



data science and bicycle touring




Im Zuge der weltweiten Finanzkrise (eigentlich ja andauernden Systemkrise, Kapitalismus eben) sieht man gerade an/auf Zypern sehr schön, was eine Einlagensicherung wert ist: nichts. Es wird einfach eine wie auch immer genannte Sondersteuer auf alle Bankeinlagen erhoben, die Einlagen werden vorübergehend eingefroren und wenn die Bank wieder aufmacht, ist man um einen gewissen Prozentsatz ärmer. Da bin ich doch gerade noch zum richtigen Zeitpunkt aus dem Euro-Raum ausgewandert, auch wenn das nicht heisst, dass allfällige Einlagen in der Schweiz sicher wären. Die einen lassen höhere Inflation zu, woanders wird halt einfach das Guthaben reduziert. Wenn ich mir da den Aufschrei und die Unruhen in letzterem Fall so anschaue, ist vielleicht die erhöhte Inflation doch der für das Vertrauen in eine Volkswirtschaft günstigere Weg, weil man eben nicht von jetzt auf gleich, sondern schleichend “enteignet” wird. Ausserdem begreifen die Auswirkungen höherer Inflation nur die, die bei der Zinseszinsrechnung aufgepasst haben, wohingegen wohl die meisten Leute einen Kontoauszug lesen können dürften. Dazu auch der passende Artikel aus der NZZ (Am Schluss zahlt der Sparer, NZZ vom 18.03.2013) und ein Artikel auf Telepolis: Warum die zypriotische Bankguthaben-Steuer richtig ist.
Langsam wird es wieder wärmer, die Strassen sind alle schneefrei, die Waldwege allerdings noch nicht. Mit ein paar Geocaches habe ich mir eine Tour bis nach Bronschhofen zusammengestellt und bin die dann wieder mit dem Bluetooth-Knopf als Navi im Ohr abgefahren, zwischendurch noch mit Stops im Baumarkt, Brocki und Bäcker. Abfahrtstemperatur: -3°C, Ankunftstemperatur +8°C, die kurze Hose war also perfekt. Das Velo hat jetzt entsprechend dem anderen die gleiche Kombination aus Utopias X-Act-Randonneur-Lenker mit den Griffen von Magura HS66, hydraulisch gekoppelt mit den HS33, die ich schon vorher hatte. Im Sommer gibt’s jedenfalls jede Menge fliessendes Wasser in der Umgebung zum Am-Ufer-NZZ-Lesen oder einfach nur zum Pause-Machen.



Tolle Sache, dass die comdirect jetzt neuerdings erlaubt, für die zum Girokonto gehörende Kreditkarte eine Wunsch-PIN festzulegen. Technisch ist das ja kein Problem. Nur: warum wird das als neues Merkmal angepriesen? Es geht im Ausland schon seit langer Zeit. Ich kann die PINs meiner Schweizer Bankkarten an einem beliebigen Geldautomaten einfach ändern, und noch dazu sind die PINs nicht nur fest vierstellig, sondern bis zu sechsstellig. Es erhöht die Sicherheit, regelmässig die PIN zu ändern, denn dann ist es egal, ob man an der Kasse ausspioniert wird. Ich finde, man sollte die Leute im nächsten Schritt dann auch dazu zwingen, die PIN regelmässig zu ändern, so wie das bei Passwörtern in Firmennetzen schon lange gang und gäbe ist. Man muss es ja auch nicht “Zwang” nennen, sondern macht einfach eine Gebühr (alternativ Rabatt) draus: die Leute, die ihre PIN nicht ändern, zahlen eben eine höhere Kartengebühr im Jahr, da sie auch ein höheres Risiko für die Bank darstellen. Natürlich geht das nur, solange die Bank nicht sowieso das Risiko auf den Kunden überwälzt.

Neulich durfte ich ein Formular zur Ermittlung meines Lebensmittelpunktes ausfüllen und meine Beantwortung des Formulars warf offensichtlich mehr Fragen auf als es beantwortete. Nach einem sehr netten Gespräch mit einem Mitarbeiter vom Steueramt St. Gallen stellte sich heraus, dass ich offensichtlich bei der Quellensteuer in den falschen Tarif eingestuft bin, und das schon seit Zuzug in die Schweiz. Hier bekommt man nämlich nur dann den Verheiratetentarif C (siehe Website Quellensteuer inklusive Tariftabellen), wenn man nicht nur rein juristisch verheiratet ist, sondern die Ehe auch gelebt wird. Ich finde, das Ehegattensplitting in Deutschland könnte man daraufhin auch mal in diesem Sinne verändern, weil es einfach nur fair der Gemeinschaft gegenüber ist. Konsequenz ist jedenfalls, dass ich einen recht hohen Franken-Betrag an Steuern seit Mai 2012 werde nachzahlen müssen. Geahnt hatte ich das schon seit einer Weile, aber jetzt ist auch das Verfahren dazu anhängig. Und das Beste: ich habe keine Sekunde lang überlegt, wie ich da jetzt am besten ankreuze, um zu bescheissen, denn ich möchte mein Leben in meiner neuen Heimat nicht mit einer Lüge beginnen. Ausserdem möchte ich nicht wissen, wie ich in Deutschland vom Finanzamt behandelt worden wäre — ich vermute, man hätte mir Arglist oder Betrugsabsicht unterstellt und zumindest wäre der Tonfall ein ganz anderer gewesen.
Das Märchen vom Emil: Im Himmel unbrauchbar, wurde Emil auf die Erde gesandt, um den Schweizern Humor beizubringen. Das Märchen vom tollpatschigsten Engel der Geschichte. Geschrieben vom Schweizer Satiriker Andreas Thiel, von dem ich zwar schon mehrere Bühnenprogramme gesehen habe, aber bei dem ich mir nicht seiner Herkunft bewusst war. Hier ein längerer Auftritt beim 3sat-Festival: http://www.youtube.com/watch?v=CCxvcR4BD8w
Mal noch eine Nebenfrage: warum muss ich mir als nicht-autofahrender Radiohörer eigentlich die Stau- und Verkehrsmeldungen anhören? Gibt’s auch einen ÖV-Sender?