Mobilitätskosten (immer dasselbe halt)

Ein ungewohnter Anblick für eine Dose.

Der Rohloff-Service für die kleine Schwarze war diesmal mit 226 Fr. deutlich günstiger als die Quasi-Totalrevision der silbernen am Patria Terra im März 2016 mit >800 Fr.. Aber es war wirklich nötig, da sich Vorbesitzer und aktueller Besitzer beim Quälen selbiger wohl nicht viel nehmen. Schon letztes Jahr wollte ich sie abgeben, aber bekam von Rohloff via Telefon eine Standpauke, dass das Ölen vielleicht normal sei. Also bin ich sie jetzt halt ein Jahr gefahren in Neuseeland, Kalifornien und im Inland über grosse Höhendifferenzen — sie hat eigentlich permanent leicht getropft. Die Befüllung mit 25ml Spülöl vor der Tessin-Tour vorletztes Wochenende und das Ablassen von gerade mal 27ml (statt 50ml) zeigte die Undichtigkeit relativ klar. Rohloff hat auch diesmal wieder versucht, mich aus Kassel anzurufen, aber ich war nicht erreichbar 🙂 Jedenfalls gehe ich jetzt davon aus, dass sie im Gegensatz zum Fahrer ganz dicht ist.

Auf die Mobilitätskosten als Thema komme ich deswegen, weil ich grad Daten aus der Autoversicherung auswerte und ich mangels eigenem Fahrzeug absolut keine Ahnung habe, was eine Haftpflicht und eine Teil-/Vollkasko bei uns* kosten. Nehmen wir mal an, ich hätte einen neuen Skoda Superb Kombi, da kommt eine Haftpflichtprämie von 500 Fr. und eine Kasko von 700 Fr. (bis insgesamt sogar 1800 Fr., je nach Deckung) raus. Einen Parkplatz bräuchte ich ja auch noch, der kostet 150 Fr. im Monat. Also würde ich schon 200 bis 300 Fr. im Monat zahlen, nur dass die Dose (eine andere als die oben) herumsteht, da bin ich noch keinen Meter gefahren. Wow. Wenn man da den Wertverlust eines Neuwagens noch dazunimmt (Tabelle siehe hier bei comparis), kann man über 5 Jahre noch 50% des Neupreises abschreiben, was bei dem Superb etwa 15k, also 3000 Fr. im Jahr ausmachen dürfte. Das sind nochmal 250 Fr. im Monat. Da lobe ich mir doch immer wieder meine Fehlanreize setzende Mobilitäts-Flatrate.

*im Land und in der Mobiliar.

Ein satirischer Lagoausflug

Zuletzt hatte ich Andreas Thiel in seinem eigenen Programm am 17.04.2014 gesehen, später 2014 noch mal bei Giacobbo/Müller und natürlich gab es auch Seitenhiebe gegen die kontroverse Schawinski-Sendung von 2014. Sein Programm war exzellent, lustig, satirisch, mit sehr viel Tiefgang und zum Nachdenken, wie immer halt. Schade, dass er seine Bühnenkarriere beendet, aber bei der völlig ungerechtfertigten medialen Hetzjagd, die nach der Schawinski-Sendung gegen ihn begann, absolut verständlich. Meine Sitzposition war in der Tonhalle Wil dort, wo ich dann auch bei der Regimentstochter im Orchestergraben sitze, nur eben zwei Meter höher.

Der Samstag versprach trockenes und sonniges Wetter im Süden und den üblichen Nebel und Niederschlag im Norden. Also stand eine Probefahrt vom Gotthard-Basistunnel an. Der ist ja jetzt auch schon anderthalb Jahre fertig, aber ich hab ihn noch nicht ausprobiert. Im 07:40-ICN ging’s von Wil nach Zürich mit einem kurzen Abriss übers Liegevelofahren an jemanden, der mir gegenübersass und meinte, dass seine Sitzposition im Segelflieger ungefähr gleich sei wie meine auf dem Liegevelo.

Um 08:32 ging’s auf den IC nach Süden, der sogar ein 1.Klasse-Veloabteil hatte. Vor mir im Abteil sass Carmen Walker Späh, unschwer zu erkennen, wenn man sonst halbwegs aus der NZZ informiert wird. Im Tunnel waren wir von 09:41:30 bis 10:03:30, was einen Schnitt von 155km/h ausmacht. Danach kamen die Ansagen auf Italienisch, wobei ich da schon gemerkt hab, dass mir Duolingo und bereits 400 Tage am Stück damit Italienisch zu lernen etwas beim Verständnis bringt.

Die Fahrt ging von Lugano Richtung Ponte Tresa, dann Richtung Westen zum Lago Maggiore, von Luino bis Laveno, wobei ich die fetten Steigungen verdrängt hatte, die ich da 2015 erfahren hatte. In Laveno stand direkt die Autofähre bereit (5 EUR für die Überfahrt), und es wurde kalt auf dem See, sobald ich im Schatten stand. Auf der Fähre war aber vorn gut Platz für mich, also hab ich mich in die Sonne gesetzt und mein Birchermüesli gelöffelt, aus der Glasdose mit echtem Besteck, nichts von wegen Gewichtsersparnis und so.

Auf der Westseite des Sees ging’s dann noch 60km Richtung Norden mit Ziel Bellinzona. Die Fahrt verlief grösstenteils im Schatten, da hatte ich schlecht geplant, aber es war noch erträglich mit den Temperaturen. Die Seepromenade in Ascona konnte ich grad noch in der Sonne fotografieren und durchfahren. Ich hatte auch schon das Navi mit Ziel Bellinzona an und begann, die nötige Geschwindigkeit für die Restrecke abzuschätzen, um den Zug um 17:40 zu erwischen. Das Kopfsteinpflaster in der Fussgängerzone in Bellinzona hat mich dann einfach nur noch genervt, aber ich fuhr zeitgleich mit dem Zug in Bellinzona im Bahnhof ein (und auch aus). Einsteigen, Velo aufhängen, umziehen, Füsse hoch 🙂

Lustigerweise war das genau derselbe Zug wie am Morgen, noch nicht mal gewendet, leicht erkennbar an den genau gleich defekten Türen, eine davon sogar beim grossen Veloabteil (was dann ziemlich sinnlos ist) — und es waren sogar teilweise dieselben Passagiere drin. Die zwei, die morgens mitgefahren waren, hatten einen Shopping- und Essentag in Lugano verbracht, während ich halt 100km Velo gefahren war. Immer diese Sonnentouristen 😀

Im Tunnel waren wir von 17:55:30 bis 18:16:50, was einen Schnitt von 160.3km/h ergibt. Lange Hosen hatte ich vergessen, also haben die Leute in Zürich beim Umsteigen und in Wil beim Aussteigen komisch geguckt. Jänu, mit dem Liegevelo ist das normal. Mit dem Gotthard-Basistunnel kann ich also morgens länger schlafen, wenn ich eine Tagestour im Tessin machen möchte, dafür hat sich das Lochbuddeln doch gelohnt.

Novemberrunde im Toggenburg und im Tannzapfenland

Wenn man schonmal die Freiheit hat, fast zu jeder Zeit arbeiten zu können, sollte man die auch nutzen, wenn eh schon mal Feiertag im Wohnkanton ist und dazu gutes Velowetter. Eigentlich wollte ich ja nur Milch holen fahren (tm), aber spontan ging’s dann ins Toggenburg rauf, von Bütschwil Richtung Mosnang und via Fischingen wieder zurück nach Wil, hier der Track. Hinterher Mittagessen und dann arbeiten bis spät in die Nacht.
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Liegevelomobilist

Bei anderen Leuten geht der Schritt vom Liegevelo übers Rennliegevelo zum Velomobil. So weit bin ich noch nicht. Vorteil vom Velomobil: kein Sonnenschutz notwendig und es ist gelb. Nachteil: keine Rohloff und die Notlaufeigenschaften der Reifen halten nur bis 3 Bar*. Ausserdem bin ich an den Schultern zu breit für dieses spezielle Gefährt, das u.a. auch in der Schweiz erhältlich ist. Im Prinzip ist es ein voll verschaltes und dafür immer noch sehr leichtes Dreirad.

Regen und Sonne im Thurgau, dazu ein Velomobil und ein Liegevelo. Ein ganz normaler Freitagmorgen.
Zwei gewöhnliche muskelbetriebene Fahrzeuge.

Ich fahr erstmal noch ein bisschen Liegevelo. Und ja, die Beitragskategorie Mobilität stimmt 🙂

*ein weiteres Beispiel für Luxusprobleme

20 Zentimeter mehr

Daheim ist es auch schön, hauptsächlich grüner und kühler als in der Bay Area, und mehr Kühe gibt’s auch. Allerdings kotzt mich das aggressive Autofahrergehabe auch hier in der Schweiz ziemlich an. Dichtes Auffahren, knappes Überholen, da hab ich jetzt auf 100km schon viel mehr solche Situationen gehabt als in sieben Wochen Kalifornien.

Was ich grad heute entdeckt habe: der Thurgau (oder vielleicht nur Sirnach/Fischingen?) hat verstanden, dass entweder ein breiter Velostreifen aufgemalt wird oder sonst besser gar keiner. Also wurde der alte Streifen abgefräst und 20cm weiter Richtung Strassenmitte ein neuer aufgemalt. Interessanterweise hat das gefühlt viel ausgemacht, weil jetzt sogar Thurgauer und St. Galler (von Aargauern gar nicht erst zu reden) nicht überholt haben, obwohl ich de facto mit dem gleichen Abstand von der rechten Seite gefahren bin wie sonst auch. Dabei ist das doch nur eine optische Trennlinie, die schützt mich vor genau gar nichts.

20cm mehr Velostreifenbreite macht viel aus.

Kuh am 25.10.

Der Nasenring ist wahrscheinlich, dass man die Kuh bei Nichtgebrauch irgendwo anschliessen kann, damit sie nicht geklaut wird. Gibt’s so ähnlich auch an Velomobilen.

Säntis in der Ferne am 25.10.

Der Säntis ist frisch eingeschneit.

Wanderung auf der Nordseite des Walensees am 21.10.2017

Am Samstag waren Alpstein und Churfirsten noch ziemlich schneefrei, wobei der Glärnisch (links im Bild) mit >2900m noch/schon Schnee hatte.

Tag -10: Vertiefte Einsichten

Gesagt, getan. Angemeldet bei Zach Kaplan, um eine Speedmachine probezufahren, das ist quasi das gleiche Modell wie die jetzige Ottermobil-Streetmachine, nur mit tieferem Sitz und leicht anderer Rahmengeometrie, was sie windschnittiger und damit schneller macht. Zachs Laden ist in Alameda, das ist auf der anderen Seite der Bay, aber gut erreichbar.
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Tag -21: Berkeley

Meine dienstlichen Termine für diese Woche waren alle beendet, nächste Woche geht’s weiter mit Brunch in San Francisco am Montagmorgen. Also eine 100km-Nachdenkrunde, was sonst. Gestern auf der Abendrunde wurde ich bei der Ausfahrt aus dem Facebook-Campus von einer Wachperson mit good night verabschiedet. Der Facebook-Neubau, der sich am Ufer entlangzieht, ist im Erdgeschoss komplett eine Parkgarage, vermutlich kann man mit dem Auto direkt an seinen oben drüber befindlichen Arbeitsplatz fahren, insofern man einen fixen Platz hat.

Nach Berkeley wollte ich sowieso noch, hatte mir aber noch keine Strecke zurechtgeschnitzt, ausserdem nicht beide Richtungen. Da die Brücken über die Bay nicht alle für mich (erlaubt) befahrbar sind, war die Routenoption über die Dumbarton Bridge und dann den Bay Trail entlang nach Norden. Abfahrt war 09:35 Uhr, die Sonne sollte sich noch bis am Mittag Zeit lassen, sich durch die Wolken zu fräsen.

Die Gegensätze hier sind schon enorm gross, einerseits extrem gestaltete und gepflegte reiche Quartiere, gleich eine Meile weiter heruntergekommene dreckige Gegenden mit Bettlern und Obdachlosen, dann wieder Industriegebiete, später Villen mit Bayzugang und dann die üblichen Downtown-Shopping-Strips, ergänzt mit riesigen Malls.

Die Freiverkabelung hier ist sensationell flächendeckend. Sowas gibt’s daheim nur an Bahnhöfen auf den Gleisfeldern, z.B. hier in Chur.

Freie Verdrahtung.

Man müsste einen Geruchssensor mit hoher zeitlicher Auflösung erfinden, der auf den Geruch von gerauchtem Gras anspricht, dann könnte man gut die Grasrauchquote an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten auf einer Karte darstellen. Sowas könnte doch eigentlich in die Ford-Mietvelos eingebaut werden:

Ford-Mietvelos, Oakland.

Die Steigungen und Gefälle von Oakland bis nach Berkeley waren enorm. Von +10% bis -15% war alles dabei, aber meist nur kurzzeitig. In Berkeley bin ich auf dem Campus etwas herumgefahren, Studenten waren auch zahlreich vorhanden. Mein Ticket für den 14.09. hab ich auch abgeholt, es spricht der Konservative Ben Shapiro. Wenn man schon mal hier ist, kann man sich ja am symbolträchtigen Ort für Free Speech mal mit Politik beschäftigen. Da Metallica öfter mal in Berkeley ihre Songs geschrieben haben (Ulrich/Hetfield), erklärt sich vielleicht auch das 1982 erschienene Lied Free Speech for the Dumb mit dieser Vorgeschichte. Im Januar 2013 war ich ja auch in Wattwil bei der SVP zwecks Meinungsbildung über kontroverse Personen aus erster Hand.

Da ich auf dem Campus nichts weiter geplant hatte, bin ich Richtung Fährterminal Oakland gerollt am Jack London Square. Laut Plan sollte die Fähre 17:05 fahren. Als ich um kurz nach vier dort so unschlüssig herumstand, legte eine Fähre an. Kurz danach folgte ein boarding call “San Francisco Ferry Terminal, final call”. Nanu, mein Ziel, aber nicht auf dem Plan? Meine Nachfrage wurde positiv beschieden, also bin ich spontan an Bord gegangen. Und: ich war der Einzige! Es gab 42 Velostellplätze. Der Ticketkauf ging an Bord und mir wurde gesagt, dass das eine nicht geplante Fahrt sei, weil sie irgendwas ergänzen mussten. Egal, ich fand’s sehr gut so 😀

Nach vielen Fährfotos bin ich in SF gemütlich direkt zum Zug gefahren, hab den Schnellzug erwischt und war nach 40 Minuten wieder in Palo Alto. Der Zug war diesmal aber deutlich voller. Nur: wenn das ein Pendlerzug ist (17:16 Abfahrt), ist er überdimensioniert. Die Masse an Leuten in den sechs Doppelstockwagen hätte in Zürich locker in einer RE450-Garnitur der S-Bahn Platz gehabt. Nur daheim halt ohne Veloselbstverlad.

Stats: 100km, 350 Höhenmeter, einmal McD, einmal Starbucks, dort wieder inkognito:

Ich war wieder inkognito unterwegs.

Aufgefallenes Schild 1:

Interessante Schilder für den Fall der Fälle.

Aufgefallenes (Kontroll)Schild 2 (Informatik-Insider):

Eins der besten Kontrollschilder für einen Informatiker.

Tag -22: Stanford Engineering Lecture

Der Tageszähler geht jetzt rückwärts. Zufällig hatte ich beim Durchfahren des Stanford-Campus einen Hinweis auf Mehran Sahamis Vorlesung “Don’t trust your gut” gesehen, die ich mir dann gestern im NVIDIA-Auditorium auch angeschaut habe. Das Video davon ist hier auf Facebook zu finden. Es war sehr unterhaltsam, er hat erst (für mich) eine sehr gute Auffrischung von Wahrscheinlichkeitstheorie gegeben, inklusive Bayes’schem Satz. Zwischendurch hat er nebenbei noch das Geschäftsmodell von Versicherungen erklärt. Seine vielen eingebauten Wettspiele mit Dollareinsatz waren dazu sehr anschaulich. Sowas könnte man als Einführungsveranstaltung für Wahrscheinlichkeitstheorie nehmen und sich hinterher an den Details der Vorlesung ein ganzes Semester lang austoben.

Nachts ist der Stanford-Campus auch sehr schön, fast keine Leute, Vollmond und T-Shirt-Temperaturen so gegen 22 Uhr.

Stanford und Ottermobil in der Nacht.

Stanford im Vollmond.

Zu dem, was ich neulich zu Waymo und dem Shadow Driving geschrieben habe, gibt’s auch noch eine kürzere anschauliche Fassung: Simulation: how one flashing yellow light turns into thousands of hours of experience.

Tag 20: Start ins verlängerte Wochenende

Bei der gestrigen Heimfahrt bei 43°C war das Gute, dass sonst kaum jemand draussen war. Das lange Oberteil hab ich vorher in Wasser getränkt und angezogen, nach 3km war es trocken, also hab ich noch eine Trinkflasche Kühlwasser draufgeschüttet. Kühlt exzellent, braucht halt recht viel Wasser.
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