Bodenseeumrundung

Bereits am Mittwoch kam der Forumslader, allerdings nur per Abholeinladung, die ich gestern morgen bei der Post eingelöst habe. Jens hat mir den Kompaktlader komplett neu aufgebaut und sogar so, dass er mit etwas Füllmaterial drumherum perfekt formschlüssig (=klapperfrei) in den Ausleger des Ottermobils passt. Alle Kabel waren schon/noch da, ich musste nur noch anstecken und wieder das Rohr reinschieben. Die externe USB-Buchse hatte ich noch nicht montiert, das kam dann noch, die 5V kommen jetzt im Rahmen per Kabel bis unter das Federelement und dort ist auch die Anschlussbuchse montiert.

Ich war wie immer antizyklisch unterwegs, d.h. nicht an Auffahrt, da hab ich nämlich gearbeitet; dafür dann gestern den ganzen Tag kompensiert. 10 Uhr war Abfahrt, mal sehen, wie weit ich bei einer Bodenseeumrundung kommen würde, laut Streckenplan 200-220km. Die ersten 30km bis Konstanz verliefen auf bekannten Strassen, verkehrsmässig erträglich. Danach folgte unbekanntes Terrain, aber auf dem Touristenradweg kann man sich nur schwer verfahren. In Wallhausen ein verspätetes Mittagessen, wo der Koch aus zwei separaten Bestellungen Currywurst im Brötchen (nicht meins) und Pommes Ketchup (meins) eine Currywurst mit Pommes gezaubert hat, woraufhin er von seiner Chefin eins auf den Deckel bekam. Das einzige nicht-alkoholische Getränk war ein alkoholfreies Bier (Rothaus Tannenzäpfle), akzeptabel gegen Durst. Ganz schlimm war aber Everybody von DJ Bobo, das ich die nächsten 30km als Ohrwurm hatte.

Weiter ging’s über den Bodanrück, vorbei an Bodman und zu einer langen Schrankenpause in Ludwigshafen. Ab hier leichter Gegenwind bis Bregenz, aber nicht bemerkenswert. Zwischendurch tauchte in der Ferne der Säntis auf, wenn der Blick auf den See mal frei war. In Meersburg hatte ich grad eine ankommende Fähre erwischt, dementsprechend wurden Menschen- und Fahrzeugmassen auf die Promenade gekippt. Ein deutsches Ehepaar hat sich lauthals beschwert: “vierfuffzich für nen Cappuccino, die spinnen wohl…” Die nächste Pause zu Paulaner Hefeweizen (besser als das Tannenzäpfle in Wallhausen) und Latte Macchiato bei Pias Minigolf. Im Radio lief I’m gonna be (500 Miles), was ich als Tormelodie von Werder Bremen kannte. Losgelegen (abgelegen?) bin ich aber zu Bat out of Hell, was sich als Ohrwurm besser eignet, vor allem weil es fast zehn Minuten lang ist, nur nicht in der Radioversion. Laut Bargespräch soll an Auffahrt die Hölle los gewesen sein, also hatte ich mich richtig entschieden, da nicht zu fahren.

Notiz: ab jetzt immer grosse Getränke. Vor Friedrichshafen kam ich an einem Airbus-Standort vorbei und der Weg durch die Fussgängerzone in FDH war ein Slalom. Zwei Laugenbrötli und ein grosses Stück Rhabarberkuchen plus ein Mezzomix hab ich eingesackt und später kurz vor Langenargen mit Blick nach Westen vertilgt. Lindau war schon in Sicht. In Lindau gab es wieder eine Schranke, an der mir der Eurocity München-Zürich mit Diesel-Doppeltraktion vor der Nase vorbeifuhr. Ich hätte in Lindau also auch in diesen einsteigen können, aber mir war nicht danach. Später hat mich der gleiche Zug, jetzt nach Lokwechsel elektrisch bespannt, links überholt.

Bregenz war auch schon eine Weile sichtbar. Dort war es nochmal randvoll mit Menschen und ich hab ein Clausthaler Alkoholfrei in mich geschüttet. Von den drei Bieren war das noch das beste. Ab Bregenz war’s ziemlich menschen- und veloleer*, die Sonne von vorn hat genervt und die Fliegen noch viel mehr. Die Navigation war jetzt äusserst nützlich, weil die kleinen grünen österreichischen Radwegschilder sehr gut getarnt sind. Vor Rheineck kam der Grenzübergang mit unbesetztem Zoll und dann war der Weg bekannt via Altenrhein (ein Stadler-Tram für Genf!) nach Rorschach, weiter bis Arbon immer am See. Es wurde dunkler, der Weg war leer, ideale Bedingungen (bis auf die Fliegen, hatte natürlich keine ungetönte Schutzbrille dabei).

Meine Routenplanung war noch nicht ganz klar, irgendwo müssten noch 300 Höhenmeter aufwärts nach Wil herkommen. Weil ich keine Lust hatte, am Ende der Tour die Steigung von Zuzwil nach Wil hochzufahren, bin ich nicht auf die 5er-Veloroute abgebogen, sondern wollte via Rossrüti nach Wil reinkommen. Also abbiegen in Egnach, via Hagenwil bis Bürglen, dort scharf links nach Schönholzerswilen und immer aufwärts. Irgendwo war noch eine 14%-Steigung, die ich natürlich nur gefunden hatte, weil das auf der Karte kürzer aussah. Danach musste die noch in der Verpflegung vorhandene Schokostange dran glauben. Ab Wuppenau fast nur noch abwärts, fast genau um Mitternacht daheim.

Statistik:

  • 214km
  • 2000 Höhenmeter
  • 11:30h Fahrzeit, 14h unterwegs
  • 30’000 Lastwechsel pro Knie
  • 1.33l Bier (s.o.), 2l Wasser, 0.5l Mezzomix, 1 Latte Macchiato, 0.7l Isomix, 0.375l Bundaberg Pink Grapefruit
  • 70 Wh Energie mit dem Forumslader erzeugt
  • lustige Ideen entworfen, wie man aus GPS-Tracks der Autovermietung einfache Kennzahlen für Vermietungen generiert

Der Track: Bodenseeumrundung.

*Insider-Nickname-Anagramm 🙂

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