Sion-Furka-Oberalp-Disentis

In Sion herrschten 36 Grad Celsius, aber im McDonalds war es angenehm und das grosse irgendeinBurger-Menu für 14.90 kam diesmal mit Fanta, wegen voraussichtlichen Kalorienbedarfs später. Im nächsten Ort lag ein Coop am Weg, wo ich mich mit Getränken und Energielieferanten eingedeckt habe. 3.5 Liter Süssgetränke haben bis Andermatt gereicht. Die 200g-Schokolade schmolz hitzebedingt zu einem Klumpen zusammen.

Es herrschte Rückenwind, die Rhone war mal links, mal rechts, alles war flach, zumindest bis Brig. Heiss war’s trotzdem, aber in der weiteren Perspektive vor mir braute sich was zusammen. Wenn man gleich schnell fährt wie der Wind weht (und in die gleiche Richtung), ist das wie beim Segeln, man spürt den Wind gar nicht, aber der Schweiss rinnt.

Rivella hiess heute nicht rot, sondern warm. Andere Süssgetränke schmecken warm ekliger. Wenn ich mal nicht auf der linksrhonischen Seite unterwegs war, sondern rechts (talaufwärts rechts) durch die Dörfer gefahren bin, stand da ein Chalet am nächsten.

Ab 18 Uhr wurde es kühler und es kamen einige Regentropfen herunter. Ich erwog, die Tour abzubrechen, wie noch mehrfach später, jetzt nur wegen Gewitteraussicht. Es hielt sich aber trocken und ab 19 Uhr begann der Anstieg. Bis hierher war ich im Zeitplan, danach ging der Plan mangels Geschwindigkeit vor die Hunde. Ab etwa 20 Uhr hatte ich auch den Umkehrpunkt überschritten, falls ich noch hätte ab Brig wieder heimfahren wollen. Das fiel mir aber erst nach 20 Uhr auf, dass ich gar keine nicht-improvisierte Alternative zur Tour hatte. Kurz kam ich auf die schnell wieder verworfene Idee, das nächstbeste Mobility-Auto zu mieten und darin ein Nickerchen zu machen.

Bis Oberwald und Gletsch war ich letzte Woche schon mit dem Postauto gekommen, nur dann links zum Grimsel abgebogen statt zum Furka. Heute also die steile Variante nach rechts.

Ab etwa 22 Uhr war die maximale Dunkelheit erreicht, die etwa bis 04 Uhr währen würde. Trotzdem (und auch ohne sichtbaren Mond) war nach kurzer Gewöhnung die Passstrasse sehr bequem (in meinem Tempo) ganz ohne Licht fahrbar. Nur bei Gegen- oder Überholverkehr hab ich mein Licht kurz angestellt. Für die Statistik: es kamen mir genau 15 Fahrzeuge von oben entgegen und drei haben mich überholt. Es gibt eine Überschneidung der Grösse 2 zwischen diesen Gruppen, denn die zwei tiefergelegten Vollprolls, von denen einer raufzu dem anderen mit 3m Abstand folgte, kamen später wieder runtergerauscht, waren lange vorher hör- und sichtbar.

Was insbesondere mit dem Liegevelo einfach ge(n)i(a)l ist, ist der nur kleine Halsverdrehungswinkel, um in die Sterne zu gucken. Von denen waren da oben extrem viele zu sehen. Dazu gab es Wetterleuchten und Sternschnuppen. Mein Wunsch, die Höhenmeter auf ein erträglicheres Mass einzudampfen, wurde nicht erfüllt. Na vielleicht hab ich die Vorbuchungsfrist nicht beachtet oder die Bewilligung von Kanton und Gemeinde vergessen. Die Bergkonturen waren ebenfalls die ganze Nacht super auszumachen, das alles in völliger Stille, abgesehen von dem metallenen Kettengeräusch, was ich nicht abgestellt kriege, dem im Trettakt quietschenden Dämpfer und dem Kaffeemühlengeräusch von hinten unten.

Das Drumherum hat jedenfalls für die Strapazen des Furkapasses entschädigt. Um 02:05 Uhr war ich auf der Passhöhe, nicht ohne dass mir kurz vorher noch vier Velöler abwärts entgegen kamen. Hallo? Um die Uhrzeit? Im Dunkeln? So bekloppt, ähhh, kreativ muss man erstmal sein.

Beim Fahren denkt man ja üblicherweise nach. Bei mir drehte es sich um den noch eingeplanten Oberalppass, auf den ich gar keine richtige Lust mehr hatte. Aber nach Andermatt musste ich ja eh hinunter, hab das Tenue für negative Steigungen angelegt (mit NZZ als Isolation, auf Papier! Probiert DAS mal mit dem e-paper! Feueranzünden mit Samsung-Tablets geht ja, aber Isolation nicht.), die Helmlampe für wahlfreien Lichtwinkel montiert und ab die Post. Bei der Abfahrt verwickelte das heraushängende Band der Ortlieb-Aussentasche die hintere Bremsscheibe in einen Kampf, was dieser allerdings zu schnöde war, so dass das Kampfrecht kurzerhand an die Rohloff abgetreten wurde, die mit dem Band durch Aufwickeln kurzen Prozess machte.

In Andermatt bin ich durchs Dorf gefahren, etwa gegen 3 Uhr morgens. Keiner wach im Kreuzworträtselkanton Uri. Am Abzweig zum Oberalppass hab ich eine längere Pause eingelegt, nochmal die Höhenmeter geprüft, was mich dann nach der Erkenntnis, dass es nur lächerliche 600 sind mit sieben Kehren und am Ende flacher werdend, dazu beflügelte, die Steigung anzugehen. Vielleicht war mir auch einfach nur kalt, auf dem Furkapass waren es zuvor 7°C gewesen.

Zwei Stunden hatte ich für das Erklimmen des Oberalppasses kalkuliert und gegen 05 Uhr war ich oben. Ab 04 Uhr dämmerte es schon und mein Licht musste ich nur zweimal für Entgegenkommer einschalten. Auf der Passhöhe war es total menschenleer und ruhig, es wurde hell, die Sonne war noch hinter Wolken. Mein Entscheid, nicht bis Chur zu fahren, stand aber bereits länger fest. Also bis Disentis geheizt, dort zum Bäcker und in den 06:44-Uhr-Zug der RhB nach Chur. Die 1. Klasse hat Velohaken 🙂

Die detaillierte Statistik folgt später an dieser Stelle.

178km, 17h unterwegs, 13:05h Fahrzeit, 2800hm (Tacho, Forumslader)
Link zum Track auf gpsies: 20170622-23-sion-furka-oberalp-disentis (der meint 3720 Höhenmeter und 173km).

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