Völkerverständigung

Wo es auf Deutsch heisst “Nicht einsteigen”, heisst es auf Französisch “Ne pas monter, s.v.p.!” Ähnliche Unterschiede in der wortreichen oder wortkargen Höflichkeit habe ich auch gestern abend auf der Rückfahrt von einer Feier in St. Gallen im ICN-Restaurant festgestellt:

Zweisprachige CFF/SBB-Entschuldigung, inklusive Tippfehlern
Zweisprachige CFF/SBB-Entschuldigung, inklusive Tippfehlern
Das in den späten Abendstunden unbediente Bordrestaurant finde ich persönlich noch bequemer als die erste Klasse. Mit dem GA könnte man sich da abends durchaus mal zum Jassen treffen.

Altbundesratssammlung plus drei

Arnold Koller, Ruth Metzler, Moderatorin Beatrice Gmünder, Hans-Rudolf Merz
Arnold Koller, Ruth Metzler, Moderatorin Beatrice Gmünder, Hans-Rudolf Merz

Im Januar war ich ja bei der Neujahrsveranstaltung der SVP in Wattwil, wo Altbundesrat Christoph Blocher über bedeutende Persönlichkeiten aus dem Toggenburg referierte. Bisher hab ich noch keinen amtierenden Bundesrat getroffen, aber dafür heute beim Ausflug nach Appenzell drei weitere Altbundesräte in einer moderierten Diskussion erleben dürfen. Continue reading “Altbundesratssammlung plus drei”

Humor beim Frühstück

Ausschnitt NZZ-Titelseite vom 20.06.2013
Ausschnitt NZZ-Titelseite vom 20.06.2013
Soll ich das jetzt als unfreiwilligen oder als beabsichtigten Humor auf der Titelseite deuten? Das geht schon in die Richtung des Newsticker vom Postillon. Weil’s so gut ist, hier der Link zur fünften Folge von Tagesschaum. Dafür lohnte sich jeder Gebühren-Euro, genauso wie sich jeder Gebühren-Franken für Giacobbo/Müller lohnt.

Tagesausflug an den Lac Léman

Recht kurzfristig kam ein Besuch bei Nestlé rein und heute ging’s 3.5h hin und 3.5h zurück, dazwischen angereichert mit jeder Menge Informationen über Nestlé, ungläubiges Staunen (ungelogen) über die Produktpalette, Nespresso und die Kantine. Das Drittbeste: durch den angeschlossenen Nestlé-Werksverkauf zu gehen und sich zu fühlen wie in einem gewöhnlichen Supermarkt: alles da und alles Nestlé. Das Zweitbeste: die Aussicht vom Firmensitz in Vevey aus. Das Beste: die Viersprachigkeit des Tages. Den verpassten Französischkurs habe ich wohl mehr als wettgemacht und die Hemmschwelle zum Französischsprechen, auch wenn’s eben nicht (oder auch “nicht eben”) perfekt ist, ist gefallen. Mir war’s ja eigentlich schon von vornherein klar, dass es eh auf Französisch laufen würde 🙂

Hm, Säntis oder Genfersee? Was ist besser?
Hm, Säntis oder Genfersee? Was ist besser?
Dekoratives Wetter war auch, nur eben etwas warm.
Dekoratives Wetter war auch, nur eben etwas warm.
Badges überall
Badges überall
Wenn man so beim Kaffee auf der Terrasse sitzt...
Wenn man so beim Kaffee auf der Terrasse sitzt…
Seeblick, gegenüber ist Frankreich.
Seeblick, gegenüber ist Frankreich.

Tagesschaum-Kanal

Auch wenn natürlich die Macher von “Tagesschaum” ihren eigenen Kanal haben, habe ich für die offiziellen Folgen, die auch im Youtube stehen, einen eigenen Kanal angelegt. Der Küppersbusch ist wirklich unglaublich gut, wahnsinnig ironisch und verpackt in ganz kurze Sätze sehr viel explosive Information, die man erstmal interpretieren muss.

Tagesschaum

Wer’s nicht mitbekommen hat, weil es mal wieder im Spartenfernsehen oder spätabends läuft: von Friedrich Küppersbusch gibt es (vorerst befristet bis zur Bundestagswahl) eine neue Sendung: Tagesschaum. Die wird auch ganz regulär bei youtube veröffentlicht, sogar bevor sie im WDR läuft. Die erste Folge vom 10.06.2013. Sehr gut, der Mann. Das war er auch schon immer. Wer wissen will, wie er vor 20 Jahren aussah, findet hier einen Ausschnitt aus Schmidteinander, wo er damals als bekannter Moderator des politischen Magazins ZAKauftrat. Er wird mit dem Alter immer besser, so wie auch Harald Schmidt.

Recension infernale

Die Jungs lesen lieber digital.
Die Jungs lesen lieber digital.
So schnell kann’s gehen, etwa 50-60 Seiten pro Stunde (das hat Elke Heidenreich neulich bei Giacobbo/Müller auch als Lesetempo angegeben) und schon ist das Buch wieder durchgelesen. Vor allem hatte ich die digitale Version von Dan Browns neuem Buch schon durchgelesen, bevor die gedruckte in der Post war. Zum Schreibstil und der Spannung gibt’s nicht viel zu sagen, das ist beides sehr gut, wie von Dan Brown halt gewohnt. Und logisch, wenn sich das in den Verkaufszahlen rentiert, macht er das eben bei jedem weiteren Buch genauso wie vorher. Aufgrund der 100 Kapitel sind es aber auch gefühlt mindestens 99 cliffhanger (einer am Ende jedes Kapitels) und das geht mir dann bei dem Lesetempo doch etwas auf den Zeiger.

Inhaltlich (Achtung: Spoiler) dreht sich der weltbewegende Spannungsbogen um die Frage, wie wir die Erde retten. Ziemlich ketzerisch, aber aus rationaler Sicht vollkommen logisch, setzt der Antagonist in Inferno bei dem Gedanken an, dass das grösste Problem die stetig (exponentiell) wachsende Bevölkerung ist und der damit ebenso ansteigende Ressourcenverbrauch. Statt an den Symptomen herumzudoktern, entwickelt er durch genetisches Engineering ein Virus, das sich weltweit verbreitet und einen Grossteil der Menschheit unfruchtbar macht. Robert Langdon, der Protagonist, muss dann wieder viele Rätsel lösen (u.a. in Florenz, Venedig und Istanbul), bis er der Virusfreisetzung noch zuvorzukommen vermeint, um dann aber festzustellen, dass alles schon zu spät ist. Die Details der ganzen Handlung sind, wie gesagt, sehr spannend geschrieben, aber insbesondere die Kernthese ist völlig logisch, aber mit derzeitiger ethischer Verantwortung überhaupt nicht zu vereinbaren, und diese Widersprüche werden auch bestens im Buch herausgearbeitet. Als häufiges Beispiel werden unter anderem die weltweiten Pestepidemien herangezogen, die zwar kurzfristig natürlich verheerend waren, aber das Bevölkerungswachstum für eine Weile gedämpft haben. Im Prinzip sind für die Reduktion der Menschheit auf eine erträgliche Anzahl ja auch Weltkriege eine passende Möglichkeit, aber im Buch geht’s eher darum, wie man so eine Reduktion deutlich humaner gestalten könnte, um langfristig das Überleben der Menschheit in der Gesamtheit zu sichern.

Ich kann das Buch also uneingeschränkt empfehlen. Es lohnt sich sicher auch, vorher von Dante die Göttliche Komödie zu lesen und sich die beschriebenen Schauplätze in Florenz oder Venedig anzuschauen. Für The Lost Symbol (unpassender deutscher Titel: Illuminati) konnte ich die Spielplätze in Washington D.C. immerhin nachvollziehen. Für The Da Vinci Code (ebenfalls unpassender deutscher Titel: Sakrileg) kann ich das zumindest für Paris teilweise. Insbesondere in Florenz werden jetzt wohl Bustouren kreiert werden, die die Schauplätze des Romans zeigen, so wie das z.B. für Paris schon lange gang und gäbe ist. Das Buch ist auch noch ein klitzekleiner Grund mehr, als nächste Fremdsprache Italienisch zu lernen, weil schon recht viel italienische Texte (mit gleichzeitiger Übersetzung) verwendet werden. Immerhin kann ich nach fast einem Jahr Französischkurs jetzt (erstmals) halbwegs problemlos Fernsehserien oder Nachrichten verfolgen und es macht Spass, dran zu bleiben.

Der Motzer aus Luzern

Hach, ich liebe dieses Land und unsere Luxusprobleme hier: http://www.youtube.com/watch?v=yAV30TLCu6Y (ohne Verständnis vom Luzärndütsch wird’s aber wohl sicher nicht lustig). Ausschnitte davon kamen bei Giacobbo/Müller am 26.05., am Oberarmtattoo fehlt anscheinend noch das Präfix SP, so dass daraus SPQR wird, was bei Asterix in der entsprechenden lateinischen Version mit “Die spinnen, die Römer!” übersetzt wird, aber hier sicher eine andere Bedeutung hat. Dass da im Video die beiden Buchstaben SP vom Tattoo nicht zu sehen sind, hat aber wohl eher nichts damit zu tun, dass der Massimo ganz sicher nicht der SP nahesteht, was man ja im Verlauf deutlich mitbekommt, wenn er sich über die Demonstration der Linken aufregt.

Endlich mal Deutschenfeindlichkeit erlebt

Nachdem ich jetzt ein gutes Jahr hier bin, hab ich jetzt doch endlich mal persönlich gegen mich gerichtete Deutschenfeindlichkeit erlebt. Nach der Orchesterprobe am Montag spätabends habe ich mich auf dem Heimweg noch mit einem Zeitungsredakteur unterhalten, ich auf Hochdeutsch, er auf Schwizerdütsch. In ein paar Meter Entfernung am Wiler Bahnhof stand jedenfalls ein etwas abgebrochener Mann (Typ “Gesellschaftsverlierer”) herum, der dann plötzlich anfing, lautstark, penetrant und unflätig seinen Deutschenhass zu äussern. Mein Gesprächspartner war erstmal entsetzt “dass es so was noch gibt”. Viel witziger war allerdings ein Jugendlicher auf einer Sitzbank, der dazu laut und deutlich meinte “besser Deutsche als Jugos oder Türken”. Der Pöbler jedenfalls hatte zu mir persönlich nichts zu sagen, es waren nur allgemeine Ressentiments. Vor einem Jahr hätte mich das schon durchaus verschreckt, aber sowas ist echt die Minderheit und da fand ich die ganze Szene nur ausserordentlich komisch. Eigentlich hätte ich ihm die NZZ in meiner Tasche um die Ohren hauen und auch noch sagen können, dass ich inhaltlich der SVP am nächsten stehe, aber das mach ich erst, wenn ich’s zuverlässig auf Schwizerdütsch hinbekomme.

Der Bundeswahlleiter hat jetzt auch endlich das Antragsformular für die Bundestagswahl online gestellt. Mal sehen, wie schnell sich meine letzte HeimatMeldegemeinde bequemt, mir die Briefwahlunterlagen zukommen zu lassen. Wählbar ist ja sowieso keine deutsche Partei, ich kann immer nur für das kleinste Übel stimmen. Mich fragen auch viele, warum Merkel so beliebt ist, aber mir bleibt da immer nur zu konkretisieren, dass sie “vergleichsweise beliebt” sei. Wenn man sich die Alternativen anschaut, ist sie eben, um sie selbst zu zitieren, leider alternativlos. Ich schau halt einfach, was für die Schweiz gut ist, und stimme dann entsprechend ab.

Auffahrtsnachbereitung und Buchtipps

Da Auffahrt (Christi Himmelfahrt) hier auch ganz regulär Feiertag ist, ist auch der nachfolgende Freitag ein üblicher Brückentag. Da ich an dem Tag (und an Auffahrt sowieso) ganz normal schaffen gewesen bin, fiel mir doch irgendwie auf, dass der Veloabstellplatz deutlich leerer war als sonst (oberes Foto). Normalerweise ist es deutlich voller, auch wenn das zweite Foto noch nicht die absolute Vollbelegung zeigt.

20130510-veloabstellplatz

20130513-veloabstellplatz

Heute erscheint übrigens der neue Dan Brown. Beim Buchstöbern und Rätsellösen in einer nahen Buchhandlung bin ich dummerweise auf die Nachfolgebücher von Daniel Suarez gestossen, dessen Buch Daemon ich schon gelesen hatte. Der direkte Nachfolger Freedom (TM) war mindestens genauso spannend (ein page-turner) und mit dem aktuellen Buch Kill Decision ist er für mich zum legitimen Nachfolger vom leider zu früh verstorbenen Michael Crichton geworden, an dessen Next und Prey mich Kill Decision am meisten erinnert hat. Dagegen war Dan Browns Digital Fortress komplett lächerlich vom technischen Anspruch her, der sollte sich lieber auf seine historischen Rätselromane um Robert Langdon konzentrieren, die sind nämlich am Stück spannend. Die letzte Woche hab ich also fast ununterbrochen mit Lesen zugebracht und wenn Inferno ankommt, geht’s auch da wieder dran.

In Freedom ging’s in einem Randthema u.a. um die Patentierung von Saatgut. Hallo? Geht’s noch? In manchen Bereichen mögen Patente ja sinnvoll sein, aber zum Grossteil verhindern sie entweder Fortschritt oder führen, wie im Fall Monsanto, direkt in eine Abhängigkeit von Grosskonzernen. Patente auf Saatgut gehören abgeschafft und verboten. Gentechnik ist allerdings für mich in Ordnung, solange die Ergebnisse nicht patentiert werden und sie offen durchgeführt wird. Und wieder gibt’s keine Partei, die ich dahingehend wählen könnte.