12 Velos für 42km Stadtverkehr

Der Veloverleih läuft gut, ich hab den heute ausgiebig ausprobiert. Erstmal die App installiert und ein Abo gelöst: 49 NOK (=6.10 CHF) für 24h all-you-can-ride-in-45-min. Das Verleihmodell ist einfach erklärt: der Pauschalpreis deckt alle Ausleihen ab, man kann beliebig viel fahren, aber immer nur 45 Minuten am Stück (mit dem gleichen Velo), dann muss man es zurückgeben bzw. kann alternativ auch 5 NOK pro 15 Minuten extra zahlen.

Frühmorgens, noch kühl und leer an der Oper.

Es sind insgesamt 700 Velos zum Ausleihen vorhanden. Das Ganze funktioniert location-based, d.h. wenn man sich mit dem Smartphone (online-Verbindung nötig) in der Nähe einer Verleihstation befindet, kann man auf “ausleihen” drücken und bekommt die Nummer des Velos angezeigt, das einem soeben entsperrt wurde. Es ist kein Schloss dabei, aber die Stationen sind sehr häufig und gut verteilt, so dass man eigentlich das Vehikel immer wieder zurückgeben kann, anstatt es zu behalten. Dachte ich 🙂 Der Teufel steckt im Detail: wenn die Ausleihstation keinen Platz für ein weiteres Rad hat, kann man es nicht zurückgeben. Das hat mich nicht weiter gestört, aber die Verteilung der Räder muss schon gut gemacht werden, damit das nicht zu frustrierenden Erlebnissen führt.

Das Jahresabo für die gesamte Saison kostet 399 NOK, also umgerechnet 50 Fr, somit quasi gar nichts bzw. den Preis von 10 Dosen ekligem aromatisierten Cider. Mit den Rädern werde ich aber auf Dauer nicht warm, und das nicht, weil ich lieber Liegevelo fahre, sondern weil die Ergonomie für längeres Fahren einfach zu schlecht ist. Ich hab insgesamt 12 Räder auf geschätzt 42km Fahrstrecke ausprobiert und jeweils nach wenigen Kilometern hatte ich Hand-/Armprobleme, da die ergonomischen Griffe völlig falsch montiert waren. Dazu kommt, dass der Sattel in der maximalen Höhe nicht ausreichend hoch ist. Die 3-Gang-Nexus-Schaltung ist für ein Stadtrad mit Gelegenheitsnutzung akzeptabel, grosse Höhenmeter macht man damit eh nicht, aber sie sollte so gewartet und eingestellt sein, dass sie nicht permanent oder (noch schlimmer) unvorhersehbar überspringt. Bei etwa der Hälfte der Räder hatte ich schiefe Pedalen, weil die Pedalachse verbogen war. Klappernde Anbauteile vervollständigen das Gesamtbild. Oder hab ich einfach zu hohe Anforderungen an ein nahezu perfekt gewartetes Velo?

Dito, fast keine Leute zugegen.

Nichtsdestotrotz: es ist relativ angenehm, hier mit dem Rad unterwegs zu sein. Die Strassen sind zwar von der Qualität her häufig eher wie Leipziger Kopfsteinpflaster, aber wenn mal Velorouten da sind, sind sie gut ausgeschildert und separiert. Rücksichtslose Radwegparker gibt es genauso wie daheim und der Rückspiegel hat mir noch gefehlt. Man kommt sehr gut mit dem Rad herum, ich war am Morgen noch auf der ziemlich leeren Museumsinsel und bin am Nachmittag einfach kreuz und quer durch die Stadt gekurvt, ab und zu mal das Rad ausgetauscht, um wieder 45 Minuten Zeit zu haben. Die Mietvelobewirtschaftung habe ich zwischendurch auch mal gesehen, die haben einfach Räder aufgeladen und woanders hingefahren.

Die Bewirtschaftung der Mietvelos.

Die Radrückgabe ist jeweils total einfach: einen freien Platz finden und dann einklicken, keine App notwendig, d.h. wenn man das Smartphone als Navigation (aufklemmbar am Lenker, simple Halterung) leergefahren hat, kann man das Rad trotzdem wieder abgeben.

Rückgabe: einfach einklicken.

Witzig wäre ja, wenn insgesamt genau 700 Stellplätze für die 700 Räder vorhanden wären. Das gäbe am Ende des Tages eine sehr spannende Situation und es würde sicher die Nutzer fit halten 😀

Leave a Reply