Tag -10: Vertiefte Einsichten

Gesagt, getan. Angemeldet bei Zach Kaplan, um eine Speedmachine probezufahren, das ist quasi das gleiche Modell wie die jetzige Ottermobil-Streetmachine, nur mit tieferem Sitz und leicht anderer Rahmengeometrie, was sie windschnittiger und damit schneller macht. Zachs Laden ist in Alameda, das ist auf der anderen Seite der Bay, aber gut erreichbar.
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Tag -16: AI Event @CHM

Das Computer History Museum hatte heute eine Veranstaltung zum Thema Our Relationship with AI, zu Gast waren der Siri-Erfinder Tom Gruber (jetzt bei Apple), IBM Distinguished Scientist Francesca Rossi und Subbarao Kambhampati, Präsident der Association for the Advancement of AI. Das ist eine ähnlich lustige Abkürzung wie IEEE. Die Podiumsdiskussion zog sich etwa eine gute Stunde, dann kamen noch Fragen aus dem Publikum dazu. Ein paar wichtige Punkte habe ich im Folgenden aufgelistet.
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Tag -18: Routingprogramme und Datensammler

Kein Wunder, dass brouter so gut fürs Fahrradrouting funktioniert: der Erfinder Arndt Brenschede hat sich da wirklich viele Gedanken gemacht, wie man in dem folgenden Vortrag sieht: Höhenbewusstes Routing mit Radardaten (FOSSGIS 2014). Ausserdem erklärt das auch die Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Angaben für die Höhenmeter einer Strecke. Für das ÖV-Routing hat er neuerdings auch sehr gute Ideen eingebaut: Transit-Routing und OSM (FOSSGIS 2016). Und natürlich hat das auch viel mit autonomen Fahrzeugen zu tun, die haben ja auch angepasstes Routing speziell für sie.
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Tag -21: Berkeley

Meine dienstlichen Termine für diese Woche waren alle beendet, nächste Woche geht’s weiter mit Brunch in San Francisco am Montagmorgen. Also eine 100km-Nachdenkrunde, was sonst. Gestern auf der Abendrunde wurde ich bei der Ausfahrt aus dem Facebook-Campus von einer Wachperson mit good night verabschiedet. Der Facebook-Neubau, der sich am Ufer entlangzieht, ist im Erdgeschoss komplett eine Parkgarage, vermutlich kann man mit dem Auto direkt an seinen oben drüber befindlichen Arbeitsplatz fahren, insofern man einen fixen Platz hat.

Nach Berkeley wollte ich sowieso noch, hatte mir aber noch keine Strecke zurechtgeschnitzt, ausserdem nicht beide Richtungen. Da die Brücken über die Bay nicht alle für mich (erlaubt) befahrbar sind, war die Routenoption über die Dumbarton Bridge und dann den Bay Trail entlang nach Norden. Abfahrt war 09:35 Uhr, die Sonne sollte sich noch bis am Mittag Zeit lassen, sich durch die Wolken zu fräsen.

Die Gegensätze hier sind schon enorm gross, einerseits extrem gestaltete und gepflegte reiche Quartiere, gleich eine Meile weiter heruntergekommene dreckige Gegenden mit Bettlern und Obdachlosen, dann wieder Industriegebiete, später Villen mit Bayzugang und dann die üblichen Downtown-Shopping-Strips, ergänzt mit riesigen Malls.

Die Freiverkabelung hier ist sensationell flächendeckend. Sowas gibt’s daheim nur an Bahnhöfen auf den Gleisfeldern, z.B. hier in Chur.

Freie Verdrahtung.

Man müsste einen Geruchssensor mit hoher zeitlicher Auflösung erfinden, der auf den Geruch von gerauchtem Gras anspricht, dann könnte man gut die Grasrauchquote an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten auf einer Karte darstellen. Sowas könnte doch eigentlich in die Ford-Mietvelos eingebaut werden:

Ford-Mietvelos, Oakland.

Die Steigungen und Gefälle von Oakland bis nach Berkeley waren enorm. Von +10% bis -15% war alles dabei, aber meist nur kurzzeitig. In Berkeley bin ich auf dem Campus etwas herumgefahren, Studenten waren auch zahlreich vorhanden. Mein Ticket für den 14.09. hab ich auch abgeholt, es spricht der Konservative Ben Shapiro. Wenn man schon mal hier ist, kann man sich ja am symbolträchtigen Ort für Free Speech mal mit Politik beschäftigen. Da Metallica öfter mal in Berkeley ihre Songs geschrieben haben (Ulrich/Hetfield), erklärt sich vielleicht auch das 1982 erschienene Lied Free Speech for the Dumb mit dieser Vorgeschichte. Im Januar 2013 war ich ja auch in Wattwil bei der SVP zwecks Meinungsbildung über kontroverse Personen aus erster Hand.

Da ich auf dem Campus nichts weiter geplant hatte, bin ich Richtung Fährterminal Oakland gerollt am Jack London Square. Laut Plan sollte die Fähre 17:05 fahren. Als ich um kurz nach vier dort so unschlüssig herumstand, legte eine Fähre an. Kurz danach folgte ein boarding call “San Francisco Ferry Terminal, final call”. Nanu, mein Ziel, aber nicht auf dem Plan? Meine Nachfrage wurde positiv beschieden, also bin ich spontan an Bord gegangen. Und: ich war der Einzige! Es gab 42 Velostellplätze. Der Ticketkauf ging an Bord und mir wurde gesagt, dass das eine nicht geplante Fahrt sei, weil sie irgendwas ergänzen mussten. Egal, ich fand’s sehr gut so 😀

Nach vielen Fährfotos bin ich in SF gemütlich direkt zum Zug gefahren, hab den Schnellzug erwischt und war nach 40 Minuten wieder in Palo Alto. Der Zug war diesmal aber deutlich voller. Nur: wenn das ein Pendlerzug ist (17:16 Abfahrt), ist er überdimensioniert. Die Masse an Leuten in den sechs Doppelstockwagen hätte in Zürich locker in einer RE450-Garnitur der S-Bahn Platz gehabt. Nur daheim halt ohne Veloselbstverlad.

Stats: 100km, 350 Höhenmeter, einmal McD, einmal Starbucks, dort wieder inkognito:

Ich war wieder inkognito unterwegs.

Aufgefallenes Schild 1:

Interessante Schilder für den Fall der Fälle.

Aufgefallenes (Kontroll)Schild 2 (Informatik-Insider):

Eins der besten Kontrollschilder für einen Informatiker.

Tag -22: Stanford Engineering Lecture

Der Tageszähler geht jetzt rückwärts. Zufällig hatte ich beim Durchfahren des Stanford-Campus einen Hinweis auf Mehran Sahamis Vorlesung “Don’t trust your gut” gesehen, die ich mir dann gestern im NVIDIA-Auditorium auch angeschaut habe. Das Video davon ist hier auf Facebook zu finden. Es war sehr unterhaltsam, er hat erst (für mich) eine sehr gute Auffrischung von Wahrscheinlichkeitstheorie gegeben, inklusive Bayes’schem Satz. Zwischendurch hat er nebenbei noch das Geschäftsmodell von Versicherungen erklärt. Seine vielen eingebauten Wettspiele mit Dollareinsatz waren dazu sehr anschaulich. Sowas könnte man als Einführungsveranstaltung für Wahrscheinlichkeitstheorie nehmen und sich hinterher an den Details der Vorlesung ein ganzes Semester lang austoben.

Nachts ist der Stanford-Campus auch sehr schön, fast keine Leute, Vollmond und T-Shirt-Temperaturen so gegen 22 Uhr.

Stanford und Ottermobil in der Nacht.

Stanford im Vollmond.

Zu dem, was ich neulich zu Waymo und dem Shadow Driving geschrieben habe, gibt’s auch noch eine kürzere anschauliche Fassung: Simulation: how one flashing yellow light turns into thousands of hours of experience.

Halbzeitpause

Sonnenuntergang in Los Gatos.

Nach der Hälfte der Zeit (Rückflug am 29.) war mal eine Blogpause fällig. Am Sonntag war ich bei Marc zum BBQ eingeladen, das waren etwa 28km einfache Strecke, zurückzu wegen Rückenwind nur 1:20h Fahrzeit. Bei der Gelegenheit konnte ich auch mal eine geschlossene Wohngegend von innen anschauen. Im Prinzip ist das wie eine Kaserne, nur dass man nicht stundenlang unfreiwillig auf dem Asphalt in der Hitze stillstehen muss. Das hat man ja meist vorher im Stau auf der Autobahn schon gemacht.

Es ist schon witzig, wie lange sich Leute über Stau, Verkehr und volle Strassen unterhalten können, dabei sind sie doch selbst der Verkehr. Zumal wenn man nach Kalifornien kommt und weiss, dass der Outpost in Palo Alto ist und man seinen Wohnort frei wählen kann — wenn man dann irgendwo am Meer oder in SF wohnen möchte, muss man auch den Arbeitsweg ertragen. Die nächste Diskussion ist dann immer um die besten Economy-Plätze im Flugzeug. Ähm, da gibt es keine, die sind vorn in der anderen Klasse. In der Gesamtbetrachtung zahlen sie also freiwillig mehr Miete, damit bleibt weniger Geld für den Flieger und sie stehen auch noch jeden Tag 2-3h im Verkehr/Stau herum. Ich hab das andersherum optimiert: ich zahle (offensichtlich) weniger Miete, das kombinierte Miete-Flug-Budget hat für den Business-Flug gereicht und ich hab auf dem kürzesten Weg 15 Minuten mit dem Velo zur Arbeit.

Am Montag hatte ich die wenigsten Tageskilometer (8), nur zum Einkaufen und wieder heim. Die Hitzewelle hatte sich bereits wieder verflüchtigt und es gab sogar ein paar wenige Regentropfen. Erst dachte ich ja, dass man bei Starbucks hier keinen Rabatt bekommt, wenn man mit dem eigenen Gefäss antanzt, aber sie geben doch zehn Dollarcents Preisnachlass. Damit krieg ich aber den flaschenhaltergeeigneten Kaffeeisolierbecher nicht mehr amortisiert in der verbleibenden Zeit.

Starbucks-Tumbler passt in den Flaschenhalter.

Mit dem Tag der Arbeit ist hier auch gefühlt der Sommer vorbei und die Leute kommen wieder zur Arbeit. Daheim hat, wie erwartet, die Chefin gekündigt. Schade, aber unvermeidlich bei so einer Reorganisation. Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre das ein längerer Regen hier, aber vielleicht nicht ganz so wie 2013 in Darwin.

Tag 20: Start ins verlängerte Wochenende

Bei der gestrigen Heimfahrt bei 43°C war das Gute, dass sonst kaum jemand draussen war. Das lange Oberteil hab ich vorher in Wasser getränkt und angezogen, nach 3km war es trocken, also hab ich noch eine Trinkflasche Kühlwasser draufgeschüttet. Kühlt exzellent, braucht halt recht viel Wasser.
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Tag 19: 43 Grad

Gestern hatte ich was zu Uber Movement geschrieben, heut hab ich nochmal drüber nachgedacht: um diese Darstellungen der Daten auf Karten zu machen, brauchen sie nur einen Bruchteil ihrer Fahrtdaten: Startkoordinaten, Start-Datetime, Endkoordinaten, End-Datetime. Dazu kommen externe Daten wie Landkarten und Zonengrenzen und dann kann man das alles schnell sogar in Echtzeit berechnen und darstellen. Ich hoffe, sie haben noch ganz kurze und ganz lange Fahrten (zeitlich) und solche, die bei Punkten in der Nähe von Zonengrenzen liegen, rausgefiltert. Die Passagiere interessiert ja nicht, wie jemand (später) irgendwelche administrativen Zonen einteilt, die wollen einfach nur von A nach B kommen.
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Tag 16: Bay-Streifzug

Heute morgen war die Velostrecke doch etwas länger als gewohnt, aber die Sonne kam auch erst 10:30 Uhr raus, so dass das ideal zum Fahren war.

Bevor’s wieder über den Stanford-Campus ging, hab ich noch eine Ehrenrunde beim HP-Hauptsitz gedreht, anstatt >2min an der Ampel zu warten.

HP-Hauptsitz.

Der Bayshore Freeway trennt Stadtteile genauso wie ein Fluss und ist beim Velo-Routing auch genauso zu berücksichtigen. Es gibt halt nicht besonders viele (angenehme) Überquerungsmöglichkeiten. Gleich hinter der Fussgängerbrücke kam eine kilometerlange Baustelle direkt am Ufer — erst später ging mir auf, dass das alles für Facebook ist. Na vielleicht wird ihr Campus ja doch noch schön. Aber ich find’s nicht besonders effizient, einen Campus entlang einer Uferlinie anzulegen. Die Ringform wie bei Apple ist von den Wegen her sicher praktischer.

Die Erweiterungsbauten für den Facebook-Campus.

Die Kehrseite der stark steigenden Immobilien- und Mietpreise sind normale Leute, die sich ihre Unterkunft nicht mehr leisten können und dann auf Wohnwagen ausweichen müssen.

Wohnwagen in einer Sackgasse als Unterkünfte für Leute, die sich ihre Mieten nicht mehr leisten können.

Kurz danach war ich einer der etwas heruntergekommenen Siedlungen, als mich ein Schwarzer fragte, ob ich ihm bestätigen könne, dass seine Freundin nicht auf dem Liegevelo fahren könne. Das konnte ich problemlos, weil sie nämlich nicht zwischen den Untenlenker gepasst hätte 🙂

Die Statistik vom Forumslader sagt auch einiges aus:

1000km in 60:30h, macht 16,5km/h Schnitt.
348Wh in 60:30h macht 5,75W elektrische Dauerleistung.
4145 Höhenmeter auf 1000km macht 0.4% Durchschnittssteigung und ist eine ziemlich sinnlose Aussage.

Zu den zwei Unternehmen root und metromile hab ich auch noch aktuelle News gefunden, die eigentlich genau das typische Geschäftsmodell hier darlegen: Wachstum um jeden Preis, egal ob man profitabel ist oder nicht, natürlich mit Fremdkapital. Irgendwann hat man dann einen genügend grossen Marktanteil, ist unverzichtbar und kann sein Monopol ausüben. Das ist auch einer der grossen Unterschiede zur Schweiz: dort wird erst nachgedacht und dann, wenn überhaupt, vorsichtig was gemacht; hier wird erstmal gemacht und dann nachgedacht. Das hat beides Vor- und Nachteile.