Lyft Line und Uber Pool

Bei meinem Kalifornienaufenthalt soll es ja um point-to-point public transport gehen, was derzeit am nächsten mit den beiden Anbietern Uber Pool und Lyft Line erreicht werden kann. Die zugrundeliegende Idee ist uralt und eigentlich naheliegend: es werden Fahrten verbunden bzw. zusammengelegt, die ungefähr um die gleiche Zeit in die gleiche Richtung gehen. Ein Autofahrer (Uber-Fahrer, Lyft-Fahrer) holt einen Fahrgast ab, nimmt noch weitere auf der Strecke dazu und liefert die alle punktgenau irgendwo ab. Innovativ ist daran nur, dass das Matchmaking (wer mit wem auf welcher Strecke fährt) im Hintergrund durch einen Algorithmus passiert und es keine fixen Strecken gibt. Wenn sie jetzt noch drauf kommen, fixe Strecken vorzugeben und am besten fixe Stationen zum Zu- und Aussteigen, dann könnte man gleich Busse nehmen in hoher Frequenz. Oder, hm, zum Rollwiderstand verringern noch Gleise verlegen? Wäre das was? Gibt’s das schon? Ach nee, das ist ja dann Massentransport 🙂
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Algorithmus gegen eigene Programmierer

Zum Feuilleton komme ich beim NZZ-Lesen eigentlich immer zuletzt, aber der Artikel heute kam zuerst dran:
Silicon Valley – Der Algorithmus schlägt die eigenen Programmierer. Es geht darum, dass die App Waze, die aufgrund von live verfügbaren Verkehrsdaten Routenempfehlungen gibt und auch sofort anpasst, die schönen Suburbia-Wohngebiete als Alternativrouten angibt, wo die Programmierer der App wohnen, die dort eigentlich ihre Ruhe haben wollten. What goes around comes around, sag ich dazu nur. Schon vor drei Jahren wurde auch gezeigt, dass man mit simulierten Staus seine eigene Strasse verkehrsfrei bekommt, wenn nur genügend Leute Waze benutzen: Students hack Waze, send in army of traffic bots.

Genau wegen solcher unbeabsichtigter Effekte, bezogen auf autonome Fahrzeuge, schau ich mich dann im Silicon Valley um.

Mautdaten und Verbrechensbekämpfung

Vor fast vier Jahren hab ich zu dem Thema fahrstilabhängige Versicherungsprämie was geschrieben. Einerseits ist das interessant, weil folgende Kurzfassung (Selbstzitat):

Aufzeichnungsbox ins Fahrzeug gesteckt, Fahrtstrecken aufgezeichnet, Daten ausgewertet und nach dem so errechneten Score bemisst sich dann die Versicherungsprämie. Natürlich sind dann alle Zeiten und Strecken komplett aufgezeichnet und der Versicherer hat prinzipiell Zugriff auf alle diese Daten und kann sie für gute oder auch für schlechte Zwecke verwenden.

genau beschreibt, wie es heutzutage häufig gemacht wird. Recht zufällig bin ich auch in die ganze Ecke mit den Telematikdaten bei der Versicherung gerutscht und habe genau solche aufgezeichneten Daten zum Fahrstil zur Auswertung gehabt. Das war damals nicht absehbar, dass es so laufen könnte 🙂

Und auch der andere Punkt, den ich erwähnt hatte, dass nämlich andere Institutionen Interesse an den wachsenden Datenbergen zeigen würden, bewahrheitet sich soeben wieder: LKW-Mautdaten wurden zur Verbrechensbekämpfung genutzt (Welt online) und natürlich kommen die Strafverfolger gleich wieder auf dieselbe Idee: Diskussion über Nutzung von Mautdaten zur Strafverfolgung.

Autonomes Postauto

Mein Thema, für das ich nach Palo Alto entsendet werde, dreht sich um “point-to-point public transport”, also eine Verkehrsvision, in der öffentlicher Verkehr (teilweise) ohne fixe Stationen auskommt. Privater motorisierter Individualverkehr interessiert mich ja tendenziell eher weniger 🙂

Ob sich die Mobilität dahin entwickelt, ist fraglich. Wollen die Leute mit anderen zusammen in einem wie auch immer gesteuerten Vehikel fahren (=öffentlich) oder wollen sie von der Umwelt abgeschottet in ihrer eigenen Dose herumgefahren werden? Die Antriebsart oder die Steuerung spielen dabei doch gar keine Rolle, ausser dass autonom vielleicht effizienter fährt. “Sich herumfahren lassen” gibt es ja heute schon, nennt sich Taxi oder Chauffeur. Mit autonomen Fahrzeugen wird das dann für den Massenmarkt erschwinglich (?) und die Strassen werden wieder/noch voller.

Dagegen kann z.B. vom Gesetzgeber was getan werden, u.a. könnten Strassen für nicht-autonome Fahrzeuge gesperrt werden. Eine solche Dystopie hat der Guardian grad skizziert: www.theguardian.com/cities/2017/jun/14/street-wars-2035-cyclists-driverless-cars-autonomous-vehicles

Aber zurück zum Postauto: es fährt alleine auf einem Rundkurs in Sion, wird noch von einem Bewacher begleitet und funktioniert schon relativ gut. Irgendwann kann sowas auch in den Regelbetrieb übergehen, denn Technik wird immer besser, nie schlechter. Ob es die Leute akzeptieren, ist die andere Frage. Die Passagiere sicher, wie ist das mit den Aussenstehenden? Wenn sich zuviele Leute den Spass erlauben, das Postauto zu blockieren, indem sie im Weg stehen, wird dann vielleicht dafür ein Straftatbestand eingeführt? Es wäre nur ein Federstrich und mit der sowieso vorhandenen Technik prima automatisierbar, einen Blockierer per Gesichtserkennung den Behörden zu melden.

Werden sich autonome Fahrzeuge an den Seitenabstand beim Überholen von Velos halten? Technisch ist das problemlos programmierbar, aber wie lange werden das Passagiere akzeptieren, dass das Fahrzeug dann eben einen Kilometer lang hinter einem Velo bleibt? Vorgeschrieben wäre es heute schon, aber die Regeln werden an so vielen Stellen gedehnt und gebrochen, dass ich bezweifle, dass sich das Passagiere gefallen lassen werden. Möglicherweise hilft aber die Bequemlichkeit auch, wenn die Mitfahrer dann sowieso Zeitung lesen und Videos gucken, so dass es ihnen wurscht ist, was draussen passiert. Ich bin da aber sehr skeptisch, was das angeht.

Eins der zwei Postautos war grad ausser Betrieb bzw. in der Fernwartung, drum hatte ich Zeit, mit den Beteiligten zu sprechen. Wegen der Aussentemperaturen gab’s Probleme, na gut, bei 35°C eventuell die falschen Komponenten verbaut. Im Versuch, der hier in Sion läuft, dürfen sie die Software permanent verändern, aber nur weil eine Begleitperson dabei ist. Ansonsten müsste da jedesmal der TÜV ran. Es passen 11 Personen rein, es ist als eine Art Zubringer gedacht (letzte Meile?). Da taucht dann auch wieder die Frage auf, ob man die letzten Meter vom Bahnhof nicht doch laufen sollte oder ob man sich auch ins Fitnessstudio fahren lässt. Gesetzgeberisch wäre es auch hier einfach, einen Mindestabstand zwischen Wohnung und Parkplatz des eigenen Autos vorzuschreiben.

Nachdem das zweite Shuttle kam, bin ich dem den halben Rundkurs hinterhergefahren. Es fährt sehr vorsichtig, wenn man das so bezeichnen kann. Wenn alle so fahren würden, gäbe es keine Unfälle. Vier gelenkte Räder, vermutlich könnte es auch genauso vorwärts wie rückwärts fahren (wo ist eigentlich vorn?). Bei Hindernissen sah es aus, als ob ein virtueller Puffer (Abstand) eingehalten würde. Ich hab aber nicht versucht, ein Hindernis zu simulieren.

Aber vielleicht fällt mir auf der höhenmeterreichen Rückfahrt im Mondlicht noch mehr ein. Mondcreme hab ich vergessen gegen den Mondbrand 😉



Zug-Zeitungs-Dilemma

Die SBB schlagen mal ein Angebotskonzept für 2030/2035 vor. Laut NZZ ist im Radius von 50km um Zürich und Lausanne ein Viertelstundentakt vorgesehen, ergo ist Wil-Zürich auch dabei. Ich hab ja jetzt schon mehr als zwei Verbindungen pro Stunde, wenn ich die S-Bahnen mit Umstieg in Winterthur berücksichtige, nur dauern die Verbindungen länger als ein Direktzug.

Nur wenn ich noch schneller ankomme, schaffe ich ja die NZZ gar nicht mehr im Zug. Die einzig logische Konsequenz: ich muss weiter weg ziehen 🙂

Ergänzung: an den Koordinaten des Fotos sieht man, dass ich unterwegs war, als das Bild entstanden ist. Im Zug natürlich, die NZZ lesend.

Maut und keine Pendlerpauschale mehr

Das Umweltbundesamt macht gute Vorschläge, rein ideologisch wäre das damals sicher ein guter Arbeitgeber für mich gewesen. Eine streckenabhängige Maut und die Abschaffung der Pendlerpauschale sind schon lange überfällig. Hierzulande sind wir schon einen Schritt weiter, bzw. immer noch hinterher, je nachdem, welchen Kanton man anschaut und von welchem Niveau man mit der Pauschale kommt: Änderungen bei den Pendler-Abzügen (NZZ-Artikel). Im Kanton St. Gallen kann ich z.B. nur ein 2.-Klass-GA bei der Kantonssteuer in Abzug bringen.

Veloroutenverkürzung in Palo Alto

Der Swisscom-Outpost zieht um. Damit verkürzt sich meine Veloroute von Unterkunft bis Outpost von 7km auf 5km und führt nicht mehr direkt über den Stanford-Campus, ganz abgesehen davon, dass es eh nur links-rechts-links-rechts geht, bis ich da bin. Zwischendurch jeweils geradeaus, versteht sich: Brouter-Karte

675 Forest Avenue, Palo Alto, CA, 94301