorhanden.

Gestern 15.09. kam erstmal mein Vermieter vorbei, danach Handwerker. Es gibt/gab einen Wasserschaden, der dazu geführt hat, dass das ganze Wochenende das Wasser gerauscht hat und irgendwo hingelaufen ist (unterm Haus, draussen, ungefährlich). Der erste Handwerker kam mit der Wärmebildkamera, danach dann etwas später die Rohrverleger, ein paar Wände aufgemacht, Problembehebung skizziert, heute sind sie wieder da, bohren Löcher und verlegen neue Rohre.

Ich war derweil draussen, von Ballstad hinauf auf den Nonstinden, wo ich auch 2023 schon mal war: Mannen / Nonstinden+Munkan. Inzwischen führt den ersten sehr steilen Teil des Wegs eine gut ausgebaute Treppe hinauf, danach kann man auf der schrägen Hochebene ganz gut weiterlaufen. Fast keine Leute unterwegs, leicht sonnig, trocken und sehr windig.

Abends wurde mir noch eine Orchesterprobe organisiert. Das war sprachlich deutlich einfacher als 2012 im Lindenhof in Wil 🙂 Es gab neben norwegischen Noten natürlich auch was von Edition Peters mit deutschen Beschriftungen. Bisschen Blattspiel (wie immer, ähem), nächste Woche nochmal, ein Cello zum Mitspielen hat die Musikschule noch herumstehen gehabt.

Lofoten (mal wieder)

Fast zwei Jahre, nachdem ich in gekündigtem Zustand in Unstad war, habe ich das Luxusproblem, dank Zeiterfassung viel Überzeit zu haben und die regelmässig abbauen zu müssen. Die Ostseerunde im Mai war auch schon so eine spontane Reise. Ausserhalb der völlig überfüllten Sommersaison ist Leknes und Umgebung sehr angenehm. Der Hinflug hatte wieder etwas Spannendes, weil OSL-BOO Verspätung hatte (am Morgen hatte das Flugzeug in seinem Umlauf in Milano was aufgesammelt), aber dann in Bodø trotz komplett aufgebrauchter Umsteigezeit der schlanke Anschluss nach Leknes gewährleistet war. Gepäck war auch alles da, Mietwagen war bestellt, Unterkunft auch.

Diesmal bin ich in Gravdal, auch wieder im untersten Geschoss eines Mehrfamilienhauses, eine komplett eigene Wohnung. Schlüssel im Briefkasten, wie üblich. Die Vermieter sind nicht da, haben aber am Freitag noch in ihrer Küche oben irgendwas am Wasser kaputtgemacht, so dass ich jetzt die ganze Zeit das Frischwasser-Rauschen in den Leitungen höre. Es ist ja eh genug Trinkwasser da und es gibt wohl auch keine Wasserzähler, also läuft es halt 🙂

Samstag: mal ein neuer Berg, der Guratinden.

Erstaunlicherweise hab ich dann sogar mal länger geschlafen als nur bis 06 Uhr. Heute (Sonntag 14.) war Sonne angesagt, also bin ich auf den Middagstinden und den Breitinden gelaufen. Unterwegs kam mir das irgendwie schon bekannt vor, und tatsächlich, 2023 war ich mit dem zweiten Faltvelo hier auch schon unterwegs. Diesmal bin ich aber nicht vom Breitinden wieder den gleichen Weg zurückgelaufen, sondern weiter Richtung Norden und dann irgendwo eine Abkürzung nach links, runter zur Strasse nach Mortsund, wo ich das Auto hingestellt hatte. Drum waren diesmal auch ein paar steile Kletterpartien bergab dabei, genau dort, wo witzigerweise auch auf der OSM-Karte kein Weg eingezeichnet ist.

Im Prinzip sollte man heute noch starke Nordlichter sehen können, aber der Himmel wird sich wieder zuziehen.

Ostseerunde (5)

Bei der Finnlines-Fähre merkt man, dass das wohl eigentlich eher eine Fracht-/Güterfähre ist, im Gegensatz z.B. zu Oslo-Kiel, die eher Kreuzfahrtcharakter hat. Die Preise für Essen an Bord sind extrem hoch, 32 EUR fürs Frühstücksbuffet und 40 EUR fürs Mittags-/Nachmittags-/Abendbuffet waren sogar mir zu viel, nachdem ich schon 324 EUR für die Überfahrt mit Innenkabine gelöhnt hatte. Aber ich hatte mich im Supermarkt in Helsinki noch aufmunitioniert 🙂 Auch Wifi mit 1 EUR pro Stunde Fährfahrt wäre ziemlich teuer gewesen, da bin ich lieber ab und zu mal an Deck gegangen, habe die Aussicht angeschaut, diverse Roamingnachrichten bekommen und bin wieder in die Kabine abgetaucht. Jetzt hab ich die dritte und vierte Staffel von Friends auch durch, nachdem wir zum Jahreswechsel bei der fünften Staffel angefangen hatten. Lohnt sich, auch wenn man die Mechanismen der Gags irgendwann kennt und vorhersagen kann, was gleich passieren wird — wie bei Big Bang Theory auch. Ziemlich unschön ist die betriebswirtschaftliche Optimierung der Fähre dahingehend, dass 1.5h vor Ankunft das Personal durchkommt und die Bettwäsche und Handtücher in den Kabinen einsammelt. Klar, es ist dann 19:30 Uhr am zweiten Seetag, aber im Hotel kommt doch auch keiner um 08:30 Uhr durch, wenn man 10 Uhr auschecken muss.

Was bei der Finnlines-Fähre allerdings auf beiden Terminalseiten total nervig ist, ist der Shuttlebus-Service für Passagiere ohne Fahrzeug. Beim Einsteigen kommt man vor den Fahrzeugpassagieren drauf, weil der Shuttlebus ja auch wieder rausfahren können muss, solange die Decks noch leer sind. Beim Aussteigen muss man erst warten, bis zwei oder drei Decks leer sind und der Shuttlebus reinfahren kann. So ein echtes Terminal mit Aussteigegate ist da viel angenehmer und man ist schneller draussen. Wir haben also nach dem Anlegen um 21 Uhr etwa 45min gewartet, bis der Bus uns abholen kam, vielleicht 30 Personen. Dann hat der uns ans Terminal gefahren, was insofern ziemlich passagierunfreundlich ist, als man da erstmal ewig sucht, wo der Ausgang ist (ich war nicht der einzige, der Beschriftungen gesucht hat) und dann steht man an einer Bushaltestelle (Skandinavienkai Terminal) mit wenig Verkehr. 21:44 sollte eine Verbindung fahren, Bus nach Surenfeld, dort dann in den Bus, der von Travemünde Strand bis nach Lübeck ZOB fährt. Ja cool, eigentlich. Ich war mit einem Niederländer unterwegs, der die Ostseerunde auf der Südseite der Ostsee gemacht hatte (“maximize distance to anything Russian”) und auch alles mit dem ÖV und Interrail macht. Wir standen dann also nach kurzer Fahrt in Surenfeld, der 30er-Bus nach Lübeck kam in Sicht — und fuhr vorbei, weil er komplett überfüllt war. Die Haltestelle ist im Nichts, dort fährt Ewigkeiten auch nichts mehr, das ist ziemlich frech. Aber wir hatten Optionen: 10min laufen nach Kücknitz, von dort mit dem Regionalexpress nach Lübeck. Dort stand nur, dass der RE in Richtung Strand Verspätung hätte, und als ich dann nachgeschaut habe, war klar, warum der Linienbus so voll war: der stündliche RE vom Strand nach Lübeck war ausgefallen. Es kam dann noch ein ebenso überfüllter Ersatzbus (äh hallo? Ein Gelenkbus für einen kompletten Doppelstockzug? Und sonst so?), der uns aber noch einsteigen liess. Nur dank Kartenmaterial wusste ich ungefähr, wo der lang fuhr, und mit einem überfüllten Niederflurbus auf der Autobahn ist auch mal ein Erlebnis, auf das ich eigentlich gern verzichtet hätte. Nach einer halben Stunde waren wir am Bahnhof Lübeck, von dort waren es noch 15min bis zum IBIS. 23 Uhr eingecheckt, ins Zimmer — Klimaanlage war aus oder kaputt, ganz grosses Kino. 20 EUR pro Stunde bezahlt und dann in ein Zimmer, bei dem man das Fenster nicht aufmachen will, weil davor eine sechsspurige Strasse verläuft (und kälter war’s draussen auch nicht).

07:09 Uhr Abfahrt ab Lübeck, es war um 06:30 Uhr alles noch tot und leer, alle Bäcker und Läden noch zu — man wird von Obdachlosen und Flaschensammlern belästigt, im Zug dann von einem aggressiven Junkie, der von der renitenten Zugbegleiterin hinauskomplimentiert wurde. Alles also wie immer und gerne verzichtbar. Im ICE ab Hamburg nach Zürich (wetten oder nicht?) ist die 1. Klasse schon zu mehr als der Hälfte mit Schweizern belegt, kurz vor Hannover schnarcht schon jemand, auch das wie immer 🙂 Daheim läuft die Klimaanlage und der Heizstab macht bald warmes Wasser. Es folgen drei Tage in Bern *gähn*, also 1’200 Bonus-Bahnkilometer nach den 5’300 Bahn- und 1’120 Schiffskilometern rund um die Ostsee.

Im Prinzip hätte ich das Faltvelo schon mitnehmen können, aber dort, wo ich länger war (Helsinki), war nun nicht unbedingt Velowetter und die Strassenbeläge mit sehr grobem Kopfsteinpflaster plus Regen und Tramschienen auch nicht zum gemütlichen Fahren geeignet. Für die Fähre wäre es wiederum sehr praktisch gewesen und dann natürlich für die Fahrt nach Lübeck viel stressfreier. Aber auch ohne Velo hab ich mich wohl genug bewegt und bin gut rumgekommen. Finnisch ist witzig, vor allem weil die zweite Landessprache Schwedisch ist und das mit Norwegischkenntnissen gut geht.