J.B.O., USoB, Lied 1

Die beiden Orchestermessen in der katholischen Kirche St. Nikolaus zu Wil waren doch irgendwie liturgisch anders aufgebaut als die evangelischen, die ich bisher kannte. Trotzdem kamen mir einige Texte bekannt vor, und hinterher fiel mir auch ein, woher: J.B.O., das Glaubensbekenntnis auf dem “United States of Blöedsinn”-Album. Hier der Text dazu: http://www.lyricstime.com/jbo-glaubensbekenntnis-lyrics.html. Wieder mal ein Beispiel, wo Kulturkenntnis eine Satire auf dieselbe Kultur erst so richtig gut macht. Einige Anspielungen von Emil Steinberger kapiere ich auch erst jetzt so richtig, etwa 20 Jahre nach dem vermutlich letzten Hören der Platten.

Appenzeller-Bahnen-Tour mit Abstecher zum Säntis

Heute ging’s auf die volle Runde mit den Appenzeller Bahnen ab Gossau über Herisau, Urnäsch (Abstecher auf den Säntis via Schwägalp), Appenzell und St. Gallen. Die Strecke kannte ich bisher nur mit dem Velo und die wäre auch heute so zu machen gewesen, aber ÖV zu fahren ist auch sehr bequem, nur kriegt man weniger von der Umgebung mit; trotzdem noch mehr als im Auto. Ansonsten lasse ich mal die Bilder für sich sprechen, der Säntis ist ja auch nur für die Schweiz lächerliche 2’502 Meter hoch.

Last.fm — Jango.com

Da Last.fm ab 15. Januar kostenpflichtig wird, bin ich schon mal prophylaktisch auf Jango.com als nebenbei hörbares personalisierbares Streaming-Radio umgestiegen. Zuletzt war last.fm schon ziemlich gut im Herausfinden von sehr guter (d.h. mir gefallender) Musik und ich habe Titel kennen und schätzen gelernt, auf die ich vorher nie gekommen wäre. Tja, jetzt hat last.fm mein komplettes Hörprofil über die letzten fünf Jahre und kann sich da einen Wolf drauf analysieren, ohne dass ich wiederkäme. Wegen Umzug in die Schweiz konnte ich last.fm zuletzt ja sowieso schon nur noch über meinen in Deutschland befindlichen virtuellen Server und einen SSH-Tunnel hören. Jango lässt sich aber auch schon ganz gut an.

Gräfrath(er) Hof und ÖV

Wieder unterwegs in Deutschland, wieder in Solingen, diesmal im Hotel Gräfrather Hof genächtigt. Wenn man von einer der grossen Einfallsstrassen runterfährt und nach Gräfrath reinkommt, fühlt man sich stark in der Zeit versetzt und ist plötzlich nicht mehr in einem Ballungsgebiet, sondern in einem kleinen Dorf, an dessen Marktplatz sich das sehr empfehlenswerte Hotel befindet. Das Klingenmuseum war leider geschlossen, aber vielleicht bietet sich ja die Gelegenheit später wieder. Das Hotelrestaurant und das Frühstück waren jedenfalls klasse.

Und: ich kann zwar Auto/Mietwagen selbst fahren, aber es zeigt sich immer wieder, dass es die nervigste, unbequemste und anstrengendste Art der Fortbewegung ist. Ich bin halt ein überzeugter ÖV-Velo-und-Füsse-Nutzer. Nur Fähre ist noch komfortabler als Nachtzug, nur die Fähre fährt halt nicht überall. Flugzeug ist in den letzten Jahren fast ausschliesslich berufsbedingt gewesen.

Kleine Radtour nach Degersheim

Nach einem unwirklich wirkenden langen Ausschlafen kam es mir in den Sinn, mal zu erkunden, wo wir denn am Dreikönigstag unser Konzert stattfinden lassen, also führte mich der Weg bei anfänglich strömendem Regen nach Degersheim und hinterher über Ganterschwil und Jonschwil wieder zurück nach Uzwil (siehe GPS-Log auf gpsies.com). Die Fahrt hatte auch noch den Nutzen, meine Spikereifen auf Asphalt einzufahren, wie es Schwalbe empfiehlt. Schlussendlich konnte ich noch mein Smartphone-Navi probefahren: Smartphone hinten wasserdicht in der Tasche, Bluetooth-Headset im Ohr und einfach den Anweisungen der künstlichen Intelligenz gefolgt, die mich zu einem eingegebenen Zielpunkt führte. Es begann gleich mit “Wenn möglich, bitte wenden.” und da ich Wanderwege nicht ausgeschlossen hatte, versuchte mich die Stimme im Ohr immer wieder über den Eppenberg zu führen, was ich aber wegen der Schneemengen und der Steigungen dort hoch (und vor allem wieder runter) eher nicht wollte. Alles in allem hat aber OSMand ausgezeichnet funktioniert, mit frei verfügbarem Kartenmaterial und auch ansonsten kostenlos (aber nicht umsonst).

So richtiges Fotowetter war heute sowieso nicht, aber die Kirche in Degersheim habe ich zumindest gesehen, während ich pausierte. Leider war ich dann danach doch ziemlich ausgekühlt, so dass das permanente Gefälle ab Degersheim Richtung Westen nicht gerade half, wieder warm zu werden. Aber einige Steigungen gab es später dann doch noch zu bewältigen, so dass ich wieder warm wurde. Den beginnenden Hungerast konnte ich durch meine Ankunft zu Hause gleich absägen und vermutlich auch den Kalorien- und Wärmebedarf durch Essen in der Badewanne überkompensieren. Sehr schöne Tour, und dadurch, dass sonst kaum Velofahrer unterwegs waren, haben die wenigen, die doch unterwegs waren, sich angegrinst und gegrüsst. Gut, vielleicht haben sie mich in der kurzen Hose bei 2°C auch nur mit einem müden Lächeln bedacht, aber das ist mir ziemlich egal.

Schwarze Schafe mit und ohne Glocken

Ich hab noch nie eingesehen, warum man die NPD verbieten sollte. Die ist in Deutschland überhaupt kein Problem, das dringlich zu lösen wäre. Deren Parlamentarier, so sie denn in einem Parlament sitzen, demontieren sich jeweils selbst, da muss man nicht mal viel dagegen tun. Verfassungsfeindlich ist sie sowieso, aber gerade das hält doch eine Demokratie aus. Immerhin sitze ich jetzt ausserhalb des Tellerrands, über den ziemlich viele deutsche Medien in diesem Fall nicht schauen, und da kommt mir doch der NZZ-Artikel vom 05.12. dazu gerade recht: Deutschland misstraut sich, besser kann man es nicht ausdrücken. In dieselbe Kerbe schlug heute der Artikel von Ulrich Schmid: Neonazis spalten Bund und Länder.

Ich finde, mit einem schwarzen Schaf unter vielen anderen auch nicht ganz weissen Schafen in der deutschen Parteienlandschaft kann man sehr gut leben. Momentan haben die auch noch alle laut bömmelnde Glocken um. Wenn man jetzt dem einen schwarzen Schaf durch ein Verbot die Glocke abnähme, dann wüsste man nicht mehr, wo es ist und hätte viel mehr Mühe, aufzupassen, dass daraus nicht mal ein Wolf wird.

Jaja, der Logarithmus und die Inflation

Gerade las ich in der NZZ, dass die US-Notenbank vorübergehend einen halben Prozentpunkt mehr Inflation zulassen möchte, also dass nicht mehr 2% Inflation als Preisstabilität gelten sollen, sondern 2,5% als solche. Die können schon ziemlich gut rechnen beim Fed, denn mit nur einem halben Prozentpunkt mehr an zugelassener Inflation verkürzt sich die Dauer bis zur Halbierung des Wertes der Staatsschulden (Entwertung durch Inflation) gleich mal um sieben Jahre (von 35 auf 28 Jahre). Wenn man in der Zeit dann noch nur 1,5% Zinsen aufs Ersparte bekommt, wird das auch noch zusätzlich im Wert reduziert, ohne dass man es aktiv und schmerzhaft bemerkt. Geld selbst hat ja eh keinen Wert, wenn man dafür nichts kaufen kann, aber so ein kleines bisschen Logarithmus und Zinseszinsrechnung macht schon einige Wirtschaftsmeldungen verständlicher.

Passenderweise haben auch die deutschen Grünen und die SPD gerade den Gesetzentwurf der Regierung zur Entlastung der Steuerzahler von der kalten Progression abgelehnt, so dass der Einkommensteuertarif nicht wenigstens etwas der Inflation nachgeführt wird (um automatische Nachführung ging es ja sowieso nicht). D.h. da gibt’s dann den nächsten kleinen schleichenden Zahlbetrag für die Staatsschulden, wenn von nominellen Lohnerhöhungen nach Abzug von durch die Progression steigender Steuerlast und Inflation am Ende zwar laut Zahl mehr übrig bleibt, aber laut Kaufkraft weniger. Das Beste ist halt, dass sich das alles über Jahre oder Jahrzehnte hinzieht und man davon fast nichts merken wird. Da sind doch durchaus mehr clevere Rechner in den Parteien als erwartet, ob mit oder ohne Wahlkampf im Nacken.

Winterpneus

Es hat mich in letzter Zeit doch genervt, wegen dem Schneetreiben und den doch teilweise unvorhersehbar glatten Strassen nicht mit dem Velo ins Büro fahren zu können. Aber wie auch in den letzten Wintern schon, habe ich es endlich geschafft, die Spikereifen zu montieren, damit ich auch (bevorzugt) bei Eis fahren kann. Bei den Fahrradständern parkiert auch kaum noch jemand, nur noch ein paar ganz Harte, die sogar noch bei den Schneemengen hier mit der Vespa kommen.

Spikereifen, Detailaufnahme
Spikereifen, Detailaufnahme
Die hier noch jungfräulichen Spikes sehen nach mehreren tausend Kilometern nicht wesentlich anders aus, vielleicht höchstens etwas runder, aber ohne dass mir persönlich die Griffigkeit zum Fahren auf Eis fehlen würde. Jetzt kann ich endlich wieder dort fahren, wo andere Leute nicht mal mehr laufen können. Für Tiefschnee kann ich noch ein bisschen Druck ablassen, da helfen eigentlich dicke Stollen besser als Spikes.