Bergen-Ålesund-Bergen

Da ich auf die nächste Grossstadt nach Oslo nicht so richtig Lust hatte und doch irgendwie weg wollte, habe ich mir eine 42-stündige Auszeit organisiert. Die Hurtigruten fährt ja ab Bergen Richtung Norden und nach Studium des Fahrplans fiel mir auf, dass eine 14h-Fahrt bis nach Ålesund, dort ein 13-stündiger Aufenthalt und die Rückfahrt mit dem nächsten Postschiff über Nacht genau ins Programm passen würden. Also hab ich das gebucht und es hat sich gelohnt. In Bergen regnete es ja eh.

Bergen am “Einschiffen” vor dem Einschiffen am Abend.

Der Start war am 10.05. um 22:30 in Bergen, Kabinenplätze gab es natürlich so kurzfristig keine mehr, also hatte ich einen Decksplatz und habe es mir in der Lounge im Bug bequem gemacht und sogar halbwegs gut geschlafen. Die Mehrheit der Schiffsgäste schien einen deutschen Pensionshintergrund zu haben, so konnte ich interessante Gespräche belauschen, unter anderem mehrmals eins über Kreditkarten und Bargeld. Hachje, so deutsch, diese Probleme. Anstatt ständig Bargeld nachzuzählen, zahle ich lieber mit Prepaid-Kreditkarte, habe nebenbei noch eine Statistik und die Ausgaben direkt im Blick in der App und bin um Grössenordnungen schneller an der Kasse als die Leute mit dem Bargeld. Natürlich sind die verkäuferseitigen Gebühren für die KK irgendwo in den Preisen im Supermarkt eingepreist, aber das sind die versteckten Kosten für den Bargeldumlauf genauso. Mit kontaktlos brauche ich 2 Sekunden zum Zahlen, mit PIN vielleicht 10, mit Bargeld in jedem Fall länger (ausser man rundet immer auf den nächsten vollen Hunderter auf und verzichtet auf das Wechselgeld). Mit einer Prepaid-Kreditkarte kann man sich auch nicht verschulden und als guter Deutscher führt man ein Kreditkartenkonto auch immer im Plus und schliesst schon gar keine Ratenkredite ab (für die man noch nicht mal eine Kreditkarte braucht). Aber das sind ja die letzten 10 Jahre schon immer dieselben Argumente, da hatte ich keine Lust, mich herumzustreiten mit den erfahrungsgeladenen Seereiserentnern.

Wolken wälzen sich die Berge hinunter.

Für ein Sandwich und ein Getränk hab ich 25 Fr. gezahlt. Hm. Das war dann doch mal über dem, was ich erwartet hatte. Da ich Selbstbedienungsrestaurants gewohnt bin, hab ich gleich das Sandwich aus der Ausstellung genommen, was ich aber laut der grinsenden Verkäuferin nicht hätte nehmen sollen. Sie hat mir dann doch ein frisches gegeben.

Die Fähre ist jedenfalls das bequemste Transportmittel, in dem man im Schlaf reisen kann. Je nach Entfernung kann man da Flugzeug/Business und Nachtzug noch in die Rangliste mit aufnehmen. Liegevelo zählt nicht, auch nicht im Sekundenschlaf.

Der nächste Morgen irgendwo in den Fjorden.

Die Datenverbindung war immer vorhanden, interessanterweise mit der Alditalk-SIM nur 3G und mit meiner Salt-SIM sogar 4G bei jeweils dem gleichen Roamingpartner. Da hat wohl Aldi Talk was anderes verhandelt als Salt. Dementsprechend gab es auch Leute, die auf dem Schiff ganz normal ihre Arbeit am Laptop, Tablet, Mac und Telefon erledigt haben, sowas wie ein schwimmendes Homeoffice mit guter und wechselnder Aussicht. Das könnte mir auch noch gefallen.

Die Ausschiffung in Ålesund von der MS Vesterålen war um 12 Uhr, die meisten Leute haben sich die Beine vertreten und mussten um 15 Uhr wieder an Bord sein, um weiter Richtung Norden zu fahren. Ich habe mir die Beine gut vertreten, die Insel erkundet und hatte Zeit bis 00:30, wenn die MS Nordnorge mich wieder Richtung Süden mitnehmen würde.

Die MS Vesterålen nach dem Anlegen in Ålesund.

Da ich ja lange nichts gemacht hatte, bin ich gleich in die Mittagspause am Binnenhafen gestartet. Verpflegung gab’s im Supermarkt, das Wetter war prima, trocken und genau richtig, um gut eingepackt in der Sonne zu sitzen. Nebenan trank jemand schon das erste Bier, während ich bei der Tine-Sjokolademelk in der Halbliterdosierung blieb.

Mittagspause im Hafenbecken.

Mein Gepäck war kein Problem, den Rollkofferrucksack habe ich die gesamte Wandertour mitgeschleppt, mal hinter mir hergerollt und ansonsten auf dem Rücken. Das funktioniert super so. Insgesamt bin ich 24km gelaufen in der Zeit, die mir auf der Insel blieb. Ich vermute, ich habe damit schon einen der meistgerollten Rollkoffer. Mit Geocaches (Multis/Tradis) bin ich gut herumgekommen, habe viele interessante Orte entdeckt und Fotogelegenheiten. Der übliche Aussichtspunkt war nach Anlegen der Hurtigruten natürlich ziemlich überlaufen, aber von dort oben habe ich auf der gegenüberliegenden Seite einen anderen Hügel gesehen: den Sukkertopp mit 314m üNN. Aber erstmal bin ich noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen und hab auch die üblichen Festungs- und Kanonenanlagen aus den Weltkriegen gesehen.

Dank NO-Lesekenntnissen habe ich bei einem Multi sogar den Hint verstanden, der es mir ermöglichte, meine gefundenen Koordinaten so zu korrigieren, dass die Dose findbar wurde. Der Hinweis war nicht auf Englisch übersetzt worden. Später fand ich meinen zweiten Buff in der Nähe eines Caches. Ich mag solche Länder, in denen der Wohlstand so hoch ist, dass nützlichste Kleidungsstücke einfach herumliegen.

Abendpause mit hochstehender Sonne.

Nach der Znachtpause im westlichen Teil der Insel war immer noch genug Zeit übrig bis zur Bootsabfahrt. Also hab ich mir doch den Sukkertopp vorgenommen: im Cache stand 40min Aufstieg. Ich war nach 25min schon oben, und das scheint auch keine schnelle Zeit gewesen zu sein, es war relativ viel los, besonders als Trainings- und Hündelerstrecke scheint der Berg sich zu eignen. Die Aussicht war grandios und die Abendsonne stand gegen 21 Uhr schon etwas tiefer.

Das Panorama war ganz akzeptabel.

Ich bin dann ganz gemütlich wieder talwärts gelaufen und habe ich mich dosensuchenderweise wieder zum Hurtigrutenterminal bequemt. Wie geschrieben: auf der MS Vesterålen war die Lounge ganz okay zum Übernachten (Kabinen gab es ja so kurzfristig keine mehr), auf der MS Nordnorge war die ganze Zeit Dudelmusik an, dort wo man hätte vernünftig schlafen können. Aber es ging dann doch noch. Die Zeit bis zur Ankunft in Bergen um 15 Uhr wurde aber doch noch länger als erwartet, das Schiff fährt so etwa mit 25-30km/h und in der Mittagssonne ist die Landschaft auch nicht unbedingt so spannend.

Den Bildern und der Cache-Statistik (+21) nach zu urteilen hat es sich gelohnt 🙂

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