Jetzt doch echtes 64-Bit-Linux

Irgendwie hat mich die hier beschriebene Linux-Lösung letztendlich doch angepiept, weil in der Virtualbox doch alles ziemlich lahm war. Das größte Problem war aber, daß ich ein 32-Bit-Gentoo geklont hatte, ich aber damit auf gut 3,5 GB RAM beschränkt bin, die ich nutzen kann. Bei großen Datensätzen in R gibt’s da schon mal Probleme, genügend Speicherplatz für einen neuen 100MB-Vektor zu finden oder ähnliches. Also habe ich zuerst probiert, ob ich die Netzlaufwerke normal verbunden kriege (CIFS/Samba), was geklappt hat. Der nächste Schritt war dann, das vorhandene Windows7 zu verkleinern, die Platte einzurichten und dann wie gewohnt Gentoo zu installieren. Lief alles problemlos und ich muß sagen, daß es sich von der Leistung her extrem gelohnt hat, denn “echtes” 64-Bit-Linux ist wirklich _deutlich_ schneller auf der entsprechenden Hardware (Core2, 8GB RAM). Beispiel: Skripte, die vorher 25 Minuten gerechnet haben, sind jetzt in sieben Minuten durch.

Was außerdem noch gefehlt hat, war die Zeitsynchronisierung meines Laptops. Da wir hinter einem Proxy sitzen, der NTP nicht unterstützt, bin ich auf htpdate gestoßen, das einfach nur aus der Antwort eines frei wählbaren Webservers die Uhrzeit entnimmt und dann die Systemzeit entsprechend stellt. Eigentlich ist das nur eine Zeile:

date -s "$(wget -S -O /dev/null google.com 2>&1 | \
sed -n -e '/ *Date: */ {' -e s///p -e q -e '}')"

(geklaut von http://mina86.com/2010/01/16/ntp-over-http/)

Elektrische Postzustellung

Die Schweizer Post hat ihre Postzustellung zumindest hier am Ort vollständig auf Elektromobile umgestellt. Heute morgen wäre ich fast von einem dieser Elektroroller mit Anhänger erwischt worden, aber er hat mich doch noch rechtzeitig gesehen. Der war genauso geräuschlos wie ich unterwegs und ist wohl davon ausgegangen, daß da tatsächlich niemand kommt, da ja niemand zu hören war. Aber sein Rollertraining scheint gut gewesen zu sein, denn die Bremsung in Schräglage, die er hingelegt hat, war nicht zu verachten. Die Roller heißen übrigens Cargoscooter. Es gibt auch Elektrodreiräder, die ebenfalls geräuschlos sind. Eigentlich entfällt aber nur das Motorgeräusch, das Rollgeräusch der Reifen hört man immer noch. Hier eine Übersicht der Fahrzeuge (rechte Leiste) (Webseite der Schweizer Post). Die Schweizer Post hat hier trotz Öffnung des Briefmarktes immer noch das absolute Monopol, die Konkurrenz hat es schwer.

Neue Militärvelos für die Schweiz

Ein (mir) bekannter Schweizer Hersteller von hochwertigen Rädern, simpel.ch, hat den Zuschlag auf die Ausschreibung für neue Schweizer Militärvelos bekommen. Wenn ich mir das so durchlese, könnte mir das Rad wirklich gefallen, zumal es nicht mal extrem schwer ist. Mein jetziges Trekkingrad wiegt auch um die 19kg (mit Abus-Schloß und Rohloff), mein MTB ist trotz Rohloff noch etwas leichter, da ist das Gewicht nicht mal besonders hoch. Aber das Militärvelo wird robuste Qualität sein, auch wenn’s eher fürs Kasernengelände gedacht ist und nicht für den Einsatz. Da noch ‘ne Rohloff rein und ab geht’s. Ein ähnliches Fitnessbike gibt’s ja bei simpel auch schon.

Da fällt mir auf, daß ich hier von den nicht-motorisierten Velofahrern wohl der einzige bin, der mit Licht fährt. Da aber die Pedelecs, die ich bisher gesehen habe, fast immer mit Licht gefahren sind, werde ich wohl scheinbar von den Autofahrern immer für schneller geschätzt, als ich dann letzten Endes daherkomme. Oder es ist einfach generell deutlich mehr Rücksicht im Straßenverkehr zu verspüren, wenn mich nicht alles täuscht. Bei einem Fußgängerüberweg muß ich eigentlich nicht mal gucken, ob was kommt, sondern kann einfach losgehen und mich darauf verlassen, daß selbst schnelle Autofahrer ohne zu murren/hupen anhalten. Radstreifen auf der Straße gibt’s eh fast überall und trotzdem ist der Seitenabstand der Autofahrer meist noch deutlich größer als ich es in Deutschland gewohnt war. Als ich mein Rad das erste Mal auf Arbeit abgestellt habe, habe ich mich abends auch gefreut, daß noch ein unscheinbares Rohloff-Rad daneben stand.

Gebäudeverschiebung in Zürich

Daß die Schweizer gut im Tunnelbohren sind, ist ja bekannt. Daß sie viel Bahn fahren, auch. Daß sie auch große Gebäude verschieben, weil sie viel Bahn fahren wollen, ist gerade in Zürich zu sehen: Youtube-Video. In Zürich wird schon seit einer Weile an der sogenannten Durchmesserlinie gebaut, die aus dem Kopfbahnhof einen teilweisen Durchgangsbahnhof machen wird (so ähnlich wie in Leipzig, nur im Budget und fast pünktlich). Dazu wird ein ehemaliges Verwaltungsgebäude um 60 Meter verschoben, was derzeit passiert. Ich hatte mich am Sonntag bei der Durchfahrt schon gewundert, warum da an dem Gebäude Werbeplakate für ein Restaurant hingen mit dem Text “Ab Juni finden Sie uns 60m weiter rechts” (so oder so ähnlich). Vielleicht hätten die Schweizer auch den neuen Berliner Flughafen bauen sollen 🙂

Nachtrag am 24.05.: Hier ein Zeitraffer-Video der Verschiebung.

Fugen-S in der Zugmitte

Neben den großen (grossen) und auffälligen Sprachunterschieden gibt es auch kleine und subtile wie beispielsweise die Verwendung eines Fugen-S, wo man keines erwartet. Beispiel der SBB: Das Zugrestaurant befindet sich in der Zugsmitte. So wie in Magdeburg der Einheitsakkusativ verwendet wird, wird hier in der gesprochenen Sprache überdies inflationär das “wo” verwendet: Der, wo mir gsagt hätt. S Velo, wo da steht. Etc. Im Unterschied zu Magdeburg bin ich mir aber ziemlich sicher, daß die Sprecher hier wissen, wie es in gepflegtem Hochdeutsch zu sein hätte. Es kann schon sein, daß ich da noch eines Besseren belehrt werde, aber momentan ist das mein Eindruck.

Wohnungsübergabe am 31.05.

Es wird doch nichts mit einem zeitnahen Bezug der Wohnung, wie mir die Verwaltung gerade mitteilte. Der Chef war etwas voreilig mit seiner Aussage, daß wir die Übergabe jetzt schon machen könnten, und der Vormieter macht die Übergabe erst am 31.05., so daß ich dann auch erst rein kann. Wäre schön gewesen, aber rechtlich hatte ich sowieso keinen Anspruch darauf. Damit wird es nächste Woche Donnerstag.

Genf, Lausanne, Montreux

Im Unterschied zu Deutschland gibt es hier das GA (Generalabonnement) auch tagesweise zu kaufen für CHF 68. Noch besser ist, daß die Gemeinde für ihre Einwohner die Möglichkeit bietet, diese Tageskarten noch günstiger zu bekommen, für 43 CHF. Das nutzte ich heute für eine Tour an den Genfer See, allerdings ohne Velo. Abfahrt am ganz frühen Morgen, Ankunft in Genf um 10:15, dann weiter nach Montreux (über Lausanne) und dann von dort zurück nach Lausanne. Am späten Nachmittag begann ich in Lausanne die umsteigefreie Rückfahrt nach Uzwil.

Die Fahrt erfolgte auch hinzu ab Uzwil ohne Umsteigen. Ab Fribourg wurde ziemlich plötzlich alles Französisch, nur ohne Euro. Das ist mir sehr sympathisch und noch ein Grund mehr, mein Französisch wieder auszupacken und aufzuwärmen. Für die Tassenbestellung bei Starbucks und die Eisbestellung bei McDonald’s hat das Französisch aber gerade so noch gereicht. In Genf habe ich einen ordentlichen Spaziergang unternommen, einmal vom Bahnhof zum See und dann auf Umwegen durch die Innenstadt zurück. Das Klima ist da schon fast mediterran, überall stehen Palmen herum und der Baustil der Häuser hat mich an Paris erinnert. Preislich ist alles wie in Zürich, nur daß man von hier noch deutlich mehr Berge sieht.

Nach dieser Wanderung ging es mit dem Zug am Nordufer des Genfer Sees (Lac Leman) über Lausanne nach Montreux, wo ich bei ebenfalls ziemlich warmem Sonnenwetter einen Spaziergang am Seeufer gemacht habe. Da Sonntag war, war es allerdings ziemlich überlaufen, aber die Uferpromenade heißt nicht umsonst “Blumenweg”, alles blüht und strahlt. Das Panorama ist phänomenal, deutlich besser als der Bodensee, nach Frankreich ist es ja auch nicht mehr weit, nur bis zur Seemitte. Die Freddie-Mercury-Statue habe ich natürlich auch begutachtet. Von Montreux geht auch die Goldenpass-Linie als Panoramabahn über die Berge Richtung Zweisimmen, Interlaken und Luzern. Die Preise sind allerdings ordentlich für diese Touristenstrecke.

Vom schon überlaufenen Montreux ging es am später werdenden Nachmittag zurück nach Lausanne, wo es noch viel voller war. Hier habe ich gleich die Gelegenheit genutzt und bin mit der Metro etwas herumgefahren und auch wieder am überfüllten Uferweg entlanggelaufen. Ich denke, alle drei Städte lassen sich durchaus noch mal genauer erkunden.

Was mich gestern bei der Liveübertragung des Fußballspiels übrigens gefreut hat, war, daß der Kommentator endlich mal neutral war und nicht auf Seiten der deutschen oder englischen Mannschaft. Wie man an den Fotos unten sieht, geht auch die Panoramafunktion inzwischen flott von der Hand, aber wer zum Teufel hat den Nokia-Ingenieuren denn gesagt, die Fotos auf der Speicherkarte mit dem Namen %D%M%Y-Nummer abzulegen? Entweder %Y%M%D zum vernünftigen Sortieren oder gleich fortlaufende Numerierung.

Noch eine Ergänzung am 21.05.: welches Lied von Deep Purple ging mir wohl mehrmals durch den Kopf, als ich in Montreux herumspaziert bin? Richtig: Smoke on the Water.

Kommentierte Fotos gibt’s auch:

Secondhandläden und IKEA

Gestern war ich an einem Urlaubstag bei IKEA in St. Gallen Winkeln, allerdings mit der S-Bahn und nicht mit dem Rad. Wie auch schon in Trondheim bemerkt, sind die IKEA-Preise in Hochpreisländern wie der Schweiz und Norwegen (solange man sein Geld in lokaler Währung verdient) sehr niedrig, trotzdem 10-15% über den deutschen Preisen beim derzeitigen Wechselkurs. Einige Möbel brauche ich ja ganz sicher, zum Beispiel Tisch und Stühle für Küche und Wohnzimmer und vielleicht ein paar Regale. IKEA hat inzwischen auch sehr viele ansprechende LED-Produkte zu akzeptablen Preisen, da werde ich vielleicht auch noch mal zuschlagen, wenn ich ein günstiges Angebot finde.

Darüberhinaus gibt es in der Schweiz die sogenannten Brockenhäuser, die als Gebrauchtwarenläden fungieren, mit einem Sammelsurium an Dingen. Der nächstgelegene Laden ist in Flawil, wo ich heute auf meiner Geocaching-Runde auch noch war. Das ist tatsächlich ein interessanter und sehr nützlicher Laden, mit Preisen, die spottbillig sind, wo allerdings auch viel Plunder verkauft wird. Starbucks-Tassen für 1 CHF und SIGG-Thermosbecher für 3 CHF habe ich spontan mitgebracht. Einige schicke Echtholz-Möbel gab es auch, da werde ich mich wohl im Sortiment bedienen.

Ich gehe davon aus, daß ich Anfang der Woche meine Wohnung beziehen kann. Gestern hatte ich den unterschriebenen Mietvertrag zurück und habe im E-Banking der SGKB auch gesehen, daß ein Mietkautionssparkonto für mich eröffnet wurde. Also bin ich am Freitagnachmittag um 16:30 (!) zur lokalen SGKB-Filiale gegangen, habe am Schalter die Überweisung auf das Kautionskonto getätigt und mir den Einzahlungsbeleg geben lassen, den ich gleich danach an die Immobilienverwaltung per email weitergeleitet habe. Aber da hat am Brückentag wohl dann doch keiner mehr gearbeitet, das wäre ja auch zu schön gewesen 😉

Nachher ist Fußball, und ich wäre dafür, daß das Spiel ähnlich läuft wie das, was ich 1999 live gesehen habe. Zur Erinnerung: Bayern hat im CL-Finale ewig mit 1:0 geführt und dann zwei Tore durch Manchester United in der Nachspielzeit kassiert. Hier ein 3-Minuten-Video (britischer Kommentator) und dann noch ein deutscher Kommentator.

Aussicht vom Bahnhof Flawil Richtung Uzwil, einfahrender IC. So ähnlich werden wohl ab 2013 die Doppelstock-ICs in Deutschland aussehen.

Tourenfotos rund um Uzwil

Gestern war ich wieder unterwegs, bei schönstem Auffahrt-Wetter (hier habe ich zumindest keine Besoffenen gesehen). Die Höhenmeter sind ganz schön kraftraubend, außerdem habe ich vermutlich schon mehr an Bremsbelag verbraucht als sonst auf mehreren tausend Kilometern. Die Magura-HS-Beläge haben ja sonst immer zwischen 5 und 10 Mm gehalten, das wird hier wohl weniger sein.

Bettenauerweiher am Auffahrtstag
Mittelgebirgsmischwaldlandschaft, wie im Harz
HuWa auf einer einsamen Insel inmitten der reißenden Strömung
Der Säntis (im Hintergrund) ist frisch gepudert worden. Vorne der Bahnhof Uzwil mit einem IC.

Musikalischer Auffahrtgottesdienst mit Konfirmation

Als Atheist halte ich es zwar eher mit Richard Dawkins, aber es hat mich doch interessiert, ob hier die Gottesdienste ähnlich ablaufen. Also bin ich kurzentschlossen zum Auffahrtgottesdienst in die Kirche gegangen (Auffahrt=Himmelfahrt). Gleichzeitig wurden auch zwanzig Jugendliche konfirmiert. Musikalisch umrahmt wurde die ganze Veranstaltung von der 50-köpfigenJugendmusik Uzwil (Blasorchester). Es fing an mit einer Version von I just called to say I love you, die Liturgie lief ganz gewöhnlich ab, die Konfirmanden hatten selbst ihr Programm mit ihren Gedanken zum Thema Konfirmation, bekamen ihre Konfirmationssprüche und den Segen. Die Jugendmusik hat die Orgelmusik ersetzt, zwischendurch war auch noch Whitney Houstons One Moment in Time zu hören und außerdem gab es noch den langsamen Teil von Sibelius’ Finlandia zu hören. Ich habe lange gerätselt, woher ich das kenne, ist ja schließlich auch schon 15 Jahre her, daß ich das selbst mitgespielt habe. Im Kirchengesangbuch (der Version für die Deutschschweiz) gibt es auch einige Lieder im Dialekt, ansonsten war bis auf die Predigt, die ich ganz gut verstehen konnte, das meiste auf Hochdeutsch. Trotzdem wirkte es alles sehr modern, inklusive der Beamer-Leinwand, auf die Liedtexte, Bilder und das Programm sowie Texte eingeblendet wurden, und natürlich hatte der Pfarrer ein Funk-Headset am Kopf. Eine große Orgel hat die Kirche außerdem auch, aber die kam heute nicht zum Einsatz.

Glaube oder Unglaube, das kann ich mir persönlich aussuchen. Aber da die christliche Religion Grundlage unserer Gesellschaft(sordnung) ist, lohnt es sich schon, sich damit zu beschäftigen. Außerdem sind weder das Krippenspiel von Olaf Schubert noch Monty Pythons The Life of Brian auch nur ansatzweise lustig, wenn man von Religion keine Ahnung hat. Große musikalische Werke, die auf Bibeltexten aufbauen, gibt’s ja auch genügend. Für Politik interessiere ich mich auch nur, weil sonst das politische Kabarett witzlos ist.