Elektrische Postzustellung

Die Schweizer Post hat ihre Postzustellung zumindest hier am Ort vollständig auf Elektromobile umgestellt. Heute morgen wäre ich fast von einem dieser Elektroroller mit Anhänger erwischt worden, aber er hat mich doch noch rechtzeitig gesehen. Der war genauso geräuschlos wie ich unterwegs und ist wohl davon ausgegangen, daß da tatsächlich niemand kommt, da ja niemand zu hören war. Aber sein Rollertraining scheint gut gewesen zu sein, denn die Bremsung in Schräglage, die er hingelegt hat, war nicht zu verachten. Die Roller heißen übrigens Cargoscooter. Es gibt auch Elektrodreiräder, die ebenfalls geräuschlos sind. Eigentlich entfällt aber nur das Motorgeräusch, das Rollgeräusch der Reifen hört man immer noch. Hier eine Übersicht der Fahrzeuge (rechte Leiste) (Webseite der Schweizer Post). Die Schweizer Post hat hier trotz Öffnung des Briefmarktes immer noch das absolute Monopol, die Konkurrenz hat es schwer.

Neue Militärvelos für die Schweiz

Ein (mir) bekannter Schweizer Hersteller von hochwertigen Rädern, simpel.ch, hat den Zuschlag auf die Ausschreibung für neue Schweizer Militärvelos bekommen. Wenn ich mir das so durchlese, könnte mir das Rad wirklich gefallen, zumal es nicht mal extrem schwer ist. Mein jetziges Trekkingrad wiegt auch um die 19kg (mit Abus-Schloß und Rohloff), mein MTB ist trotz Rohloff noch etwas leichter, da ist das Gewicht nicht mal besonders hoch. Aber das Militärvelo wird robuste Qualität sein, auch wenn’s eher fürs Kasernengelände gedacht ist und nicht für den Einsatz. Da noch ‘ne Rohloff rein und ab geht’s. Ein ähnliches Fitnessbike gibt’s ja bei simpel auch schon.

Da fällt mir auf, daß ich hier von den nicht-motorisierten Velofahrern wohl der einzige bin, der mit Licht fährt. Da aber die Pedelecs, die ich bisher gesehen habe, fast immer mit Licht gefahren sind, werde ich wohl scheinbar von den Autofahrern immer für schneller geschätzt, als ich dann letzten Endes daherkomme. Oder es ist einfach generell deutlich mehr Rücksicht im Straßenverkehr zu verspüren, wenn mich nicht alles täuscht. Bei einem Fußgängerüberweg muß ich eigentlich nicht mal gucken, ob was kommt, sondern kann einfach losgehen und mich darauf verlassen, daß selbst schnelle Autofahrer ohne zu murren/hupen anhalten. Radstreifen auf der Straße gibt’s eh fast überall und trotzdem ist der Seitenabstand der Autofahrer meist noch deutlich größer als ich es in Deutschland gewohnt war. Als ich mein Rad das erste Mal auf Arbeit abgestellt habe, habe ich mich abends auch gefreut, daß noch ein unscheinbares Rohloff-Rad daneben stand.

Fugen-S in der Zugmitte

Neben den großen (grossen) und auffälligen Sprachunterschieden gibt es auch kleine und subtile wie beispielsweise die Verwendung eines Fugen-S, wo man keines erwartet. Beispiel der SBB: Das Zugrestaurant befindet sich in der Zugsmitte. So wie in Magdeburg der Einheitsakkusativ verwendet wird, wird hier in der gesprochenen Sprache überdies inflationär das “wo” verwendet: Der, wo mir gsagt hätt. S Velo, wo da steht. Etc. Im Unterschied zu Magdeburg bin ich mir aber ziemlich sicher, daß die Sprecher hier wissen, wie es in gepflegtem Hochdeutsch zu sein hätte. Es kann schon sein, daß ich da noch eines Besseren belehrt werde, aber momentan ist das mein Eindruck.

Musikalischer Auffahrtgottesdienst mit Konfirmation

Als Atheist halte ich es zwar eher mit Richard Dawkins, aber es hat mich doch interessiert, ob hier die Gottesdienste ähnlich ablaufen. Also bin ich kurzentschlossen zum Auffahrtgottesdienst in die Kirche gegangen (Auffahrt=Himmelfahrt). Gleichzeitig wurden auch zwanzig Jugendliche konfirmiert. Musikalisch umrahmt wurde die ganze Veranstaltung von der 50-köpfigenJugendmusik Uzwil (Blasorchester). Es fing an mit einer Version von I just called to say I love you, die Liturgie lief ganz gewöhnlich ab, die Konfirmanden hatten selbst ihr Programm mit ihren Gedanken zum Thema Konfirmation, bekamen ihre Konfirmationssprüche und den Segen. Die Jugendmusik hat die Orgelmusik ersetzt, zwischendurch war auch noch Whitney Houstons One Moment in Time zu hören und außerdem gab es noch den langsamen Teil von Sibelius’ Finlandia zu hören. Ich habe lange gerätselt, woher ich das kenne, ist ja schließlich auch schon 15 Jahre her, daß ich das selbst mitgespielt habe. Im Kirchengesangbuch (der Version für die Deutschschweiz) gibt es auch einige Lieder im Dialekt, ansonsten war bis auf die Predigt, die ich ganz gut verstehen konnte, das meiste auf Hochdeutsch. Trotzdem wirkte es alles sehr modern, inklusive der Beamer-Leinwand, auf die Liedtexte, Bilder und das Programm sowie Texte eingeblendet wurden, und natürlich hatte der Pfarrer ein Funk-Headset am Kopf. Eine große Orgel hat die Kirche außerdem auch, aber die kam heute nicht zum Einsatz.

Glaube oder Unglaube, das kann ich mir persönlich aussuchen. Aber da die christliche Religion Grundlage unserer Gesellschaft(sordnung) ist, lohnt es sich schon, sich damit zu beschäftigen. Außerdem sind weder das Krippenspiel von Olaf Schubert noch Monty Pythons The Life of Brian auch nur ansatzweise lustig, wenn man von Religion keine Ahnung hat. Große musikalische Werke, die auf Bibeltexten aufbauen, gibt’s ja auch genügend. Für Politik interessiere ich mich auch nur, weil sonst das politische Kabarett witzlos ist.

Mietvertrag schon wieder da

Am Montag habe ich die unterschriebenen Unterlagen per Post zur Verwaltung geschickt, heute kam schon die Post mit den jetzt auch von der Immobilienverwaltung unterschriebenen Unterlagen zurück, inklusive der Einzahlungsbelege für die Miete. Ich vermute, wenn das so weitergeht, bekomme ich am Freitag die Formulare von der Kantonalbank für die Einzahlung der 2 Warmmieten Kaution. Immerhin gibt es hier keine Provision, weil die offenbar gesetzlich verboten ist. Klar, dann wird’s halt irgendwo auf die Miete draufgeschlagen, aber man ist nicht gleich am Anfang einen großen Batzen Geld los.

Perfekte Überleitung zum großen Batzen Geld: Ich habe hier jetzt schon zweimal Kleinstbeträge mit einer 100-CHF-Note bezahlt (weil der Automat mit meiner deutschen VISA-Card das so ausgespuckt hat und ich nicht mehrfach hinrennen wollte). Es hat sich niemand darüber beschwert oder mich komisch angeguckt oder gefragt, ob ich es nicht kleiner hätte. Niemand. Faszinierend. Als ich das bei den Kollegen erwähnt hatte, kamen ohne Aufforderung gleich Geschichten aus dienstlichen Besuchen in Deutschland, wo man ja schon komisch angeguckt wird, wenn man nur mit einem 50-EUR-Schein kleine zweistellige Beträge bezahlt. Andere Einstellung zum Geld eben.

Fünfzigprozentige Milch

Auch in der Schweiz scheint sich leider immer mehr die mit Hochpasteurisierung behandelte Milch zu verbreiten. Bei ALDI und LIDL gibt es ja sowieso keine Wahl, bei coop und migros allerdings schon. Dort wird nämlich die Bergmilch verkauft oder alternativ auch die Biomilch, zu ähnlichen Preisen wie in Deutschland. Die hochpasteurisierte (auch ESL-Milch) Milch schmeckt einfach anders und mir persönlich schmeckt sie nicht, weil sie schon zu sehr in Richtung UHT-Milch, auch H-Milch genannt, geht. Beim ersten Mal habe ich nur den Verdacht gehabt, daß der Hinweis hochpast ESL bedeuten könnte, aber hatte dann Sicherheit, als auf dem Kassenzettel auch tatsächlich ESL stand. Mal schauen, ob ich in der näheren Umgebung Bauernhöfe mit ganz frischer Milch finde. Eier, Äpfel, Säfte und Honig habe ich schon beim Vorbeifahren entdeckt.

Praktischerweise wird hier die sonst teure Bio-/Bergmilch (Preis auf deutschem Bio-Niveau) wegen der begrenzten Haltbarkeit schon zwei Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums für die Hälfte verkauft. Damit gibt’s dann 3,9% Fett und richtig gute Qualität zum Normalpreis.

Weißwurstäquator vs. Röstigraben

Im St. Galler Tagblatt habe ich vorhin einen Artikel über eine Frau gelesen, die aus der Französischschweiz in die Deutschschweiz gezogen ist. Da wurde der Röstigraben erwähnt, den mir die Kollegen dann auch gleich passend erklären konnten, da einer aus der Französischschweiz kommt und der andere aus der Deutschschweiz. Er ist nicht nur eine sprachliche Grenze, sondern inzwischen auch eine starke kulturelle und politische Grenze, die sich beispielsweise ganz klar im Abstimmungsverhalten bei Volksabstimmungen äußert. Auf Französisch nennt sich das ganze barrière de röstis, also ist es da schon kein Graben mehr, sondern eher ein Zaun oder eine Mauer. Diese Barriere scheint also so ähnlich zu sein wie der deutsche Weißwurstäquator. Der Freistaat Bayern macht ja auch immer gerne sein eigenes Ding, was man ja schon an der CSU sieht.

Übrigens gehen SEPA-Überweisungen vom deutschen aufs Schweizer Konto und umgekehrt deutlich schneller als Inlandsüberweisungen in Deutschland, wie ich festgestellt habe. Außerdem ist die Formel1 im Schweizer Fernsehen viel angenehmer zu sehen, weil der Kommentator nicht so neunmalklug besserwisserisch daherkommt wie die RTL-Pappnasen Waßer/Danner.

Bei Amazon kann man einige Sachen wie z.B. Bücher auch in Deutschland versandkostenfrei in die Schweiz bestellen. Was daran witzig ist: beim Warenkorb wird ein “Geschenkgutschein” angezeigt, der ungefähr die Mehrwertsteuererstattung beträgt. Eine Schweizer Landkarte, die ich bestellt habe, hat laut Amazon-Preis 12,90 EUR gekostet. Auf der Rechnung steht nur der Nettopreis von 12,06 EUR (also die 12,90 EUR brutto abzüglich der enthaltenen 7% MwSt. auf Bücher). Bezahlt habe ich am Ende nur 10,32 EUR, also 20% weniger als der ursprüngliche Preis. Das wird wohl nicht bei allen Sachen gehen, aber interessant ist es schon.