Rund um die Southern Bay

Nachdem ich fast 28h am Stück geschlafen hatte und mich dementsprechend gewundert habe, dass es schon Sonntagmorgen um 04 Uhr und nicht erst Samstag um 04 Uhr ist, habe ich die im Kopf zusammengestellte Route mal zusammengeklickt: 70km, Swisscom-Facebook-Google-Apple-Tesla-Heimweg. Um 05 Uhr war Abfahrt, gleich bei der Hausausfahrt habe ich eine Fussgängerin erschreckt, an einem Sonntagmorgen ist das verständlich.

Mein Arbeitsort, ganz frühmorgens im Dunkeln.

Die ersten zehn Kilometer waren dreilagig, bis ich warm war, danach den ganzen Tag langärmlig und langbeinig angezogen. Das Wetter ist ideal dazu, morgens/nachts etwa 10-12 Grad, tagsüber auch nur 25, damit lässt es sich prima leben. Auf dem Facebook-Campus war ich noch vor Sonnenaufgang, da ist natürlich an einem Sonntag gar nichts los, so dass ich meine Runden auf den üppigen Parkplätzen drehen konnte. Drumherum ist fast nur Marschland, d.h. bei der Klimaerwärmung kriegt Facebook bei steigendem Meeresspiegel ein Problem.

Danach bin ich weiter Richtung Brücke, nur mal gucken. Ähm. Von oben ist die Aussicht besser, die Sonne kam grad über den Berg, jedenfalls ist es ja doof, oben zu wenden und zurückzufahren. Also bin ich drübergerollt, auf der anderen Seite runter und dann spontan weiter, um die Bucht zu umrunden. Aus dunklen Erinnerungen wusste ich, dass da etwa 110-120km rauskommen würden. Jänu, ich war ja früh gestartet. Der Kontrast zwischen den piekfein polierten Campi der vielen Firmen und andererseits der normalen Umgebung, Strasse und den Industriegebieten könnte nicht grösser sein. Bei Shopping Malls und Einkaufszentren liegt der feinste und schwärzeste Flüsterasphalt und ansonsten rauer und dreckiger Strassenbelag. Trotzdem ist alles gut zu fahren.

Um 07:40 Uhr war ich an einer Shopping Mall, die 08 Uhr aufmachen würde. Ich stand vorm Target, weil ich dachte, das wäre ein Supermarkt. Pustekuchen, die verkaufen nur so Schreibwaren- und Bürokram, und ich hatte Hunger. Zum Glück war auch ein Kalorienverkäufer aus Seattle drin, die konnten mir einen Brownie und eine heisse Schokolade geben. Weiter ging’s, die Bucht zu umrunden, irgendwann mal auf den Bay Trail, dann auch schon mit deutlich mehr Leuten (lies: 1 Jogger pro Meile) und gut fahrbarem Naturbelag. Auf den riesigen Google-Campus wurde ich aufmerksam, weil da ein Velo in Google-Farben herumstand: ein GBike natürlich, sah noch sehr neu aus. Der Campus ist riesig, ich bin etwa 10km nur darauf herumgegurkt, um ein fotogenes Schild zu finden. Mit Suchen und Finden kennen die sich ja aus dort.

Danach wurde es wieder städtischer, es ging weiter zum Campus 2 von Apple, der aber komplett im Bau ist, nur jetzt schon riesig dasteht, einfach ein grosses Ringgebäude mit Durchmesser geschätzt 400-500m. Danach ging’s zum derzeitigen Apfelcampus, da waren auch relativ viele Touristen, die sich dort verlustierten. Da ich mein Obst immer unangebissen kaufe und eher auf Androiden stehe, bin ich Richtung Tesla weitergefahren, nicht ohne Stop bei McDonald’s. Die Getränke-Nachfüllautomaten sind schon sehr praktisch da, die Preise sind, wie alles (hier und bei McD), gesalzen, auch wenn man aus der Schweiz kommt.

Bei Tesla konnte ich nicht reinfahren und mir die Parkplatzsituation anschauen, weil da a) ziemlich viel Betrieb war und b) eine Torwärterin aufgepasst hat. Immerhin hat sie mich fotografiert, aber das Velo aus dem Bild gelassen, und gleich noch was zum Liegevelo gefragt. Danach ging’s heim, auf einem der Expressways, d.h. meist zwei Spuren pro Richtung plus Velospur, an Kreuzungen gern mal 6-7 Spuren. Das Wechseln von ganz rechts nach ganz links zum Abbiegen ist etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber gut und sicher.

Spuren: 2 links, 3 geradeaus, 1 Velo, 1 rechts. Problemlos.

Der nächstgelegene Supermarkt ist 4km entfernt. Die haben zwar keinen Self-Checkout, aber personalisierte Preise, und zwar ganz simpel: es wird unterschieden nach Club Price und regular price, d.h. wenn man eine Kundenkarte hat und damit im Club ist, kriegt man den reduzierten Club Price. Gut, hab ich mir also eine Kundenkarte besorgt. Der Einkauf lag bei $39 und wäre ohne Club-Karte $5.19 teurer gewesen. Einerseits dürfte da immer noch Marge drauf sein und andererseits sehe ich da, was denen meine Daten wert sind, es wird sogar direkt in Prozent auf dem Kassenzettel ausgerechnet. Das gäbe einen sehr laut hörbaren Aufschrei, wenn die Migros sowas machen würde, obwohl sich vermutlich alle dran gewöhnen würden und der Anteil der ID-Bons (also Warenkörbe mit Cumulus-ID dazu) rapide steigen würde.

Noch was sehr Sinnloses ist mir aufgefallen: ich hab mit der Kreditkarte kontaktlos bezahlt. Danach musste ich den Kassenbon unterschreiben! Ähm hallo? Da kann ich ja gleich den Magnetstreifen durchziehen lassen und dann unterschreiben. Mir als Kunde ist das doch völlig egal, ob die meine Daten vom Magnetstreifen oder vom Chip lesen.

Am Ende waren es 130km in 07:40h, dabei nur 260 Höhenmeter.

Palo Alto — Golden Gate Bridge und zurück

11.08.2017 22:45 (bzw. 12.08. 10:14 nach dem Ausschlafen)

Wie angedacht, bin ich heute eine kleine Runde nach Norden gefahren, 150km Stadtverkehr von 10-22 Uhr. Da ich nur drei längere Pausen à 30min gemacht habe und die Fahrzeit in Bewegung 09:36h beträgt, sind der Rest Rotphasen der Ampeln auf dem Weg. Irgendwann hab ich begriffen, dass ich mich da langsam auch bei Rot geradeaus durchmogeln kann, das machen alle Velofahrer so. Trotzdem waren das die angenehmsten 150km Stadt- und Siedlungsverkehr seit langem. Die Strassen sind breit, für mich sind entweder breite Velostreifen oder gleich ganze Fahrspuren (shared use) vorgesehen, und da immer mindestens zwei Spuren pro Richtung da sind, behindere ich auch keinen.
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Adaptervergesser

Ich war mir sicher, dass ich den Steckdosenadapter eingepackt hatte. Aber vielleicht doch nur in Gedanken, jedenfalls hatte ich tatsächlich jetzt keinen dabei. Aber hier ist ja eine gut sortierte Garage nebenan mit viel Krimskrams, da gibt’s Anschlusskabel zuhauf. Hab eins genommen, bei dem die Pinabstände zum DELL-Netzteileingang passen, den Stecker zurechtgeschnitzt, fertig. Hat auch nicht viel länger gedauert, als zu Hause den Adapter zu suchen 🙂

Schnitzorgie führt zu Netzteilanschlusskabel.

Mein Smartphone kann ich ja am Velo laden, für das brauche ich keinen Adapter. Das Wetter gefällt mir bisher, etwa 20°C, keine volle Sonne, ideal zum recumbent cruising.

Abflug ZRH-CPH-SFO

20170810 08:45 Zürich-Kloten

Nach einer erstmaligen Autofahrt zum Flughafen, auf der ich ganz neue Wege jenseits meiner Velorouten gesehen habe, ging der Check-In schnell. Der Radkarton mit 28kg wurde nicht mal gewogen, die Ortliebtaschen im genialen Landi-Laubsack hatten 14kg und damit in Summe natürlich die geplanten 42kg 🙂
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Lyft Line und Uber Pool

Bei meinem Kalifornienaufenthalt soll es ja um point-to-point public transport gehen, was derzeit am nächsten mit den beiden Anbietern Uber Pool und Lyft Line erreicht werden kann. Die zugrundeliegende Idee ist uralt und eigentlich naheliegend: es werden Fahrten verbunden bzw. zusammengelegt, die ungefähr um die gleiche Zeit in die gleiche Richtung gehen. Ein Autofahrer (Uber-Fahrer, Lyft-Fahrer) holt einen Fahrgast ab, nimmt noch weitere auf der Strecke dazu und liefert die alle punktgenau irgendwo ab. Innovativ ist daran nur, dass das Matchmaking (wer mit wem auf welcher Strecke fährt) im Hintergrund durch einen Algorithmus passiert und es keine fixen Strecken gibt. Wenn sie jetzt noch drauf kommen, fixe Strecken vorzugeben und am besten fixe Stationen zum Zu- und Aussteigen, dann könnte man gleich Busse nehmen in hoher Frequenz. Oder, hm, zum Rollwiderstand verringern noch Gleise verlegen? Wäre das was? Gibt’s das schon? Ach nee, das ist ja dann Massentransport 🙂
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2,4km bis zum Rohmilchomat

Schon 2014 hatte ich einen Rohmilchomat in Turbenthal ausgemacht, einen weiteren in Gossau, später einen noch näher (aber mit Höhenmetern) in Wolfikon, von Wil aus Richtung Kirchberg. Heute auf der Feierabendrunde kam mir kurz hinter der Wiler Ortsgrenze ein Automat unter die Augen. Das ist sogar noch besser als im Altstadt-Bioladen, weil am Automat immer rund um die Uhr Selbstbedienung herrscht und das auch noch für nur 1 Fr. pro Liter mit eigener Glasflasche* statt 2.30 Fr. für die Wegwerf-Plastikflasche.
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Algorithmus gegen eigene Programmierer

Zum Feuilleton komme ich beim NZZ-Lesen eigentlich immer zuletzt, aber der Artikel heute kam zuerst dran:
Silicon Valley – Der Algorithmus schlägt die eigenen Programmierer. Es geht darum, dass die App Waze, die aufgrund von live verfügbaren Verkehrsdaten Routenempfehlungen gibt und auch sofort anpasst, die schönen Suburbia-Wohngebiete als Alternativrouten angibt, wo die Programmierer der App wohnen, die dort eigentlich ihre Ruhe haben wollten. What goes around comes around, sag ich dazu nur. Schon vor drei Jahren wurde auch gezeigt, dass man mit simulierten Staus seine eigene Strasse verkehrsfrei bekommt, wenn nur genügend Leute Waze benutzen: Students hack Waze, send in army of traffic bots.

Genau wegen solcher unbeabsichtigter Effekte, bezogen auf autonome Fahrzeuge, schau ich mich dann im Silicon Valley um.