Im aktuellen Interview mit Westerwelle zum vorerst gescheiterten D-CH-Steuerabkommen wird mal wieder der falsche Eindruck erweckt, dass es illegal sei, Geld ins Ausland zu schaffen. Tut mir leid, aber dem ist (noch) nicht so. Auch wenn das der Grossteil der deutschen Politiker (insbesondere der Linken) wohl gerne hätte, dass nichts ins Ausland geht: wo ich mein Geld investiere oder anlege, ist immer noch ganz allein meine Entscheidung, solange ich es in Deutschland (oder hier) legal erworben und versteuert habe. In dem Artikel sollte es also nicht […] Gelder illegal ins Ausland […] heissen, sondern korrekterweise […] illegal erworbene Gelder ins Ausland […].
Notenautomat
Der Chariot Captain, den ich jetzt seit einer Weile mein eigen nenne, eignet sich durch seine feste Bodenwanne (statt Stoffbezug) prima zum Schwerlasttransport. Gestern mittag war’s ein Schwerlastregal vom ALDI mit 25kg und gestern abend Balkonmöbel vom IKEA mit insgesamt aber nur 14kg. Bei IKEA war auch eher die gefahrene Strecke von 36km bis nach Winkeln entscheidend. Das Foto ist an einem der wenigen Bahnübergänge in der Umgebung entstanden (Strecke der Appenzeller Bahnen in der Nähe vom Bahnhof Gossau).
Unterwegs gab’s im langgezogenen Industriegebiet in Gossau (neben Bahnlinie und Autobahn) noch diverse Tankstellen. Ich hab zwar in meinem Leben noch keine Noten zur Orchesterprobe vergessen, soweit ich mich erinnern kann, aber auch für diesen Fall ist die Schweizer Infrastruktur gewappnet: es gibt Notenautomaten. Okay, eigentlich geht’s da nur ums Geld, aber die Vorstellung, sich vergessene Cellonoten am Automaten holen zu können, ist schon witzig und prinzipiell durch Digitalisierung ja kein Problem. Statt Notenpulte gibt’s dann grosse Tablets und zum Umblättern wischt man einfach über den Bildschirm. Wenn der Solocellist dann Striche einzeichnet, kann man die gleich ans ganze Register übertragen. Einige Sachen wären schon praktisch, aber ich bleib doch lieber beim Papier.
1-Jahr-Jubiläum
Vor einem Jahr war mein erster Arbeitstag hier. Damals hab ich mich noch gewundert, an einem ersten Mai zu arbeiten. Heute find ich’s gut, dass die St. Galler arbeiten und find’s doof, dass die Zürcher das nicht tun, weil ich nämlich deswegen keine NZZ hab. Ausserdem würd ja sonst auch mein Französischkurs ausfallen.
Langer Planungshorizont

Ein Update am Sonntagabend: inhaltlich hat mir die Redaktion sowohl den offensichtlichen Zahlendreher als auch meine Befürchtungen bestätigt. Klasse Zeitung!
Schweiz als Prügelknabe
Ausnahmsweise muss ich doch mal der Süddeutschen ein Kompliment für ihren heutigen Artikel Warum die Schweiz Europas liebster Prügelknabe ist aussprechen. Anlass für den Artikel ist die Anrufung der Ventilklausel durch die Schweiz, wodurch die Zuwanderung aus der EU für länger Bleibende (u.a. sog. B-Bewilligung, wie ich sie habe) bis Mai 2014 um ein paar tausend Personen reduziert wird.
Ein paar denkwürdige Zitate aus dem Artikel:
Mal angenommen, jedes Jahr würden 800.000 Wirtschaftsflüchtlinge aus allen Teilen der Europäischen Union in Deutschland Lohn und Brot suchen – zusätzlich zu den rund vier Millionen Polen, die in den vergangenen Jahren immer mehr Berufe erobert haben, von der Aldi-Kassiererin bis zum Akademiker? Wie gelassen würde die Politik reagieren? Wie verhalten wären die Schlagzeilen der Bild?
All die Zahnärzte, Anwälte und Mittelständler sind freiwillig gekommen. Und zwar nicht immer nur, um Steuern zu hinterziehen, sondern häufig, weil sie dem Franken und einer Schweizer Bank mehr vertrauen als dem Euro und der Deutschen Bank.
Auch all jene europäischen Arbeitnehmer in Luzern und Lausanne wurden nicht von eidgenössischen Söldnertrupps gefangen und als Zwangsarbeiter über die Grenze verschleppt. Sie kamen ebenfalls aus freien Stücken, weil sie in der Schweiz gut bezahlte Stellen und gute Arbeitsbedingungen vorfanden.
Für mich der wichtigste Satz:
Das aber erzeugt Neid.
Wenn dieser Neid nur endlich dazu führen würde, dass man sich an die eigene Nase fasst und vor der eigenen Haustür kehrt, wäre schön viel gewonnen.
Und noch was am Rand: in Norwegen wird es voraussichtlich ab dem Jahr 2015 die allgemeine Wehrpflicht auch für Frauen geben. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Jetzt muss man nur noch die Männer zum Kinderkriegen verpflichten 🙂
nmap und ASCII-Art
Hoeneß und die Enteignung
Die Steuerschulden eines Uli Hoeneß beschäftigen ja gerade mal wieder die deutschen Medien zur Genüge. Aber dass die Schweiz da mit hineingezogen werden soll, ist eine echte deutsche Heuchelei und purer Neid auf den Nicht-EU-Nachbarstaat, in dem alles so gut läuft. Dass Hoeneß irgendwelche Steuern nicht gezahlt hat, ist nicht in Ordnung, schon gar nicht, weil es ihm auch mit gezahlten Steuern recht gut gehen sollte. Aber dass er absolut rational denkt und handelt und vor dem Hintergrund der andauernden Euro-Krise sein Geld in einen (sichereren, wenn auch nicht absolut sicheren) Drittstaat verschiebt, kann man ihm weder verdenken noch verwehren. Die geplante und dann doch nach Protesten schnell wieder abgeblasene Wochenendenteignung auf Zypern war doch ein prima Testballon in einem Kleinstaat der Euro-Peripherie für das, was auch in anderen Euro-Staaten noch kommen wird. Wer sein Geld (was immer das auch wert sein mag) nicht lange vorher woanders hinbringt oder schlau verteilt, hat einfach Pech gehabt: per Dekret werden Überweisungen verboten, Geldauszahlungen am Automaten limitiert und Spareinlagen um einen gewissen Prozentsatz gekürzt. So schnell kann das gehen. In den letzten paar Jahren sind die Schulden der Banken über diverse Mechanismen zu Staatsschulden geworden und die müssen jetzt halt abgetragen oder weginflationiert werden. Das ist Kapitalismus, wie er im Buche steht.
Sendungsbewusstsein



SBB CFF FFS
Neulich, im Zug, Papa mit Sohn, es entspann sich folgender Dialog:
Sohn (zeigt auf den Schriftzug SBB CFF FFS) “Papa, was bedeuten die Buchstaben da?”
Papa: “SBB steht für Schweizer Bundesbahnen, die anderen Abkürzungen sind in anderen Sprachen.”
Sohn: “Warum sind das andere Sprachen? Ist das Englisch?”
Papa: “In der Schweiz gibt’s mehrere offizielle Sprachen. Wir sind da viersprachig: Schweizerdeutsch, Deutsch, Französisch, Italienisch, (stutzt), Rätoromanisch, nein, sogar fünfsprachig. Aber Englisch ist hier nicht so verbreitet.”
Soso, sein Sprachranking beginnt also glatt mit der nicht-offiziellen Landessprache 🙂
(Zur besseren Lesbarkeit wurde der Artikel ins Hochdeutsche transkribiert.)
Glasfaser wird beleuchtet
Der Entscheid ist jetzt meinerseits für 30 MBit/s symmetrische Glasfaserbandbreite gefallen. Mein Vertrag mit UPC Cablecom ist auf Ende Juli gekündigt und für den Juli werde ich dann wohl übergangsweise Glasfaser und Kabelinternet haben, aber nur ersteres nutzen. 2002 in Magdeburg war ich ja über 2.5 MBit/s Gesamtbandbreite glücklich, aber die würden mir heut grad nicht mehr reichen. Mal sehen, ob die Fritz!Box das schafft. Anbieter wird voraussichtlich iway.ch.
Nachher geht’s zum zweiten Mal zu Giacobbo/Müller nach Zürich ins Kaufleuten. Mal sehen, ob die Warnhinweise vor der Sendung wieder die gleichen sind, das kenn ich ja schon von der Magdeburger Zwickmühle.
