Geschäftsausflug nach Egham

Soviel gibt’s in Egham nicht, aber beispielsweise den Hauptsitz von Belron, die man wohl eher unter der Marke Carglass kennt.

Wenn man was ändern will, kann man einfach mal als Fussgänger vom Flughafen nach Egham laufen: das sind nicht mal 11km (gpx auf gpsies) und da sieht man, was an der autozentrierten Infrastruktur geändert werden muss.

Der Fussweg beginnend an London-Heathrow, Terminal 4.

Auch wenn ich so ungefähr den kürzestmöglichen Weg hatte (abgesehen von einem Helikopterflug), steht mir lange nicht die gleiche Fläche und der gleiche Komfort zur Verfügung, den Autos haben. Bei behindertengerechtem und barrierefreiem Routing wird der Weg noch um einen Grossteil länger. Erstmal brauchte ich auch schon am Flughafen eine Dreiviertelstunde, um von Terminal 2 zu Terminal 4 zu kommen, wo ich meiner Meinung nach zu Fuss loslaufen könnte, was sich dann auch bewahrheitet hat. Die haben ja allen Ernstes den normalen Heathrow Express (mit mieser Taktung) missbraucht, um einen free terminal transfer aufzubauen.

Ein Kanal direkt am Flughafen, ganz nett.
Die Themse, leichter Nieselregen. Fluglärm dazu bitte denken.

Richtig lustig war auch mein Einkauf in einer Art Dorfladen, wo sich innerhalb von Sekunden vor meinen Augen ein handfester Streit aufbaute, weil der Kunde behauptete, eine 20-Pfund-Note zum Zahlen genutzt zu haben und der Kassierer darauf bestand, dass der Kunde mit einer 10er-Note bezahlt hätte. Das war wie ein Monty-Python-Sketch, sehr lustig 🙂 Ich hab dann meinen Einkauf nach einem Hinweis noch mit vier Flapjacks auf den Mindest-Kartenzahlbetrag aufgestockt und dann gab’s auch keine Streitereien mit dem Wechselgeld.

Staines Reservoirs, bis auf den Fluglärm und den Abgasgeruch sehr idyllisch.

Ich kam pünktlich zum Eröffnungsmittagessen an, hab schön brav an der Pforte beim Fussgängereingang geklingelt* und wurde auf das Gelände gelassen. Man läuft mal noch locker fünf Minuten zum Eingang, klassisch autofixiert, aber natürlich eine schöne Parkanlage, wie sich das für ein Firmen-Hauptquartier so gehört.

*ich vermute, ich hätte durch ein Überklettern der Pforte auch ein gratis Security-Taxi bekommen können

Vorträge gab es z.B. von Bosch, die natürlich jetzt vorgeben, dass sie irgendwie die Trends bei der Mobilität setzen. Die doktorn aber nur am bestehenden System herum, um einen LKW noch einen Liter weniger auf 100km verbrauchen zu lassen, anstatt die Fahrt direkt zu vermeiden oder auf die Schiene zu verlagern. Oder sie optimieren Parkplätze, anstatt sie massiv zu verteuern oder durch Velostellplätze oder Parks zu ersetzen. Ohne den kompletten Kollaps des bestehenden Systems ändert sich da leider dauerhaft gar nichts. Klar, das ist ja das Geschäft von Bosch, aber die machen auch nur das, was die Kunden kaufen. Es ist schon merkwürdig, dass ich in dem Meeting sitze und die zwar über ganz viele interessante Daten und IoT und sonstwas für tolle Sachen erzählen, aber mir das einfach total sinnlos erscheint.

Cool war, dass der von Bosch gemerkt hat, dass die Gesamtzahl der gefahrenen Kilometer mindestens mal gleich bleibt, aber nicht weniger wird. Das hab ich ja im Februar 2017 hier auch schon mal aufgeschrieben.

Man sieht, was falsch ist: das Auto ist noch im Zentrum vorhanden. Da muss es weg.

Im Prinzip könnte mich das ja schon interessieren, aber nur unter dem Aspekt, dass selbstfahrende Fahrzeuge alle Regeln gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern einhalten, also natürlich insbesondere gegenüber Velos. Seitenabstand mindestens 1.50m beim Überholen, kein dichtes Auffahren etc. Nur sieht es danach aus, als ob das im normalen Strassenverkehr einfach nicht funktioniert, weil die Autos beim Einhalten aller Regeln gar nicht mehr vorankommen würden oder die Software ständig Sicherheitswarnungen produziert. Also werden die Sicherheitseinrichtungen abgestellt, man setzt auf Bequemlichkeit und überfährt dann halt Velofahrer oder Fussgänger. Nichts anders als heute.

Die Leute von Covéa (französische Versicherung) wollten partout nicht auf Französisch weiter reden, auch als ich gemeint hab, dass ich gern auf Französisch zuhöre und sie verstehe. Schade, dann haben sie sich halt auf Englisch einen abgebrochen. Und ich glaub, die Niederländer von Achmea haben ihre Sprache nur erfunden, um deutschsprachige Zuhörer zu veralbern.

Es folgten noch Vorträge von Caruso (einem Marktplatz für Auto-Daten verschiedenster Hersteller und verschiedenster Konsumenten) und was zu rechtlichen Fragen, was nicht so super spannend war. Aber das Lobbying war schon klar erkennbar. Draussen schiffte es derweil ununterbrochen 🙂

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