Tag 7, beinahe Ruhetag

Als Nachtrag zum gestrigen gefundenen Portemonnaie: nachdem ich den Sucher erfolgreich kontaktiert hatte (dank seiner Visitenkarten), kam dieser abends überglücklich sein Portemonnaie abholen. Er war am Freitag auf Motorradtour, hatte es in der Seitentasche der Kombi und den Reissverschluss nicht geschlossen. Gut gibt’s Liegevelofahrer mit offenen Augen.

Abends gab’s direkt bei mir vor der Garage noch Kino: The Full Monty (auf Deutsch “Ganz oder gar nicht”) und ich konnte direkt vom Bett aus mitgucken. Ich hatte auch sowieso nur die Wahl, mitzugucken oder mich die ganze Zeit über den Lärm aufzuregen.

Kino im Hinterhof. Der Mercedes hat 400.000 Meilen und fährt noch.

Heute Sonntag war Ruhetag. Na gut, fast, nur 30km, bisschen Geocaching, Einkaufen und auf den Hoover-Tower auf dem Stanford-Campus rauf. Der Eintritt hat $4 gekostet und den gefundenen Benjamin Franklin von gestern konnte ich einlösen. Auf dem Heimweg hat mich noch eine junge Joggerin angequatscht wegen dem Liegevelo, ob das anders sei und so, die üblichen Fragen halt. Später hab ich sie nochmal zufällig getroffen und lieber gleich gefragt, ob sie mal fahren möchte. Draufsetzen ging, Fahren ging drei Meter 🙂

Von 12-15 Uhr brennt die Sonne richtig herab, aber vorher und nachher ist es fast schon frisch und auch um die Mittagszeit rum auch ohne Klimaanlage sehr angenehm. Dabei soll der August der heisseste Monat des Jahres sein — so ist Sommer okay. Jedenfalls hat hier prinzipiell niemand eine Ausrede, nicht ganzjährig Velo zu fahren, bei grösseren Distanzen halt E-Bike.

Mein Kilometerzähler steht jetzt erst/schon bei 600 und das unbändige Hungergefühl, was ich von Neuseeland kenne, ist wieder da. Fünf Franken für ein Kilo Erdbeeren, die müssen ja von irgendjemandem gegessen werden; und sehr gut sind auch die Grosspackungen Cole Slaw, die eigentlich für drei Leute reichen sollen, dazu wieder ganze Hühnchen aus dem Warmhalteregal im Supermarkt.

Tag 6, Tour zum Skyline Boulevard

Westlich von hier geht’s in eine Hügelkette rauf, bevor es dann wieder zum Pazifik steil abfällt. Oben auf der Hügelkette gibt es eine Strasse, die sich Skyline Boulevard nennt und auf etwa 500-800 Höhenmetern entlangführt. Daraus wurden am Ende 87km und 1600 Höhenmeter. Es gibt also doch sowas wie Berge hier in der Nähe.
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Tag 4, Velomech

Vor der Tür des Outposts stehen drei, nun ja, sagen wir mal, “Fahrräder”, herum. Besser als laufen, okay, aber sonst, naja. Die sind natürlich nicht gewartet und es hat auch keiner Werkzeug da. Im Keller liegt auch nichts, den habe ich schon mental inventarisiert. Da konnte ich beim Velo zum Glück behilflich sein mit Pumpe, Inbusschlüsseln und Sackmesser.

Zwei rote, ein weisses und ein Liegevelo.

Ausserdem noch zwei Züge, wie sie sich grad mit meinem Arbeitsweg heute morgen kreuzten:

Das ist die Vorderseite des Zugs, hier ist Rechtsverkehr. Fahrleitung: Fehlanzeige.
Rechtsverkehr, man sieht die Vorderseite.

Und wer 8:30min Video sehen will, auf dem ich im Wesentlichen geradeaus fahre auf dem Bike Boulevard, hier: https://youtu.be/1IPW6awC2SA. Den Ton am besten abstellen, es ist eh unkommentiert und der Wind rauscht nur.

Tag 3, Highlights revisited

Heute gab’s für die drei Mobiliar-Mitarbeiter, die sich derzeit im Outpost befinden, eine Highlight-Kurzführung (natürlich im SUV) im Silicon Valley, ausgeführt durch Marc Wälti. Stanford, Apple, Google, Facebook, einige der Wohnhäuser von Steve Jobs, Larry Page, Mark Zuckerberg, die Garage von HP… Die Führung hätte ich auch übernehmen können, ich wusste das ja vom Sonntag alles schon und konnte auch direkt sagen, dass Google einen Merchandise-Shop hat. Auf meiner To-Do-Liste stand bereits das Computer History Museum und jetzt ist auch noch das NASA Ames Visitor Center dazugekommen. Der einzige Unterschied zu Sonntag: alle Firmenparkplätze waren gerammelt voll. Ansonsten nichts Neues, ausser dass die Hauspreise in den letzten Jahren exorbitant gestiegen sind, Schuldenmachen normal ist und man als Neuzuzüger keine credit history und drum auch erstmal Probleme bei vielen Dingen im Alltag hat.
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Zufallsentdeckung SBB-Uhr

Bei der Fahrt nach San Francisco hatte ich nichtsahnend diese Bahnhofsuhr entdeckt. Heute stellt sich raus, dass dort das Schweizer Generalkonsulat ist und dass dort auch ein Büro von swissnex wäre, in dem ich bei Bedarf arbeiten könnte. Also ist die Uhr da gar nicht sooo falsch.

Die gestrige Veranstaltung zum Thema Hyperloop hatte ich ziemlich ähnlich schon am Start Summit 2016 in St. Gallen gesehen.

Tag 2 und Feierabendrunde

So langsam kenne ich alle Leute, die im Outpost permanent oder zeitweise arbeiten, ein sehr lustiger Haufen. Zum Thema autonome Fahrzeuge gibt es auch schon Vorarbeiten und Kontakte, an die ich anknüpfen kann.

Nach der Arbeit ging’s noch eine kleine Runde an die Bucht, schwierig ist da immer nur, irgendwie über den Bayshore Freeway zu kommen, ansonsten geht’s gut. Auf den Wegen an der Bucht ist kaum was los, sobald die Sonne wieder abwärts geht, wird’s auch schon wieder kühler, so lässt es sich aushalten. Gestern war ich auch schon auf dem Stanford-Campus unterwegs und habe die Stanford-Shopping-Mall umrundet. Mein Tempo liegt bei bequemen 10-12 Meilen pro Stunde, da muss ich fast nicht bremsen, wenn ein Stop-Schild kommt.

Tag 1 im Outpost

Es sind genau fünf Liegekilometer bis zum Outpost, entweder mit einer lästigen walk-your-bike-Unterführung oder mit einer ebenerdigen Bahnüberführung mit lästiger Ampelwartezeit. Ein Cannondale-E-Liegevelo hat mich überholt, das ist jetzt schon das vierte andere Liegevelo auf der Strasse in vier Tagen. Erwartungsgemäss wurde ich bei der Vorstellungsrunde ungläubig angeschaut, als ich meinte, dass ich am Freitag nach San Francisco und zurück gefahren sei. Komischerweise sind hier fast keine E-Bikes unterwegs, auch sonst sehr wenige Velos, obwohl einerseits die Infrastruktur dafür perfekt ausgebaut ist und andererseits auch die Topografie mit ihrer Flachheit sehr geeignet wäre. In der Schweiz ist das umgekehrt und trotzdem gibt’s viel mehr Velos.

Die ersten Meetups (sprich: Treffen mit Gleichgesinnten) hab ich jetzt auch, und es kommen sicher noch weitere hinzu. Der Swisscom-Outpost ist einfach nur ein Wohnhaus, das als Haus mit vielen Zimmern zu einem Geschäftshaus umgerüstet wurde. In der Umgebung kannte ich mich bereits aus 🙂

Das Liegevelo ist immer ein guter Anknüpfungspunkt für ein Gespräch, und mein T-Shirt von der American Solar Challenge natürlich auch. Ich hab schon eine Einladung zur Robot Challenge in San Jose Mitte September bekommen. Die anderen Leute im Outpost sind ähnlich drauf, wir verstehen uns prima. Wenn man wetteifern kann, wer mehr Raspberry Pis zu Hause hat, stimmt der Rest auch.

Auf dem Heimweg bin ich noch bei der Garage von Hewlett und Packard vorbeigefahren, die ist nur ein paar Blocks vom Outpost entfernt und quasi die Gründungsstätte von dem, was heute als Silicon Valley bekannt ist.

Die Garage von HP.
Blabla, Geburtsstätte des Silicon Valley und so…

Rund um die Southern Bay

Nachdem ich fast 28h am Stück geschlafen hatte und mich dementsprechend gewundert habe, dass es schon Sonntagmorgen um 04 Uhr und nicht erst Samstag um 04 Uhr ist, habe ich die im Kopf zusammengestellte Route mal zusammengeklickt: 70km, Swisscom-Facebook-Google-Apple-Tesla-Heimweg. Um 05 Uhr war Abfahrt, gleich bei der Hausausfahrt habe ich eine Fussgängerin erschreckt, an einem Sonntagmorgen ist das verständlich.

Mein Arbeitsort, ganz frühmorgens im Dunkeln.

Die ersten zehn Kilometer waren dreilagig, bis ich warm war, danach den ganzen Tag langärmlig und langbeinig angezogen. Das Wetter ist ideal dazu, morgens/nachts etwa 10-12 Grad, tagsüber auch nur 25, damit lässt es sich prima leben. Auf dem Facebook-Campus war ich noch vor Sonnenaufgang, da ist natürlich an einem Sonntag gar nichts los, so dass ich meine Runden auf den üppigen Parkplätzen drehen konnte. Drumherum ist fast nur Marschland, d.h. bei der Klimaerwärmung kriegt Facebook bei steigendem Meeresspiegel ein Problem.

Danach bin ich weiter Richtung Brücke, nur mal gucken. Ähm. Von oben ist die Aussicht besser, die Sonne kam grad über den Berg, jedenfalls ist es ja doof, oben zu wenden und zurückzufahren. Also bin ich drübergerollt, auf der anderen Seite runter und dann spontan weiter, um die Bucht zu umrunden. Aus dunklen Erinnerungen wusste ich, dass da etwa 110-120km rauskommen würden. Jänu, ich war ja früh gestartet. Der Kontrast zwischen den piekfein polierten Campi der vielen Firmen und andererseits der normalen Umgebung, Strasse und den Industriegebieten könnte nicht grösser sein. Bei Shopping Malls und Einkaufszentren liegt der feinste und schwärzeste Flüsterasphalt und ansonsten rauer und dreckiger Strassenbelag. Trotzdem ist alles gut zu fahren.

Um 07:40 Uhr war ich an einer Shopping Mall, die 08 Uhr aufmachen würde. Ich stand vorm Target, weil ich dachte, das wäre ein Supermarkt. Pustekuchen, die verkaufen nur so Schreibwaren- und Bürokram, und ich hatte Hunger. Zum Glück war auch ein Kalorienverkäufer aus Seattle drin, die konnten mir einen Brownie und eine heisse Schokolade geben. Weiter ging’s, die Bucht zu umrunden, irgendwann mal auf den Bay Trail, dann auch schon mit deutlich mehr Leuten (lies: 1 Jogger pro Meile) und gut fahrbarem Naturbelag. Auf den riesigen Google-Campus wurde ich aufmerksam, weil da ein Velo in Google-Farben herumstand: ein GBike natürlich, sah noch sehr neu aus. Der Campus ist riesig, ich bin etwa 10km nur darauf herumgegurkt, um ein fotogenes Schild zu finden. Mit Suchen und Finden kennen die sich ja aus dort.

Danach wurde es wieder städtischer, es ging weiter zum Campus 2 von Apple, der aber komplett im Bau ist, nur jetzt schon riesig dasteht, einfach ein grosses Ringgebäude mit Durchmesser geschätzt 400-500m. Danach ging’s zum derzeitigen Apfelcampus, da waren auch relativ viele Touristen, die sich dort verlustierten. Da ich mein Obst immer unangebissen kaufe und eher auf Androiden stehe, bin ich Richtung Tesla weitergefahren, nicht ohne Stop bei McDonald’s. Die Getränke-Nachfüllautomaten sind schon sehr praktisch da, die Preise sind, wie alles (hier und bei McD), gesalzen, auch wenn man aus der Schweiz kommt.

Bei Tesla konnte ich nicht reinfahren und mir die Parkplatzsituation anschauen, weil da a) ziemlich viel Betrieb war und b) eine Torwärterin aufgepasst hat. Immerhin hat sie mich fotografiert, aber das Velo aus dem Bild gelassen, und gleich noch was zum Liegevelo gefragt. Danach ging’s heim, auf einem der Expressways, d.h. meist zwei Spuren pro Richtung plus Velospur, an Kreuzungen gern mal 6-7 Spuren. Das Wechseln von ganz rechts nach ganz links zum Abbiegen ist etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber gut und sicher.

Spuren: 2 links, 3 geradeaus, 1 Velo, 1 rechts. Problemlos.

Der nächstgelegene Supermarkt ist 4km entfernt. Die haben zwar keinen Self-Checkout, aber personalisierte Preise, und zwar ganz simpel: es wird unterschieden nach Club Price und regular price, d.h. wenn man eine Kundenkarte hat und damit im Club ist, kriegt man den reduzierten Club Price. Gut, hab ich mir also eine Kundenkarte besorgt. Der Einkauf lag bei $39 und wäre ohne Club-Karte $5.19 teurer gewesen. Einerseits dürfte da immer noch Marge drauf sein und andererseits sehe ich da, was denen meine Daten wert sind, es wird sogar direkt in Prozent auf dem Kassenzettel ausgerechnet. Das gäbe einen sehr laut hörbaren Aufschrei, wenn die Migros sowas machen würde, obwohl sich vermutlich alle dran gewöhnen würden und der Anteil der ID-Bons (also Warenkörbe mit Cumulus-ID dazu) rapide steigen würde.

Noch was sehr Sinnloses ist mir aufgefallen: ich hab mit der Kreditkarte kontaktlos bezahlt. Danach musste ich den Kassenbon unterschreiben! Ähm hallo? Da kann ich ja gleich den Magnetstreifen durchziehen lassen und dann unterschreiben. Mir als Kunde ist das doch völlig egal, ob die meine Daten vom Magnetstreifen oder vom Chip lesen.

Am Ende waren es 130km in 07:40h, dabei nur 260 Höhenmeter.

Palo Alto — Golden Gate Bridge und zurück

11.08.2017 22:45 (bzw. 12.08. 10:14 nach dem Ausschlafen)

Wie angedacht, bin ich heute eine kleine Runde nach Norden gefahren, 150km Stadtverkehr von 10-22 Uhr. Da ich nur drei längere Pausen à 30min gemacht habe und die Fahrzeit in Bewegung 09:36h beträgt, sind der Rest Rotphasen der Ampeln auf dem Weg. Irgendwann hab ich begriffen, dass ich mich da langsam auch bei Rot geradeaus durchmogeln kann, das machen alle Velofahrer so. Trotzdem waren das die angenehmsten 150km Stadt- und Siedlungsverkehr seit langem. Die Strassen sind breit, für mich sind entweder breite Velostreifen oder gleich ganze Fahrspuren (shared use) vorgesehen, und da immer mindestens zwei Spuren pro Richtung da sind, behindere ich auch keinen.
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