Die letzte Nacht war schon fast ereignisreich zu nennen. Direkt neben mir hielt am Abend ein fetter Allrad-Jeep (Ford 150 oder sowas) und die Beifahrerin war zu blöd, ihre Tür beim Öffnen festzuhalten, so dass die bei mir ans Auto knallte. Ich hab mal rausgeguckt und mir das Kennzeichen notiert, war aber zu faul, da jetzt einen Aufstand deswegen zu machen. Warum die da sonstwo in der Pampa parkieren und dann einen halben Meter neben mir stehenbleiben müssen, weiss ich auch nicht. Ich hab mir ja mit Absicht nicht den belebtesten Ort herausgesucht. Am Morgen war zumindest kein Schaden zu verzeichnen.
Vor dem Einschlafen hab ich noch die letzte Folge von Der Bestatter geschaut, da konnte ich beruhigt ob der zusammengelaufenen Handlungsfäden einschlafen. Das Auto schaukelt schön im Wind, fast wie im Nachtzug, solange nichts umkippt. Noch ein Tipp: wenn man die Lüftungsdüsen manuell verschliesst, zieht’s nicht so am Kopf.
Für Frühaufsteher ist die Beleuchtungssituation um diese Jahreszeit sicher nichts. Es wird ewig nicht hell und aber abends auch ewig nicht richtig dunkel. Nur wenn man schon um 07 Uhr wach ist, bleibt nicht viel übrig, als erstmal opulent zu frühstücken, weil vorher sowieso nichts zu sehen ist.
Wasserfälle gibt’s hier wie Sand am Meer, die einzige Zufahrt zu diesen beiden, die noch offen war, hab ich benutzt. Auch dort: absolut menschenleer, alles vereist und windig war’s auch. Immerhin waren die Temperaturen schon deutlich gestiegen im Vergleich zu den letzten Tagen. Das Thermometer im Auto hat auch schon mal -32°C angezeigt, da würd ich nicht viel drauf geben. An den Wasserfällen war’s so um den Gefrierpunkt.
Weil ich mir wirklich nicht sicher war, ob das Auto da stehenbleibt (immerhin hat es einen cw-Wert wie eine Schrankwand), hab ich vorsorglich direkt am Pfahl kraftschlüssig geparkt, so dass da nichts mehr auf der Eisfläche verrutschen konnte. Der Wind kam von links, also immer schön Tür festhalten beim Aufmachen.
Die Spikes, die ich heute entdeckt habe, erklären natürlich den phänomenalen Grip auf Eis und die Rollgeräusche auf Asphalt. Kenn ich ja vom Velofahren.
Am Myvatn bin ich nochmal vorbeigekommen. Überall Dampf ist immer wieder gut.
Dann ging es weiter die Küstenstrasse entlang Richtung Norden, in Husavik gab’s auf der Mole eine Mittagspause.
Ein paar Farbtupfer gibt es ab und zu auch zu sehen, sogar wenn’s nur Baumaschinen sind.
Hier (am Eyjan), wie auch bei den Wasserfallfotos von heute, kam der Wind brutal von vorne, also bin ich mit der Kamera in der Hand in der tiefsten Gangart (also robbend) bis an die Kante und hab versucht, die Kamera halbwegs ruhig zu halten. Wenn der Wind aus der anderen Richtung gekommen wäre, hätte ich das gelassen mit den Fotos, denn die Flugzeit nach unten wäre mir zu kurz, um Spass zu machen. Am Eyjan hab ich die eine Stunde Wanderung auf mich genommen und bin auf das Zentrum des Hufeisens gestiegen: ein hufeisenförmiger Canyon legt sich um das zentrale Stück, auf das man laufen kann. Logisch lag am Ende des Wegs ein Geocache und es gab sogar ein Gästebuch. Letzter Eintrag beim Cache von Mitte September, im Gästebuch vom November.
Auf dem Abstieg vom Eyjan kam die Sonne raus, was die Farbstimmung gleich um Grössenordnungen verbesserte.
Bis zum nördlichsten Punkt war es nicht mehr weit.
Am fast nördlichsten Punkt (ein Leuchtturm wäre noch weiter im Norden und zum Polarkreis haben auch ein paar Meter gefehlt) war ich schon in der Dämmerung, hab den dort plazierten Cache gefunden und bin dann weitergefahren bis nach Raufarhöfn. Die gut 30km unasphaltierte Strasse waren teilweise recht grenzwertig. Häufig lagen sie fast auf Normalnullhöhe, das Tauwetter hat alles durchgeweicht, es gab Spurrinnen, es war matschig und es hat häufig ziemlich stark das Fortkommen gebremst, dazu kam noch extremer Seitenwind aus dem Landesinneren. Bei weniger Wind könnte man ja da oben campieren, aber ich hab es dann doch vorgezogen, bis nach Raufarhöfn weiterzufahren, weil mir die Nähe zur Zivilisation doch was bedeutet. Aber was phänomenal ist, ist der Mobilfunknetzausbau, ich hatte bisher überall Netz und auch schnelle Datenverbindung. Da sag noch einer, dass das in Brandenburg oder in der Altmark nicht funktioniert — einfach eine Frage des Wollens und der Prioritäten.
Mein Schlafplatz ist jetzt neben der Feuerwache, draussen herrscht Tauwetter und ich stehe zumindest windgeschützt. Und Wifi gibt’s auch. Bewölkt ist es sowieso, da wird das auch mit dem Polarlicht nichts.
Die Strecke von heute: 320km (gpsies.com)