Tag 9: telematikbasierte Versicherung

Ich bin ja nicht zum Spass hier und hab mich mal wegen disruptiver Versicherungsmodelle umgeschaut. Da das mit autonomen Autos noch eine Weile dauert, bis die für den Massenmarkt auch erschwinglich sind, kann man sich lieber in nächster Zeit so Bedrohungen wie root anschauen.

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Tag 8: HOV, Carpooling und Cruise

Na toll, erst krieg ich keine Karte für die Aufzeichnung von The Big Bang Theory und dann krieg ich von der partiellen Sonnenfinsternis nichts mit. Ich hab wegen einer Nachdenkrunde vorm Bürohocken noch Geocaches auf dem Stanford-Campus besucht und mich gefreut, dass es auch 10:30 Uhr noch nicht so richtig sonnig war. Ja gut, da wäre ja die Sonnenfinsternis gewesen 🙂

Legislative Anpassung/Lösung für ein Pendlerproblem.

Aber zurück zu den autonomen Fahrzeugen und einem anderen Aspekt, nämlich dem gesetzgeberischen. Dass man selbst zu fahrende Privatfahrzeuge ja einfach verbieten könnte, hatte ich schon mal bemerkt. Die Leute würden sich dann halt entsprechend anpassen, wenn die Alternativen gut genug sind. Eine Änderung für zugestaute Autobahnen, die eigentlich in die richtige Richtung geht, sind auch hierzulande Spuren für Fahrzeuge, die mit mehr als einer Person (=mindestens zwei, High Occupancy Vehicle) besetzt sind. Da der Zeitverlust im Stau recht drastisch sein kann, kann man einfach mehrere Leute in ein Auto setzen und dann die linke Spur benutzen, die für andere Fahrzeuge gesperrt ist. Aufbauend auf dieser gesetzgeberischen Verordnung entwickeln sich dann Dienste wie sameride.com, die eigentlich nur das technikbasiert umsetzen, was früher Fahrgemeinschaft hiess. Aber da Autofahren halt zu billig ist und viele Leute auch die verstandene Zeit im Stau nicht einrechnen, ist die Quote beim Carpooling schon ewig rückläufig. Solche HOV-Lanes gibt’s weltweit und sie funktionieren auch weltweit, das hatte ich schon 2010/2011 in Trondheim gesehen.

Jetzt der Brückenschlag zu autonomen Fahrzeugen: die werden immer so beworben, dass ja genau das Carpooling damit viel einfacher wäre. Ich befürchte allerdings eher, dass die verlorene Zeit von Einzel-Passagieren damit zu nutzbarer Zeit umgewandelt wird — wenn ich nicht selber fahren muss, kann ich ja in der Zeit arbeiten, Emails schreiben, Zeitung lesen, den Einkauf online erledigen, etc. und zwar mit voller Konzentration. Die Folge: wozu soll ich mein Fahrzeug mit jemandem teilen, wenn ich es mir auch leisten kann, allein unterwegs zu sein? Wenn die Leute ihre Komfortzone haben wollen, wird es ihnen egal sein, wieviele Ressourcen dazu notwendig sind. Und zack, werden aus Autobahnen ausgelagerte Büro-Arbeitsplätze. Wenn das die Vision für die Zukunft ist, auch gut, solange es nicht den Schweizer ÖV kaputtmacht. Es löst nur keine Probleme so, sondern verdrängt sie nur.

Eine interessante Situation für autonome Fahrzeuge gab’s heute auf dem Stanford-Campus auch noch: menschliche Verkehrsregelung, also ein Officer mit dem Zeigestab auf der Strasse, quasi wie am Central in Zürich. Da möchte ich schon noch sehen, wie diese Fahrzeuge damit klarkommen.

Die Leute passen sich aber erst an, wenn’s wehtut, zeitlich oder finanziell oder beides. Da kommt mir noch eine gute Idee für Tempoblitzer (mal abgesehen davon, dass man Warnungen davor verbieten sollte): Zeitstrafen wie in der Formel 1. Wer bei 50km/h 10 zu schnell fährt, muss zusätzlich zur finanziellen Bestrafung 2h eines normalen Arbeitstages absitzen und kann den Zeitpunkt nicht selbst bestimmen, am besten sehr zeitnah. In dieser Zeit gibt’s eine Isolationszelle ohne Kommunikation, nicht dass da jemand Homeoffice machen möchte. Man muss in der Zeit auch Ferien beziehen. Am Ende läuft das aber auch wieder auf lohnabhängige Bestrafung hinaus, nur ist die Lebenszeit ja eigentlich unsere knappe Ressource, nicht das Geld. Hier gibt’s sogar passende Schilder dazu wie A speeding ticket will make you late.

Seit ein paar Wochen gibt’s aber sogar in San Francisco autonome Shuttles, die kann ich aber leider nicht ausprobieren: Autonome Shuttles von Cruise. Nebenbei: die 4-Way-Stop-Regelung an den vielen Kreuzungen hier ist extrem ineffizient für Autos. Als Velofahrer halte ich da nicht an, sondern betrachte die Stop-Schilder einfach als Vorfahrtschilder: noch so eine Sache, die man autonomen Fahrzeugen erst einprogrammieren muss — wie exakt sind die Verkehrsregeln auszulegen? Ein mittlerer Effizienzgewinn von 50% wäre aber schon durch andere Beschilderung zu erreichen, weil dann nur noch etwa die Hälfte der Autos anhalten muss 🙂

Tag 7, beinahe Ruhetag

Als Nachtrag zum gestrigen gefundenen Portemonnaie: nachdem ich den Sucher erfolgreich kontaktiert hatte (dank seiner Visitenkarten), kam dieser abends überglücklich sein Portemonnaie abholen. Er war am Freitag auf Motorradtour, hatte es in der Seitentasche der Kombi und den Reissverschluss nicht geschlossen. Gut gibt’s Liegevelofahrer mit offenen Augen.

Abends gab’s direkt bei mir vor der Garage noch Kino: The Full Monty (auf Deutsch “Ganz oder gar nicht”) und ich konnte direkt vom Bett aus mitgucken. Ich hatte auch sowieso nur die Wahl, mitzugucken oder mich die ganze Zeit über den Lärm aufzuregen.

Kino im Hinterhof. Der Mercedes hat 400.000 Meilen und fährt noch.

Heute Sonntag war Ruhetag. Na gut, fast, nur 30km, bisschen Geocaching, Einkaufen und auf den Hoover-Tower auf dem Stanford-Campus rauf. Der Eintritt hat $4 gekostet und den gefundenen Benjamin Franklin von gestern konnte ich einlösen. Auf dem Heimweg hat mich noch eine junge Joggerin angequatscht wegen dem Liegevelo, ob das anders sei und so, die üblichen Fragen halt. Später hab ich sie nochmal zufällig getroffen und lieber gleich gefragt, ob sie mal fahren möchte. Draufsetzen ging, Fahren ging drei Meter 🙂

Von 12-15 Uhr brennt die Sonne richtig herab, aber vorher und nachher ist es fast schon frisch und auch um die Mittagszeit rum auch ohne Klimaanlage sehr angenehm. Dabei soll der August der heisseste Monat des Jahres sein — so ist Sommer okay. Jedenfalls hat hier prinzipiell niemand eine Ausrede, nicht ganzjährig Velo zu fahren, bei grösseren Distanzen halt E-Bike.

Mein Kilometerzähler steht jetzt erst/schon bei 600 und das unbändige Hungergefühl, was ich von Neuseeland kenne, ist wieder da. Fünf Franken für ein Kilo Erdbeeren, die müssen ja von irgendjemandem gegessen werden; und sehr gut sind auch die Grosspackungen Cole Slaw, die eigentlich für drei Leute reichen sollen, dazu wieder ganze Hühnchen aus dem Warmhalteregal im Supermarkt.

Tag 6, Tour zum Skyline Boulevard

Westlich von hier geht’s in eine Hügelkette rauf, bevor es dann wieder zum Pazifik steil abfällt. Oben auf der Hügelkette gibt es eine Strasse, die sich Skyline Boulevard nennt und auf etwa 500-800 Höhenmetern entlangführt. Daraus wurden am Ende 87km und 1600 Höhenmeter. Es gibt also doch sowas wie Berge hier in der Nähe.
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Tag 4, Velomech

Vor der Tür des Outposts stehen drei, nun ja, sagen wir mal, “Fahrräder”, herum. Besser als laufen, okay, aber sonst, naja. Die sind natürlich nicht gewartet und es hat auch keiner Werkzeug da. Im Keller liegt auch nichts, den habe ich schon mental inventarisiert. Da konnte ich beim Velo zum Glück behilflich sein mit Pumpe, Inbusschlüsseln und Sackmesser.

Zwei rote, ein weisses und ein Liegevelo.

Ausserdem noch zwei Züge, wie sie sich grad mit meinem Arbeitsweg heute morgen kreuzten:

Das ist die Vorderseite des Zugs, hier ist Rechtsverkehr. Fahrleitung: Fehlanzeige.
Rechtsverkehr, man sieht die Vorderseite.

Und wer 8:30min Video sehen will, auf dem ich im Wesentlichen geradeaus fahre auf dem Bike Boulevard, hier: https://youtu.be/1IPW6awC2SA. Den Ton am besten abstellen, es ist eh unkommentiert und der Wind rauscht nur.

Tag 3, Highlights revisited

Heute gab’s für die drei Mobiliar-Mitarbeiter, die sich derzeit im Outpost befinden, eine Highlight-Kurzführung (natürlich im SUV) im Silicon Valley, ausgeführt durch Marc Wälti. Stanford, Apple, Google, Facebook, einige der Wohnhäuser von Steve Jobs, Larry Page, Mark Zuckerberg, die Garage von HP… Die Führung hätte ich auch übernehmen können, ich wusste das ja vom Sonntag alles schon und konnte auch direkt sagen, dass Google einen Merchandise-Shop hat. Auf meiner To-Do-Liste stand bereits das Computer History Museum und jetzt ist auch noch das NASA Ames Visitor Center dazugekommen. Der einzige Unterschied zu Sonntag: alle Firmenparkplätze waren gerammelt voll. Ansonsten nichts Neues, ausser dass die Hauspreise in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, Schuldenmachen normal ist und man als Neuzuzüger keine credit history und drum auch erstmal Probleme bei vielen Dingen im Alltag hat.
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Zufallsentdeckung SBB-Uhr

Bei der Fahrt nach San Francisco hatte ich nichtsahnend diese Bahnhofsuhr entdeckt. Heute stellt sich raus, dass dort das Schweizer Generalkonsulat ist und dass dort auch ein Büro von swissnex wäre, in dem ich bei Bedarf arbeiten könnte. Also ist die Uhr da gar nicht sooo falsch.

Die gestrige Veranstaltung zum Thema Hyperloop hatte ich ziemlich ähnlich schon am Start Summit 2016 in St. Gallen gesehen.

Tag 2 und Feierabendrunde

So langsam kenne ich alle Leute, die im Outpost permanent oder zeitweise arbeiten, ein sehr lustiger Haufen. Zum Thema autonome Fahrzeuge gibt es auch schon Vorarbeiten und Kontakte, an die ich anknüpfen kann.

Nach der Arbeit ging’s noch eine kleine Runde an die Bucht, schwierig ist da immer nur, irgendwie über den Bayshore Freeway zu kommen, ansonsten geht’s gut. Auf den Wegen an der Bucht ist kaum was los, sobald die Sonne wieder abwärts geht, wird’s auch schon wieder kühler, so lässt es sich aushalten. Gestern war ich auch schon auf dem Stanford-Campus unterwegs und habe die Stanford-Shopping-Mall umrundet. Mein Tempo liegt bei bequemen 10-12 Meilen pro Stunde, da muss ich fast nicht bremsen, wenn ein Stop-Schild kommt.

Rund um die Southern Bay

Nachdem ich fast 28h am Stück geschlafen hatte und mich dementsprechend gewundert habe, dass es schon Sonntagmorgen um 04 Uhr und nicht erst Samstag um 04 Uhr ist, habe ich die im Kopf zusammengestellte Route mal zusammengeklickt: 70km, Swisscom-Facebook-Google-Apple-Tesla-Heimweg. Um 05 Uhr war Abfahrt, gleich bei der Hausausfahrt habe ich eine Fussgängerin erschreckt, an einem Sonntagmorgen ist das verständlich.

Mein Arbeitsort, ganz frühmorgens im Dunkeln.

Die ersten zehn Kilometer waren dreilagig, bis ich warm war, danach den ganzen Tag langärmlig und langbeinig angezogen. Das Wetter ist ideal dazu, morgens/nachts etwa 10-12 Grad, tagsüber auch nur 25, damit lässt es sich prima leben. Auf dem Facebook-Campus war ich noch vor Sonnenaufgang, da ist natürlich an einem Sonntag gar nichts los, so dass ich meine Runden auf den üppigen Parkplätzen drehen konnte. Drumherum ist fast nur Marschland, d.h. bei der Klimaerwärmung kriegt Facebook bei steigendem Meeresspiegel ein Problem.

Danach bin ich weiter Richtung Brücke, nur mal gucken. Ähm. Von oben ist die Aussicht besser, die Sonne kam grad über den Berg, jedenfalls ist es ja doof, oben zu wenden und zurückzufahren. Also bin ich drübergerollt, auf der anderen Seite runter und dann spontan weiter, um die Bucht zu umrunden. Aus dunklen Erinnerungen wusste ich, dass da etwa 110-120km rauskommen würden. Jänu, ich war ja früh gestartet. Der Kontrast zwischen den piekfein polierten Campi der vielen Firmen und andererseits der normalen Umgebung, Strasse und den Industriegebieten könnte nicht grösser sein. Bei Shopping Malls und Einkaufszentren liegt der feinste und schwärzeste Flüsterasphalt und ansonsten rauer und dreckiger Strassenbelag. Trotzdem ist alles gut zu fahren.

Um 07:40 Uhr war ich an einer Shopping Mall, die 08 Uhr aufmachen würde. Ich stand vorm Target, weil ich dachte, das wäre ein Supermarkt. Pustekuchen, die verkaufen nur so Schreibwaren- und Bürokram, und ich hatte Hunger. Zum Glück war auch ein Kalorienverkäufer aus Seattle drin, die konnten mir einen Brownie und eine heisse Schokolade geben. Weiter ging’s, die Bucht zu umrunden, irgendwann mal auf den Bay Trail, dann auch schon mit deutlich mehr Leuten (lies: 1 Jogger pro Meile) und gut fahrbarem Naturbelag. Auf den riesigen Google-Campus wurde ich aufmerksam, weil da ein Velo in Google-Farben herumstand: ein GBike natürlich, sah noch sehr neu aus. Der Campus ist riesig, ich bin etwa 10km nur darauf herumgegurkt, um ein fotogenes Schild zu finden. Mit Suchen und Finden kennen die sich ja aus dort.

Danach wurde es wieder städtischer, es ging weiter zum Campus 2 von Apple, der aber komplett im Bau ist, nur jetzt schon riesig dasteht, einfach ein grosses Ringgebäude mit Durchmesser geschätzt 400-500m. Danach ging’s zum derzeitigen Apfelcampus, da waren auch relativ viele Touristen, die sich dort verlustierten. Da ich mein Obst immer unangebissen kaufe und eher auf Androiden stehe, bin ich Richtung Tesla weitergefahren, nicht ohne Stop bei McDonald’s. Die Getränke-Nachfüllautomaten sind schon sehr praktisch da, die Preise sind, wie alles (hier und bei McD), gesalzen, auch wenn man aus der Schweiz kommt.

Bei Tesla konnte ich nicht reinfahren und mir die Parkplatzsituation anschauen, weil da a) ziemlich viel Betrieb war und b) eine Torwärterin aufgepasst hat. Immerhin hat sie mich fotografiert, aber das Velo aus dem Bild gelassen, und gleich noch was zum Liegevelo gefragt. Danach ging’s heim, auf einem der Expressways, d.h. meist zwei Spuren pro Richtung plus Velospur, an Kreuzungen gern mal 6-7 Spuren. Das Wechseln von ganz rechts nach ganz links zum Abbiegen ist etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber gut und sicher.

Spuren: 2 links, 3 geradeaus, 1 Velo, 1 rechts. Problemlos.

Der nächstgelegene Supermarkt ist 4km entfernt. Die haben zwar keinen Self-Checkout, aber personalisierte Preise, und zwar ganz simpel: es wird unterschieden nach Club Price und regular price, d.h. wenn man eine Kundenkarte hat und damit im Club ist, kriegt man den reduzierten Club Price. Gut, hab ich mir also eine Kundenkarte besorgt. Der Einkauf lag bei $39 und wäre ohne Club-Karte $5.19 teurer gewesen. Einerseits dürfte da immer noch Marge drauf sein und andererseits sehe ich da, was denen meine Daten wert sind, es wird sogar direkt in Prozent auf dem Kassenzettel ausgerechnet. Das gäbe einen sehr laut hörbaren Aufschrei, wenn die Migros sowas machen würde, obwohl sich vermutlich alle dran gewöhnen würden und der Anteil der ID-Bons (also Warenkörbe mit Cumulus-ID dazu) rapide steigen würde.

Noch was sehr Sinnloses ist mir aufgefallen: ich hab mit der Kreditkarte kontaktlos bezahlt. Danach musste ich den Kassenbon unterschreiben! Ähm hallo? Da kann ich ja gleich den Magnetstreifen durchziehen lassen und dann unterschreiben. Mir als Kunde ist das doch völlig egal, ob die meine Daten vom Magnetstreifen oder vom Chip lesen.

Am Ende waren es 130km in 07:40h, dabei nur 260 Höhenmeter.