Zirkus Knie

Die Raiffeisenbank Wil hält alljährlich für ihre Mitglieder / Genossenschafter die Generalversammlung im Zirkus Knie ab. Dieses Jahr habe ich es endlich mal geschafft, auch wirklich hinzugehen. Nachdem wir gestern schon die Frühjahrsversammlung im Orchester hatten, war das heute eigentlich nochmal dasselbe, nur mit viel mehr Leuten und dem Zirkusprogramm hinterher. Es gab nur wenige Fragen an der Versammlung, einer hatte z.B. nicht kapiert, dass im Verwaltungsrat ein ausscheidendes Mitglied durch ein neues ersetzt wurde und hat gefragt, warum denn jetzt der Verwaltungsrat vergrössert würde — aber er hat sich ja mit “Herr xxx – wohne in Zürich” vorgestellt, das ging bei vielen als Verpeilungsbegründung durch. Zur aktuellen Affäre um Pierin Vincenz wurde bereits präemptiv etwas referiert, so dass zu dem Thema nicht mehr viel kam. Das ist ja letzten Endes auch ein Problem der Raiffeisen Schweiz in St. Gallen und nicht der lokalen Raiffeisenbank in Wil. Wertschöpfung, die in der Region bleibt, das ist ja fast wie die Thurcom.

Im Zirkuszelt bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Wil.

Das Zirkusprogramm war okay, aber ich hab es nur bis zur Pause ausgehalten, weil mich Helga Schneider als Comedy-Tante total genervt hat. Die ist so ungefähr das Niveau-Pendant zu Atze Schröder, furchtbar flach. Massengeschmack, nein danke.

Immerhin hat sich noch aufgeklärt, was da nachts immer so hell leuchtet und nicht der Sportpark Bergholz ist.

Zirkus Knie, von daheim mit dem Tele.

2018Q1, 17 und 4: Opernquartal

Dieses zu Ende gehende Quartal war relativ opernreich: insgesamt war ich 21 Mal in der Oper, habe davon 17 Mal selbst in der Regimentstochter im Graben mitgespielt (auf gesamt drei verschiedenen Positionen im Register), einmal auf der Galerie zugeschaut, im Januar in der Scala gewesen für die Fledermaus, am Freitag zu
Lunea: Wahn mit Sinn und gestern die Dernière der Regimenstochter aus der ersten Reihe im Publikum begutachtet.

Die Regimentstochter war jedesmal anders und echt witzig. Gestern hat der Korporal bei einer Tanzszene mit dem Moonwalk begonnen, da blieb nicht mehr viel übrig als laut zu lachen, sorry 🙂 Dann haben sich auch noch die Marie-Zweitbesetzung Flurina und Nina von der Regie mit unter die Soldaten geschummelt und überhaupt war die Spielfreude bei allen spürbar. Vielleicht auch die Vorfreude, dass es vorbei ist.

Die Regimentstochter, erster Akt.
Die Regimentstochter, kurz vorm Ende, als sie fast verheiratet wird.
Die Regimentstochter in der Dernière.

Zu Lunea im Opernhaus Zürich hab ich da eher gar keine Meinung. Wenn ich die Tickets nicht gewonnen hätte, hätte ich mich extrem geärgert, aber immerhin waren wir hinterher noch im tibits gut essen und ich hab das Schauspiel-/Opernhaus am Sechseläutenplatz mal von innen gesehen. Das Stück war nicht mal ansatzweise durchschaubar, die Musik sowieso nicht, es mag ja gern Kunst sein, aber meinen Geschmack trifft es ganz und gar nicht. Zum Glück gab es keine Pause und es war nach 105 Minuten vorbei. Dann nehm ich doch lieber klassische Opern, Operetten oder Musicals.

Budgetabweichungen und Tunnelbauwerke

Nach der Umstellung auf Steuervorauszahlung schrieb ich:

Ab 2018 seh ich dann zu, dass die Abweichung zwischen meiner Schätzung und der tatsächlichen Steuerrechnung gegen Null geht, das ist Data-Scientist-Ehrensache!

Dass ich dazu so schnell Zahlen würde liefern können, hatte ich nicht erwartet. Vor vier Wochen habe ich mit etwa einer Stunde Arbeit die Steuererklärung gemacht und hatte vorher schon meine persönliche Schätzung gemacht, was am Ende herauskommen würde. Bereits nach vier Wochen kam der definitive Steuerbescheid für 2017: 0.2% Abweichung bei Kantons-/Gemeindesteuer, 2% Abweichung bei der Direkten Bundessteuer. Das kann noch besser werden, muss aber noch nicht mal unbedingt, weil meine Schätzung obendrüber lag. Transparenz sowie verständliche und nachvollziehbare Steuerregeln sind doch wirklich fein.

In dem Sinne habe ich auch nichts daran zu kritisieren, dass wir ein Luxusproblem haben, indem der Bundeshaushalt Überschüsse macht. Solange auf der anderen Seite noch Staatsschulden da sind, sollte man die erstmal tilgen. Alternativ könnte man das Geld zum Beispiel für den Vollausbau des Lötschberg-Basistunnels verwenden:

Die Kosten einer allfälligen Ausrüstung des im Rohbau fertiggestellten Mittelabschnitts der zweiten Röhre (15 km) werden mit rund 400 Millionen Franken beziffert.

Das langt also dicke, da kann man gleich beim Zimmerberg-Basistunnel II weitermachen. Bzw. noch budgetgenauer wäre der Brüttener Tunnel, der mir sogar beim Pendeln sehr viel mehr bringen würde 🙂

Fas(t)nacht in Wil 2018

Die letzten Jahre hab ich die Fastnacht immer leicht verpasst, aber nach dem Bürgertrunk am Mittwoch in der Tonhalle hab ich mir am Sonntag das Umzugsspektakel in voller Pracht vom Balkon aus angeschaut. Momentan sitze ich noch auf der Bühne im Orchester, aber auch als allfälliger zukünftiger Ortsbürger würde ich dann lieber oben als unten sitzen. Gespielt haben wir Ausschnitte aus Die Regimentstochter, die ich mir in der Derniere wohl auch mal als Zuschauer komplett anschauen werde. Im Graben kann man ja leider immer an denselben Stellen nicht aufpassen, was auf der Bühne passiert.

Videos gibt’s auch genügend, alles freihändig gefilmt: Wiler Fastnachtsumzug 11.02.2018 (youtube-Playlist)

Teatro alla Scala: Die Fledermaus von Johann Strauss

Im Zug zwischen Chiasso und Monza fiel mir spontan ein, dass ich ja mal schauen könnte, ob es für die Scala noch Opernkarten gibt und was grad so gespielt wird. Dabei ergab sich Die Fledermaus und noch bezahlbare Ticketkategorien waren auch da. Also hab ich schnell meine dienstlichen Gastgeber gefragt, ob sie mich schon für den Abend verplant hätten und fertig war der Operettenbesuch.

Das Programm.

Von der Handlung hatte ich keine Ahnung, bin also quasi nur mit Sprachkenntnissen bewaffnet in die Oper gegangen. Ja, das Haus ist deutlich grösser als die Wiler Tonhalle und auch viel grösser als das Zürcher Schauspielhaus. Bei vollem Haus sollten da geschätzt 1600-1800 Leute reingehen, wobei dann Gesamteinnahmen von 300-400kEUR pro Abend herauskommen dürften. Ich war in einer Fünfer-Loge mit dem zweitbesten (und zweitteuersten) vorderen Platz, 144 EUR für mich, 220 für den neben mir, 90 für den hinter mir. Die haben das Yield Management einfach nach Sicht betrieben.*

Die Ränge/Logen.

1. Akt

20 Uhr war Start, das Pausensignal war nicht hörbar, sondern nur in Form des 1x, 2x, 3x gedimmten Lichtes spürbar. Im Bühnenbild, das ein sehr luxuriöses Wohnzimmer darstellte mit schneebedeckten Bergen und einem Weihnachtsbaum im Hintergrund, fuhr ein Staubsaugerroboter herum, der auch später von Rosalinde und Adele mit in das Getanze einbezogen wurde. Alfred lief beim Getränkeholen mehrfach im exakten Stil von Dinner for One über einen exakt wie im Film drapierten Raubtiervorleger, zweimal mit Stolpern, beim dritten Mal mit einem eleganten Übersteiger. Der Witz kam bei mir jedenfalls sehr gut an. Die Handlung plätscherte so vor sich hin, war recht gut verständlich. Alle gesungenen Texte waren auf Deutsch, alles andere war gemischt Deutsch (mit österreichischem Akzent), meist Italienisch, später dann auch Französisch. Im Hintergrund kletterte jemand auf dem Weihnachtsbaum herum und stürzte ab, bekam auch später noch von dessen Beleuchtung einen Stromschlag.

2. Akt

Hier wurde ein grosses Fest aufgebaut, plötzlich waren um die 50 Leute auf der Bühne (ein paar Bilder sind hier: operaclick recensione) und es wurde getanzt, gefeiert und Champagner getrunken. Als ich nach ein paar Minuten zufällig in den Orchestergraben schaute, hielten sich alle die Ohren zu und prompt kam drei Sekunden später ein lauter Knall auf der Bühne. Die bekannte Donner-und-Blitz-Polka kam mit Balletttänzern dazu. Ansonsten war der Orchestergraben sowieso sehr gut zu überblicken. Die Hörner sind zwischendurch fast eingeschlafen, ein Cellist hat bei einem längeren Bühnenstück ohne Orchester eine deutliche Drehorgel-Bewegung zu seinen Kollegen gemacht, aber sonst ist mir da nichts weiter aufgefallen, ausser der originellen Sitzverteilung. Sechs Bässe ganz links, sechs Celli in der Mitte, die ersten Geigen links der Mitte, die zweiten Geigen und Bratschen jeweils aussen. Aber klanglich wohl eh egal.

3. Akt

Der Zellenschliesser Frosch war der lustigste Charakter, zum Glück hatte ich den italienischen Untertitel (wobei das relativ ist: auf dem Untertitel-Display war zwar Deutsch angegeben, aber es war eigentlich nur die jeweils gesprochene Sprache) und konnte mir viel zusammenreimen und mitlachen. Am besten war die vom Souffleurkasten heraufgegebene Wodkaflasche. Der Satz ging kurzweilig zu Ende und die Leute sind schon aufgestanden, als die Vorhänge noch auf- und zugingen. Das Orchester war beim zweiten Aufgang auch schon verschwunden aus dem Graben. 03:20 Stunden sehr kurzweilige Unterhaltung, die absolut das Geld wert war. Wer Disziplin im Orchestergraben sehen will, muss aber in die Regimentstochter nach Wil kommen.

Der Blick vom Platz aus, die Musiker im Graben sind schon weg.
Das Untertitel-Display am Platz.

Auf dem Heimweg hatte ich dann den Dom auch fast ganz für mich allein, es regnete nicht (wie ja nördlich der Alpen derzeit üblich) und das ÖV-System funktioniert recht gut und ist mit 04,50 EUR für eine Tageskarte doch ziemlich günstig.

Il Duomo, fast ohne Menschen drumherum.

* jaja, Zahlen halt, das ist einfach so bei mir… Zwischendurch fiel mir noch was zur Prämienberechnung in der telematik-datenbasierten Autoversicherung ein, dessentwegen ich ja hier eigentlich bei der Reale Mutua bin. Für die Gedanken könnte ich den Opernbesuch glatt auf die Spesenrechnung nehmen 🙂

Post vom BfS / Die Bankräuber

Alle drei Jahre überschlagen sich die kulturellen Ereignisse wohl: siehe Januar 2018. Damals hatten wir schon einige Aufführungen von La Traviata gespielt, diesmal haben wir grad die Premiere von Die Regimentstochter hinter uns. Damals hatte ich eine der ersten Vorstellungen von Beat Schlatters Stück Polizeiruf 117 (mit Fieber) besucht, diesmal gestern Tickets für die allererste öffentliche Aufführung von Die Bankräuber, wieder im Hechtplatztheater, auch mit deutlichem Kratzen im Hals. Aber für das Stück lohnt es sich absolut, es sind sehr viele aktuelle Referenzen drin und (Spoiler!) Roger Federer ruft im Stück an. Ausserdem wird versucht, einen Ostschweizer Dialekt zu imitieren bei der Ausübung eines Banküberfalls 😀 Kurz vorm Ende mussten sie alle ziemlich lachen auf der Bühne, was wohl nicht so im Drehbuch stand, es aber umso lustiger machte.

Es begab sich aber zu der Zeit…

Und dann hatte ich heute noch eidgenössische Post aus Neuchâtel und da fiel mir als erstes das Bundesamt für Statistik ein. So war es denn auch: ich gehöre zu den 3% der Bevölkerung, die gezählt und geschätzt werden, der Rest ist registergestützt und die werden da schon sinnvolle Daten draus machen beim BfS. Leute wie ich machen dann hinterher so tolle Auswertungen wie die Grenznäheberechnung oder ordnen Hektarrasterzellen zu Postleitzahlen zu. Ohne die Daten vom BfS ginge das aber nicht, von daher hab ich den Fragebogen subito online ausgefüllt.

Mal noch so eine theoretische Frage: in welchem Land wird ein Todesfall im Sterberegister eingetragen, wenn jemand mehrere Staatsbürgerschaften hat? Schon im Erbrecht scheint das ja kompliziert zu sein.

NoBillag und Sprachen

Anfang März wird über die Abschaffung der Zwangs-Rundfunkgebühren abgestimmt. Die abzustimmende Verfassungsänderung sieht vor, dass keine Gebühren mehr erhoben werden dürfen. Damit wäre die Schweizerische Rundspruchgesellschaft quasi abgeschafft. Wenn ich mit abstimmen dürfte, wäre ich gegen NoBillag. Mein NZZ-Abo kostet mit 715 Fr. im Jahr deutlich mehr als die Billag-Empfangsgebühren von 451 Fr., also bin ich medial recht gut versorgt für etwa 100 Fr. im Monat. Wenn man nur noch nicht gebührenfinanzierte Rundfunkmedien hätte, würden die wohl in der Deutschschweiz noch funktionieren, aber schon in der Romandie wäre der Markt recht klein und der Einfluss aus Frankreich recht gross, vom Tessin mal ganz abgesehen. Welcher privatwirtschaftliche Sender könnte profitabel mit einer italienisch-schweizerischen oder sogar einer rätoromanischen Kundengruppe arbeiten? Der Markt würde in diesem Fall nicht funktionieren.
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Glasfaser und Umspuranlagen

Die NZZ schreibt was zur abgelaufenen Goldgräberstimmung beim Glasfasernetz. Am Zürisee gibt’s da einige Gemeinden, die Glasfaser verlegen, anderen ist es zu teuer, oder sie lassen es durch Drittanbieter machen. Für die, denen es zu teuer ist, verlinke ich nochmal hier drauf: Glasfaser ist nicht teuer. Ich hoffe einfach, dass diese Gemeinden bei der Berechnung ihres business cases für/gegen die Glasfaser nicht die Steuermehr- oder Steuermindereinnahmen vergessen haben, die ihnen durch zuziehende oder nicht zuziehende bzw. wegziehende Einwohner zufliessen oder entgehen. Das ist einfach nur Infrastruktur, wie Bahngleise, Strassen, Wassernetz, Stromnetz.
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Tag 7, beinahe Ruhetag

Als Nachtrag zum gestrigen gefundenen Portemonnaie: nachdem ich den Sucher erfolgreich kontaktiert hatte (dank seiner Visitenkarten), kam dieser abends überglücklich sein Portemonnaie abholen. Er war am Freitag auf Motorradtour, hatte es in der Seitentasche der Kombi und den Reissverschluss nicht geschlossen. Gut gibt’s Liegevelofahrer mit offenen Augen.

Abends gab’s direkt bei mir vor der Garage noch Kino: The Full Monty (auf Deutsch “Ganz oder gar nicht”) und ich konnte direkt vom Bett aus mitgucken. Ich hatte auch sowieso nur die Wahl, mitzugucken oder mich die ganze Zeit über den Lärm aufzuregen.

Kino im Hinterhof. Der Mercedes hat 400.000 Meilen und fährt noch.

Heute Sonntag war Ruhetag. Na gut, fast, nur 30km, bisschen Geocaching, Einkaufen und auf den Hoover-Tower auf dem Stanford-Campus rauf. Der Eintritt hat $4 gekostet und den gefundenen Benjamin Franklin von gestern konnte ich einlösen. Auf dem Heimweg hat mich noch eine junge Joggerin angequatscht wegen dem Liegevelo, ob das anders sei und so, die üblichen Fragen halt. Später hab ich sie nochmal zufällig getroffen und lieber gleich gefragt, ob sie mal fahren möchte. Draufsetzen ging, Fahren ging drei Meter 🙂

Von 12-15 Uhr brennt die Sonne richtig herab, aber vorher und nachher ist es fast schon frisch und auch um die Mittagszeit rum auch ohne Klimaanlage sehr angenehm. Dabei soll der August der heisseste Monat des Jahres sein — so ist Sommer okay. Jedenfalls hat hier prinzipiell niemand eine Ausrede, nicht ganzjährig Velo zu fahren, bei grösseren Distanzen halt E-Bike.

Mein Kilometerzähler steht jetzt erst/schon bei 600 und das unbändige Hungergefühl, was ich von Neuseeland kenne, ist wieder da. Fünf Franken für ein Kilo Erdbeeren, die müssen ja von irgendjemandem gegessen werden; und sehr gut sind auch die Grosspackungen Cole Slaw, die eigentlich für drei Leute reichen sollen, dazu wieder ganze Hühnchen aus dem Warmhalteregal im Supermarkt.