Patria Terra

Schon fast seit ich das VSF T900-Rohloff habe, stört mich das Flattern bei voller Beladung. Es liess sich keinesfalls eliminieren und hat letztes Jahr im März sogar zum Abbruch meiner Lago-Maggiore-Umrundung geführt. Vielleicht nicht die einfachste, aber die möglicherweise wirksamste Abhilfe ist der Rahmenwechsel. Hier habe ich mich, aufgrund vieler positiver und kaum negativer Reiseberichte im langjährig gelesenen Radreise-Forum, für einen Rahmen von Patria entschieden, und zwar das Terra. Passender Rahmenname für ein Reiserad, würde ich sagen.

Damit sollte also mein altes Velo unter Beibehaltung aller sonstigen Teile zu einem Patria Terra mutieren. Einen Händler habe ich dafür in Winterthur gefunden: flickwerk.ch. Ich habe ihm vor Ort alle meine Rahmenwünsche geschildert, er hat sie aufgenommen und an Patria weitergeleitet und ein paar Wochen später war der Diamant-Rahmen, Rahmenhöhe 54cm, in Schweizerpostgelb da. Das Innenlager habe ich einbauen lassen und die Gabel wurde von ihm auch entsprechend vorbereitet, plus er hat noch das Nachschneiden aller von mir mutmasslich benötigten zulackierten Gewinde übernommen. Dafür sind 815 Fr. für den Rahmen (in Wunschfarbe RAL 1004) und noch ein paar Franken für die Arbeiten nicht zuviel verlangt.

Danach ging die eigentliche Arbeit los. Erstmal habe ich das alte Velo (ohne vorherige Reinigung) zerlegt. Da es ein 622er (vulgo 28 Zoll) war und das Patria Terra ein 559er (=26 Zoll), hatte ich vorgängig schon neue Felgen und Speichen passend für den SON Nabendynamo und die Rohloff bestellt. Zu meiner Zufriedenheit haben die Berechnungen gestimmt und Felgen, Speichen und Naben haben beim Einspeichen hervorragend zusammengepasst. Nachdem die Laufräder fertig und bereift waren, folgte der Lenkerumbau. Die Magura HS am Hinterrad musste ich öffnen und den Schlauch abschneiden, weil der fest in den Rahmenösen installiert war. Der Rest ging ohne Demontage der Lenkeranbauteile und ich musste den Lenker dann nur ans neue Velo versetzen. Die Magura habe ich folgerichtig neu befüllt.

Die Rohloff-Zugverlegung, die sogar Patria verbaut, ist die blödeste bei der internen Rohloff-Ansteuerung, die man machen kann: unten unterm Tretlager und dann über die Kettenstrebe. Da muss ich der Rad-Forums-Gebetsmühle Falk in diesem Punkt absolut beipflichten. Da man ja ab und zu die Kette spannen muss und das bei verstellbaren Ausfallenden über ein Verschieben des Rads nach weiter hinten abgewickelt wird, muss man die Züge einerseits ziemlich genau ablängen und ausserdem noch aufpassen, dass der Verstellbereich der Schaltzuggegenhalter zur Lage des Hinterrads passt. Da ich das auch vorher an meinen beiden Velos umgebaut hatte, habe ich bei der Rahmenbestellung angegeben, dass ich die Züge nicht da unten lang verlegen werde, sondern über die Sattelstrebe mit Zuggegenhaltern am Cantisockel. Also hat mir Patria netterweise auch die Anlötteile an der Kettenstrebe weggelassen. Wenn ich jetzt das Rad bzw. die Ausfallenden verschiebe, muss ich mir um die Schaltzüge keine Gedanken machen.

Das Kettenblatt war noch gut, Kette und Rohloff-Ritzel habe ich aber erneuert. Vorher hatte ich ein 17er-Ritzel, jetzt ein 15er, so dass ich (bei gleichem Kettenblatt und kleineren Laufrädern) wieder auf dieselben Trittfrequenzen für dieselben Geschwindigkeiten kommen sollte. Das Rohloff-Ritzel ging übrigens diesmal zwar nicht widerstands-, aber verletzungs- und kratzerfrei runter. Der Chainglider passte auch. Die Schutzbleche wollte ich eigentlich erst etwas heiss (ver)biegen, aber habe es dann doch gelassen, weil es im Moment so in Ordnung ist. Die Gepäckträger waren problemlos in der Montage. Fast ganz zum Schluss, bei der Beleuchtung, habe ich auch alles inklusive Forumslader wieder verkabelt und die Funktionsprüfung gemacht.

Schneller als gedacht war ich insgesamt fertig. Die spannende Frage: würde das Velo zusammenbrechen, wenn ich mich draufsetze? Nein, das tat es nicht. Die ersten Antritte mit angezogener Bremse und im 1. Gang bewirkten einerseits, dass sich das Rohloffritzel richtig festzog und andererseits, dass sich das rechte verschiebbare Ausfallende mangels vorherigem Festziehen verschob. Und die Speichen klimperten, da muss ich also noch nachspannen, was ich auch so erwartet hatte. Sehr gut ist, dass die Kettenstrebe zwei Zentimeter länger ist, so dass ich mit den Fersen weder an die Taschen noch an den Ständer stosse. Das alte Rahmen-Gabel(-Dreck)-Set hatte 3,9kg, das neue Set 4,7kg, obwohl kleiner. Insgesamt hat die Fuhre jetzt 19kg, bzw. mit Schloss 20,5kg. Jetzt fehlt nur noch der Belastungstest mit voller Beladung und Systemgewicht >140kg. Wenn es dann wieder flattert, hab ich ein Problem 🙂

Ergänzung am 21.03.: beim Zerlegen und späteren Verschrotten der Laufräder haben sich trotz perfekt zentrierten Rädern etliche Dellen und seltsame Beulen an den Felgen angefunden. Von daher war’s wohl ziemlich sicher nicht der Rahmen, der das Flattern verursacht hat. Hätte ich halt erst noch die Laufräder tauschen müssen.

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