SASOL 2018, Tag 3

Da fragt mich doch gestern tatsächlich einer vom Team, ob ich Hilfe bräuchte, um mein Zelt aufzustellen. Ich so: “Nö. Einmannzelt.” Dann ging ihm ein Licht auf 🙂 Und apropos Licht: meine Haut bekommt nie so wenig Sonne wie jeweils an Solar Challenges. Wenn ich morgens zwei Stunden mit dem Liegevelo im Tannzapfenland herumfahre, gibt das deutlich mehr Licht. Die letzte Nacht war jedenfalls ruhig, in der Nähe einer Universität, wo sie uns für das Duschen sogar 18 Hotelzimmer gemietet hatten, die man dann entsprechend nutzen konnte.

Einmal das Solarauto zum Start stossen. Rollt sehr leicht.

Der gestern gemachte Plan für zwei oder drei Loops heute war heute morgen recht schnell Makulatur. Ich war grad am Durchrechnen der Varianten und bei null oder ein Loop angekommen, als Moritz hinter mir stand und meinte, ob ich die Wettervorhersage für heute schon gesehen hätte. Ich hab dann gemeint, dass wir erstmal losfahren sollten und dann sähen wir schon, wie es weiterginge.

Hintergrund: die Tagesetappen bestehen jeweils aus drei Teilen. Der erste Teil führt zum Kontrollstop bzw. Loop-Stop. Man muss genau einen Kontrollstop von 30min am Tag machen. Der zweite Teil besteht aus einer Schleife/Schlaufe (Anfang=Ende). Der dritte Teil besteht dann aus dem Stück vom Kontrollstop zum Ziel. Heute war es allerdings so, dass der zweite Teil auf der gleichen Strecke wie der dritte Teil verlief (Highway N1, dazu später mehr). Das heisst, ich hatte länger Zeit zum Entscheiden, ob wir einen Loop fahren oder nicht.

Inzwischen werde ich auch für andere ad-hoc-Datenauswertungen benutzt, ich bin quasi ein Embedded Data Scientist. Es ging darum, ob ich bei den Motor-Abstellstops am ersten Challenge-Tag irgendwelche Auffälligkeiten bei den verschiedenen Temperatursensoren sähe. Dem war aber nicht so, alles unauffällig.

Vor dem heutigen Start gab es noch ein von Karlheinz gesichtetes Liegevelo, das ich unbedingt ausprobieren musste. Das war deutlich schlimmeres Gebastel als einige andere Solarautos. Da konnte ich mich gleich noch mit einem Teammitglied eines südafrikanischen Teams unterhalten. Die haben hier 11 Landessprachen und waren daher nicht erstaunt, dass wir vier offizielle haben plus Dialekt; eher deswegen erstaunt, dass Englisch keine Schweizer Landessprache ist. Das ist auch gut so, wir haben für meinen Geschmack genügend Auswahl. Afrikaans wäre aber auch noch praktisch gewesen hier.

Endlich vernünftige Leute am Start.

Am Kontrollstop (wie auch an anderen Kontrollstops schon) gab es grosses Interesse seitens der lokalen Bevölkerung an den eingefahrenen Solarmobilen.

Der Start verlief problemlos und wir rollten so dahin. Inzwischen hat sich von den Rollen im Team vieles gut eingespielt und vieles hat sich auch festgefahren, wie es halt so ist, je länger man sich kennt.

Es gibt Züge! Und viele elektrifizierte Bahnstrecken.

08:43 Uhr: 200 Watt PV-Leistung, nicht viel, und über den Tag würde es auch insgesamt nicht viel werden.

08:59: beim Znüni festgestellt, dass guter Käse seine Viskosität erst bei >>80°C und mit Alkoholzugabe verringert. Es gibt so Sachen, die können im Ausland nicht adäquat nachgebildet werden.

09:13 Uhr: Kontrollstop, wie geplant

Wenn die Telemetrie zu weit weg ist, muss ich echt aus dem Begleitfahrzeug an die Sonne. Igitt.
Die Wanderstock-Winkelarretierung der Panels ist genial einfach.

Nach diesem Kontrollstop hatten wir die Wahl, direkt bis zum Ziel weiterzufahren, oder Schleifen zu fahren; und für diese Wahl waren noch 40km Zeit bis zum Umkehrpunkt zurück zum Kontrollstop. Der erste Loop war aber eigentlich schon gesetzt, von daher ging die unaufgeregte Fahrt weiter. Bis auf den starken Verkehr mit vielen LKW und einigem Stress mit den Marshals bzw. den Offiziellen deswegen war alles ereignislos. In Marcels Playlist lief heute “99 Luftballons” und “Du hast den Farbfilm vergessen”, und unser Observer war heute so von unserer sanften Fahrweise angetan, dass er auch mal ein Nickerchen gemacht hat. In dem Moment war natürlich grad kein Windschatten eines LKW vorhanden, in dem wir hätten mitsegeln können.

11:48 hatte ich eigentlich die Fahrt bis zum Ziel vorgegeben. Während der ersten 25km von Teil2/Teil3 der Etappe kam aber die Sonne raus, so dass ich ins Grübeln kam. Das lief dann darauf hinaus, dass ich gerade noch zwischen noch ein Loop und weiterfahren schwankte, als Karlheinz meinte, ob es denn bei einem Loop bliebe. Die Brücke zum Umkehren war schon sichtbar (da hatte ich einen halbe Loop-Strecke-Denkfehler drin) und die provisorische Energiebilanz hat den zweiten Loop genehmigt. Unser Verbrauch war bis dahin bei sensationellen (erwartbaren?) 10Wh/km* wie festgenagelt bei einem cruising speed von 48km/h. Trotzdem war bis am Mittag schon 1kWh weniger PV reingekommen als möglich.

Wieder am Kontrollstop kam auch wie so häufig wieder die Frage nach der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs auf. Ich meine dann jeweils it doesn’t matter, was für normale Autos genauso stimmt. Sowas interessiert einzig und allein auf der Rennstrecke. Aber man kann auch mit v_max=265 im Porsche im Stau stehen, klar. Mit dem Solarauto würde uns Stau in der Sonne nicht mal stören, abgesehen von der Hitze für den Fahrer.

Ein Solarauto muss erklärt werden. Dabei hab ich von der Technik gar keine Ahnung.

Eine sehr gute Aussage unseres safety officers, die auch so technisch von mir hätte kommen können: wenn die Loops so lang sind, gibt es nur wenige diskrete Tages-Streckenlängen, die man erreichen kann: Teil 1 + x * Loop + Teil 3. Morgen wird der Loop deutlich kürzer mit 36km, das erhöht die Varianten.

*Der niedrige Verbrauch heute kann nicht von allfälligem Rückenwind kommen, da der Loop ja 40km in die eine und 40km in die andere Richtung hat.

So gucken viele Leute, wenn sie ein Solarauto sehen.

Noch eine Erkenntnis: die Stammbeiz für das Solarautoteam muss einfach die Sonne in Wil sein, inklusive Sonnenbräu. Auf so Ideen kommt man halt auf langen und ereignislosen Autofahrten.

15:45 Uhr waren wir kurz vor dem Ziel, haben uns auf den Parkplatz gestellt und auf Sonne gehofft. Die kam mal eine Weile, dann verschwand sie aber hinter fetten Wolken, wie die meiste Zeit des Tages schon, so dass wir dann 16:45 ins Ziel gefahren sind und der Tag gelaufen war.

Aufladen kurz vor dem Ziel bzw. hier schon fertig, weil bewölkt.

Das Camping ist in Gariep Dam, wieder in einem Forever Resort, direkt am Wasser. Das Abendessen war vom Solarzellenhersteller Gochermann gesponsort, dessen Kunden viele Teams ja sind, auch wir. Die Diät hier hat einen recht hohen Fleischanteil, was den meisten sehr gut gefällt.

Unser Zeltlager in/am Gariep Dam.
Moritz/Beni am Couchen.

Der Plan für morgen sieht erstmal nach keinem Loop aus. Die Batterie ist nach meinen Berechnungen schon halbleer (nicht noch halbvoll) und wenn das Wetter morgen auch so ist, wird es schon bald eng mit der Energie. 255km ohne Kontrollstop sind bei 10Wh/km genau 2550Wh Verbrauch und genausoviel ist auch noch (theoretisch) in der Batterie.

Da es mit unserem “Spur-Blockieren” auf dem nur einspurigen Highway einigen Stress gegeben hat und wir aus Sicherheitsgründen nicht auf den linken (breiten) Standstreifen ausweichen wollten, werden wir morgen nach Absprache mit den Officials so vorgehen, dass wir bei einem Aufstauen des Verkehrs hinter uns links rüber fahren und langsam weiter rollen, alles vorbeilassen und dann wieder auf die Normalspur wechseln. Mit dem Abbiegen von Highway N1 auf den N9 morgen sollte sich das Thema aber auch vorerst erledigt haben.

Das Nuon-Team hat doch schon ein recht grosses Gepäckfahrzeug.

Und noch was zum Odometer, haha… da das immer noch rumspinnt und ich zu wenig LabView kann, um da was zu korrigieren, habe ich mir jetzt aus der stimmigen Geschwindigkeit selbst die gefahrene Strecke abgeleitet. Da die Samplingfrequenz bei 0.25Hz liegt über die Telemetrie, kommt eine Abweichung von etwa 5.9% raus, die kann ich pauschal dazurechnen. Als ich das heute entnervt am Kontrollstop in meine Auswertungen hineinprogrammiert habe, war ich nicht sicher, ob es am Ende stimmen würde, aber 1% Abweichung am Ende des Tages sind für meine Zwecke vollkommen in Ordnung.

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