Glasfaser ist nicht teuer

Ab und zu tauchen hier mal Zeitungsartikel wie dieser auf: Glasfaser wird für Gemeinden zum Finanzabenteuer oder Wettbewerb spielt bei Glasfaser. Dort und in anderen Artikeln wird argumentiert, dass sich der Aufbau eines (eigenen) Glasfasernetzes bis in die Wohnungen nicht lohne bzw. dass es seine Kosten nie wieder einspielen würde. Das mag stimmen, wenn man nur die einmaligen Investitionskosten (sagen wir mal 11 Mio Fr., Abschreibung über 11 Jahre, also 1 Mio pro Jahr) nimmt und diesen die von den Nutzern zu zahlenden Anschluss-/Abogebühren entgegenhält. Für die Gebühren der Benutzer kann man für einen 100/100MBit-Anschluss mit etwa 1’000 Fr. pro Jahr rechnen. Dazu brauchte es also schon 1’000 Haushalte, die das Angebot nutzen, um nur die Investitionskosten einzuspielen, ganz grob gesagt.

Was allerdings in dieser Rechnung gar nicht zum Tragen kommt, sind die Kosten, die der Gemeinde entstehen, wenn Hochqualifizierte* ihren Wohnsitz verlegen (oder ihn gar nicht erst in dieser Gemeinde nehmen), weil ihnen z.B. für ihre Arbeit oder für sonstige Dienstleistungen der schnelle Anschluss fehlt. Da das Steuersystem mit Bundessteuer, Kantonssteuer und Gemeindesteuer sehr transparent ist, kann man das ja ziemlich genau beziffern, was nur der Gemeinde an Steuern entgeht. Auf comparis.ch bzw. via Steuertabellen ergibt sich zum Beispiel für meine Wohngemeinde Wil SG bei einem steuerbaren Einkommen von 110’000 Fr. im Jahr schon ein Gemeindesteuer-Betrag von 10’436 Fr. — mithin schon mehr als das Zehnfache der jährlichen Glasfaser-Abobeträge, die ein solch Hochqualifizierter zahlen würde. Von diesen Leuten (so man sie denn als Einwohner haben möchte) müssten also nur rund 100 kommen oder wegziehen, um die Investitionskosten einzuspielen oder um die unterlassene Investition zu einem Verlustgeschäft werden zu lassen (1 Mio Fr. im Jahr gespart minus 1 Mio Fr. weniger Gemeindesteuer im Jahr = 0).

Mehr Bandbreite ist jedenfalls immer gut. Vor allem symmetrische. Und das geht nur über Glas. Laut Wiler Nachrichten bei mir in der Altstadt erst 2019 (und vermutlich nicht bis ins Wohnzimmer). 2013 hätte ich ja schon fast Glasfaserinternet gehabt, aber bin dann von Uzwil nach Wil umgezogen: mehr Lebensqualität, weniger Bandbreite 🙂

* Hochqualifizierte wird hier häufig als Begriff verwendet. In diesem Zusammenhang spielt aber die Qualifikation prinzipiell gar keine Rolle. Es müssen einfach nur Personen sein, die ein recht hohes Einkommen und einen recht hohen Bandbreitenbedarf haben. Das kann miteinander korrelieren, muss aber nicht.

Disentis-Lukmanierpass-Biasca

Wegen schlechten Wetters hab ich das Sechseläuten (Zürcher Feiertag) kurzerhand verschoben und bin die geplante Lukmanierpass-Tour am Dienstag gefahren. Geschätzt waren 1’000 Höhenmeter und gut 60km und das kam am Ende auch ungefähr heraus (siehe GPS-Aufzeichnung). Da die Temperaturen morgens doch noch recht frostig waren, bin ich erst um 09 Uhr los, via Chur nach Disentis, um dann von dort mittags den Aufstieg zu beginnen. Continue reading “Disentis-Lukmanierpass-Biasca”

Vermögensbildungsfehler

Aus Anlass meines Geburtstags kam meine Hausbank SGKB auf die Idee, mir dank der bei Ihnen hinterlegten Kundendaten völlig überflüssige Werbung zukommen zu lassen. Da muss ich wohl mal vorbeigehen und klarstellen, dass ich selbst komme, wenn ich was möchte und dann schon genau weiss, was. Ich kann selbst denken und ich kann vor allem auch selbst rechnen. Ausserdem war Albert Schweitzer kein Schweizer, drum sollte man seinen Nachnamen auch nicht so schreiben.

Bitte mal den Autornachnamen korrigieren.
Bitte mal den Autornachnamen korrigieren.

Tut mir leid, liebe SGKB, aber mit dieser Aktion seid ihr für alles, was ausserhalb der Säule 3a mal laufen könnte, für mich jetzt disqualifiziert. Immerhin kann man sowas heutzutage auf Twitter stellen und es scheint sogar intern weitergeleitet zu werden.

Start Summit 2016

Start Summit 2016
Start Summit 2016

Fast direkt um die Ecke fand letzten Freitag/Samstag das Start Summit 2016 statt, eine Art Messe für Startups. In den Präsentationen kam des öfteren eine Silicon-Valley-Gründeratmosphäre rüber, hatte ich das Gefühl. Irgendwie Faszination, Begeisterung, Verkaufschancen, es wirkte ansteckend. Der Futurist (nette Jobbezeichnung an der Singularity University) José Luis Cordero hat ziemlich viele Themen miteinander verschränkt und zusammengebastelt, häufig mal Exponentialkurven gezeigt und dazu viele Storys erzählt. Von den vielen Ideen in einem der Wettbewerbe hat am Ende Gamaya gewonnen, mit einem Precision-Agriculture-Thema. Fand ich nicht besonders spannend, weil ich sowas ja thematisch selbst länger von den Daten her bearbeitet habe, aber es hiess halt Crop Analytics und vielleicht verkauft es sich so besser.

Am meisten Faszination kam am Samstagmorgen beim Thema Hyperloop auf, der Rohrpost für Menschen, wie ich das immer bezeichne. Die erste Strecke soll zwischen Los Angeles und San Francisco verlaufen und man soll mit 1200km/h in einer Kapsel durch eine fast luftleere Röhre (wegen Strömungswiderstand) geschossen werden. Der Mitgründer Bibop Gresta hat ziemlich lange und packend darüber erzählt und konnte die Leute begeistern. Für mich war das thematisch nichts Neues, trotzdem war ich beeindruckt. Die lassen sich da einfach durch nichts (Regulatorisches) aufhalten, sondern machen einfach das, was technisch möglich ist. Da bin ich fast sicher, dass das was wird, zumindest in Kalifornien.

Hyperloop (das Problem mit den  vielen Autos da könnte man aber auch anders lösen)
Hyperloop (das Problem mit den vielen Autos da könnte man aber auch anders lösen)

Heimbüro eröffnet

2x Full-HD plus Laptop(s)
2x Full-HD plus Laptop(s)

In meinem Beruf kann ich genauso gut von daheim arbeiten, zumal die anderen Arbeitskollegen auch ständig unterwegs sind. Damit ich möglichst nichts umstecken und anpassen muss, wenn ich den Arbeitslaptop daheim anstöpsele, hab ich 15 EUR für ‘ne Dockingstation investiert und 200 Fr. für einen zweiten Monitor mit identischer Auflösung plus ein paar Kabel und schon läuft dank VPN das Arbeiten daheim genauso wie im Büro. Ich spare mir die 2h Zugpendeln im Tag, habe dann allerdings den Nachteil, dass ich die NZZ zu Hause lesen muss. Wenn ich dann mal mit dem Arbeiten angefangen habe, ging’s auch schon öfter länger in den Abend hinein und ich schaffe wesentlich mehr, als wenn ich im Büro in Oerlikon sitze. Ab und zu bin ich dann aber doch noch “auf Arbeit”, weil nichts den persönlichen Kontakt ersetzen kann. Nur die Grenzen zwischen daheim und im Büro verschwimmen, was mich aber momentan nicht weiter stört. Bei der Migros hätte ich das rein technisch auch genauso machen können, aber wenn’s der Chef nicht erlaubt, geht’s eben nicht. Vorteil Mobi 🙂 Da sind mir dann auch die nervigen Grossraumbüros, am besten noch mit shared desk, d.h. ohne festen Arbeitsplatz, ziemlich egal. Da könnte ich nämlich nicht regelmässig arbeiten, was man schon am Setup meines obigen Arbeitsplatzes sieht.

Rohlofffreilaufproblem

Das Patria Terra rollt problemlos und gefällt mir immer besser. Einziges Problem: in den Gängen 1-7 greift der Freilauf (bzw. die Klinken) nicht sofort beim Treten, d.h. man tritt erstmal ein paar Grad ins Leere. In den Gängen 8-14 ist alles in Ordnung. Da dieses Fehlerbild nicht im Rohloff-Handbuch zum Selbst-Beheben beschrieben ist, musste die Rohloff nach Rücksprache mit dem Hersteller doch mal zum Service. Immerhin erst jetzt, die hab ich schon seit sieben Jahren und sie hat sicher >40’000km auf dem Getriebe. Das Händlernetz ist ziemlich gut, das hatte ich 2012 schon festgestellt, damals noch in Uzwil, jetzt eben in Wil. Da bin ich mal gespannt, wie lange es jetzt dauert und was gemacht wird.

Ergänzung (wegen Schock) später: die Reparatur hat >800 Fr. gekostet, es wurde quasi alles neu gemacht.

Patria Terra

Schon fast seit ich das VSF T900-Rohloff habe, stört mich das Flattern bei voller Beladung. Es liess sich keinesfalls eliminieren und hat letztes Jahr im März sogar zum Abbruch meiner Lago-Maggiore-Umrundung geführt. Vielleicht nicht die einfachste, aber die möglicherweise wirksamste Abhilfe ist der Rahmenwechsel. Hier habe ich mich, aufgrund vieler positiver und kaum negativer Reiseberichte im langjährig gelesenen Radreise-Forum, für einen Rahmen von Patria entschieden, und zwar das Terra. Passender Rahmenname für ein Reiserad, würde ich sagen. Continue reading “Patria Terra”

Re-Post: SER2 @ WSC2013 (English Article)

My article on solarracing.org has only been available on archive.org recently, so I decided to re-post the original English version of the solar racing strategy article here to keep it world-readable (chmod+r, sort of). The German counterpart is to be found here: https://dc.georgruss.ch/2014/06/10/ein-data-scientist-an-der-world-solar-challenge-ein-datenblogbeitrag/

A Data Scientist’s Race Summary for the 2013 WSC

What’s a data scientist to do during a solar race, being embedded into a team of engineers and drivers, you may think? Well, if normal telemetry (as used by nowadays’ cars) is providing you with streams of data, a data scientist turns this into useful information. You’re essentially going from answering the question How fast are we driving? via How far can we go at that speed? to Where’s that going to rank our team in the end under different weather conditions for the next five days? This article will explain a few details of that job and may hopefully give you an idea of what all those data scientists do.

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Tessin-Tagesausflug reloaded

Im Tessin war zwar kein Kurze-Hosen-Wetter wie 2013, aber sonnig und gut zum Velofahren war es auch heute wieder. Unsere Tour führte uns von Bellinzona via Locarno ins Maggia-Tal, vorher mit einem Schlenker ins Melezza-Tal, bevor wir in Intragna unseren Irrtum bemerkten und wieder Richtung Osten fuhren, um im richtigen Tal zu landen. Aber im Melezza-Tal gab’s ÖV in Form der Centovalli-Bahn, die von Locarno nach Domodossola führt. Auch gut, das Centovalli-Tal ist dann also später mal dran. Im Maggia-Tal war es uns dann ab Maggia wegen der schon wieder tiefstehenden Sonne zu schattig, so dass wir umgekehrt sind und nach einem sonnigen Zwischenstop bei einer gefrorenen Wasserwand in Locarno noch am See verweilten. Nur die SBB-Minibar mit Kaffeeservice hätte da noch gefehlt, aber die kommt ja nur dann an einem vorbei, wenn man sie grad nicht braucht. Auf die im Tessin veränderte SBB-Melodie hab ich jetzt auch mal bewusst geachtet. In Locarno hab ich dann konsistentes Fotografieren bewiesen, indem ich per Zufall (oder eben weil’s einfach der beste Bildausschnitt war) das gleiche Fotomotiv wie vor drei Jahren gewählt habe (Link siehe unten).

Wegweiser zwischen Bellinzona und Locarno
Wegweiser zwischen Bellinzona und Locarno
Lustiges Rennvelo auf einer Brücke über den/die Melezza.
Lustiges Rennvelo auf einer Brücke über den/die Melezza.

Nach dieser Brücke hätten wir rechts statt links abbiegen müssen. Aber ohne Navi war das viel lustiger.

Nebenan wurde Eishockey gespielt im kalten Schatten.
Nebenan wurde Eishockey gespielt im kalten Schatten.
Kurz vor Intragna, im Hintergrund Berge südlich von Bellinzona.
Kurz vor Intragna, im Hintergrund Berge südlich von Bellinzona.
Vor der Chiesa di Santa Maria, Blick auf Maggia.
Vor der Chiesa di Santa Maria, Blick auf Maggia.
Schicke Eiszapfen.
Schicke Eiszapfen.
Locarno am Hafen.
Locarno am Hafen.
Locarno Hafen, siehe auch das entsprechende Bild 2013. Zufall.
Locarno Hafen, siehe auch das entsprechende Bild 2013. Zufall.
Rückfahrt im IR Locarno-Zürich...
Rückfahrt im IR Locarno-Zürich…
...mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen.
…mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen.

Frostsonne

Der Blick aufs Thermometer freut: -10°C morgens, und halbwegs klarer Himmel dazu. Das bestätigte sich dann auf der Strecke ins Büro. Die sonst eher langweilig und begradigt daherfliessende Glatt war doch mitunter schön anzusehen. Hat mich an die vielen Velowege in Melbourne unter/über Autobahnen und parallel zu Flüssen erinnert, nur nicht von den Temperaturen. Cleats sind nach einer Weile wirklich kalt. Aber auf glatten Eisflächen fährt es sich sehr gut 🙂

Die Glatt dampft unter der Schulstrasse.
Die Glatt dampft unter der Schulstrasse.